Der Vogel ist ein Rabe (Taschenbuch) / Lebert Benjamin Testbericht

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ab 5,08
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Erfahrungsbericht von LilithIbi

...und außerdem gefällt es mir hier.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

...und außerdem gefällt es mir hier.


Zweifelsohne gehöre ich zu den Menschen, die eine Zug- oder auch längere Busfahrt damit verbringen, ihre Nase in aller Seelenruhe in ein Buch zu stecken. Auf meiner letzten Fahrt nach Düsseldorf erschien mir


//DER VOGEL IST EIN RABE//

von Benjamin Lebert genau die richtige Lektüre zu sein ~ zum einen umfasst der Roman lediglich 140 Seiten, die man somit gut am Stück schaffen kann; zum anderen handelt die Geschichte von zwei jungen Männern, die sich auf einer Zugfahrt nach Berlin kennenlernen. Und da sind wir schon bei der

//HANDLUNG NEBST UMSETZUNG//

des Buches. Wie gesagt, es geht im Grunde lediglich um die Begegnung bzw. das entstehende Gespräch zweier Personen, die aus Zufall im selben Abteil gelandet sind. Henry sehnt sich nach jemandem, dem er sich mitteilen kann und findet diesen in Paul; aus dessen Perspektive „Der Vogel ist ein Rabe“ obendrein geschrieben wurde.

Nach und nach erfährt der Leser, dass Henry nicht nur eine verlorene Freundschaft bedauert, sondern zugleich den Verlust seiner großen Liebe: die von ihm geschilderte „Dreiecksgeschichte“ ist ebenso eindringlich, bewegend wie wohl auch alltäglich. Henry lernte seinerzeit den esssüchtigen Jens und die magersüchtige Christine kennen; sowohl Jens als auch Henry verliebten sich in die hübsche junge Frau, die jedoch zunächst beiden einen Korb gibt. Jens, der über gar kein Selbstbewusstsein, sondern eher einem ausgeprägten Selbsthass verfügt, kommt mit der Situation zunächst recht gut zurecht; doch nach und nach spitzt sich die Angelegenheit mehr und mehr zu.

Unterbrochen wird die Erzählung Henrys ab und an durch Pauls eigene Gedankenfluchten, Erinnerungen und Seelenschmerzen. Auch ihm blieb die Erfüllung der großen Liebe verwehrt; was sich jedoch dem Leser mehr „hintenrum“ offenbart.

Ohnehin ist der Schreibstil auch hier besonders gelungen; nachdem ich „Kannst du“ von Benjamin Lebert las, freute ich mich regelrecht auf diesen Roman und erwartete quasi nur das beste. Und wurde nicht enttäuscht. Obschon dieses Werk des Autorens recht kurz zu sein scheint, hat es eben doch genau die richtige Länge, um so richtig unter die Haut zu gehen. Geschickt wechselt der Autor den Fortgang der jeweiligen Offenbarungen der beiden Hauptprotagonisten, wobei der Leser Henry gegenüber klar im Vorteil ist. Paul selbst teilt sich nicht mit, taucht hier lediglich als Zuhörer auf ~ weswegen der „Knalleffekt“ am Ende des Buches Henry zumindest so überraschen wird wie demjenigen, der seine Augen auf die Zeilen heftet.

~ Ich selbst habe den „Halb-Fehler“ gemacht, nach Erwerb des Buches direkt einen Blick auf die letzte Seite bzw. den Schlusssatz zu werfen; was ich mir offen gestanden selbst nicht mehr so recht erklären kann. Nichtsdestotrotz lugte auch ich zu guter letzt recht baff auf die Schlusszeile, selbst, wo sie mir bereits vertraut war. „Der Vogel ist ein Rabe“ wirkt einfach in „besonderer Art und Weise“, die man kaum in Worte fassen kann. Ähnlich wie schon allein der Buchtitel verwirren könnte gelingt es dem Autoren bei diesem Buch erneut, den Leser ein wenig verstört und nachdenklich zurückzulassen.

