Kino International Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Joebln
Gay Nightlife - abseits von Technogestampfe und Darkrooms
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Das Kino International behauptet sich im Kino Dschungel der alles fressenden Multiplexe von Berlin ganz gut. Wenn man mal bedenkt, dass sich in unmittelbarer Umgebung des Kinos gut 4 Multiplexe befinden, bin ich doch immer wieder erstaunt, dass es das International noch immer gibt.
Wichtigster Überlebenspunkt wird bei dem Ein-Saal-Kino der Focus auf die anspruchsvolle Nischenvorstellung sein, ohne dabei in elitäre Welten zu entschwinden.
Aber ich will mich hier nicht weiter über das Kino auslassen, da ich nur wenige Male dort war.
Zumindest jedem Siegessäule Leser dürfte das International aus der Programmreihe \"Mongay\" bekannt sein, in der allmontäglich ein Film mit schwulem Thema oder aus schwuler Hand präsentiert wird.
Und um die zahlungskräftige Klientel bei der Stange zu halten, präsentiert das International einmal im Monat dann gleich noch den Klub International: Da wird am Samstag nach der letzten Vorstellung aus dem ehemals angesehen DDR Premieren Kino plötzlich ein Tanztempel mit zwei Dancefloors, der hunderte begeisterter Fans anzieht.
Wichtigster Punkt in Berlin ist natürlich bei dem Überangebot an Discos und Clubs der Event Charakter. Der Klub International wird nur monatlich veranstaltet und hat mit der Location des Kinos und der Ästhetik der 60er Jahre natürlich einen besonderen Veranstaltungsort gefunden.
Ein Freund hatte mich dorthin eingeladen. Und obwohl ich sehr skeptisch war, muss ich im Nachhinein gestehen, es war wirklich ein bombastischer Abend und ich habe schon lange nicht mehr so viel getanzt.
Um 23:00 werden die Pforten (na ja, der kleine Nebeneingang) geöffnet. Ich kam etwas früher als verabredet und konnte so schon ein paar der potentielle Gäste reingehen sehen. Allerdings kamen die meisten kurze Zeit später wieder raus. Der Grund klärte sich schnell: Bis Mitternacht zahlt man den ermäßigten Eintritt von 6 EUR, danach kostet es 8 EUR.
Schon die kleine Einflugschneise erinnert fatal an alte Ostzeiten, aber wenn man dann den Weg nach oben in die Honecker Lounge gefunden hat, erstarrt man erst mal ob der krassen Einrichtung. Nichts scheint sich seit dem Ende der 60er Jahre in diesen Räumen verändert zu haben. Oder hat der Veranstalter einfach nur die schrillen Lampen und Polstermöbel zusammen gesammelt?
Die Preise an der Bar bringen mich aber in die Neuzeit zurück. Das Becks kostet 3EUR und ist in normal und alkoholfrei zu bekommen. Es gibt den Modedrink Caipi und ganz neu Smirnoff Ice.
Natürlich gibt es auch Cola und Wasser. Aber das ist auch nur marginal günstiger.
Wir kamen also gegen 10 vor Mitternacht an und die kleinen Räumlichkeiten da oben waren nur sehr locker gefüllt, aber schon innerhalb der nächsten halbe Stunde konnten wir aus unserer Ecke jede Menge nette Jungs eintreffen sehen.
In der Honecker Lounge legte diesmal Biggy van Blond auf. Und sie entzückte uns mit der gängigen Musik aus den Charts und Radios von ganz frisch bis etwas angestaubt. Wir widerstanden dem Sound jedenfalls nicht lange und tanzten schon nach kurzer Zeit wie wild – und schwitzten dabei wie die Schweine. Denn leider gab es in der DDR noch keine Klimaanlagen und für solche Massenveranstaltungen sind die niedrigen und engen Räumlichkeiten einfach auch nicht gedacht gewesen (vermutlich hat man hier früher die Premierenprominenz untergebracht). Der kleine Standventilator in der Ecke bringt dann leider auch nicht viel Linderung. Aber wen interessiert das schon, wenn er sich in Extase tanzt.
