Friedhof der Kuscheltiere (gebundene Ausgabe) / Stephen King Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von MarkOh
Bigger, Better, Stephen King!
Pro:
*Grusel*
Kontra:
teilweise langsam
Empfehlung:
Ja
Was macht man an einem solch sonnigen Tag, außer Berichte für Yopi zu schreiben? Ganz klar: Man legt sich in den Garten, bräunt und liest dabei ein spannendes Buch! Hierfür hab ich heute einen etwas älteren, aber keineswegs schlechten Tipp: Den Kuscheltierfriedhof von Stephen King!
Alles fing für mich an, als ein Klassenkamerad mir ein paar Stephen-King Bücher empfahl. Darunter auch der Kuscheltierfriedhof. Den hab ich mir, des interessanten Namens wegen, der ja schon unglaublich schrecklich klingt, bei Ebay gekauft, und das für nur einen Euro, tja, das ist der Vorteil von alten Büchern. Die Gebrauchsspuren am Taschenbuch mit demselben Cover wie oben zu sehen, machten mir nix, und so find ich gleich an, die rund 450 Seiten zu lesen. Für den Anfang eine kleine Leseprobe und damit gleich einen Nichtfakebeweis:
Louis Creed, der als Dreijähriger seinen Vater verloren und seinen Großvater nie gekannt hatte, wäre niemals auf den Gedanken gekommen, in seinen mittleren Jahren seinen Vater zu finden, aber genau das geschah – auch wenn er diesen Mann seinen Freund nannte, was ein Erwachsener im Allgemeinen tun musste, wenn er den Mann, der eigentlich sein Vater sein sollte, relativ spät im Leben findet. Er begegnet diesem Mann an dem Abend, an dem er, seine Frau und seine Kinder in das große, weiße, holzverschalte Haus in Ludlow einzogen. Mit ihnen zog Winston Churchill ein. Church war der Kater seiner Tochter Ellie.
Man sieht, dass Stephen die Einleitung möglichst kurz gestalten wollte, und dadurch findet sich hier auch noch nicht viel Spannung, und alles geht sehr schnell: Wir sehen eine Familie, die in ein Haus in Ludlow zog, wobei Louis Creed, die Hauptperson, seinen Nachbarn kennenlernt, der seine Tochter verarztet, die sich verletzt hat. Er findet ihn sehr nett, ob er wirklich sein Vater ist, stellt sich aber nicht heraus. Jedenfalls geht alles damit los, dass dieser Nachbar der Familie einen Pfad zeigt, der besonders die Tochter interessieren sollte, denn es ist für die Kinder hier Gewohnheit, ihre Tiere auf einem Tierfriedhof zu begraben, und dieser Pfad führt dorthin.
Nun, das hört sich noch nicht wirklich schlimm an. Jedoch scheint Louis Frau Rachel etwas dagegen zu haben, Ellie diesen Friedhof zu zeigen, weil sie Alpträume kriegen könnte. Diese Angst ist eigentlich etwas völlig normales bei Eltern, aber bei ihr ist es doch sehr extrem und stößt auf Widerstand bei Louis, der sich als Kind vorgenommen hat, seine Kinder nicht zu belügen, wie es seine Mutter mit ihm bezüglich Themen wie „Sex“ getan hatte. So will er auch seiner Tochter nicht die Wahrheit zum Thema „Tod vorenthalten“ und sie liebevoll aufklären, wie es Väter mit ihren Kindern tun. Eine liebe Absicht, aus der jedoch schnell ein Familienstreit entsteht. Louis ist verwundert über seine Frau, die sich zum Thema „Tod“ sehr merkwürdig verhält.
