Kultur-Veranstalltungen Testbericht

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Erfahrungsbericht von Raimok

Stomp - denn einmal ist keinmal

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ein Vorteil an München ist, daß man hier ein riesiges Kulturangebot hat.. Und ich meine damit nicht den längst verblichenen Kunstpark Ost und seinen Nachfolger oder aber die zwei Münchener Fußballvereine ? auch wenn das bei manchen Menschen die einzige Kultur ist ;-)

Nein, hier finden sich auch die Weltstars ein. Sei es zum Konzert im Olympiastadion oder der Olympiahalle ( hier durfte ich schon bei Whitney Houston, R. Kelly u.a. sein ), sei es im Deutschen Theater oder im Zirkus Krone. Dessen festes Winterquartier wird in den Sommermonaten, wenn der weltbekannte Zirkus auf seiner Tournee ist, sehr gerne für andere Aktivitäten hergenommen.
Und gerade in den beiden letzteren Gebäuden hab ich zwei Auftritte einer Truppe erlebt, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Wenn ich daran zurückdenke, bin ich immer noch begeistert und meine Füsse versuchen den Takt zu finden. Die rede ist hier von STOMP, deren Auftritt ich das erste Mal im Deutschen Theater sah und der mich so faszinierte, dass ich zwei Jahre später noch mal in den Zirkus Krone gehen musste, als die Truppe wieder in München gastierte.

Wie bin ich eigentlich auf STOMP aufmerksam geworden? Das war purer Zufall . Wir saßen am Neujahrsmorgen 1998 in unserem Zimmer im Philadelphia Marriott und überlegte, was wir tun wollten. Eigentlich war auf der Strasse eine Art Faschingsumzug, aber bei ? 10° Celsius und einem eisigen Wind hatten wir nicht so die richtige Lust, rauszugehen.
Also schalteten wir erst mal die ?Glotze? an, dass macht schließlich der zivilisierte Mensch, wenn er nicht weiter weiß. Beim Zappen durch die Kanäle blieben wir bei HBO, dem amerikanischen Pendant von Premiere hängen, wo ein paar \"Verrückte\" versuchten, mit allen möglichen und unmöglichen Haushaltsgegenständen Musik zu machen. Da wurde auch kein Halt vor Verkehrschildern und Mülltonnen gemacht. Erst dachten wir, was sind denn das für Spinner, dann wurden wir langsam neugieriger, verfolgten den Film immer aufmerksamer und waren immer begeisterter.
Aber wir wussten immer noch nicht, was wir da eigentlich sahen. Also blieb uns nichts weiter übrig, als die Sendung bis zum Schluss zu schauen, nur um zu wissen, dass wir gerade den Film STOMP gesehen hatten. HÄÄÄÄÄÄÄÄ??????

Zwei Tage später, gerade in Deutschland angekommen, machten wir uns gleich daran, zu erkunden, was es mit diesem ominösen Titel auf sich hatte. Und siehe da, wir wurden fündig.

Geschichte
**********

STOMP kam 1991 das erste Mal in Brighton, GB zur Aufführung. In den 10 Jahren davor hatten die 2 Gründungsmitglieder die Performance ausgearbeitet, die seitdem immer weiter entwickelt wurde.
Damit war dem weltweitem Erfolg Tür und Angel weit geöffnet, weltweit gab es ausverkaufte Vorstellungen mit abertausenden begeisterten Zuschauern.
1994 folgte eine herausragende Spielzeit, die in Nominierungen und Auszeichnungen mit dem Oliver Award mündete. Es gab auch eine größere Version mit 30 Mitgliedern von STOMP. Ihren letzten Auftritt hatte diese Gruppe in der Royal Festival Hall. Dieser Auftritt brach den bis dahin von Frank Sinatra gehaltenen Kassenrekord aus dem Jahre 1972.

1994 feierte STOMP ebenfalls seine Premiere am New Yorker Orpheum Theatre und brach im Sommer zu einer umjubelten und ständig ausverkauften Nordamerika-Tournee auf. Seit 1994 läuft STOMP nun ununterbrochen in New York und begeisterte weitere Millionen Menschen auf allen Kontinenten.

Ein 12- minütiger Kurzfilm mit Namen \"Brooms\" erhielt 1996 eine Nominierung für den Academy Award und wurde für die Filmfestspiele in Cannes ausgewählt.
Und dann der ebn schon erwähnte Film. Es war ein HBO- Special mit dem Namen \"Stomp Out Loud\" welches ausnahmslos mit Live Sounds in und um New York aufgenommen wurde. Dieser Film debütierte übrigens am 06. Dezember 1997. Dieses Meisterwerk wurde gleich 4mal für den Emmy nominiert.

