Nachtschicht (Taschenbuch) / Stephen King Testbericht
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Erfahrungsbericht von winterspiegel
Je später der Abend...
Pro:
Viele bekannte Gruselgeschichten auf hohem Level
Kontra:
Die wenigen belanglosen und sehr knappen Abhandlungen
Empfehlung:
Ja
Einen nicht zu verachtenden Vorteil haben diese Mini-Erzählungen ohnehin. Sollte einmal eine einzelne dieser Abhandlung einem so gar nicht liegen, dann blättert man halt einfach weiter und konzentriert sich einfach auf die nächste – hoffentlich bessere Geschichte.
1978 (dt.1984) erschien der erste Kurzgeschichtenband von Stephen King. Phantastische Erzählungen, die zum größten Teil schon in diversen Herrenmagazinen auftauchten oder anderweitig veröffentlicht wurden. Die Palette reicht von recht banalen Erzählungen von wenigen Seiten, bis zu sehr gehaltvoller - vor allem aber äußerst spannender Literatur.
Aber eines haben fast alle Geschichten dieser Sammlung gemeinsam, alles fängt ganz harmlos an, doch schon nach wenigen Zeilen kommt dieses ungute, nicht mehr loslassende, mulmige Gefühl...
Vorwort des Autors
In dieser Einleitung lässt sich Stephen King über das Thema Angst und seine eigene Definition davon aus. Sehr großzügig ist dieser einführende Exkurs über eine Sache ausgefallen, die die meisten wohl als Erwachsene erfolgreich aus ihrem Denken verdrängt haben. Ein auf jeden Fall passender und packender Auftakt des Verfassers, für diese Anhäufung an unglaublichen Geschehnissen. Diesen Prolog sollte man sich auf jeden Fall nicht entgehen lassen, bevor King entgültig in die dunkelsten Orte seiner Einbildungskraft vorstößt, und uns darin
einen tiefen Einblick gewähren lässt..
Briefe aus Jerusalem
King beginnt mit der umfangreichsten, und sicher auch eine der besten Erzählungen in dieser ganzen Sammlung. Im Stil einer klassischen Novelle geschrieben, wird der Leser zum leidenschaftlichen Betrachter der Brief-Korrespondenz zwischen Charles Boones und Everett Granson. Es ist eine vampirähnliche Geschichte mit nicht übersehbaren Anleihen zu Bram Stokers „Dracula“, dessen Intensität sich von Buchseite zu Buchseite steigert. Auch gibt es mehrere eindeutige Bezüge zu Stephen Kings eigenem Roman „Brennen muss Salem“.
Außerdem gibt es noch ein empfehlenswertes Hörbuch, dass gesprochen von Joachim Kertzel, auf einer Doppel-CD erhältlich ist.
Spätschicht
Diese Story handelt von Tunichtgut Hal, der nirgendwo all zu lange einen Job am laufen hat. Diesmal arbeitet er in der Spätschicht einer Spinnerei in Örtchen Gates Fall. Über die Feiertage des Unabhängigkeitstages wird eine Reinigungsmannschaft zusammengestellt, die in den Kellerräumen der Spinnerei mal wieder so richtig klar Schiff machen soll. Als die Männer in die Dunkelheit des Untergeschosses abtauchen, erwartet sie das blanke Entsetzen.
Eine Story, wie man sie vom King des Schreckens wohl am ehesten erwartet. Schön gruselig und obendrein noch ziemlich ekelig in der Ausführung, aber dennoch kurzweilig und faszinierend niedergeschrieben ist diese lesenswerte Abhandlung.
Nächtliche Brandung
Diese sehr knapp gehaltene Erzählung nimmt eindeutig Bezug auf Kings apokalyptischen Roman „Das letzte Gefecht“. Eine Gruppe junger Leute vertreibt sich die Zeit am Strand, während die Brandung gegen das Ufer anrennt. Es ist der letzte Abgesang auf die Menschheit, der Grippevirus aus Kings 1000 Seiten Wälzer hat so gut wie die gesamte Bevölkerung dahingerafft.
Eine nette zusätzliche Episode mit Aha-Effekt wird für diejenigen geboten, die das umfangreiche Buch schon gelesen haben. Nur wenige Seiten stark ist diese beklemmende Geschichte, in dennoch ansprechend geschriebenen Zeilen.