Umso geschockter ist, als plötzlich der Kater auf der geheimnisvollen Route 15, auf der Laster bis zum geht nicht mehr verkehren, stirbt. Dabei ist er gerade aus diesem Grunde kastriert werden und sollte eigentlich nicht freiwillig so weit laufen. Louis merkt, dass da eine seltsame Macht im Spiel ist.. Genauso „zufällig“ ist auch die restliche Familie gerade nicht da, die für den Thanksgivingday bei Louis Schwiegereltern ist, die er jedoch nicht ausstehen kann und so konnte er nicht mitkommen. Für ihn ist es schrecklich, denn seine Tochter hing sehr an dem Tier und würde sofort fragen, was geschehen sei, wodurch der Streit mit seiner Frau wieder ausgegraben würde. Sein Nachbar glaubt, zu wissen, was die Hauptperson Louis mit dieser Katze tun soll.
Hierzu auch ein gekürztes Zitat im Gespräch mit Nachbar Jud:
„Was werden sie jetzt mit ihm machen?“ fragte Jud.
„Ich werde ihn wohl in die Garage bringen.“ Sagte Louis.
„Und ihn dann morgen früh begraben.“
„Auf dem Tierfriedhof?
Louis zuckte die Achseln. „Vermutlich.“
„Wollen sie es ihrer Tochter sagen?“
„Ich – ich muss mir das noch eine Weile überlegen.“
Jud schwieg ein paar Sekunden, dann schien er zu einem Entschluss gekommen zu sein. “Warten sie hier ein paar Minuten, Louis.“
(...)
Nachdem sich die Tür hinter Jud geschlossen hatte, hob Louis das Gesicht in den Wind; der Müllbeutel mit dem toten Kater darin flatterte zwischen seinen Füßen.
Zufrieden.
Ja, das war er. Zum ersten Mal, dass sie nach Maine umgezogen waren, hatte er das Gefühl, am rechten Ort zu sein – zu Hause zu sein. Wie er so dastand im letzten Licht des Tages, kurz vor Anbruch des Winters, fühlte er sich unglücklich und dennoch auf ganz merkwürdige Weise heiter und seltsam vollständig – vollständig auf eine art, die er, soweit er sich erinnern konnte, seit seiner Kindheit nicht mehr empfunden hatte.
Irgendetwas wird hier geschehen, mein Sohn. Und zwar etwas sehr Eigenartiges.
(...)
Dann flackerte ein Licht auf Juds Veranda, bewegte sich auf und nieder, näherte sich der Verandatür und kam die Treppe herab. Es war Jud mit einer starken Taschenlampe.
(...)
Er reichte Louis eine Schaufel, die er in seine freie Hand nahm.
„Jud, was zum Kuckuck haben sie vor? Heute Abend können wir ihn nicht mehr begraben.“
„Doch, das können wir! Und das werden wir auch!“ Juds Gesicht war hinter dem hellen Licht der Taschenlampe unkenntlich.
„Jud, es ist dunkel. Und spät. Und kalt...“
„Kommen sie.“ Sagte Jud. „Bringen wir es hinter uns.“
Louis schüttelte den Kopf und wollte es nochmals versuchen, aber es fiel ihm schwer, Worte zu finden – Worte, der Erklärung und der Vernunft. Sie schienen so bedeutungslos angesichts des dumpfheulenden Windes, der in der Schwärze aufkeimenden Sonne.
„Wenn wir bis morgen warten, sehen wir wenigstens...“
„Liebt sie den Kater?“
„Ja, aber..“
Juds Stimme, leise und irgendwie logisch: „Und sie lieben sie?“
„Natürlich liebe ich sie. Sie ist meine...“
„Dann kommen sie mit.“
Louis kam mit.
Dies ist ein sehr merkwürdiger Moment, in dem auch der Leser diese merkwürdige Macht zu spüren bekommt, die das von der Hauptperson Besitz ergreift – Denn welcher normale Mensch wäre diesem anscheinend wirren alten Menschen in der Nacht mit einem Leichnam zum Tierfriedhof gefolgt, auf seine merkwürdigen Fragen hin? Aber Louis scheint nicht mehr richtig denken zu können, er wird von dieser Macht, die der Friedhof hat, gelenkt! Als einzige Manko kann man eigentlich nur bemängeln, dass die Story hier und auch an anderen Stellen voraussehbar ist, denn allem Anschein nach glaub Jud, dass die Katze dadurch auferstehen würde. Doch so ist das nunmal in Horrorgeschichten..
