Freizeichen (Taschenbuch) / Ildiko von Kürthy Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von dani___
Wie heißt du eigentlich?
Pro:
lustig geschrieben; unterhaltsam; Selbstironie; man entdeckt sich eventuell in einigen Szenen wieder; Lachfaktor; offenbart alle Schwächen, übersieht nichts an einer Frau; geht hemmungslos mit dem Thema Beziehung um;
Kontra:
unrealistisch; Klischees; flachere Witze als in Mondscheintarif und Herzsprung
Empfehlung:
Ja
Ach, das Leben könnte so schön sein – aber was ist, wenn man sich auf einmal zwischen Männern entscheiden kann beziehungweise muss?
Vor diesem Problem steht Annabel, 31 Jahre alt (wie schon oft bei einem Frauenroman von Ildikó von Kürthy und anderen solcher Autorinnen), die eigentlich schon seit einiger Zeit mit Ben zusammen wohnt.
Und wie es dazu kam? Hmm, eigentlich wollte Annabel nur zu ihrer Tante nach Mallorca, um von allem Abstand zu halten, nicht zuletzt von ihren überflüssigen Pfunden, die in letzter Zeit immer zahlreicher werden.
Auszug aus Freizeichen, Seite 45:
„Duw illst mit den Nudeln nur von viel grundsätzlicheren Problemen ablenken. Das ist so typisch. Kaum ist eine Krise in Sicht, hat Benedikt Cramer praktischerweise einen Großkunden in Not.“
„Das hier ist dein einunddreißigster Geburtstag und keine Krise, und ich muss jetzt wirklich los. Vielleicht bist du ja noch wach, wenn ich nach Hause komme.“
„Vielleicht bin ich aber auch weg, wenn du nach Hause kommst.“
Wäre diese Konversation mit ihrem Freund nicht schon schlimm genug, nein auch ihre Tante, diese heiratswütige und Geld süchtige alte Dame, versetzt sie, als sie in Mallorca ankommt und so stößt Annabel auf Robin, den sie ... nun ja... mehr oder weniger ansprechen muss, sonst hätte es wohlmöglich den Anschein gehabt, sie könnte noch nicht aufs Töpfchen gehen +gg+
Das heißt ganz einfach: sie musste unbedingt aufs Klo, sie konnte noch nicht zu ihrer Tante und Robin schien in diesem Moment ihr einziger Rettungsanker zu sein und so fragte sie bei ihm nach, ob sie seine Toilette benutzen durfte.
Gleich zu Anfang an war es zwischen ihnen ganz komisch und letztendlich läuft alles darauf hinaus, dass Annabel glaubt, sie sei frisch verliebt.
Nun muss sie nur noch mit Ben Schluss machen, den sie eigentlich eh nicht mehr liebt, auch wenn sie ihr Ritual, dass er ihr „vielleicht so viermal im Jahr“ zu Karstadt geht und ihr zwei Tüten Parmesan klaut. Wie süß. Doch das alles nützt nichts, sie will etwas Neues, sie will Robin.
Beim Rumlümmeln lernt Annabel schließlich Cora Hübsch kennen. Sie verstehen sich auf Anhieb gut und Annabel schüttet ihr auch ihr Herz aus weswegen es regelmäßig eine Beratungsstunde in Sachen Beziehungen gibt.
Nach einigen Tagen kommt wie angekündigt Coras Freunden Sonja mit hinzu und nach einiger Zeit wird klar, dass sie Annabels Freund Ben ausspannen will, obwohl sie gar nicht weiß, dass ihre eigentliche Nebenbuhlerin vor ihr sitzt.
Tja, Annabel ist sich dessen schon im Klaren und versucht nun alles, um es zu verhindern. Plötzlich erwachen in ihr die Kämpferinstinkte, sie kann ihren Ben doch nicht an „so eine“ ausliefern und sie ist grenzenlos eifersüchtig.