Somit fand ich es sehr begrüßenswert, dass ich die letzten Seiten erst auf der Rückfahrt lesen konnte und anschließend eine halbe Stunde Zeit hatte, über das ganze zu sinnieren.

Es dürfte nichts neues sein, dass Benjamin Leberts Veröffentlichungen nicht nur berühren, sondern gewissermaßen obendrein verstören. Fast schon zu überraschend gestaltet sich hier das Ende; die Auflösung gewissermaßen ~ doch genau wie bei „Kannst du“ handelt es sich hier um den fast einzig möglich glaubhaften Schluss, welcher im eigentlichen Sinne jedoch gar kein Schluss sein kann.

Verwirrt?

Macht nichts.

//ERGO//

Zusammenfassend kann man über Benjamin Leberts zweiten Roman sagen, dass er zweifelsohne gelungen ist. Auch hier spielen nur wenige Personen eine direkte Rolle; die anderen agieren vielmehr drumherum. Und genau mit dieser Erzählweise baut sich ein immenses Spannungsfeld auf; ähnlich wie Hauptprotagonist Paul rutscht man tiefer und tiefer in die Geschehnisse um die Erfahrung, geliebte Menschen verloren zu haben, hinein. Sehr oft meint man als Leser regelrecht zu spüren, was Paul und Henry jeweils durchgemacht haben, fühlt ihre Ängste, Sehnsüchte, Wünsche und Verzweiflungen.

„Der Vogel ist ein Rabe“ berührt in seiner besonderen Art, in der er gleichsam behutsam auf tiefergehende Themen eingeht, ab und an gewagte Thesen aufstellt und diese kurzerhand wieder revidiert.

Zeilen wie auf S. 75, die da lauten:

“Wenn er mich von der Schule abgeholt hat und draußen vor dem Schulhof stand, habe ich mich geschämt. Weil jeder gesehen hat, dass ich einen dicken Freund habe. Der nicht gut aussieht. Der das Ansehen von einem nicht grade gehoben hat. Ich habe mich geschämt, und er hat mir so wahnsinnig Leid getan, weil ich mich geschämt habe. Es war so fies von mir. Auf der einen Seite habe ich ihn so notwendig gebraucht. Weil er der einzige Mensch war, der für mich da war, der mich nicht verarscht hat, bei dem ich mich sicher gefühlt habe. Und auf der anderen Seite hätte ich tausendmal lieber einen Freund gehabt, auf den ich stolz sein kann, verstehst du?“

richten sich im Grunde nicht nur an Henrys Gegenüber, sondern ebenso auf den Leser selbst. Viele Gesprächsfetzen dürften den meisten von uns, wenn auch „nur“ ansatzweise, bekannt vorkommen. Selbst wenn „Der Vogel ist ein Rabe“ auf den ersten Blick lediglich von einer Zugfahrt handelt, handelt der Roman von noch viel mehr.....von Gesprächen, die wichtig sind; von Erlebnissen, die das Leben veränderten; vom plötzlichen Erwachsenwerden; von der ewigen Suche im Dasein; von Liebe; von Freundschaft; von sexuellen Erfahrungen und noch viel mehr ~ so viel mehr, dass sich hier nun wirklich keiner über den Preis von 7,95 EUR mokieren dürfte.

Die, die es doch tun, haben ohnehin meist was zu meckern und werden meiner aufmüpfigen heutigen Meinung nach ohnedies nicht viel mit dem Roman anfangen können.

15 Bewertungen, 4 Kommentare

  • ingoa09

    28.06.2008, 14:02 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein super Bericht! Gruß Ingo

  • MasterSirTobi

    25.03.2008, 16:29 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Da ist wohl der Journalist in dir erwacht LG und Sh

  • Orangensaft22

    22.03.2008, 22:23 Uhr von Orangensaft22
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöne feiertage!

  • DOMMEL

    22.03.2008, 19:01 Uhr von DOMMEL
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH, schau doch auch mei mir mal rein würd mcih freuen