Blaue Wunder (gebundene Ausgabe) / Ildiko von Kürthy Testbericht

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ab 9,36
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Erfahrungsbericht von dani___

Ich hasse Fischmäc, du auch?

Pro:

schön unterhaltsam und prickelnd; Selbstironie; Witz und Phantasie; sympathische Charaktere; manchmal total anderer Ausgang der Dinge, als man denkt; hoher Lachfaktor aufgrund vieler Peinlichkeiten; leicht zu lesen => einfache Sprache;

Kontra:

viel zu kurz; Preis für Hardcoverausgabe

Empfehlung:

Ja

„Liebes Tagebuch!!! Am liebsten würde ich es jedem erzählen, dem Metzger, dem Busfahrer, arglosen Passanten, den Kolleginnen im Büro. Besonders der fiesen Heike, die mich so von oben herab behandelt. Ich freue mich auf den Tag, an dem Martin mich von der Arbeit abholen wird, mit diesem großen, dunklen Auto, das aussieht, als sei es ausschließlich gebaut worden, um Diplomaten und Regenten darin zu befördern. Dann werde ich sagen: 'Weißt du, Heike, mein Freund ist Geschäftsmann. Er findet es zwar überflüssig, dass ich arbeite, aber solange es Spaß macht, sage ich immer, ist das doch wie ein bezahltes Hobby, nicht wahr? Tschüs.“ (Auszug Seite 16/17)
Unsere Elli – auf dem Höhepunkt ihrer Liebe gegenüber Martin, den sie seit ein paar Tagen kennen und lieben gelernt hat. Sie schwebt auf Wolke 7 und findet sogar Tagebücher, die sie zuvor, und vor allem ihre Besitzer, zutiefst verachtet hat, als hochwertige Erinnerung an die schönste Zeit.

Aber nun mal von Vorne: Elli kommt aus Hiltrup im Münsterland und zieht aus nebensächlicheren Gründen nach Hamburg, wo sie prompt durch Zufall mit Martin kollidiert – wortwörtlich. Die beiden werden ein Paar und für einige Tage scheint es auch wirklich zu klappen – Elli verspricht sich, mit ihm alt zu werden. Doch als sie Gedanken verloren in Martins Wohnung sitzt und es sich gut gehen lässt und sehnsüchtig auf ihn wartet, erhält sie eine SMS, in der er sie bittet, sich doch auf der Dachterrasse zu verstecken. „War Martin in irgendwelche schmutzigen Machenschaften verwickelt? Wurde er vielleicht erpresst? Schutzgeld? Die Toiletten-Mafia?“ (Seite 22)

Nein, leider keine schmutzigen Machenschaften, sondern nur seine Ex-Freundin, die eigentlich noch immer seine Freundin ist, nur dass Martin und natürlich auch Elli nichts davon wissen. Laut Astrid sieht das Ganze nämlich folgendermaßen aus: „Ich habe gar nichts beendet! Alles, was ich gesagt habe, war, dass ich ein wenig Abstand bräuchte, um mir über meine Gefühle klar zu werden. Das ist doch wohl verständlich. Was erwartest du denn? ...“ (Seite 23) Nur zu dumm, dass Elli alles mithören kann und die Sache mit Martin dann schon wieder zu Ende ist und zwar schon nach 32 Seiten... arme Elli.

Doch zum Glück kommt auch in diesem Buch wieder mal ein Sieges sicherer schwuler Freund mit ins Spiel, dieses Mal Erdal. Er ist zwar zimperlich, liebt aber große Shows, bei denen er köstlich über andere lachen kann, so lange es ihn selbst nicht betrifft. Und Elli ist dafür geboren, weil sie so naiv ist und sich auf alles einlässt. Sie liebt Alkohol, Selbstmitleid und nette Abende mit ihren neuen Freunden in Hamburg und die kommen schließlich zu dem Entschluss, dass sie Astrid, ihre Gegenbulerin,ins Visier nehmen muss, um die Situation besser einschätzen zu können. Denn wie soll man denn bitte jemanden ausknocken, den man gar nicht kennt?! Und damit beginnt der eigentlich lustige Teil der Ildikó von Kürthy-Reihe...