Ich bin das Tor
Ich bin das Tor ist ein kleiner Si-Fi Abstecher des Autors. Es geht um einen Raumflug zur Venus, der ziemlich tragisch endet. Ein Astronaut stirbt, der andere ist nach den fürchterlichen Vorfällen an den Rollstuhl gefesselt. Doch eine fremde Intelligenz hat sich in seinen gebrechlichen Körper eingenistet. Eklige Augen wachsen überall an seinem Leib. Selbst der schmerzhafte, verzweifelte Versuch sie auszubrennen scheitert kläglich.
Kurz, aber intensiv und horror- mäßig gut im Stil der alten Science-Fiction - Movies gehalten, liest sich diese schräge Geschichte wie am Schnürchen.
Der Wäschemangler
Viele werden wahrscheinlich den Film von 1984 kennen, der sehr blutrünstig von Tob Hooper auf die Leinwand gebracht wurde.
Die Geschichte selber ist wieder typisch King. Eine Maschine erwacht zum Leben und setzt ihre zerstörerischen Kräfte frei. Diesmal kein Auto (Christine) oder Lastwagen (Trucks), sondern so etwas absonderliches wie eine gigantische Wäschemangel die durchdreht, ist Gegenstand blutigen Gemetzels. Dass diese Höllenmaschine sich auf das Blut von Jungfrauen spezialisiert hat, macht diese Erzählung nur noch um so schräger. Hier macht der Horror-King nun wirklich seinem Namen alle Ehre.
Hierzu ist vielleicht zur Erklärung noch anzumerken, dass King bevor er seine Millionen machte als Lehrer, und auch noch ganz kurz in einer Wäscherei arbeitete.
Das Schreckgespenst
Lester Bellings ist vom Leben arg gebeutelt. So kommt es, dass er in den nüchternen Räumen von Dr. Harper - einem Psychiater sitzt, und eine traurige, herzerweichende Geschichte über seinen Sohn zu erzählen hat. Dieser ist gestorben nur weil Lester nicht an das Ungeheuer glaubte, dass sich wie es scheint im Wandschrank seines Jungen versteckt hat.
Einfach klasse, war mein erster Gedanke, als ich diese bitterböse Gruselgeschichte zum ersten mal gelesen habe. Eine Gutenachtgeschichte. Allerdings nur für weniger schreckhafte Naturen, mit einer richtiggehenden fiesen Pointe am Schluss. Ich liebe diese kleine bitterböse Erzählung auch wegen ihrer verblüffenden Schlichtheit, gerade so als könnte sie kein Wässerchen trüben.
Graue Masse
Diese Episode erschien auch in der Anthologie „Das große Horror-Lesebuch“. Es handelt sich wohl um eine von Lovecraft beeinflusste Erzählung. Eine Darstellung, wie aus einem fetten Kerl ein waberndes, unidentifizierbares Etwas wird und dergestalt schleimig, Jagd auf arglose Mitmenschen macht.
Wieder eine etwas ekligere Angelegenheit, die sich der Autor da ausgedacht hat. Doch welcher eingefleischte Horror-Fan könne wohl bei derlei verheißungsvoller Aussicht da schon widerstehen.
Schlachtfeld
Sehr originelle kleine Geschichte in Stil von „Toy Story“.
Die Spielsachen im Zimmer werden plötzlich lebendig und nehmen es mit dem Auftragskiller John Renshaw auf, den es ins Kinderzimmer verschlägt. Und der völlig verblüfft auf diese unerwartete Attacke reagiert.
Sehr einfallsreich und mit dem dazugehören Augenzwinkern in Szene gesetzt, ist diese skurrile Erzählung der besonderen Art. Am besten einfach mal von ihr überraschen lassen.
Lastwagen
er kennt sie nicht: Die Story von wildgewordenen Brummis, die sich gegen ihre Erbauer auflehnen.
Eine Gruppe der unterschiedlichsten Leutchen hat sich in einer Tankstelle im Nirgendwo verschanzt. Draußen tobt das Chaos. Riesige Lastwagen haben sich ihrer Fahrer einfach entledigt und beginnen auf eigene Faust eine Herrschaft der PS-Monster aufzubauen.
Eine fesselnde Story wird dem Leser aufgezeigt, die um einiges interessanter sein dürfte, als ihre unglücklichen Leinwandadaptionen. Meinens Wissens gibt es zwei Verfilmungen: Kings bisher einzige Regiearbeit „Rea M – Es begann ohne Warnung“ und eine Billigproduktion mit gleichem Titel - wie die original Kurzgeschichte des Meisters.
Sie Story ist auch als Audiolesung mit Joachim Kertzel unter dem Namen „Nachtschicht – Meistererzählungen“ erhältlich.
