Tot. Der dunkle Turm 3 (Taschenbuch) / Stephen King Testbericht

Heyne-verlag-muenchen-tot-der-dunkle-turm-3-taschenbuch
ab 12,68
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004

5 Sterne
(3)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Astarte

Kann ein Zug Selbstmord begehen?

Pro:

Sehr spannend; fantasiereich; viele verschiedene Wendungen

Kontra:

eigentlich... nichts

Empfehlung:

Ja

Als ich „tot“ – Band drei von Stephen Kings monumentaler Turm-Saga zur Hand nahm, war ich von Roland und seiner Welt schon derart eingenommen, dass mein Alltag dahinter regelrecht verschwand. Ich hatte mich eingereiht in die Suche nach dem Mysterium des Turms und wollte ihn zusammen mit dem Revolvermann und seinem Katet – eine vom Schicksal zusammengeführte Gruppe von Menschen, die zusammen ein Ziel verfolge – erreichen.

Das Buch beginnt erneut mit der Einleitung „über Dinge, die neunzehn sind“ – eine mehr als schicksalhafte Zahl, die das Katet bis zum Ende in mannigfaltiger Art und Weise begleiten, inspirieren und beeinflussen soll, sowie einer Zusammenfassung der vorangegangenen zwei Bände. Diese ist besonders hilfreich, wenn ein zeitlicher Abstand zwischen der Lektüre des ersten und zweiten Bandes besteht, denn der Leser wird optimal auf die Geschichte wieder eingestimmt. Allerdings möchte ich noch einmal betonen, dass man nicht mit „tot“ beginnen sollte, wenn die ersten beiden Bände nicht bekannt sind, zu viele Details und sich auftuende Geheimnisse würden dem Leser verborgen bleiben, was erstens in einem vermindertem Lesegenuss resultiert und zweitens dem Epos nicht im Geringsten gerecht würde.

Der dritte Teil beginnt mit dem Paradox, an welchem der zweite endete: Hier hatte Roland der vermeintlich dritten Mann aus seinem Katet namens Mort daran gehindert, den Jungen Jack – der in Band 1 in den Bergen stirbt in New York zu töten, wodurch Mort unter die U-Bahn gerät, welche Susannah, bzw. Odetta (die Frau im Bunde) die Beine abgetrennt hatte.

Damit hat Roland stark in das Schicksal – oder „Ka“ in der hohen Sprache seiner Welt – eingegriffen, doch er glaubt, mit Eddie und Susannah schon seine drei prophezeiten Begleiter nach Mittwelt (Rolands Welt) gezogen zu haben, da letztere schizophren ist und sich aus Detta und Odetta zusammensetzt. Doch unser Revolvermann weiß, dass er die Zeit in einer Weise beeinflusst hat, die ihm nun zu schaffen macht, denn er wird heimgesucht von Jake, welcher in seiner Welt dem Wahnsinn nahe steht, weil er nicht mehr sicher ist, ob er tot ist oder lebendig. Dieser geistigen Verwirrung obliegt nun auch Roland und schon bald kann er seinen Zustand auch vor Eddie und Susannah nicht mehr vollends verbergen.

Roland und seine zwei Anhänger treffen auf einen gewaltigen Bären, welcher sich als Cyborg herausstellt und offensichtlich von den großen Alten geschaffen wurde, bevor die Welt sich weitergedreht hat. Nachdem sie den aggressiven Roboter, es sollen noch mehr dieser Art erscheinen, unter Lebensgefahr getötet, bzw. unschädlich gemacht haben – sehr amüsant hier wie der Bär noch etliche Stunden mit brachialer Stimmgewalt verkündet, wie viele Stunden noch verblieben, bis er letztendlich abgeschaltet würde – geraten sie anhand der vom Cyborg hinterlassenen Spuren auf den Pfad des Balkens.

Hier erfahren wir auch endlich etwas mehr über den Turm; es existieren genau sechs gleich gebaute Balken, welche zwischen 12 Portalen verlaufen – diese wiederum repräsentieren die Ränder von Mittwelt. Der Lange, Alte und Hässliche, wie Roland kumpanenhaft von den Anderen genannt wird, ist sich überdies sicher, dass der Turm an eben der Stelle liegt, wo die Balken sich kreuzen, nichts einfacher also, als diesem zu folgen, oder??

Susannah sind mittlerweile ein Paar und lassen sich von Roland zu ebenbürtigen Revolvermännern ausbilden. Sie haben sich mit seiner Welt angefreundet, in der sie endlich – entgegen der vermeintlich realen Welt – einen Sinn gefunden haben und folgen Roland gerne.

Doch das von Roland ins Leben gerufene Zeitparadox muss schleunigst beendet werden. Und das geschieht in einem sprechenden Ring, wo der wahre Dritte – nämlich Jake, letztendlich nach Mittwelt gezogen wird. Das entsprechende Ritual fordert allen ihre gesamte Kraft ab, und ein ominöser Schlüssel, welcher von Eddie geschnitzt werden muss, hat eine große Rolle, doch schließlich ist das Katet vereint. Hier kommt auch endlich der süße Billy-Bumbler ins Spiel, eine liebevolle Mischung aus Dachs, Waschbär und Hund mit einer geringen Sprechfähigkeit und Jake und „Oy“ werden dicke Freunde.