~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Meinung ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Ildikó von Kürthys neuestes Buch „Blaue Wunder“ hält das, was es verspricht – viel Selbstironie, Witz, Charme und eine Menge Dinge, die man an sich selbst auch beobachten kann, wenn man mal ehrlich zu sich selbst ist.
Nachdem mich ihr drittes Buch „Freizeichen“ leicht enttäuscht hat, wurde hier wieder einmal bewiesen, dass es nicht undbedingt abflachen muss, wenn man mehrere Bücher vom „gleichen Inhalt“ schreibt, denn die Witze sind gut, neu und vor allem auch originell.
Es wirkt nicht aufgesetzt, als müsse sie jetzt unbedingt einen Witz nach dem anderen reißen, um das Buch spannend zu machen, weil ja das eigentlich der ganze Inhalt ist. Es läuft eher auf einen sehr unterhaltsamen Roman hinaus, nachdem man dann schreckliche Bauchschmerzen vor Lachanfällen hat.

Man kann sich total in die Welt von Elli hineinversetzen, weil es einfach aus dem Bauch heraus geschrieben ist, so kommt es zumindest rüber. Ich habe mich oft in den Ausführungen wieder erkannt, natürlich nicht so übertrieben, ich mache mir nicht den ganzen Tag Gedanken, ob ich nun zwei Kilo zu viel habe oder nicht und ich betrinke mich auch nicht hemmungslos wie sie es tut. Aber an manchen Stellen musste man doch auch an seine eigenen Erfahrungen denken, die vergleichbar sind.

So wurde „Blaue Wunder“ zu einem Roman, der nicht nur witzig und einfallsreich ist, sondern auch zu einem, der schon aus dem Leben gegriffen scheint, wenn auch stark dramatisiert. Welch einer Frau wäre denn noch nach Witz und Selbstironie zu Mute, wenn sie mitbekommt, dass ihr neuer (Ex-) Freund seine (Ex-) Verlobte wieder zurückwill und man selbst unten durch ist?!
Man sollte also kein Buch erwarten, dass vor Lebensweisheiten so strotzt und aus dem man sonst etwas lernen könnte, weil es eine Moral beinhalten würde. Es ist einfach nur eine saloppe Erzählgeschichte über die verschiedensten Gefühlszustände einer geplagten Frau Mitte dreißig. Noch dazu können diese Gefühlszustände sehr spontan wechseln, was das Buch auch ausmacht.

Ist Elli noch sehr gut gelaunt weil abgelenkt, so kann der kleinste Auslöser, er muss nicht einmal direkt mit Martin zusammenhängen, bewirken, dass sie in ein tiefes Trauma kommt. Da muss dann erst einmal eine besondere „Erdal-Anwendung“ her, mit der sie dann wieder auf die Beine kommt.
Was mir die Hauptfigur auch noch sympathisch macht, ist ihre Einstellung zum Leben. Sie wird beschrieben als jemand, der eigentlich schon weiß, was er will, aber dennoch noch nicht wirklich das Wahre gefunden hat. Sie hat einen guten Job, aber immer die falschen Männer. Doch bei einer Sache ist sie sich sicher: „Kreisch! Würg! Kreisch! Wenn ich eins hasse, dann Frauen, die sich nicht gehen lassen. Was ich aber noch mehr hasse, sind Männer, die Frauen gut finden, die sich nicht gehen lassen und auf ihre Figur achten.“ (Seite 67)

Bei solchen Aussagen kann ich einfach nur noch schmunzeln, eigentlich hat sie Recht, wieso sollte man nichts genießen... aber hemmungslos? Elli ist schon ein Extrem, wie es es in der Realität wahrscheinlich nur selten gibt. So erschütterlich aber gleichzeitig auch fordernd und selbstbewusst. Lediglich, wenn man sie auf ihren etwas zu dick geratenen Po aufmerksam macht, ist sie ruhig!
„Ganz ehrlich unter Freunden: Zwei, drei Kilo weniger würden dir nicht schaden.“ (Seite 33)

Von der Sprache in dem Buch sollte man nicht zu Anspruchsvolles erwarten, es ist halt nur ein Unterhaltungsbuch und keine anspruchsvolle Lektüre. Von daher kann das wirklich jeder lesen, Fremdwörter kommen sicherlich nicht vor (höchstens selbst gebastelte „Frauenwörter“ von Ildikó von Kürthy +gg+) und die Satzkonstruktionen sind auch nicht wirklich schwierig. Ein Buch, dass man überall und immer lesen kann, weil es so einfach ist und das man innerhalb weniger Stunden, sofern einen das Lesen Spaß macht, durch hat.