Aber: Sonja scheint Annabels Ben geküsst zu haben! Oder hat sich Annabel nun nur verhört? Großes Grummeln steigt in ihr auf... doch bald stellt sich heraus, dass Sonja ihn nur verführen will, es aber noch nicht wirklich geschafft hat... doch von Aufgeben scheint auch keine Spur zu sein...
Annabel auf großem subtilen „Zurückeroberungsversuch“...
Und was ist mit Robin? Hmm... er ist jung, dumm und naiv.
Die beiden haben eine schöne Zeit, aber mehr auch nicht. Es geht heiß her, schließlich ist Annabel in ihren ersten Wutgedanken ja schon mental von Ben getrennt, oder doch nicht??
Lest selbst... turbulent und spannend bis aufs Letzte ;))
-_-_-_ Meinung _-_-_-
Nach Mondscheintarif und Herzsprung von Ildikó von Kürthy wusste ich ja schon so ungefähr, was mich hier bei Freizeichen erwarten würde, nämlich ein mitreißender und impulsiver Frauenroman, der nicht zuletzt wegen irrsinniger Monologe aufgrund zu vieler Fettzellen im Dunkeln einer Frau spannend wirkt.
Ildikó von Kürthy hat es einfach wieder einmal geschafft, dass man mit einem Affenzahn durch dieses Buch lesen kann. Ich habe es ja in unserem Frankreichurlaub dabei gehabt und hatte es in wenigen Stunden durch, weil man einfach nicht mehr aufhören konnte.
Die ganze Selbstironie, mit der das Buch schon fast getränkt ist, lässt einem nicht mehr aus dem Schmunzeln herauskommen. Es sind auch einige Hämmer mit drin, wo man auch richtig lachen kann, wenn es einfach richtig peinlich für Annabel wird und sie in ein rießen großes und eigentlich unübersehbares Fettnäpfchen getreten ist.
Dabei ist es mir sehr wichtig, dass das Ganze, sprich ihr Schreibstil, nicht übertrieben wirkt. Wenn nämlich ständig darauf geachtet wird, dass es ja super lustig ist, dann verliert es seinen Reiz. Hier liest man schön flüssig und man hat das Gefühl, dass es genau die Gedanken sind, die bestimmt eine Menge Frauen tagtäglich mit sich herumtragen. Einfach spannend und vor allem unterhaltsam zu sehen, dass man damit nicht alleine ist ;)
Es ist natürlich auch herrlich zu sehen, dass Annabel sich über jedes kleine Pfund so sehr aufregt, mit ihrer Frisur nie zufrieden ist und eigentlich an so ziemlich jedem Körperteil etwas auszusetzen hat. Sie schafft es einfach nicht, mit sich selbst klar zu kommen, sie will anderen gefallen und auch im Mittelpunkt stehen, was total in das Konzept des Buches passt.
Was mich auch sehr fasziniert hat, ist, dass obwohl eigentlich immer das Gleiche in den Büchern von Ildikó von Kürthy passiert (Unwohlgefühl bei Frauen über 30 – Diätversuche – Verlust des Freundes oder dessen Austausch – Liebeskummer), versteht sie es wieder einmal gut, eine neue Geschichte drum herum zu basteln, die keinesfalls langweilig wird.
Man versinkt in der Weld von Annabel, die in Sonja nur noch ein Monster sieht, dass ihren Freund wegnehmen will und man kann die unausgesprochenen Mordgelüste nur bestens nachvollziehen.
Sie schreibt von ihren Gefühlen und Gedanken, man weiß, mit was für einem Menschen man es zu tun hat und genau das macht es so gut – man kann mitfühlen, man fühlt sich mit den Menschen im Buch verbunden.
Es wirkt nicht alles kalt und erfunden, sondern emotional geladen.
Klar, es ist natürlich auch unrealistisch.