Jedenfalls ist der Schreibstil hier im Gegensatz zum Anfang spannender, und irgendwie kommt ein sehr düsteres Gefühl auf, weil Louis gar nicht´weiß, was mit ihm passiert und es trotzdem über sich ergehen lässt
Es wird spannend, als die beiden am Tierfriedhof ankommen und der Nachbar nach einer kurzen Verschnaufspause der Meinung ist, „nun könne es weitergehen“ und über ein wackliges Gebilde aus aufgestapelten Totholz hinwegsteigt, als würde er auf eine Treppe steigen, und nicht stürzt. Louis, verwundert, dass die Reise noch weiter geht, tut es ihm gleich. „Man muss den Weg schnell und ohne Zaudern gehen.“ So folgt ihm Louis, und sieht, dass der Pfad dahinter weitergeht. Er folgt Jud über ein Moor voller merkwürdiger Stimmen und Irrlichter, und gelangt über eine Treppe an einen zweiteren, viel größeren Friedhof. Von ihm scheint die geheimnisvolle Macht auszugehen, die sowohl Louis, als auch Jud und überhaupt das ganze Geschehen manipuliert, wie sich später herausstellt – so auch den Tod des Katers.
Auf der einen Seite handelt es sich also um ein Horrorbuch, allerdings hat Stephen auch mit aller Mühe versucht, das Bild einer heilen Familie weiterzuleiten, die langsam durch die Macht des Friedhofs zerstört wird. Dazu möchte ich noch ein drittes und letztes Textbeispiel angeben, welches ein Telefongespräch am Tag nach dem Begräbnis des Katers behandelt, in dem Louis um die Wahrheit herumzureden versucht:
„Hi“ sagte Rachel, „habe ich dich geweckt? Ich hoffe es.!
„Du hast mich geweckt, du Biest.“ Sagte er lächelnd.
„Was für unfreundliche Worte am Morgen, du böser alter Bär.“ Sagte sie. „Ich habe gestern abend schon versucht, dich anzurufen. Warst du drüben bei Jud?“
Er zögerte nur den Bruchteil einer Sekunde.
„Ja“ sagte er. „Wir haben ein paar Bier getrunken. (..) Ich dachte daran, dich anzurufen, aber – du weißt ja, wie das geht.“
Sie unterhielten sich eine Weile. Rachel erzählte von ihren Eltern, worauf er gerne verzichtet hätte, obwohl ihm die Neuigkeit, dass sich die kahle Stelle auf dem Kopf ihres Vaters jetzt schneller zu vergrößtern schien, eine Spur niederträchtiger Genugtuung bereitete.
„Möchtest du mit Gage (sein Baby) sprechen?
Louis grinste. „Ja, lass ihn ran.“sagte er. „Aber pass auf, dass er nicht wieder den Hörer auflegt wie beim letzten Mal.“
(...)
Endlich sagte Gage: „Hi Day-iii.“
„Hi Gage“ sagte Louis fröhlich. „Wie geht es dir? Was hast du angestellt? Hast du Grandpas Pfeifenständer wieder umgeworfen? Ich hoffe es. Vielleicht kannst du diesmal sogar seine Briefmarkensammlung durcheinanderbringen.“
Gage plapperte ungefähr dreißig Sekunden lang vor sich hin und streute dabeiin sein Kollern und Grunzen ein paar erkennbare Worte aus seinem wachsenden Vokabular ein – Mommy, Ellie, Grandma, Grandpa, Auto, Laster und Scheiße.
Endlich nahm Rachel Gage den Hörer aus der Hand, worauf er mit Protestgeschrei reagierte (...)
„Und, wie geht es dir?“ fragte Rachel.
