Landwirt/in Testbericht

No-product-image
ab 13,28
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 08/2003

5 Sterne
(1)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(1)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Herzwig

Schäfer sein, ist kein Zuckerschlecken,

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

musste ich am eigenen Leibe erfahren.
Den Beruf des Schäfers kann man heute nicht mehr erlernen, man macht eine Ausbildung zum Landwirt, Schwerpunkt Schafhaltung. Die Ausbildung umfasst alle Themen der Landwirtschaft und zusätzliche Ausbildungsschwerpunkte sind Schafhaltung und Ausbildung von Herdengebrauchshunden.
Schon in der Ausbildung lernt man, das die Herde Fressen muß, ob Regen, Schnee oder große Hitze.
Ich war von 1977 bis 1984 selbstständiger Schäfer und zum bessern Verständnis schildere ich hier mal einen Arbeitstag eines Wanderschäfers:
Mein Tag begann morgens um 6.oo Uhr mit der Fütterung und Tränkung der Tiere am Hause, dass waren kranke Tiere, Lämmer, Zuchtböcke und natürlich meine drei Hütehunde.
Die kranken Tiere wurden natürlich morgens noch mit Medikamenten versorgt bzw. behandelt.
Nachdem ich dann die Schafe in einen Viehanhänger verladen hatte, die wieder mit zurück zur Herde konnten, wurde die Schäfertasche gepackt mit Medikamenten und natürlich den Brotzeiten für mich!
Dann ging\'s ab zur Herde. Diese war oft 30 oder gar 40km vom Hof entfernt, in der Nacht, in einem Elektrozaun eingesperrt. Auf dem Weg dorthin spähte ich schon mal das Futter des Tages aus, denn man kann nicht einfach so losmarschieren, ohne zu wissen wo die herde Futter oder Wasser findet. Dann musste ich die Eigentümer der Ländereien aufsuchen und nachfragen ob ich deren Flächen behüten darf!
Nun aber schnell zur Herde, als erstes eine ausgiebige Beobachtung der eingesperrten Herde. Ist ein Tier krank, hat gelammt oder fehlt gar eines weil es gestohlen oder ausgebrochen ist?? Darum musste ich mich als erstes kümmern. Nun ging es daran den 400m langen Elektrozaun abzubauen und auf die Tragetiere zu verpacken. ( Esel und Lama) Während dieser Arbeit muss man die ganze Zeit die Herde im Blick haben und sie mit Hilfe der Hunde zusammenhalten.
Erst jetzt ging die eigentliche Arbeit des Hütens los, inzwischen war es oft schon 9.00 oder 9.30 Uhr. Die schafe müssen 3mal am Tag sattgehütet werden, was ungefähr, je nach Futterangebot, 2-3 Stunden dauert. Wenn die Tiere das erste Mal satt sind beginnen sie mit dem Wiederkauen, das ist das Zeichen für den Schäfer- die Herde ist satt.
Während des Hütens und ziehen ist besonders darauf zu achten , dass die Tiere keinen Schaden machen an ausgesääten oder angepflanzten Kulturpflanzen. Auch giftige Kräuter oder Büsche muss man erkennen und verhindern dass Tiere davon Fressen. Die Zeit des Hütens ist sher anstrengend, weil zwischendurch immer wieder Schafe gefangen werden müssen um die Klauen zu beschneiden oder zu untersuchen. Meine Herde umfasste 1500 bis 1700 Tiere, da ist immer mal eines krank oder verletzt. Geburtshilfe, wie Kaiserschnitt oder auch Nottötungen sind fast alltäglich, denn unterwegs kann man nicht einfach einen Tierarzt holen, der Schäfer ist auf sich allein gestellt.
Hatte ich dann abends einen Platz gefunden, an dem die Herde übernachten könnten, mussten dann die Elektrozäue wieder aufgebaut werden und die Herde hineingeführt werden. Dann wurden die Tiere gefangen, die tagsüber auffällig waren, weil sie humpelten , gelammt haben oder anders erkrankt schienen. Ich war oft in der glücklichen Lage von meiner Freundin abgeholt zu werden, hatte sie keine Zeit musste ich erst zum Rastplatz der letzten Nacht laufen und Auto un Anhänder dort abzuholen um die Tiere zu verladen. Oft, wenn der Weg einfach zu weit war und das Wetter es zuließ, habe ich bei der Herde geschlafen. Dann musste aber auch die Versorgung der Tiere an Hof gewährleistet sein.
Wenn ich dann also gegen 20.00 Uhr zu Hause war, mussten noch die Tiere ausgeladen, versorgt und eingesperrt werden. Auch die anderen Tiere am Hause wurden jetzt noch schnell versorgt.
(Wie man sich vielleicht vorstellen kann, hatte ich dann einen gesunden Schlaf!!)
So ging das jeden Tag, ob Sonntag, Heiligabend, Geburtstag oder Kopfschmerzen!!!!!!!!!!
Kälte machte mir weniger aus als die Hitze, wenn kein Schattenspender weit und breit zu sehen war und fliegende Insekten ,in Mengen von den Tieren angelockt, mir die Haut perforierten!!
Zu all dem kamen noch die Arbeiten, die ein Schäfer so zusätzlich im Jahr zu leisten hatt ( wann eigentlich noch...???):
Winterfutter einlagern,
Schafschur,
mindestens zwei mal Wurmkuren,
Klauenbäder gegen Klauenkrankheiten,
Bäder gegen Außenparasiten,
Ausmisten etc. etc.
Die arbeitsreichste, aber auch schönste Zeit, war die Lammzeit. Allerdings habe ich dann im Schafstall geschlafen und wochenlang kein Bett gesehen.
Diese ganze Belastung hat meine Beziehung natürlich nicht ausgehalten, so gab ich auf!!
Denn so ein Unternehmen kann nur in einer funktionierenden Partnerschaft gelingen.
Es war eine harte aber auch sehr schöne Zeit, in der ich selbstbestimmend gearbeitet und gelebt habe.
So trauere ich oft der Zeit nach und in meinen Träumen sehe ich mich wieder mit meinen Hunden abends am Lagerfeuer, die Herde ruht und ringsherum NICHTS!
Könnt Ihr das verstehen?????????????????????????

20 Bewertungen