Heute besteht STOMP aus verschiedenen Gruppen, die mit Ausnahme der Truppe in New York in der Welt herumreisen und jeweils ihren eigenen Stil einbringen. Wenn ich es noch richtig weiß, sind es insgesamt 6 Gruppen mit 6 Darstellern - aber nagelt mich bitte mit diesen Zahlen nicht fest (Gedächtnis wie Sieb - mit gaaaaanz großen Löchern)

Was ist STOMP
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Kommen wir doch zu der alles entscheidenden Frage: Was macht STOMP so einzigartig?

Dazu sollte man sich in die Vorstellung hineinversetzen.
Es ist dunkel und plötzlich klickt ein Zippo- Feuerzeug. Wenig später kommt ein zweites im Rhythmus dazu, bis alle Darsteller mit ihren Zippos auf der Bühne stehen und eine Melodie spielen. So unglaublich es klingt ? das klingt verdammt gut und man ist sofort bemüht, den Rhythmus mitzugehen. Wenig später wechselt die Szenerie und damit das Musikinstrument. Jetzt ist es ein Stück Gartenschlauch, ein Besen, eine Kehrschaufel oder aber auch eine Mülltonne. (mit diesen Tonnen lief im Deutschen Fernsehen sogar eine Werbung für irgendwelche Chips)

Alle 10 bis 15 Minuten ändert sich die Choreografie. Ein Crewmitglied macht den Anfang und nach und nach stossen alle anderen Mitglieder dazu. Zwischendrin ist auch mal das Publikum Opfer, wenn mit ausrangierten Spülbecken ?musiziert? wird, in denen sich noch Wasser befindet. (die ersten beiden Reihen sind besonders gefährdet)

Die Zuschauer hatten ja schon in der Eröffnungssequenz zu ?leiden?. Da wird mit Besen und Schrubbern ausprobiert, welche Klänge möglich sind und leider fliegt auch ein wenig Staub durch die Gegend *grins*

Alles hat seinen Höhepunkt, wenn an einer großen Wand dann alles verwendet wird, was den Akteuren in die Finger fällt.

Und das alles ist in kein festes Schema gepresst, jedes Mitglied hat seinen Freiraum für die eigene Interpretation. Das macht die ganze Sache nicht langweilig, sondern einzigartig und fesselt das Publikum bzw. lässt es zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Ich persönlich habe das Deutsche Theater nur noch einmal solche Standing Ovationen gesehen, das war bei den Harlem Gospel Singers.

Die 1,5 Stunden sind leider viel zu schnell zu Ende und wir alle sind tottraurig, schon gehen zu müssen. Aber die Akteure lassen sich zu einer Zugabe ?überreden?.
Ich habe jetzt zwei verschiedene Gruppen erlebt und dabei merkt man auch die Freiheiten, die die einzelnen Gruppen haben. Und natürlich haben sich die Gruppen innerhalb von zwei Jahren weiterentwickelt.

Jetzt kommt den einen oder anderen von Euch vielleicht die Frage in den Sinn, warum ich gerade jetzt über STOMP schreibe. Das hat wirklich einen Grund. STOMP ist wieder in Deutschland. Sie beginnen am 01 Juli in Leipzig ihre Tournee, die über Ulm, Dortmund, Berlin, Nürnberg und Frankfurt auch wieder nach München führt. Hier gastieren sie vom 09. bis zum 21. September wieder im Zirkus Krone. Wir überlegen schon, ob wir es uns leisten können, da hin zu gehen, aber nicht nur der Staat ist pleite, wir sind es nach unserem Wohnungskauf auch (also fleißig bei mir lesen, dann reicht\'s vielleicht für die Karten *lol*)

Denn diese haben einen gepfefferten Preis und gehen von 30 bis 54 Euro - pro Person natürlich. Aber um es gleich zu sagen. Die Karten sind jeden Cent wert, aber wirklich auch jeden. Ich kann nur jedem raten: Geht\'s hin, schauts Euch das an und geniesst es. Ihr werdet genau so begeistert sein. JAWOLL!!!

Das war auch schon mein Fazit. Ich würde am liebsten 6 Sterne vergeben, aber die 5 sind redlich verdient. Zum Abschluss noch ein paar Zitate aus einigen Tageszeitungen:

\"Rawumm macht die Tonne, wischwusch der Besen, und klickediklock trappeln die Schuhe. Man ist platt. Kein Denken, kein Grübeln, nicht mal Herzgefühle werden verlangt, nur das mauloffene Staunen von uns Kindern über nichts als ein Geräusch-Kung-Fu. Wunderbar. Give ?em a clap!\"
Die Zeit

\"Theater ohne Worte. Musik ohne Stimme. Rhythmus pur. Es sind die Macht der Kodo-Trommeln, der erotisierende Samba, die ekstatische Mystik afrikanischer Stammesrituale, die Lässigkeit des Hip-Hop, die hier scheinbar mit unschuldiger Neugier entdeckt, erforscht, ausgereizt werden.
Ein polyrhythmischer Polterabend. STOMP! Ist wieder in der Stadt. Und das Haus tobt.\"
Berliner Morgenpost

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Viele Grüße
Raimo

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