Wer hat denn schon eine stinkreiche Tante auf Mallorca, die schon mehr als alt ist und die jedes Monat einen anderen Ehemann hat, nur um sich nach kurzer Zeit wieder von ihm zu scheiden – abgesehen vom Geld natürlich... ? Ich nicht, noch dazu habe ich sicherlich auch nicht das Glück, einen Aufenthalt im Fünfsternehotel „Mardavall“ zu gewinnen, geschweige denn in irgendeinem anderen Fünfsternehotel.
Es kommen hier schon sehr viele Zufälle auf einen Haufen, was das Ganze einfach etwas unmöglich erscheinen lässt, aber es ist trotzdem witzig, mitreißend und ich konnte das Buch nicht mehr weglegen.
Habt ihr eigentlich schon mal über die Vor – und Nachteile von farbigen Kontaktlinsen nachgedacht? Solltet ihr mal, wenn eure Antwort nein lautet, oder ihr lest einfach mal das Buch, am besten auf Seite 86:
„Der Beginn einer Beziehung verläuft in vier Stufen, die genau den käuflichen Augenfarben entsprechen: Blau, Grün, Braun und Natur. Royal Blue ist die perfekte Augenfarbe für Bewerbungsgespräche, Tagesausflüge und Sommerflirts. (...) Evergreen benutze ich gerne für Abendeinladungen, weil es mir, wie ich finde, etwas Unergründliches verleiht. (...) Cosy Brown trage ich, wenn ich besonders einfühlsam, verständnisvoll und beruhigend auftreten will.“
Teilweise wird Annabel auch als kleines Naivchen oder Dummerchen hingestellt, nicht umsonst hat sie Gedanken wie
„Na, bravo, jetzt ist er beleidigt. Ich sag\'s ja immer: Mit Männern, die eine Erektion haben, ist nicht zu spaßen. Die nehmen immer alles gleich persönlich.“ (Seite 197)
ähmm, kleiner Einwand:
das ist normal, dass Mann geknickt ist, wenn es zur Sache kommen soll und frau es sich dann anders überlegt, weil sie indirekt auf die SMS von ihrem Freund wartet, aber egal... das muss Annabel ja nicht wissen ;)
Sämtliche Klischees kommen hier nicht zu kurz. Wie auch in den anderen Büchern plappert Ildikó von Kürthy von Themen, von denen sich die Welt eh schon den Mund fusselig redet und wo man nur noch abwinken kann – eigentlich. Die Autorin bringt das witzig und selbstironisch rüber, wodurch es einen gewissen Pepp bekommt ;)
Wobei man sagen muss, dass es dieses Mal auch eine „Kehrtseite“ hatte, denn hier wird sogar von Max Frisch geplaudert, es werden Auszüge von ihm gebracht und Annabel denkt ganz anders, ganz anders als sie immer denkt... ok, wir sollten das jetzt nicht näher ausführen, beschäftigt euch mal selber mit ihr und ihrem Max Frisch und warum gerade der überhaupt eine Rolle in der Situation spielt.
Das Buch ist durchweg spannend, langweilig wird es einem hier sicherlich nicht. Es wird zwar über vieles geredet, worüber man schmunzeln kann, heißt aber nicht, dass es nicht spannend ist. Gerade zum Ende hin bin ich fast gestorben, weil man bis zuletzt nicht weiß, wie es ausgeht.
Insgesamt hat mir dier Roman super gefallen, das einzige, was mich gestört hat oder was mir hier etwas negativ aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Witze flacher waren als in anderen Büchern, was mich aber auch in keinster Weise wundert.
Schließlich hat sie schon genügend Späße in den ersten beiden Büchern „verbraucht“, irgendwann sind halt mal keine mehr da und der Lachfaktor wird geringer.
Aber ich denke, den einen Stern kann das Buch aufgrund Letzterem und der Tatsache, dass es recht unrealistisch ist, schon verkraften.
