Der talentierte Mr. Ripley (DVD) Testbericht
D
ab 10,92 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2011
Auf yopi.de gelistet seit 11/2011
Erfahrungsbericht von Drama
Durchaus talentiert
Pro:
Dargestellt Charaktere
Kontra:
Kein Kontra
Empfehlung:
Ja
Meine Damen und Herren,
ich will mir mal erlauben, einen Bericht über einen Film zu veröffentlichen, der kürzlich im Fernsehen wiederholt wurde und der von meinem Yopi-Lieblingsautor offenbar noch nicht besprochen wurde. Ich sah den Film damals in der italienischen Synchronfassung und jetzt auf Deutsch. In beiden Fassungen kommt nach meiner Meinung der Film gut rüber.
Es ist die Geschichte des kleinen Tom Ripley, der bekannten Figur von Patricia Highsmith, deren Roman hier erneut verfilmt wurde. Vielleicht erinnern Sie sich an den frühen Alain De-lon Film aus den 50er Jahren „Nur die Sonne war Zeuge“, der als das Original gilt. Meiner Meinung ist hier an das Thema anders heran gegangen worden, insbesondere was sexuelle Anspielungen angeht. In den 50er Jahren hat man sich hier noch sehr zurückgenommen.
Ripley (gespielt von Matt Damon) ist unbekannter Herkunft, auf der Suche nach sich selbst und auf der Suche nach Selbstwert. Er kann nichts oder wenig wirklich gut und beneidet da-her andere, die er gleichzeitig liebt und hasst. Eben weil er vor Neid platzt.
Auf einer Party gibt er sich als jemand anders aus, weil er dessen Jacke trägt. Er lernt den reichen Industriellen Mr. Greenleaf kennen, dessen Sohn seinen Familienstand zum Beruf gemacht hat und in Italien Vaters Geld mit vollen Händen aus dem Fenster wirft. Greenleaf glaubt, Tom sei mit Dickie zusammen zur Schule gegangen und beauftragt ihn daher, nach seinem Sohn in Italien zu suchen und diesen wieder nach Hause zurückzuholen. Tom willigt ein, sicher in Ermangelung, irgendetwas anderes sinnvolles zu tun.
Dickie Greenleaf (gespielt von Jude Law) ist auch auf der Suche nach sich selbst. Auch sein Selbstbewusstsein ist getrübt dadurch, selbst nichts oder fast nichts auf die Beine zu stellen. Er hat einen gewissen Schlag bei Frauen und wechselt diese ebenso wie Häuser, Boote etc. immer dann, wenn diese ihn anfangen zu langweilen. Ja eigentlich ist er verlobt mit Marge (gespielt von Gwyneth Paltrow). Beide genießen den Luxus südlich von Napoli am Meer.
Da tritt Tom auf den Plan. Tom, von sich selbst heraus eher charakterlos, kann sich sehr rasch in andere Menschen hineinversetzen, diese imitieren, ja eher deren Vorlieben über-nehmen, um sich beliebt zu machen, jeweils bei dem, von dem er sich Vorteile erhofft. Das ist eines der Talente Tom’s. Wie zufällig fallen Tom Jazz-Platten aus der Tasche, genau die Lieblingsmusik von Dickie. Tom hatte dabei vorher von Jazz soviel Ahnung wie ein Schnitzel von guter Laune.
Tom beginnt den Geschmack von Dickie anzunehmen, wobei Dickie immer glaubt, Tom ha-be bereits den Geschmack. Die beiden freunden sich an. Dickie zieht Tom durch die geilsten Jazz-Keller der fuffziger Jahre in Süditalien. Sie singen und musizieren zusammen.
Es ist Dickie’s Leben, dass ihm einfach alles zu leicht fällt. Er hat alles: Geld, einen guten Freund (Tom), eine Verlobte (Marge). Marge liebt Dickie über alles. Sie ist einfach immer für ihn da. Das langweilt Dickie so sehr, dass er nach anderen Mädels Ausschau hält. Er schwängert die junge Marktverkäuferin, die sich das Leben nimmt, weil sie Dickie sitzen lässt. Dickie rastet aus, weil es ihn belastet. Richtig einordnen kann er die Problematik indes nicht.