„Danke, gut“ sagte Louis, jetzt ohne jedes Zögern – aber im Bewusstsein, eine Linie überschritten zu haben, als Rachel ihn gefragt hatte, ob er am vergangenen Abend zu Jud hinübergegangen wäre (..) In Gedanken hörte er plötzlich Jud sagen: Der Acker im Herzen eines annes ist steiniger, Louis... Ein Mann bestellt ihn und lässt darauf wachsen, was er kann. „Ein bisschen öde, wenn du es genau wissen willst. Du fehlst mir.“
(...)
„Kann ich Daddy sprechen?“ Das war Ellies Stimme im Hintergrund.
(...)
Er dachte tatsächlich, er käme davon – zumindest an diesem Morgen, und wollEllie gerade sagen, sie solle ihre Mutter noch einmal heranlassen, als Ellie fragte: „Wie geht es Church, meinem Kater? Vermisst er mich?
Das Lächeln verschwand von Louis’ Mund, aber er antwortete sofort und genau im richtigen Ton ungezwungener Beiläufigkeit: „Gut, denke ich. Gestern abend habe ich ihm den Rest Schmorbraten gegeben und dann vor die Tür gesetzt. Heute morgen habe ich ihn noch nicht gesehen, aber ich bin eben erst aufgewacht.
(Bei Gott, er hötte einen großartigen Mörder abgegeben (...))
„Gib ihm einen Kuss von mir.“
„Gitt, küss deinen Kater gefälligst selbst!“ sagte Louis, und Ellie kicherte.
(...)
.., und dann legte Louis auf. „Das war es“ sagte er zu dem leeren Zimmer, und das schlimmste war vielleicht, dass er sich nicht schlecht vorkam und keine Spur von Schuldbewusstsein empfand.
So entwickelt sich Louis zu einem Lügner, der im Handeln jedoch eher wie eine Spielfigur funktioniert. Der Kater kehrt nach zwei Tagen wieder, und zu seinem Erstaunen ist Louis kein bisschen erstaunt oder gar erschrocken. Jedoch stellt er schon schnell fest, dass es nicht mehr der Kater ist, den er kannte, er hatte sich verwandelt in etwas, das nicht mehr den Anmut einer Katze hatte und auf eine merkwürdige Art böse schien – doch in Wahrheit wartete der Kater nur auf das nächste Geschehnis, welches durch die Macht des Friedhofes schon bald eintreten sollte: Gage, Louis Sohn, starb: Er hatte das Spiel „Den Eltern davonlaufen“ entdeckt und wurde von einem viel zu schnell fahrenden Laster überfahren. Der Fahrer versuchte später, Selbstmord zu begehen und sagte der Presse, er hätte das Gefühl gehabt, mehr Gas geben zu müssen. Damit ist natürlich klar, dass die Macht des Friedhofes auch auf ihn gewirkt hatte.
Louis ist entsetzlich traurig, was ja auch völlig normal ist. Doch in seinem Kopf spukt ein Gedanke, der so schrecklich ist, dass er ihn für sich behält und....
Doch halt, ich will nicht zuviel verraten! Lies das Buch lieber selbst :)
Jedenfalls hat mich das Buch absolut in seinen Bann gezogen, auch wenn die ein oder andere Stelle zu lang geworden ist, zum Beispiel dann, wenn Jud Louis Geschichten über den unheimlichen Begräbnisplatz erzählt. Dennoch jagte mir am Ende schon ein leichter Schauer den Rücken runter, denn natürlich gibt es kein gutes Ende, obwohl man bis zum Ende darauf hofft. Aber enttäuschend ist es nicht, so ist eben Horror!
Ich kann den Schmöker, den man für einen Euro benutzt bei Ebay bekommt, nur empfehlen, er ist als Einsteigerbuch von Stephen wirklich super! Allerdings sollte man sich viel Zeit nehmen...
Mein Dank geht an alle Sommerleseratten, die es auch geschafft haben, den Bericht komplett zu lesen, und viel Spaß noch beim Bewerten und Kommentieren!