Dafür, dass ich eine super Unterhaltung im Urlaub hatte und ich mich manchmal sogar selbst in dem Buch wiedererkannt habe, kann ich es nur empfehlen. Mir hat es gut gefallen und ich würde es jederzeit wieder lesen.
Warum es Freizeichen heißt: weil ihr Akku leer ist? +gg+ keine Ahnung...
-_-_-_ Autorin _-_-_-
Ildikó von Kürthy, geboren 1968, lebt in Hamburg und ist Journalistin beim „Stern“. Ihr erster Bestseller „Mondscheintarif“ hat sich über eine Million mal verkauft und wurde fürs Kino verfilmt.
Auch „Herzsprung“ und „Freizeichen“ schafften auf Anhieb den Sprung auf die Bestsellerliste.
(Auszug aus dem Buch)
Kleiner Zusatz von mir: Mitlerweile hat Ildikó von Kürthy ihr viertes Buch veröffentlicht: „Blaues Wunder“.
-_-_-_ Sonstiges _-_-_-
Titel: Freizeichen, veröffentlicht im Juli 2004 im Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN: 3-499-23614-1
Seitenzahl: 232
Preis: 8,90€
weitere Informationen unter www.rororo.de
Weitere Bücher von Ildikó von Kürthy:
-Mondscheintarif (ISBN: 3-499-226375
-Herzsprung (ISBN: 3-499-232871
-Blaue Wunder (ISBN: 3-805-20776X
-_-_-_ Fazit _-_-_-
Ich kann euch nur raten, dieses Buch zu lesen, wenn ihr Unterhaltungsromane mögt und auch gerne in die Richtung von Selbstironie und Wortwitzen gehen wollt, denn da seit ihr gut bedient mit Ildikó von Kürthy.
Leider muss man hier halt auch damit rechnen, dass es alles sehr konstruiert erscheint und alles andere als realistisch wirkt. Aber ich denke, damit kann man leben, man liest ja schließlich nicht ausschließlich solche Literatur.
Ich für meinen Teil fand auch dieses Buch wieder zum Lachen und gebe ihm daher vier Sternchen und eine dicke Empfehlung.
Lest es einfach mal, das Geld ist es wert ;))
Viel Spaß beim Lesen wünscht dani ;)
+++
Vor diesem Problem steht Annabel, 31 Jahre alt (wie schon oft bei einem Frauenroman von Ildikó von Kürthy und anderen solcher Autorinnen), die eigentlich schon seit einiger Zeit mit Ben zusammen wohnt.
Und wie es dazu kam? Hmm, eigentlich wollte Annabel nur zu ihrer Tante nach Mallorca, um von allem Abstand zu halten, nicht zuletzt von ihren überflüssigen Pfunden, die in letzter Zeit immer zahlreicher werden.
Auszug aus Freizeichen, Seite 45:
„Duw illst mit den Nudeln nur von viel grundsätzlicheren Problemen ablenken. Das ist so typisch. Kaum ist eine Krise in Sicht, hat Benedikt Cramer praktischerweise einen Großkunden in Not.“
„Das hier ist dein einunddreißigster Geburtstag und keine Krise, und ich muss jetzt wirklich los. Vielleicht bist du ja noch wach, wenn ich nach Hause komme.“
„Vielleicht bin ich aber auch weg, wenn du nach Hause kommst.“
Wäre diese Konversation mit ihrem Freund nicht schon schlimm genug, nein auch ihre Tante, diese heiratswütige und Geld süchtige alte Dame, versetzt sie, als sie in Mallorca ankommt und so stößt Annabel auf Robin, den sie ... nun ja... mehr oder weniger ansprechen muss, sonst hätte es wohlmöglich den Anschein gehabt, sie könnte noch nicht aufs Töpfchen gehen +gg+
Das heißt ganz einfach: sie musste unbedingt aufs Klo, sie konnte noch nicht zu ihrer Tante und Robin schien in diesem Moment ihr einziger Rettungsanker zu sein und so fragte sie bei ihm nach, ob sie seine Toilette benutzen durfte.
