Krankheiten und Beschwerden Testbericht

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Erfahrungsbericht von luzi_42

Impotenz oder wenn das 3. Bein des Mannes versagt

Pro:

es gibt mittlerweile gute Therapiemöglichkeiten

Kontra:

pro und kontra passt nicht zu dem Artikel

Empfehlung:

Nein

Wenn das 3. Bein des Mannes versagt, ist das immer ein ganz besonderes Problem.

Bevor ich nun aber richtig loslege noch eine Bitte in eigener Sache. Diejenigen von euch die sich über solch ein ernstes Thema lustig machen möchten, bitte ich den Bericht erst gar nicht zu lesen, denn an dieser körperlichen Funktionsstörung ist absolut nichts zum lachen. Außerdem möchte ich gleich zu Anfang vorwarnen, denn der Bericht wird Überlänge erreichen.

Ihr werdet euch nun sicher fragen was ich mir heute und zudem als Frau für ein Thema herausgesucht habe, ich dürfte doch von diesen Dingen als weibliches Wesen keine Ahnung haben.

Dies ist aber nicht der Fall. Erstens habe ich einen medizinischen Beruf erlernt, außerdem zählt die Medizin nun einmal zu meinen größten Hobby. Zweitens beschäftigt mich dieses besonders heikle Thema schon seit vielen Jahren, denn mein Vater ist einer von vielen Männern die davon betroffen sind.

Auf Grund einer Harnwegserkrankung wurde er im Alter von 40 Jahren mehrfach operiert was zur Folge hatte, dass er seit diesem Zeitpunkt an einer erektilen Dysfunktion ( im Volksmund Impotenz) leidet. Damals waren leider die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch lange nicht so ausgereift und auch die behandelnden Ärzte hatten weder ausreichendes Fachwissen noch Feingefühl und nahmen seine Fragen nicht ernst genug. Sicherlich zählte auch mein Vater auf Grund seiner Generation zu der Art von Männern, die sich dessen schämten und sich auch gar nicht richtig getrauten darüber zu sprechen.

Ich bin mir sicher, dass es auch heute noch eine große Anzahl von Männern gibt, die auf Grund dieser Störung in Depressionen, Resignation und schlimmeres verfallen. Das alles muss nicht sein, denn es gibt Hilfe und sehr gute Heilungschancen. Das möchte ich mit meinem Bericht aufzeigen, Hoffnung machen und auch Denkanstöße geben, dass solche betroffenen Männern alles andere als „Schlappschwänze“ und Versager sind.

Zwecks besserer Übersicht habe ich die unterschiedlichen Kapitel streng getrennt, da sonst ein Chaos entstehen würde und der Bericht sehr schwer zu verdauen wäre.

Definition der Erkrankung:
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Hier möchte ich zuerst einmal die Erkrankung definieren, d.h. beschreiben wie sie im medizinischen Fachjargon genannt wird.

Es gibt 2 Arten der Impotenz:

-Impotentia coeundi ( erektile Dysfunktion ) Diese bezeichnet nichts anderes als die Unfähigkeit den Geschlechtsakt durchzuführen. Eine ED ist übrigens nicht zwingend mit einer Ejakulations- bzw. Orgasmusstörung verbunden.

Für Laien unter euch zur Erklärung: Ejakulation nennt man den Samenerguss und Orgasmus weiß ja wohl jeder ;-)

Bei der landläufig bezeichneten Impotenz handelt es sich um genau diesen Typ.

- Impotentia generandi ( Sterilität, Infertilität ) handelt es sich um die Unfähigkeit zur Fortpflanzung also die Sterilität des Mannes.

Epidemiologie:
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Allein in Deutschland sind ca. 4 bis 6 Millionen Männer von dieser Erkrankung betroffen, wobei die Dunkelziffer sicherlich noch weit höher liegt auf Grund des sensiblen Themas. Laut Statistiken leiden ca. 2% der 40-jährigen und 25% der 65-jährigen Männer an dieser Funktionsstörung.

Früher waren die Fachleute der Ansicht, dass es sich bei ca. 90% der Fälle um sogenannte psychisch bedingte Störungen handelt. In letzter Zeit hat sich auf diesem Gebiet aber viel getan und die Zahlen haben sich eindeutig verschoben.

So geht man heute davon aus, dass bei 30% der Fälle wirklich psychische Ursachen zugrunde liegen. Bei rund der Hälfte aller betroffenen Männern können heute jedoch organische Störungen nachgewiesen werden dank der Forschung auf diesem Gebiet. Bei den restlichen 20% der Betroffenen handelt es sich um eine Mischform, d.h. organische und psychische Faktoren.