Diesen Bericht habe ich auch schon auf Ciao! veröffentlicht :)
Alles fing für mich an, als ein Klassenkamerad mir ein paar Stephen-King Bücher empfahl. Darunter auch der Kuscheltierfriedhof. Den hab ich mir, des interessanten Namens wegen, der ja schon unglaublich schrecklich klingt, bei Ebay gekauft, und das für nur einen Euro, tja, das ist der Vorteil von alten Büchern. Die Gebrauchsspuren am Taschenbuch mit demselben Cover wie oben zu sehen, machten mir nix, und so find ich gleich an, die rund 450 Seiten zu lesen. Für den Anfang eine kleine Leseprobe und damit gleich einen Nichtfakebeweis:
Louis Creed, der als Dreijähriger seinen Vater verloren und seinen Großvater nie gekannt hatte, wäre niemals auf den Gedanken gekommen, in seinen mittleren Jahren seinen Vater zu finden, aber genau das geschah – auch wenn er diesen Mann seinen Freund nannte, was ein Erwachsener im Allgemeinen tun musste, wenn er den Mann, der eigentlich sein Vater sein sollte, relativ spät im Leben findet. Er begegnet diesem Mann an dem Abend, an dem er, seine Frau und seine Kinder in das große, weiße, holzverschalte Haus in Ludlow einzogen. Mit ihnen zog Winston Churchill ein. Church war der Kater seiner Tochter Ellie.
Man sieht, dass Stephen die Einleitung möglichst kurz gestalten wollte, und dadurch findet sich hier auch noch nicht viel Spannung, und alles geht sehr schnell: Wir sehen eine Familie, die in ein Haus in Ludlow zog, wobei Louis Creed, die Hauptperson, seinen Nachbarn kennenlernt, der seine Tochter verarztet, die sich verletzt hat. Er findet ihn sehr nett, ob er wirklich sein Vater ist, stellt sich aber nicht heraus. Jedenfalls geht alles damit los, dass dieser Nachbar der Familie einen Pfad zeigt, der besonders die Tochter interessieren sollte, denn es ist für die Kinder hier Gewohnheit, ihre Tiere auf einem Tierfriedhof zu begraben, und dieser Pfad führt dorthin.
Nun, das hört sich noch nicht wirklich schlimm an. Jedoch scheint Louis Frau Rachel etwas dagegen zu haben, Ellie diesen Friedhof zu zeigen, weil sie Alpträume kriegen könnte. Diese Angst ist eigentlich etwas völlig normales bei Eltern, aber bei ihr ist es doch sehr extrem und stößt auf Widerstand bei Louis, der sich als Kind vorgenommen hat, seine Kinder nicht zu belügen, wie es seine Mutter mit ihm bezüglich Themen wie „Sex“ getan hatte. So will er auch seiner Tochter nicht die Wahrheit zum Thema „Tod vorenthalten“ und sie liebevoll aufklären, wie es Väter mit ihren Kindern tun. Eine liebe Absicht, aus der jedoch schnell ein Familienstreit entsteht. Louis ist verwundert über seine Frau, die sich zum Thema „Tod“ sehr merkwürdig verhält.
Umso geschockter ist, als plötzlich der Kater auf der geheimnisvollen Route 15, auf der Laster bis zum geht nicht mehr verkehren, stirbt. Dabei ist er gerade aus diesem Grunde kastriert werden und sollte eigentlich nicht freiwillig so weit laufen. Louis merkt, dass da eine seltsame Macht im Spiel ist.. Genauso „zufällig“ ist auch die restliche Familie gerade nicht da, die für den Thanksgivingday bei Louis Schwiegereltern ist, die er jedoch nicht ausstehen kann und so konnte er nicht mitkommen. Für ihn ist es schrecklich, denn seine Tochter hing sehr an dem Tier und würde sofort fragen, was geschehen sei, wodurch der Streit mit seiner Frau wieder ausgegraben würde. Sein Nachbar glaubt, zu wissen, was die Hauptperson Louis mit dieser Katze tun soll.