Gleich zu Anfang an war es zwischen ihnen ganz komisch und letztendlich läuft alles darauf hinaus, dass Annabel glaubt, sie sei frisch verliebt.
Nun muss sie nur noch mit Ben Schluss machen, den sie eigentlich eh nicht mehr liebt, auch wenn sie ihr Ritual, dass er ihr „vielleicht so viermal im Jahr“ zu Karstadt geht und ihr zwei Tüten Parmesan klaut. Wie süß. Doch das alles nützt nichts, sie will etwas Neues, sie will Robin.
Beim Rumlümmeln lernt Annabel schließlich Cora Hübsch kennen. Sie verstehen sich auf Anhieb gut und Annabel schüttet ihr auch ihr Herz aus weswegen es regelmäßig eine Beratungsstunde in Sachen Beziehungen gibt.
Nach einigen Tagen kommt wie angekündigt Coras Freunden Sonja mit hinzu und nach einiger Zeit wird klar, dass sie Annabels Freund Ben ausspannen will, obwohl sie gar nicht weiß, dass ihre eigentliche Nebenbuhlerin vor ihr sitzt.
Tja, Annabel ist sich dessen schon im Klaren und versucht nun alles, um es zu verhindern. Plötzlich erwachen in ihr die Kämpferinstinkte, sie kann ihren Ben doch nicht an „so eine“ ausliefern und sie ist grenzenlos eifersüchtig.
Aber: Sonja scheint Annabels Ben geküsst zu haben! Oder hat sich Annabel nun nur verhört? Großes Grummeln steigt in ihr auf... doch bald stellt sich heraus, dass Sonja ihn nur verführen will, es aber noch nicht wirklich geschafft hat... doch von Aufgeben scheint auch keine Spur zu sein...
Annabel auf großem subtilen „Zurückeroberungsversuch“...
Und was ist mit Robin? Hmm... er ist jung, dumm und naiv.
Die beiden haben eine schöne Zeit, aber mehr auch nicht. Es geht heiß her, schließlich ist Annabel in ihren ersten Wutgedanken ja schon mental von Ben getrennt, oder doch nicht??
Lest selbst... turbulent und spannend bis aufs Letzte ;))
-_-_-_ Meinung _-_-_-
Nach Mondscheintarif und Herzsprung von Ildikó von Kürthy wusste ich ja schon so ungefähr, was mich hier bei Freizeichen erwarten würde, nämlich ein mitreißender und impulsiver Frauenroman, der nicht zuletzt wegen irrsinniger Monologe aufgrund zu vieler Fettzellen im Dunkeln einer Frau spannend wirkt.
Ildikó von Kürthy hat es einfach wieder einmal geschafft, dass man mit einem Affenzahn durch dieses Buch lesen kann. Ich habe es ja in unserem Frankreichurlaub dabei gehabt und hatte es in wenigen Stunden durch, weil man einfach nicht mehr aufhören konnte.
Die ganze Selbstironie, mit der das Buch schon fast getränkt ist, lässt einem nicht mehr aus dem Schmunzeln herauskommen. Es sind auch einige Hämmer mit drin, wo man auch richtig lachen kann, wenn es einfach richtig peinlich für Annabel wird und sie in ein rießen großes und eigentlich unübersehbares Fettnäpfchen getreten ist.