Ab 1:00 wurden dann die Panorama Bar (aber nicht die des Ostgut)und das Foyer eröffnet. Die Panorama Bar ist der Chill-Out Bereich. Vor dem Kinosaal hat man viele Tische und Stühle, eine große Bar und herrlichen Ausblick auf die Karl-Marx-Alle. Hier kann man sich abkühlen, ausruhen und zu späterer Stunde intensivst flirten.
Überhaupt ist die Stimmung insgesamt sehr entspannt, freundlich, fröhlich und offen. Vermutlich liegt das am fehlenden Darkroom. Was dann eher Leute anzieht, die noch wissen wie man flirtet, sich anspricht und unterhält.
Im Foyer ist es dunkler und mystischer. Es wird zu einer riesigen Tanzfläche, auf der sich in dieser Nacht die Massen nach einer Mischung aus Dark, Ambient und Techno wiegen. Unser Fall ist das nicht ganz so. Schließlich kann man ähnliches in den anderen Clubs auch haben. Viele sehen das anders.
Das Publikum ist nicht sonderlich gemischt. In meinen Augen ist es relativ jung – im Gegensatz zu dem, was ich in anderen Clubs erlebt habe. Ich würde sagen, die Hauptklientel geht so bis Ende Zwanzig. Natürlich braucht auch kein Mittdreißiger Scheu haben, hierher zugehen. Man muss nur die Musik mögen.
Was mir sehr aufgefallen ist, dass sehr sehr viele sehr schlanke, fast schon dürre Jungs da waren. Ach ja und die Frauenquote würde ich auf maximal 10% schätzen.
Ich war jedenfalls ohne Müdigkeitserscheinungen (mein Tief ist normalerweise gegen 2:00) und total berauscht bis ca. 4 Uhr dort. Dann haben meine Füße versagt und ich musste langsam nach Hause – wäre aber zu gerne noch geblieben.
Fazit: ein witziges Cluberlebnis mit Eventcharakter. Mal ganz abseits vom gängigen House- und Technogestampfe. Das werde ich wieder genießen!
Mitte
Telefon: 24 75 60 11
Adresse: Karl-Marx-Allee 33 / 10178 Berlin
U-Bahn Schillingstraße U5 / S+U-Bahn Alexanderplatz
Preise: Mo 4 Di/Mi 5 Do-So 7,50 Mongay 5,50 €
Wichtigster Überlebenspunkt wird bei dem Ein-Saal-Kino der Focus auf die anspruchsvolle Nischenvorstellung sein, ohne dabei in elitäre Welten zu entschwinden.
Aber ich will mich hier nicht weiter über das Kino auslassen, da ich nur wenige Male dort war.
Zumindest jedem Siegessäule Leser dürfte das International aus der Programmreihe \"Mongay\" bekannt sein, in der allmontäglich ein Film mit schwulem Thema oder aus schwuler Hand präsentiert wird.
Und um die zahlungskräftige Klientel bei der Stange zu halten, präsentiert das International einmal im Monat dann gleich noch den Klub International: Da wird am Samstag nach der letzten Vorstellung aus dem ehemals angesehen DDR Premieren Kino plötzlich ein Tanztempel mit zwei Dancefloors, der hunderte begeisterter Fans anzieht.
Wichtigster Punkt in Berlin ist natürlich bei dem Überangebot an Discos und Clubs der Event Charakter. Der Klub International wird nur monatlich veranstaltet und hat mit der Location des Kinos und der Ästhetik der 60er Jahre natürlich einen besonderen Veranstaltungsort gefunden.
Ein Freund hatte mich dorthin eingeladen. Und obwohl ich sehr skeptisch war, muss ich im Nachhinein gestehen, es war wirklich ein bombastischer Abend und ich habe schon lange nicht mehr so viel getanzt.
Um 23:00 werden die Pforten (na ja, der kleine Nebeneingang) geöffnet. Ich kam etwas früher als verabredet und konnte so schon ein paar der potentielle Gäste reingehen sehen. Allerdings kamen die meisten kurze Zeit später wieder raus. Der Grund klärte sich schnell: Bis Mitternacht zahlt man den ermäßigten Eintritt von 6 EUR, danach kostet es 8 EUR.