Das Buch wird weiterhin sehr verschönert durch die Bilder, die wieder einmal mit eingefügt wurden. So muss man sich nicht nur immer auf die Ausführungen konzentrieren, sondern kann auch genüsslich die Bilder anschauen, die eigentlich auch schon alles verraten würden. So kommt es vor, dass man Bilder aus Notting Hill sieht, weil Elli sich gerade davon inspirieren lässt, oder von ihren hochhackigen Schuhen, weil die angeblich mehr Selbstwertgefühl ausstrahlen sollen und sie dazu gezwungen wurde, was aber leider zu schrecklichen Schmerzen im Fußbereich geführt hat.
Eines der besten Fotos ist allerdings das mit Ellis Füßen in Erdals Salatschüssel. Natürlich sollte das nur ein nettes Fußbad werden, aber was es damit genau auf sich hat, oje... +gg+

Was mich auch immer wieder fasziniert ist, wieviel sich Ildikó von Kürthy ausdenken kann.
Muss doch auch einen Grund haben, warum diese Frau so ziemlich alles Peinliche auf dieser Welt zusammentragen kann. Hat sie das etwa alles erlebt und ist ihr so viel peinlich. Man weiß es nicht.
Auf jeden Fall muss man eine Menge erlebt oder eine blühende Phantasie haben, um „Blaue Wunder“, „Mondscheintarif“, „Herzsprung“ oder „Freizeichen“ schreiben zu können...
Die Geschichte wirkte für mich auch nicht an den Haaren herbeigezogen, weil jeder mal verlassen wird und man um den anderen heult, vielleicht auch kämpft. Es sind halt nur nette Anekdoten mit eingebaut, die zeigen, dass der Kampf um den ehemaligen Partner auch leicht ins Peinliche ausarten kann...
Unrealistisch finde ich es daher nicht, eher sehr amüsant und an manchen Stellen ein klein bisschen übertrieben. Aber sonst wäre das Buch ja auch nicht so witzig und unterhaltsam geworden.

Langweilig wird „Blaue Wunder“ sicherlich nicht, ich habe mir an keiner Stelle gedacht, oh mann, wann ist endlich Schluss, das darf doch nicht wahr sein – im Gegenteil, man hofft eher, dass noch spontan ein paar Seiten anwachsen und das Lesen länger anhält.
Spätestens (aber wirklich aller spätestens), wenn man an dem Punkt gelangt ist, wo man Elli versteht, weil sie nicht mehr aus dem Whirlpool gehen will, weil sie ein Bekannter dann mit all ihren Fettpolstern sehen könnte und das auch noch in der Öffentlichkeit, wird klar, mit was für einem Buch man hier zu tun hat. Wem es bis dahin entgangen ist, der tut mir leid.

Was natürlich weniger anziehend auf das Buch wirkt, sind die Klischees, die immer wieder auftauchen. Man könnte ja mal versuchen, so ein Buch zu schreiben, ohne einen schwulen Kumpel autauchen zu lassen, ohne die zu vielen Pfunde. Aber dann wäre ein von Kürthy – Buch kein von Kürthy – Buch mehr, glaube ich fast.
Man denkt sich da natürlich, mensch, das müsste jetzt nicht sein, oder das stimmt doch einfach gar nicht, aber letztendlich sind es gerade diese Textabschnitte, die dann später zum Schmunzeln führen, auch wenn ich sonst kein Befürworter für Klischees bin.
Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es Menschen gibt, die alleine wegen dieser Tatsache auf solche Bücher verzichten möchten – verständlich. Ich drücke da gern ein Auge zu ;)

Was das zügige Lesen noch vereinfacht, sind die Abgrenzungen innerhalb des Textes. Hier wird mal Einblick in das Tagebuch gegeben und auch normal erzählt, wo es mehrere verschiedene Abschnitte geht. Da kann man dann gut Lesepausen einlegen.