Es wird Zeit für einen Ortswechsel. Dickie reist mit Tom nach San Remo, um dort eine neue Bleibe zu suchen. Im „fällt in Mongibello (der Ort, in dem er bei Napoli mit Marge lebte) die Decke auf den Kopf“. Dickie und Tom nehmen ein Ruderboot, um vom Meer aus nach einem geeigneten Haus Ausschau zu halten. Es kommt zu einen einschneidenden Ereignis des Films:
Tom gesteht – wie es seine Art ist – versteckt, aber doch merklich seine homosexuelle Zu-neigung zu Dickie. Dies ist für diesen lachhaft, je er nimmt dies zum Anlass, Tom zu verspot-ten. Tom, dessen Selbstbewusstsein ohnehin immer schon wackelig war und sich nur auf Lügen und Geschichten, die er sich ausdachte oder die von anderen abgekupfert waren, aufbaute, war hart getroffen. Sein Freund erwiderte die Liebe nicht. Es drohte alles zusam-men zu stürzen, was er sich mit Dickie aufgebaut hatte. Er bat Dickie, nein er flehte ihn an, aufzuhören. Er weinte: „Dickie, hör auf!“. Doch Dickie verspottete ihn weiter: „Du bist lang-weilig! Langweilig! Langweilig!“
Tom verliert die Fassung und greift zum Ruder und erschlägt Dickie!
Tom’s weitere Talente sind es, nun in die Rolle des Dickie zu schlüpfen und alle einschließ-lich Polizei und Dickies Freundin an der Nase herumzuführen. Hierin liegt Tom’s wirkliche Stärke. Obwohl er weiß, das er „einen riesen Keller“ hat, in dem einiges liegt. Und er kann sich niemandem anvertrauen, auch nicht dem schwulen Peter, der Tom liebt, und ihm (fast) alles verzeihen würde, wenn der nur seine Liebe erwiderte.
Der Film spielt mit der Gefahr, die Tom immer ganz nah an sich heranlässt und im letzten Moment gerade noch abwehrt. Diese Nähe zur Gefahr traut im keiner zu. Und genau deswe-gen kommt ihm keiner so recht auf die Schliche. So dreist kann doch kein Mensch sein. Oder doch?
Regie führte Anthony Minghella im Jahr 1999 nach einem Roman von Patricia Highsmith.
Im Ergebnis fußt die Spannung – wie ich finde – mehr darauf ab, wie etwas passiert, als le-diglich was passiert. Dass Tom Dickie umbringt, wissen wir spätestens seit Alain Delon dies in „Nur die Sonne war Zeuge“ tat, falls wir nicht schon das Buch von Patricia Highsmith la-sen. Wenn Sie nur darauf warten, sich davon bzw. noch weiterer Morde überraschen zu las-sen, schalten Sie die Flimmerkiste lieber ab. Matt Damon spielt den Tom Ripley, dass es einem eiskalt den Rücken runter läuft.
Schauen Sie selbst. Noch Fragen?
ich will mir mal erlauben, einen Bericht über einen Film zu veröffentlichen, der kürzlich im Fernsehen wiederholt wurde und der von meinem Yopi-Lieblingsautor offenbar noch nicht besprochen wurde. Ich sah den Film damals in der italienischen Synchronfassung und jetzt auf Deutsch. In beiden Fassungen kommt nach meiner Meinung der Film gut rüber.
Es ist die Geschichte des kleinen Tom Ripley, der bekannten Figur von Patricia Highsmith, deren Roman hier erneut verfilmt wurde. Vielleicht erinnern Sie sich an den frühen Alain De-lon Film aus den 50er Jahren „Nur die Sonne war Zeuge“, der als das Original gilt. Meiner Meinung ist hier an das Thema anders heran gegangen worden, insbesondere was sexuelle Anspielungen angeht. In den 50er Jahren hat man sich hier noch sehr zurückgenommen.
Ripley (gespielt von Matt Damon) ist unbekannter Herkunft, auf der Suche nach sich selbst und auf der Suche nach Selbstwert. Er kann nichts oder wenig wirklich gut und beneidet da-her andere, die er gleichzeitig liebt und hasst. Eben weil er vor Neid platzt.
Auf einer Party gibt er sich als jemand anders aus, weil er dessen Jacke trägt. Er lernt den reichen Industriellen Mr. Greenleaf kennen, dessen Sohn seinen Familienstand zum Beruf gemacht hat und in Italien Vaters Geld mit vollen Händen aus dem Fenster wirft. Greenleaf glaubt, Tom sei mit Dickie zusammen zur Schule gegangen und beauftragt ihn daher, nach seinem Sohn in Italien zu suchen und diesen wieder nach Hause zurückzuholen. Tom willigt ein, sicher in Ermangelung, irgendetwas anderes sinnvolles zu tun.
Dickie Greenleaf (gespielt von Jude Law) ist auch auf der Suche nach sich selbst. Auch sein Selbstbewusstsein ist getrübt dadurch, selbst nichts oder fast nichts auf die Beine zu stellen. Er hat einen gewissen Schlag bei Frauen und wechselt diese ebenso wie Häuser, Boote etc. immer dann, wenn diese ihn anfangen zu langweilen. Ja eigentlich ist er verlobt mit Marge (gespielt von Gwyneth Paltrow). Beide genießen den Luxus südlich von Napoli am Meer.