Interessant ist übrigens, dass eine Erkrankungshäufigkeit bei Diabetespatienten auftritt, denn diese seien laut Statistik etwa doppelt so häufig betroffen als andere Gruppen.

Mögliche Ursachen für die Störung:
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Diese sind sehr vielfältig und ich kann aus Platzmangel keines falls auf die einzelnen Gruppen näher eingehen und nur anreißen.

-Allgemeine Ursachen:

Alter, Übergewicht, Alkohol, Nikotin, Drogen ( insbesondere Marihuana u. Heroin)

-Veränderungen an den arteriellen Gefäßen

Arterielle Gefäße werden im Volksmund auch Schlagadern genannt und sorgen für die Blutzufuhr. Sind diese eingeschränkt kommt es zu einer unzureichenden Füllung der Schwellkörper, was soviel bedeutet, dass der Penis eben nicht ausreichend Festigkeit erreicht.

-venöse Insuffizienz

Venöse Gefäße sind für die Blutabfuhr zuständig. Bei einer Störung derselben bedeutet das im Hinblick auf die Impotenz, dass es zu einem vorzeitigen bzw. vermehrten Blutabfluss kommt und der Penis eben zu schnell erschlafft.

-neurogene Ursachen

dazu zählen die verschiedensten Erkrankungen des zentralen Nervensystems ( Gehirn, Rückenmark) und des peripheren Nervensystems ( Nerven )

-Stoffwechselstörungen

Funktioniert unser Stoffwechsel nicht richtig so kann es zu den unterschiedlichsten Funktionsstörungen auch weit entfernt des betreffenden Organs kommen.

Zu den Stoffwechselstörungen zählen in erster Linie der Diabetes mellitus ( Zuckerkrankheit), Leber- und Nierenfunktionsstörungen und Fettstoffwechselstörungen.

-Zustand nach Operationen

-Hormonstörungen

-Medikamente

-sonstige Ursachen

hierzu zählen die unterschiedlichsten Erkrankungen wie z.B. Allergien, chronische Infektionskrankheiten und andere

-psychische Ursachen

wie Stress, Leistungsdruck, Partnerschaftsprobleme, Versagensängste, Depressionen etc.

Wie wird die Diagnose gestellt:
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Wichtig ist zuerst einmal eine ausführliche und allumfassende Recherche durch einen kompetenten Arzt des Vertrauens. Dieser wird zunächst versuchen anhand eines umfangreichen Fragekatalogs die möglichen Ursachen der Störung einzugrenzen.

Im 2. Schritt erfolgt dann eine allgemeine körperliche Inspektion und Untersuchung sowie die labormäßige Abklärung der wichtigsten Blutwerte.

Eine Ultraschalluntersuchung zeigt die innere Penisbeschaffenheit und evt. Vorhandene Formveränderungen bzw. Verkalkungen. Eine farbkodierte Ultraschalluntersuchung ( Duplexsonographie) erbringt eine zuverlässige Aussage über die Durchblutung der Schlagadern. Keine Bange, diese Untersuchung ist in keinster Weise schmerzhaft.

Neurologische Untersuchungen, Röntgenuntersuchungen, ein Schwellkörperinjektionstest können evtl. auch noch zur Abklärung notwendig werden. Auch hier gilt keine Angst, diese Untersuchungen klingen dramatischer als sie in Wirklichkeit sind.

Therapiemöglichkeiten:
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Ist die größte Hürde der ganzen Untersuchungen geschafft gibt es zahlreiche auf die Ursachen abgestimmte Behandlungsmöglichkeiten.

Mittlerweile gibt es mehrere verschiedene Medikamente auf dem Markt. Viagra ist wohl das bekannteste aber nicht das einzige. Die Medikamente sind in aller Regel rezeptpflichtig, was meiner Meinung nach auf jeden Fall sehr wichtig ist, denn Selbstbehandlung könnte fatale Folgen haben. Wie alle anderen Medikamente auch gibt es möglicherweise verschiedene Nebenwirkungen oder auch Kontraindikationen (bestimmte Fälle in denen Anwendungsbeschränkung vorliegt).

Eine weitere Therapiemöglichkeit sind die sogenannten Injektions- und Installationsstoffe.

Dabei spritzt sich der Mann bei gewünschter Erektion ein Medikament selbst in die Schwellkörper. Die Erfolgsrate ist übrigens recht hoch mit 70-80% und auch diese Methode hört sich schmerzhafter an als sie ist. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit gewisse Medikamente durch einen dünnen Katheter direkt in die Harnröhre einzubringen, die dann selbsttätig in die Schwellkörper wandern und zu einer Anschwellung des Penis führen. Die Katheter sind sehr dünn und schmerzen ebenfalls nicht.