Hierzu auch ein gekürztes Zitat im Gespräch mit Nachbar Jud:
„Was werden sie jetzt mit ihm machen?“ fragte Jud.
„Ich werde ihn wohl in die Garage bringen.“ Sagte Louis.
„Und ihn dann morgen früh begraben.“
„Auf dem Tierfriedhof?
Louis zuckte die Achseln. „Vermutlich.“
„Wollen sie es ihrer Tochter sagen?“
„Ich – ich muss mir das noch eine Weile überlegen.“
Jud schwieg ein paar Sekunden, dann schien er zu einem Entschluss gekommen zu sein. “Warten sie hier ein paar Minuten, Louis.“
(...)
Nachdem sich die Tür hinter Jud geschlossen hatte, hob Louis das Gesicht in den Wind; der Müllbeutel mit dem toten Kater darin flatterte zwischen seinen Füßen.
Zufrieden.
Ja, das war er. Zum ersten Mal, dass sie nach Maine umgezogen waren, hatte er das Gefühl, am rechten Ort zu sein – zu Hause zu sein. Wie er so dastand im letzten Licht des Tages, kurz vor Anbruch des Winters, fühlte er sich unglücklich und dennoch auf ganz merkwürdige Weise heiter und seltsam vollständig – vollständig auf eine art, die er, soweit er sich erinnern konnte, seit seiner Kindheit nicht mehr empfunden hatte.
Irgendetwas wird hier geschehen, mein Sohn. Und zwar etwas sehr Eigenartiges.
(...)
Dann flackerte ein Licht auf Juds Veranda, bewegte sich auf und nieder, näherte sich der Verandatür und kam die Treppe herab. Es war Jud mit einer starken Taschenlampe.
(...)
Er reichte Louis eine Schaufel, die er in seine freie Hand nahm.
„Jud, was zum Kuckuck haben sie vor? Heute Abend können wir ihn nicht mehr begraben.“
„Doch, das können wir! Und das werden wir auch!“ Juds Gesicht war hinter dem hellen Licht der Taschenlampe unkenntlich.
„Jud, es ist dunkel. Und spät. Und kalt...“
„Kommen sie.“ Sagte Jud. „Bringen wir es hinter uns.“
Louis schüttelte den Kopf und wollte es nochmals versuchen, aber es fiel ihm schwer, Worte zu finden – Worte, der Erklärung und der Vernunft. Sie schienen so bedeutungslos angesichts des dumpfheulenden Windes, der in der Schwärze aufkeimenden Sonne.
„Wenn wir bis morgen warten, sehen wir wenigstens...“
„Liebt sie den Kater?“
„Ja, aber..“
Juds Stimme, leise und irgendwie logisch: „Und sie lieben sie?“
„Natürlich liebe ich sie. Sie ist meine...“
„Dann kommen sie mit.“
Louis kam mit.
Dies ist ein sehr merkwürdiger Moment, in dem auch der Leser diese merkwürdige Macht zu spüren bekommt, die das von der Hauptperson Besitz ergreift – Denn welcher normale Mensch wäre diesem anscheinend wirren alten Menschen in der Nacht mit einem Leichnam zum Tierfriedhof gefolgt, auf seine merkwürdigen Fragen hin? Aber Louis scheint nicht mehr richtig denken zu können, er wird von dieser Macht, die der Friedhof hat, gelenkt! Als einzige Manko kann man eigentlich nur bemängeln, dass die Story hier und auch an anderen Stellen voraussehbar ist, denn allem Anschein nach glaub Jud, dass die Katze dadurch auferstehen würde. Doch so ist das nunmal in Horrorgeschichten..