Dabei ist es mir sehr wichtig, dass das Ganze, sprich ihr Schreibstil, nicht übertrieben wirkt. Wenn nämlich ständig darauf geachtet wird, dass es ja super lustig ist, dann verliert es seinen Reiz. Hier liest man schön flüssig und man hat das Gefühl, dass es genau die Gedanken sind, die bestimmt eine Menge Frauen tagtäglich mit sich herumtragen. Einfach spannend und vor allem unterhaltsam zu sehen, dass man damit nicht alleine ist ;)
Es ist natürlich auch herrlich zu sehen, dass Annabel sich über jedes kleine Pfund so sehr aufregt, mit ihrer Frisur nie zufrieden ist und eigentlich an so ziemlich jedem Körperteil etwas auszusetzen hat. Sie schafft es einfach nicht, mit sich selbst klar zu kommen, sie will anderen gefallen und auch im Mittelpunkt stehen, was total in das Konzept des Buches passt.
Was mich auch sehr fasziniert hat, ist, dass obwohl eigentlich immer das Gleiche in den Büchern von Ildikó von Kürthy passiert (Unwohlgefühl bei Frauen über 30 – Diätversuche – Verlust des Freundes oder dessen Austausch – Liebeskummer), versteht sie es wieder einmal gut, eine neue Geschichte drum herum zu basteln, die keinesfalls langweilig wird.
Man versinkt in der Weld von Annabel, die in Sonja nur noch ein Monster sieht, dass ihren Freund wegnehmen will und man kann die unausgesprochenen Mordgelüste nur bestens nachvollziehen.
Sie schreibt von ihren Gefühlen und Gedanken, man weiß, mit was für einem Menschen man es zu tun hat und genau das macht es so gut – man kann mitfühlen, man fühlt sich mit den Menschen im Buch verbunden.
Es wirkt nicht alles kalt und erfunden, sondern emotional geladen.
Klar, es ist natürlich auch unrealistisch.
Wer hat denn schon eine stinkreiche Tante auf Mallorca, die schon mehr als alt ist und die jedes Monat einen anderen Ehemann hat, nur um sich nach kurzer Zeit wieder von ihm zu scheiden – abgesehen vom Geld natürlich... ? Ich nicht, noch dazu habe ich sicherlich auch nicht das Glück, einen Aufenthalt im Fünfsternehotel „Mardavall“ zu gewinnen, geschweige denn in irgendeinem anderen Fünfsternehotel.
Es kommen hier schon sehr viele Zufälle auf einen Haufen, was das Ganze einfach etwas unmöglich erscheinen lässt, aber es ist trotzdem witzig, mitreißend und ich konnte das Buch nicht mehr weglegen.
Habt ihr eigentlich schon mal über die Vor – und Nachteile von farbigen Kontaktlinsen nachgedacht? Solltet ihr mal, wenn eure Antwort nein lautet, oder ihr lest einfach mal das Buch, am besten auf Seite 86:
„Der Beginn einer Beziehung verläuft in vier Stufen, die genau den käuflichen Augenfarben entsprechen: Blau, Grün, Braun und Natur. Royal Blue ist die perfekte Augenfarbe für Bewerbungsgespräche, Tagesausflüge und Sommerflirts. (...) Evergreen benutze ich gerne für Abendeinladungen, weil es mir, wie ich finde, etwas Unergründliches verleiht. (...) Cosy Brown trage ich, wenn ich besonders einfühlsam, verständnisvoll und beruhigend auftreten will.“
Teilweise wird Annabel auch als kleines Naivchen oder Dummerchen hingestellt, nicht umsonst hat sie Gedanken wie
„Na, bravo, jetzt ist er beleidigt. Ich sag\'s ja immer: Mit Männern, die eine Erektion haben, ist nicht zu spaßen. Die nehmen immer alles gleich persönlich.“ (Seite 197)
ähmm, kleiner Einwand:
das ist normal, dass Mann geknickt ist, wenn es zur Sache kommen soll und frau es sich dann anders überlegt, weil sie indirekt auf die SMS von ihrem Freund wartet, aber egal... das muss Annabel ja nicht wissen ;)
Sämtliche Klischees kommen hier nicht zu kurz. Wie auch in den anderen Büchern plappert Ildikó von Kürthy von Themen, von denen sich die Welt eh schon den Mund fusselig redet und wo man nur noch abwinken kann – eigentlich. Die Autorin bringt das witzig und selbstironisch rüber, wodurch es einen gewissen Pepp bekommt ;)
Wobei man sagen muss, dass es dieses Mal auch eine „Kehrtseite“ hatte, denn hier wird sogar von Max Frisch geplaudert, es werden Auszüge von ihm gebracht und Annabel denkt ganz anders, ganz anders als sie immer denkt... ok, wir sollten das jetzt nicht näher ausführen, beschäftigt euch mal selber mit ihr und ihrem Max Frisch und warum gerade der überhaupt eine Rolle in der Situation spielt.