Manchmal kommen sie wieder
Noch mal eine schon verfilmte Geschichte und eines der Schmuckstücke dieser Sammlung.
Der Lehrer Jim Norman geht an seine alte Schule zurück um zu unterrichten. Dort hat er es mit einem Trio ganz besonderer Halbstarker zu tun. Langsam bemerkt Jim, dass hier etwas überhaupt nicht mit rechten Dingen zugeht. Diese Ganoven erinnern den Lehrer verdächtig an üble Jungs aus seiner Kindheit. Doch das ist eigentlich unmöglich, weil alle schon viele Jahre Tod und verrottet sein müssten.
Eindeutig ist auch hier die Kurzgeschichte um einiges besser als ihre filmische Umsetzung. Eine Geschichte, die einen vielleicht ganz leicht an Kings Meisterwerk „Es“ erinnern lässt.
Erdbeerfrühling
Alle 8 bis 10 Jahre findet er in Neuengland statt, der Erdbeerfrühling. Er kündigt sich mit hereinbrechendem Nebel an, der langsam über die Felder wabert. Ein unheimlicher Frauenmörder der es auf die Köpfe der Damen abgesehen hat, treibt in dieser Zeit sein Unwesen. Die Geschichte wird aus der Sicht einer neutralen Person erzählt und endet mit einer faustdicken Überraschung.
Eine gute Serienmörderepisode versteckt sich unter dem so harmlos klingenden Namen des Titels.
Der Mauervorsprung
Eine Geschichte die ebenfalls schon filmisch unter der Episodensammlung „Katzenauge“ ihren Einzug fand. Ein Unterweltboss findet heraus, dass seine Frau fremdgeht. In seinem hoch über der Stadt liegendem Appartement stellt er seinen Rivalen zur Rede. Der Mafioso schlägt ihm einen ungewöhnlichen Handel vor. Sollte es der Liebhaber seiner Frau schaffen, über den Balkon – in schwindelerregender Höhe, das Hochhaus einmal zu umrunden, kann er sich ungestraft mit seiner Geliebten aus dem Staub machen.
Eine klasse Idee auf die man erst mal kommen muss, die dann schließlich richtiggehend spannend und nicht weniger dramatisch umgesetzt wurde.
Der Rasenmähermann
Bekannt auch als Film mit „Bond“ Pierce Brosnan, der aber mit der Kurzgeschichte von King so rein gar nichts zu tun hat. Der Schriftsteller zeigt eine Horror-Story voller Wucht und Energie, über einen völlig durchgeknallten Rasenmäher, der nicht nur allzu gern die Halme des Rasens kurz und klein mäht, sondern sich auch noch auf die Jagd nach besonders unangenehmen Zeitgenossen macht.
Diese Geschichte ist auch als Lesung von Joachim Kertzel unter dem Titel „Nachtschicht – Meistererzählungen“ erhältlich.
Quitters, Inc.
Auch diese Geschichte findet Einzug in die Verfilmung „Katzenauge“.
Jim Mc Cam will sich das Rauchen abgewöhnen und wendet sich unglücklicherweise an besagte Firma. Die Methoden der Company ihren Kunden den blauen Dunst auszutreiben, sind aber recht ungewöhnlich - um nicht zu sagen ein bisschen radikal.
Eine gehässige aber durchaus faszinierende Geschichte, die auch für alle Nichtraucher interessant sein könnte. Doch für alle Nikotinsüchtigen unter uns birgt sie wohl nicht mehr und nicht weniger als das blanke Entsetzen.
Ich weiß, was du brauchst
Ein ungewöhnlicher Junge, der die geheimen Bedürfnisse seiner Mitmenschen zu kennen scheint. So schleicht er sich in das Vertrauen eines hübschen Mädchens. Auch als ihr Freund kurz darauf stirbt, ahnt sie noch immer nichts.
Eine eher schwächere Woodoo-Zauber Episode, die King sich hier ausgedacht hat.
Die Kinder des Mais
Wieder entstand aus dieser Vorlage eine Verfilmung (siehe - mein Filmbericht dazu)
Ein Arzt und seine Freundin verfahren sich in den weiten Maisfeldern von Nebraska. Plötzlich steht ein Junge auf der Fahrbahn und wird von ihrem Wagen erfasst. Um Hilfe zu holen gehen sie in die Stadt, doch die scheint verlassen zu sein. Da tauchen plötzlich Jugendliche auf, die alles andere als friedfertig gestimmt sind.