Jedenfalls ist der Schreibstil hier im Gegensatz zum Anfang spannender, und irgendwie kommt ein sehr düsteres Gefühl auf, weil Louis gar nicht´weiß, was mit ihm passiert und es trotzdem über sich ergehen lässt
Es wird spannend, als die beiden am Tierfriedhof ankommen und der Nachbar nach einer kurzen Verschnaufspause der Meinung ist, „nun könne es weitergehen“ und über ein wackliges Gebilde aus aufgestapelten Totholz hinwegsteigt, als würde er auf eine Treppe steigen, und nicht stürzt. Louis, verwundert, dass die Reise noch weiter geht, tut es ihm gleich. „Man muss den Weg schnell und ohne Zaudern gehen.“ So folgt ihm Louis, und sieht, dass der Pfad dahinter weitergeht. Er folgt Jud über ein Moor voller merkwürdiger Stimmen und Irrlichter, und gelangt über eine Treppe an einen zweiteren, viel größeren Friedhof. Von ihm scheint die geheimnisvolle Macht auszugehen, die sowohl Louis, als auch Jud und überhaupt das ganze Geschehen manipuliert, wie sich später herausstellt – so auch den Tod des Katers.
Auf der einen Seite handelt es sich also um ein Horrorbuch, allerdings hat Stephen auch mit aller Mühe versucht, das Bild einer heilen Familie weiterzuleiten, die langsam durch die Macht des Friedhofs zerstört wird. Dazu möchte ich noch ein drittes und letztes Textbeispiel angeben, welches ein Telefongespräch am Tag nach dem Begräbnis des Katers behandelt, in dem Louis um die Wahrheit herumzureden versucht:
„Hi“ sagte Rachel, „habe ich dich geweckt? Ich hoffe es.!
„Du hast mich geweckt, du Biest.“ Sagte er lächelnd.
„Was für unfreundliche Worte am Morgen, du böser alter Bär.“ Sagte sie. „Ich habe gestern abend schon versucht, dich anzurufen. Warst du drüben bei Jud?“
Er zögerte nur den Bruchteil einer Sekunde.
„Ja“ sagte er. „Wir haben ein paar Bier getrunken. (..) Ich dachte daran, dich anzurufen, aber – du weißt ja, wie das geht.“
Sie unterhielten sich eine Weile. Rachel erzählte von ihren Eltern, worauf er gerne verzichtet hätte, obwohl ihm die Neuigkeit, dass sich die kahle Stelle auf dem Kopf ihres Vaters jetzt schneller zu vergrößtern schien, eine Spur niederträchtiger Genugtuung bereitete.
„Möchtest du mit Gage (sein Baby) sprechen?
Louis grinste. „Ja, lass ihn ran.“sagte er. „Aber pass auf, dass er nicht wieder den Hörer auflegt wie beim letzten Mal.“
(...)
Endlich sagte Gage: „Hi Day-iii.“
„Hi Gage“ sagte Louis fröhlich. „Wie geht es dir? Was hast du angestellt? Hast du Grandpas Pfeifenständer wieder umgeworfen? Ich hoffe es. Vielleicht kannst du diesmal sogar seine Briefmarkensammlung durcheinanderbringen.“
Gage plapperte ungefähr dreißig Sekunden lang vor sich hin und streute dabeiin sein Kollern und Grunzen ein paar erkennbare Worte aus seinem wachsenden Vokabular ein – Mommy, Ellie, Grandma, Grandpa, Auto, Laster und Scheiße.
Endlich nahm Rachel Gage den Hörer aus der Hand, worauf er mit Protestgeschrei reagierte (...)
„Und, wie geht es dir?“ fragte Rachel.
„Danke, gut“ sagte Louis, jetzt ohne jedes Zögern – aber im Bewusstsein, eine Linie überschritten zu haben, als Rachel ihn gefragt hatte, ob er am vergangenen Abend zu Jud hinübergegangen wäre (..) In Gedanken hörte er plötzlich Jud sagen: Der Acker im Herzen eines annes ist steiniger, Louis... Ein Mann bestellt ihn und lässt darauf wachsen, was er kann. „Ein bisschen öde, wenn du es genau wissen willst. Du fehlst mir.“
(...)
„Kann ich Daddy sprechen?“ Das war Ellies Stimme im Hintergrund.
(...)