Das Buch ist durchweg spannend, langweilig wird es einem hier sicherlich nicht. Es wird zwar über vieles geredet, worüber man schmunzeln kann, heißt aber nicht, dass es nicht spannend ist. Gerade zum Ende hin bin ich fast gestorben, weil man bis zuletzt nicht weiß, wie es ausgeht.
Insgesamt hat mir dier Roman super gefallen, das einzige, was mich gestört hat oder was mir hier etwas negativ aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Witze flacher waren als in anderen Büchern, was mich aber auch in keinster Weise wundert.
Schließlich hat sie schon genügend Späße in den ersten beiden Büchern „verbraucht“, irgendwann sind halt mal keine mehr da und der Lachfaktor wird geringer.
Aber ich denke, den einen Stern kann das Buch aufgrund Letzterem und der Tatsache, dass es recht unrealistisch ist, schon verkraften.
Dafür, dass ich eine super Unterhaltung im Urlaub hatte und ich mich manchmal sogar selbst in dem Buch wiedererkannt habe, kann ich es nur empfehlen. Mir hat es gut gefallen und ich würde es jederzeit wieder lesen.
Warum es Freizeichen heißt: weil ihr Akku leer ist? +gg+ keine Ahnung...
-_-_-_ Autorin _-_-_-
Ildikó von Kürthy, geboren 1968, lebt in Hamburg und ist Journalistin beim „Stern“. Ihr erster Bestseller „Mondscheintarif“ hat sich über eine Million mal verkauft und wurde fürs Kino verfilmt.
Auch „Herzsprung“ und „Freizeichen“ schafften auf Anhieb den Sprung auf die Bestsellerliste.
(Auszug aus dem Buch)
Kleiner Zusatz von mir: Mitlerweile hat Ildikó von Kürthy ihr viertes Buch veröffentlicht: „Blaues Wunder“.
-_-_-_ Sonstiges _-_-_-
Titel: Freizeichen, veröffentlicht im Juli 2004 im Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN: 3-499-23614-1
Seitenzahl: 232
Preis: 8,90€
weitere Informationen unter www.rororo.de
Weitere Bücher von Ildikó von Kürthy:
-Mondscheintarif (ISBN: 3-499-226375
-Herzsprung (ISBN: 3-499-232871
-Blaue Wunder (ISBN: 3-805-20776X
-_-_-_ Fazit _-_-_-
Ich kann euch nur raten, dieses Buch zu lesen, wenn ihr Unterhaltungsromane mögt und auch gerne in die Richtung von Selbstironie und Wortwitzen gehen wollt, denn da seit ihr gut bedient mit Ildikó von Kürthy.
Leider muss man hier halt auch damit rechnen, dass es alles sehr konstruiert erscheint und alles andere als realistisch wirkt. Aber ich denke, damit kann man leben, man liest ja schließlich nicht ausschließlich solche Literatur.
Ich für meinen Teil fand auch dieses Buch wieder zum Lachen und gebe ihm daher vier Sternchen und eine dicke Empfehlung.
Lest es einfach mal, das Geld ist es wert ;))
Viel Spaß beim Lesen wünscht dani ;)
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