Zusammen gelangen sie nach Lud, einer Wüstenstadt, in der seit scheinbar endloser Zeit ein Konflikt zwischen zwei Splitterparteien, den Pubes und den Grauen, besteht. Hier erfährt das Katet von der Monorail, einer Einschienenbahn, welche angeblich noch immer auf dem Pfad des Balkens in die Richtung des Dunklen Turms fährt. Jake erinnert sich bei dieser Gelegenheit an ein Buch, welches er neben einem Rätselbuch in New York gekauft hatte, bevor er nach Mittwelt gezogen wurde. Dies ist ein Kinderbuch über einen Zug mit dem scheinbar amüsanten Namen „Charlie Tschuff Tschuff“. Was Roland daran so erschreckt? In der alten Sprache seiner Welt heißt „Char“ nichts anderes als Tod.

Auf ihrem weiteren Weg finden die nunmehr fünf Gefährten ein abgestürztes Kriegsflugzeug aus unserer Welt. Am Steuer sitzt nach Meinung des Katet der Leichnam des Renegatenprinzen David Quick.

Durch einen gefährlichen Unfall abgelenkt, wird Jake von einem gewissen „Gasher“ entführt, der Jake ins unterirdische Reich des Ticktackmanns bringt, welcher sich schließlich als Urenkel des toten Piloten David Quicks entpuppt. Roland beschließt, zusammen mit Oy nach Jake zu suchen. Es gelingt ihm, Jake nach einer blutigen Schlacht zu retten. Er ist sicher, dass der Ticktackmann nicht mehr lebt, soll sich aber täuschen. Andrew Quick bekommt Hilfe vom „zeitlosen Fremden“, ein Dämon, der Roland ebenfalls schon heimgesucht hatte.

Eddie und Susannah entdecken unterdessen Blaine den Mono und erkennen in ihm das oberirdische Übrigbleibsel eines gigantischen Computernetzwerks unter Luds Erdenreich. Blaine scheint eine Art maschinistischer Psychose entwickelt zu haben, mit der er seine absolute Überlegenheit demonstrieren will: Er ist besessen von Rätseln. Er schlägt dem Katet einen Handel vor: wenn sie es schaffen, ein von ihm gestelltes Rätsel zu lösen, so würde er die Reisenden zur Endstation der Bahn, und somit ein gutes Stück dem Turm entgegen, bringen. Doch haben Roland und seine Freunde eine Wahl? Nein, denn wenn sie versagen, hätte er eine höllische Menge Nervengas in petto. Können die Gefährten das Rätsel lösen? Welche Rolle spielt Detta, die Schlampe in Susannah, dabei? Kann ein Zug Selbstmord begehen?

Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, ich hoffe, das ich nicht ohnehin schon zu viel preisgegeben habe, was das betrifft, bin ich immer ein wenig unsicher…. Was ich aber unbedingt noch erwähnen möchte ist, dass „tot“ an einer wirklich fiesen Stelle endet, wo alles und nichts passieren kann, sozusagen mitten im Höhepunkt. Ich für meinen Teil war darüber ziemlich erbost, so mitten im Regen stehen gelassen zu werden und kaufte mir trotz eines gewissen inneren Widerstandes schon bald den vierten Teil – „Glas“. Doch dazu in mehr oder minder nahe liegender Zukunft.

Alles in allem 750 Seiten voll gepackt mit Spannung, Humor, Science-Fiction, Fantasy, Romantik und – was ja bei King nicht fehlen darf – allerlei Obskuritäten. Wahrhaftig, der Turm ist Kings Meisterwerk, beinhaltet gewissermaßen alle seine vorangegangenen Werke und steht dem Herrn der Ringe in nichts nach, wie nicht nur Fans, sondern auch viele Kritiker behaupten.
…………………………………………………………………………………………………………..

Zum Schluss noch eine kleine Leseprobe:
Roland konnte den Ruf trotz der Doppeltür leise hören – Oy, nein! -, und seine Hoffnung verflog. Er wartete darauf, dass sich das Handrad drehen würde, aber es blieb reglos. Er schloss die Augen und sendete mit aller Kraft: Die Tür, Jake! Mach die Tür auf.
Er nahm keine Antwort wahr, und auf einmal waren die Bilder fort. Seine von Anfang an schlechte Verbindung mit Jake war nun vollends abgerissen.
…………………………………………………………………………………………………
Stephen King, geboren 1947 in Maine, konnte mit einer Auflage von weit über 100 Millionen seinen Erfolg weltweit verbuchen. Sein Durchbruch gelang ihm 1973 mit Carrie. Der Turm ist sein finales Werk, King begibt sich damit zur wohlverdienten Ruhe. Schade!
Das Buch ist erschienen im Heyne Verlag, ISBN: 3453875575, und ist als Taschenbuch für € 8,95 zu haben bzw. als Hardcover für 14,90,- Erhältlich in jedem Buchhandel oder online.
…………………………………………………………………………………………………..

23 Bewertungen, 2 Kommentare

  • morla

    15.11.2006, 00:10 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • Sommergirl

    28.09.2006, 14:06 Uhr von Sommergirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    schon viel besser, Du magst anscheinend King, momentan bin ich Fan der Serie Dead Zone die auf einem Buch von ihm basiert