Er dachte tatsächlich, er käme davon – zumindest an diesem Morgen, und wollEllie gerade sagen, sie solle ihre Mutter noch einmal heranlassen, als Ellie fragte: „Wie geht es Church, meinem Kater? Vermisst er mich?
Das Lächeln verschwand von Louis’ Mund, aber er antwortete sofort und genau im richtigen Ton ungezwungener Beiläufigkeit: „Gut, denke ich. Gestern abend habe ich ihm den Rest Schmorbraten gegeben und dann vor die Tür gesetzt. Heute morgen habe ich ihn noch nicht gesehen, aber ich bin eben erst aufgewacht.
(Bei Gott, er hötte einen großartigen Mörder abgegeben (...))
„Gib ihm einen Kuss von mir.“
„Gitt, küss deinen Kater gefälligst selbst!“ sagte Louis, und Ellie kicherte.
(...)
.., und dann legte Louis auf. „Das war es“ sagte er zu dem leeren Zimmer, und das schlimmste war vielleicht, dass er sich nicht schlecht vorkam und keine Spur von Schuldbewusstsein empfand.
So entwickelt sich Louis zu einem Lügner, der im Handeln jedoch eher wie eine Spielfigur funktioniert. Der Kater kehrt nach zwei Tagen wieder, und zu seinem Erstaunen ist Louis kein bisschen erstaunt oder gar erschrocken. Jedoch stellt er schon schnell fest, dass es nicht mehr der Kater ist, den er kannte, er hatte sich verwandelt in etwas, das nicht mehr den Anmut einer Katze hatte und auf eine merkwürdige Art böse schien – doch in Wahrheit wartete der Kater nur auf das nächste Geschehnis, welches durch die Macht des Friedhofes schon bald eintreten sollte: Gage, Louis Sohn, starb: Er hatte das Spiel „Den Eltern davonlaufen“ entdeckt und wurde von einem viel zu schnell fahrenden Laster überfahren. Der Fahrer versuchte später, Selbstmord zu begehen und sagte der Presse, er hätte das Gefühl gehabt, mehr Gas geben zu müssen. Damit ist natürlich klar, dass die Macht des Friedhofes auch auf ihn gewirkt hatte.
Louis ist entsetzlich traurig, was ja auch völlig normal ist. Doch in seinem Kopf spukt ein Gedanke, der so schrecklich ist, dass er ihn für sich behält und....
Doch halt, ich will nicht zuviel verraten! Lies das Buch lieber selbst :)
Jedenfalls hat mich das Buch absolut in seinen Bann gezogen, auch wenn die ein oder andere Stelle zu lang geworden ist, zum Beispiel dann, wenn Jud Louis Geschichten über den unheimlichen Begräbnisplatz erzählt. Dennoch jagte mir am Ende schon ein leichter Schauer den Rücken runter, denn natürlich gibt es kein gutes Ende, obwohl man bis zum Ende darauf hofft. Aber enttäuschend ist es nicht, so ist eben Horror!
Ich kann den Schmöker, den man für einen Euro benutzt bei Ebay bekommt, nur empfehlen, er ist als Einsteigerbuch von Stephen wirklich super! Allerdings sollte man sich viel Zeit nehmen...
Mein Dank geht an alle Sommerleseratten, die es auch geschafft haben, den Bericht komplett zu lesen, und viel Spaß noch beim Bewerten und Kommentieren!
Diesen Bericht habe ich auch schon auf Ciao! veröffentlicht :)
21 Bewertungen, 2 Kommentare
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08.08.2004, 21:41 Uhr von skloiber13
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht! Mach weiter so. Ich bin jetzt auch mal wieder aktiv hier bei yopi. Ich glaube meine Berichte würden dir sicherlich auch gut gefallen. Kannst ja mal vorbeischauen, bis dann mfg skloiber13 ;-)
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08.08.2004, 20:22 Uhr von dannebrog
Bewertung: sehr hilfreichecht mühe drin aber is der nich ein bisschen lang? sonst ist der cool. schick
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