Die kleinen, weniger subtilen Sticheleien auf deutsche Prominente sind auch mehr als köstlich: „Zweifelnd betrachte ich Renée Zellweger, die gerade einem Reporter am Rande des roten Teppichs ein Interview gibt. Die hat, das muss man ja mal sagen dürfen, mit ihrem Gesicht echtes Pech gehabt. Denn egal, ob sie für eine Rolle gerade mal wieder zehn Kilo ab – oder zugenommen hat, ihr Gesicht bleibt immer so rund wie das von Michel aus Lönneberga. Das würde mich ganz schön ärgern an ihrer Stelle: Da hungerst du wohenlang, und was hast du davon? Arsch weg, Brust futsch, Gesicht kreisförmig. Eine Silhouette wie ein Stoppschild.“
(Seite 110)

Das Ende war etwas abgeflacht, es war so berechnend einerseits und plötzlich wandte sich alles ins Gegenteil. Die letzte Phase im Buch war zwar nicht langatmig, aber lang nicht so gut wie die anderen Teile der Geschichte.

„Blaue Wunder“ ist erfrischend geschrieben, nicht langatmig und sicherlich lesenswert für diejenigen unter uns, die auch mal weniger anspruchsvolle Lektüren in die Hand nehmen und herzhaft lachen wollen.
Für mich hat sich der Kauf auf jeden Fall gelohnt, auch wenn mir die Hardcover Ausgabe, die es im Moment nur gibt, etwas zu teuer ist und ich sie wieder verkaufe.
Wer eine nette Unterhaltung in Form eines Buches braucht, sollte hier zugreifen, man ist hier sicherlich nicht falsch.



~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Autorin ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Ildikó von Kürthy, geboren 1968, lebt in Hamburg und ist Journalistin beim „Stern“.
Ihr erster Bestseller „Mondscheintarif“ hat sich über eine Million mal verkauft und wurde fürs Kino verfilmt.
Auch „Herzsprung“ und „Freizeichen“ schafften auf Anhieb den Sprung in die Bestsellerliste.
(Auszug aus „Freizeichen“, weil im neuesten Buch nichts über sie steht.)



~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Sonstiges ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Titel: Blaue Wunder, veröffentlicht im September 2004 von Wunderlich
ISBN: 3-8052-0776-X
Seitenanzahl: 252

Preis: 17,90€
weitere Informationen unter www.rowohlt.de

Weitere Bücher von Ildikó von Kürthy:
-Mondscheintarif (ISBN: 3-499-226375)
-Herzsprung (ISBN: 3-499-232871)
-Freizeichen (ISBN: 3-499-23614-1)



~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Fazit ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Ich empfehle euch dieses Buch mit fünf Sternen, die Story ist zwar eigentlich die, die man überall liest und hört, aber sie wurde mit so viel Witz und Phantasie spannend und unterhaltsam gestaltet, dass mir das Buch wahnsinnig gut gefallen hat.
Wer einmal damit beginnt, kann es unter Garantie nicht mehr weglegen, wenn man solche Art Bücher mag. Vielleicht kann man ja auch die Taschenbuchausgabe abwarten, die wird dann um einiges günstiger sein.
Das einzige, was mir wirklich weniger gefallen hat, war wirklich der Schluss, ich habe es mit einem weniger tollen Gefühl beendet, weil ich mehr erwartet hatte. Schade.

Viel Spaß beim Lesen wünscht dani!


+++

88 Bewertungen, 6 Kommentare

  • bodenseestern

    21.01.2007, 15:53 Uhr von bodenseestern
    Bewertung: sehr hilfreich

    **liebe Grüße Petra**

  • BePunkt

    17.05.2006, 18:07 Uhr von BePunkt
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wow, das ist gut geschrieben und du hast dir ziemlich viel Mühe gegeben ! Aber was heißt denn sh, was hier mehrere schreiben?, Liebe Grüße, B.

  • Estha

    17.05.2006, 00:24 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse geschrieben --- sh --- :-) ... lg susi ----->----->-----@

  • anonym

    14.05.2006, 14:43 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh! ...... LG, Marianne ;o)

  • anonym

    29.03.2005, 20:59 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    dachte auch an Mc Donalds:-) schöner Bericht, liebe grüße tammy

  • JoergTh

    10.11.2004, 20:04 Uhr von JoergTh
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...dachte ich, hier kommt ein Bericht über Mc Donalds *grins... scheint ein interessantes Buch zu sein! Gruß Jörg