Da tritt Tom auf den Plan. Tom, von sich selbst heraus eher charakterlos, kann sich sehr rasch in andere Menschen hineinversetzen, diese imitieren, ja eher deren Vorlieben über-nehmen, um sich beliebt zu machen, jeweils bei dem, von dem er sich Vorteile erhofft. Das ist eines der Talente Tom’s. Wie zufällig fallen Tom Jazz-Platten aus der Tasche, genau die Lieblingsmusik von Dickie. Tom hatte dabei vorher von Jazz soviel Ahnung wie ein Schnitzel von guter Laune.
Tom beginnt den Geschmack von Dickie anzunehmen, wobei Dickie immer glaubt, Tom ha-be bereits den Geschmack. Die beiden freunden sich an. Dickie zieht Tom durch die geilsten Jazz-Keller der fuffziger Jahre in Süditalien. Sie singen und musizieren zusammen.
Es ist Dickie’s Leben, dass ihm einfach alles zu leicht fällt. Er hat alles: Geld, einen guten Freund (Tom), eine Verlobte (Marge). Marge liebt Dickie über alles. Sie ist einfach immer für ihn da. Das langweilt Dickie so sehr, dass er nach anderen Mädels Ausschau hält. Er schwängert die junge Marktverkäuferin, die sich das Leben nimmt, weil sie Dickie sitzen lässt. Dickie rastet aus, weil es ihn belastet. Richtig einordnen kann er die Problematik indes nicht.
Es wird Zeit für einen Ortswechsel. Dickie reist mit Tom nach San Remo, um dort eine neue Bleibe zu suchen. Im „fällt in Mongibello (der Ort, in dem er bei Napoli mit Marge lebte) die Decke auf den Kopf“. Dickie und Tom nehmen ein Ruderboot, um vom Meer aus nach einem geeigneten Haus Ausschau zu halten. Es kommt zu einen einschneidenden Ereignis des Films:
Tom gesteht – wie es seine Art ist – versteckt, aber doch merklich seine homosexuelle Zu-neigung zu Dickie. Dies ist für diesen lachhaft, je er nimmt dies zum Anlass, Tom zu verspot-ten. Tom, dessen Selbstbewusstsein ohnehin immer schon wackelig war und sich nur auf Lügen und Geschichten, die er sich ausdachte oder die von anderen abgekupfert waren, aufbaute, war hart getroffen. Sein Freund erwiderte die Liebe nicht. Es drohte alles zusam-men zu stürzen, was er sich mit Dickie aufgebaut hatte. Er bat Dickie, nein er flehte ihn an, aufzuhören. Er weinte: „Dickie, hör auf!“. Doch Dickie verspottete ihn weiter: „Du bist lang-weilig! Langweilig! Langweilig!“
Tom verliert die Fassung und greift zum Ruder und erschlägt Dickie!
Tom’s weitere Talente sind es, nun in die Rolle des Dickie zu schlüpfen und alle einschließ-lich Polizei und Dickies Freundin an der Nase herumzuführen. Hierin liegt Tom’s wirkliche Stärke. Obwohl er weiß, das er „einen riesen Keller“ hat, in dem einiges liegt. Und er kann sich niemandem anvertrauen, auch nicht dem schwulen Peter, der Tom liebt, und ihm (fast) alles verzeihen würde, wenn der nur seine Liebe erwiderte.
Der Film spielt mit der Gefahr, die Tom immer ganz nah an sich heranlässt und im letzten Moment gerade noch abwehrt. Diese Nähe zur Gefahr traut im keiner zu. Und genau deswe-gen kommt ihm keiner so recht auf die Schliche. So dreist kann doch kein Mensch sein. Oder doch?
Regie führte Anthony Minghella im Jahr 1999 nach einem Roman von Patricia Highsmith.
Im Ergebnis fußt die Spannung – wie ich finde – mehr darauf ab, wie etwas passiert, als le-diglich was passiert. Dass Tom Dickie umbringt, wissen wir spätestens seit Alain Delon dies in „Nur die Sonne war Zeuge“ tat, falls wir nicht schon das Buch von Patricia Highsmith la-sen. Wenn Sie nur darauf warten, sich davon bzw. noch weiterer Morde überraschen zu las-sen, schalten Sie die Flimmerkiste lieber ab. Matt Damon spielt den Tom Ripley, dass es einem eiskalt den Rücken runter läuft.
Schauen Sie selbst. Noch Fragen?
Bewerten / Kommentar schreiben