Schon die kleine Einflugschneise erinnert fatal an alte Ostzeiten, aber wenn man dann den Weg nach oben in die Honecker Lounge gefunden hat, erstarrt man erst mal ob der krassen Einrichtung. Nichts scheint sich seit dem Ende der 60er Jahre in diesen Räumen verändert zu haben. Oder hat der Veranstalter einfach nur die schrillen Lampen und Polstermöbel zusammen gesammelt?
Die Preise an der Bar bringen mich aber in die Neuzeit zurück. Das Becks kostet 3EUR und ist in normal und alkoholfrei zu bekommen. Es gibt den Modedrink Caipi und ganz neu Smirnoff Ice.
Natürlich gibt es auch Cola und Wasser. Aber das ist auch nur marginal günstiger.
Wir kamen also gegen 10 vor Mitternacht an und die kleinen Räumlichkeiten da oben waren nur sehr locker gefüllt, aber schon innerhalb der nächsten halbe Stunde konnten wir aus unserer Ecke jede Menge nette Jungs eintreffen sehen.
In der Honecker Lounge legte diesmal Biggy van Blond auf. Und sie entzückte uns mit der gängigen Musik aus den Charts und Radios von ganz frisch bis etwas angestaubt. Wir widerstanden dem Sound jedenfalls nicht lange und tanzten schon nach kurzer Zeit wie wild – und schwitzten dabei wie die Schweine. Denn leider gab es in der DDR noch keine Klimaanlagen und für solche Massenveranstaltungen sind die niedrigen und engen Räumlichkeiten einfach auch nicht gedacht gewesen (vermutlich hat man hier früher die Premierenprominenz untergebracht). Der kleine Standventilator in der Ecke bringt dann leider auch nicht viel Linderung. Aber wen interessiert das schon, wenn er sich in Extase tanzt.
Ab 1:00 wurden dann die Panorama Bar (aber nicht die des Ostgut)und das Foyer eröffnet. Die Panorama Bar ist der Chill-Out Bereich. Vor dem Kinosaal hat man viele Tische und Stühle, eine große Bar und herrlichen Ausblick auf die Karl-Marx-Alle. Hier kann man sich abkühlen, ausruhen und zu späterer Stunde intensivst flirten.
Überhaupt ist die Stimmung insgesamt sehr entspannt, freundlich, fröhlich und offen. Vermutlich liegt das am fehlenden Darkroom. Was dann eher Leute anzieht, die noch wissen wie man flirtet, sich anspricht und unterhält.
Im Foyer ist es dunkler und mystischer. Es wird zu einer riesigen Tanzfläche, auf der sich in dieser Nacht die Massen nach einer Mischung aus Dark, Ambient und Techno wiegen. Unser Fall ist das nicht ganz so. Schließlich kann man ähnliches in den anderen Clubs auch haben. Viele sehen das anders.
Das Publikum ist nicht sonderlich gemischt. In meinen Augen ist es relativ jung – im Gegensatz zu dem, was ich in anderen Clubs erlebt habe. Ich würde sagen, die Hauptklientel geht so bis Ende Zwanzig. Natürlich braucht auch kein Mittdreißiger Scheu haben, hierher zugehen. Man muss nur die Musik mögen.
Was mir sehr aufgefallen ist, dass sehr sehr viele sehr schlanke, fast schon dürre Jungs da waren. Ach ja und die Frauenquote würde ich auf maximal 10% schätzen.
Ich war jedenfalls ohne Müdigkeitserscheinungen (mein Tief ist normalerweise gegen 2:00) und total berauscht bis ca. 4 Uhr dort. Dann haben meine Füße versagt und ich musste langsam nach Hause – wäre aber zu gerne noch geblieben.
Fazit: ein witziges Cluberlebnis mit Eventcharakter. Mal ganz abseits vom gängigen House- und Technogestampfe. Das werde ich wieder genießen!
Mitte
Telefon: 24 75 60 11
Adresse: Karl-Marx-Allee 33 / 10178 Berlin
U-Bahn Schillingstraße U5 / S+U-Bahn Alexanderplatz
Preise: Mo 4 Di/Mi 5 Do-So 7,50 Mongay 5,50 €
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