Eine sehr kurzweilige Story über Religionswahn, die im Gegensatz zur Verfilmung insgesamt gesehen sich ganz gut sehen lassen kann.
Die letzte Sprosse
Eine traurige und sehr nachhaltige Erzählung ist die Letzte Sprosse.
Während Larry, ein bedeutender Rechtsanwalt den Abschiedsbrief seiner Schwester liest, die sich von einem Gebäude stürzte, wird er an die Vorkommnisse aus ihrer gemeinsamen Jugend erinnert.
Eine wirklich zu Herzen gehende Geschichte, die sich ziemlich von den anderen Erzählungen abhebt..
Der Mann der die Blumen liebte
Eine etwas verwirrende Erzählung über einen Hammermörder.
Dies ist auch eindeutig eine der wenigen schwächeren Storys dieses Buches.
Einen mit auf den Weg
Eine weitere Geschichte, die eine Verbindung zu Kings Buch „Brennen Muss Salem“ hat.
Einige Leute sitzen im Gasthaus um den ein Schneesturm tobt. Da kommt ein Mann völlig verängstigt hereingestürmt und erzählt wirklich unglaubliches.
Eine fesselnde Vampirgeschichte, die King zum Besten gibt. Schade nur, dass er wohl an ihr die Lust verlor, und sie deshalb schon nach wenigen Seiten auch schon wieder zu Ende ist.
Die Frau im Zimmer
Ein eher unspektakulärer Rausschmeißer, den King zum Schluss bereithält.
John geht jeden Tag ins Krankenhaus in dem seine Mutter im Sterben liegt. Ihn überkommen Erinnerungen an seine Jugend, als seine Mutter ihm aus so mancher Patsche die er sich selbst zuzuschreiben hatte, wieder herausholte. Schließlich gibt er ihr Medikamente um ihrem Leiden ein angenehmeres Ende zu bereiten.
Eine Art Huldigung seiner Mutter ist sicher diese wenige Seiten lange Geschichte. Kings Mutter starb auch während der Anwesenheit der Familie in einer Klinik.
Fazit
Wer hat mitgezählt? 20 Erzählungen aus der Anfangszeit des Schriftstellers gibt es in diesem Kurzgeschichtenbuch zu bestaunen. Erstaunlich, wie viele nach und nach den Weg auf die Leinwand fanden. Das Gesamtpotenzial ist zweifellos verblüffend, wenn auch die eine oder andere Episode sicher nicht unbedingt allen hochgesteckten Erwartungen entsprechen dürfte. So fiel mir als einziger wirklich erwähnenswerter Kritikpunkt ins Auge, dass auf einige der sehr kurzen, etwas unausgereiften Storys, doch wohl besser verzichtet worden wäre.
Insgesamt bleibt aber immer noch eine der besten Kurzgeschichtensammlungen übrig die ich kenne. Die Inhalte sind auch bei diesem schon etwas älteren King-Buch überaus vielfältig. Nicht nur reiner Horror, sondern auch Thriller- und Kriminalgeschichten, sogar bis hin zum packenden Drama sind darin enthalten. Vor allem aber der Bekanntheitsgrad der meisten Erzählungen, dürfte das große Plus dieser Ansammlung an ausdrucksstarken phantastischen Geschichten sein.
(c) winterspiegel für Ciao & Yopi
Stephen King
Nachtschicht
Kurzgeschichten
Bastei Lübbe
Preis: ca. 8 Euro
38 Bewertungen, 4 Kommentare
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25.04.2005, 18:05 Uhr von annmarie91
Bewertung: sehr hilfreichecht super bericht...
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06.02.2005, 23:33 Uhr von kruemel02
Bewertung: sehr hilfreich...desto gruseliger sind die Gäste *g*. Ein sehr schöner Bericht zu einem schönen Buch und Film. LG Olaf
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07.08.2004, 13:36 Uhr von Myhnegon
Bewertung: sehr hilfreichAusgerechnet die Geschichte mit dem Hammermörder ist mir von den Gute-Nacht-Geschichten, dir mein Bruder mir früher aus diesem Buch vorlas, am stärksten in Erinnerung geblieben, zumal ich heute noch finde, dass King hier eine wunderbare Atmo
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06.08.2004, 17:16 Uhr von Pfiesteria
Bewertung: sehr hilfreichhabe das Buch auch, jedoch habe ich noch nicht alle Geschichten durch, werde nach deinem Bericht mal wieder in dieses Buch schauen, lg patricia
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