Hormonbehandlungen, Aphrodisika ( Stimulansmittel), Psychotherapie bzw. Partnerthrapie, operative Behandlung gehören auch zu dem mittlerweile breiten Behandlungsspektrum dazu. Ebenfalls zu erwähnen sind die Hilfsmittel wie Vakuumpumpe oder in Härtefällen Penisprothesen.

Meine persönliche Meinung zu dieser Erkrankung:
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Es kann jeden Mann treffen und dieses Bewusstsein führt auch dazu, dass wohl schon eine gewisse Urangst in der männlichen Psyche vorhanden ist.

Solche betroffenen Männer fühlen sich als Versager, schämen sich darüber und es fällt ihnen in aller Regel sehr schwer darüber zu sprechen.

Diese Funktionsstörung hat aber absolut nichts mit einem Versagen zu tun und Mann braucht sich wirklich nicht als Schlappschwanz oder halber Mann zu fühlen. Der menschliche Körper ist eben sehr komplex in seinen Funktionen, reagiert mitunter sehr empfindlich und ist eben keine Maschine.

Leider gibt es noch viele Frauen, die dieses Krankheitsbild bzw. die Funktionsstörung belächeln. Männer da kann ich euch jedem einzelnen nur dazu sagen: baut Selbstbewusstsein auf und schießt die Betroffene in den Wind, denn sie ist es nicht wert. Wenn die Partnerschaft in Ordnung ist, dann braucht Frau auch gar keine Sorgen zu haben unbefriedigt zu bleiben, denn es gibt Mittel und Methoden genug.

Nimmt euren Mut zusammen und redet mit dem Arzt des Vertrauens über euer Problem. Habt ihr das Gefühl an den Falschen geraten zu sein und dass er euch nicht vollnimmt, gebt nicht auf und sucht einen kompetenteren Arzt.

Eine große Hilfe für die Betroffenen ist auch der Austausch mit anderen Betroffenen. Es gibt mittlerweile eine Selbsthilfegruppe im deutschprachigen Raum im Internet wo ihr euch untereinander austauschen könnt. Oftmals ist es schon eine Erleichterung und zeigt neue Möglichkeiten auf, wenn man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann, da man dort immer das Gefühl hat verstanden zu werden.

Setzt euch nie einem Leistungsdruck aus und lernt auch einmal ein Versagen eures Körpers zu akzeptieren, denn das ist ganz normal. Frauen können auch nicht immer nur merkt man das in der Regel eben nicht.

Es gibt heutzutage sehr hohe Behandlungschancen, allerdings kann ich euch nicht verheimlichen, dass eben alles seine Zeit braucht und gerade im Bezug auf eine Erektionsstörung gilt dieses besonders. Das wichtigste ist Geduld zu haben und die Hoffnung nie aufgeben, denn sobald man seinen Körper geistige Grenzen setzt oder etwas verzwingen will in dieser Hinsicht klappt’s erst recht nicht.

Wer zu diesem Thema noch weitere Fragen hat, kann mich gerne per Mail oder Kommentar darauf ansprechen, ich werde versuchen die Fragen zu beantworten.

Nochmals möchte ich darum bitten bei dieser Meinung auf lächerlichmachende oder nicht ernst gemeinte Kommentare zu verzichten, denn dazu ist dieses Thema viel zu ernst.

© eure Luzia



PS: nachfolgend die Internetadresse der Selbsthilfegruppe:

Selbsthilfegruppe "Erektile Dysfunktion (Impotenz)"
Internet: http://www.impotenz-selbsthilfe.de/
Tel.: 08142 597099
E-Mail: kontakt@impotenz-selbsthilfe.de

36 Bewertungen, 5 Kommentare

  • cyber-chaos

    05.04.2003, 00:31 Uhr von cyber-chaos
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eigentlich ein Intersanntes Thema

  • maus1972

    15.07.2002, 09:54 Uhr von maus1972
    Bewertung: sehr hilfreich

    vieles davon war mir noch nicht bekannt.....

  • eponnin

    28.05.2002, 18:32 Uhr von eponnin
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wenigsten stehen heute Betroffene diesem Problem nicht vollkommen allein gegenüber. Interessanter Bericht.

  • anonym

    27.05.2002, 16:35 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Echt interesant hab ich nciht gewusst!!! sehr ausführlich und fundiert!!!

  • Alusru

    01.05.2002, 02:45 Uhr von Alusru
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr gut erklärt die armen Männer können einem richtig leid tun, ist sicher nicht einfach, lieben Gruß Uschi.