Lesben, Schwule und Bisexuelle Testbericht
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Erfahrungsbericht von Indigo
Altwerden als Lesbe oder Schwuler: immer noch ein Tabuthema
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Altwerden als Lesbe oder Schwuler: immer noch ein Tabuthema
Blicken wir auf die öffentliche Diskussion zum Christopher-Street-Day zurück, denken wir an Guido Westerwelle oder Klaus Wowereit oder beobachten wir die Mordberichterstattung über Mooshammer, so kann schnell der Eindruck entstehen, soziale Benachteiligungen seien abgebaut, Stigmatisierungen nicht mehr auf der Tagesordnung und ein gleichberechtigtes Leben in der Öffentlichkeit sei möglich. Dem ist gewiss nicht so.
Ich selbst gehöre noch zu der Generation, die als Jugendlicher erlebt hat wie sich schwule Männer in der Dämmerung auf öffentlichen Toiletten heimlich getroffen haben. Noch keine zwei Jahre ist es her, dass mir ein akademischer Arbeitskollege deutlich gesagt hat, dass alles andere als Heterosexualität für ihn eine Krankheit sei. - Die Ehefrau ist Ärztin!
Dieser Beitrag will gar nicht all das ignorieren, was in den letzten dreißig Jahren an Vorurteilen abgebaut wurde, er will auch nicht alles aufzählen, was noch nicht in Ordnung ist. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang ein ganz spezielles Problem.: Wie sieht das Leben von Lesben und Schwulen im Alter aus?
Diese Fragestellung ist in der Öffentlichkeit nahezu tabuisiert. Tatsache ist wohl, dass die meisten Lesben und Schwulen einen anderen Lebenslauf haben als der heterosexuelle Teil der Bevölkerung. Die Mehrzahl der Lesben und Schwulen hat ein anderes Leben geführt, sie haben in der Regel keine Kinder und sind somit im Alter vielfach auf sich allein gestellt. Natürlich gibt es auch heterosexuelle Menschen, die keine Kinder haben. Dennoch ist der Personenkreis von Lesben und Schwulen diesbezüglich signifikant. Was wir früher einmal Generationenvertrag genannt haben, trifft auf Lesben und Schwule nicht zu. Sie können kaum eine Unterstützung durch die jüngere Generation erwarten.
Vor ein paar Tagen haben zwei Frauen ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass sie sehr wohl heterosexuell seien und ausschließlich aus Versorgungsgründen heiraten wollen. Dies ist natürlich ebenso legal wie die Eheschließung von einem schwulen Mann mit einer Frau. - Soll es ja tatsächlich geben, oder?
Viele Lesben und Schwule denken jedoch mit Grauen daran, einmal in einem heterosexuell geprägten Altenpflegeheim ihren Lebensabend zu verbringen. Die über dreißig Jahre erkämpften Freiräume und Selbstverständlichkeiten sind für die ältere Generation strukturell noch nicht vorhanden. Altersgerechte Wohnprojekte, betreutes Wohnen oder Service-Wohnen ist bislang vorwiegend auf eine heterosexuelle Kundschaft ausgerichtet. Es wäre womöglich viel gewonnen, wenn die ersten konzipierten Wohnformen und Betreuungsformen für genau diese Zielgruppe in der Öffentlichkeit transparent würden.
In Berlin hat ein kleiner Verein ein derartiges Wohnprojekt gestartet, um die soziale Isolation von Lesben und Schwulen im Alter zu reduzieren. Neben diesen Wohnprojekten geht es auch um spezifische Konzepte für ein bedarfsgerechtes Angebot für die Lebensrealität von Lesben und Schwulen im Alter.
Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich abschließend betonen, dass es mir nicht um die Privilegierung einer gesellschaftlichen Minderheit geht. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass soziale Benachteiligungen in der Vergangenheit immer nur dadurch relativiert wurden, dass die Privilegierung besonders betont wurde.
Diese Herangehensweise ist unbequem und stößt auf Widerstände. Wichtig ist die Auseinandersetzung im öffentlichen Raum. Dazu soll dieser Beitrag dienen: Er will ein spezifisches Problem in die Öffentlichkeit rücken.
Als Info noch die Adresse des Berliner Vereins. [email protected] / www.village-ev.de
P.S.:
Ich erinnere mich noch an Hape Kerkeling, der in der Fußgängerzone Passanten fragte, ob sie heterosexuell seien. Alle Antworten, die gesendet wurden, lauteten: Um Gottes Willen, nein! Ich persönlich stehe dazu und finde das auch gut so!
Blicken wir auf die öffentliche Diskussion zum Christopher-Street-Day zurück, denken wir an Guido Westerwelle oder Klaus Wowereit oder beobachten wir die Mordberichterstattung über Mooshammer, so kann schnell der Eindruck entstehen, soziale Benachteiligungen seien abgebaut, Stigmatisierungen nicht mehr auf der Tagesordnung und ein gleichberechtigtes Leben in der Öffentlichkeit sei möglich. Dem ist gewiss nicht so.
Ich selbst gehöre noch zu der Generation, die als Jugendlicher erlebt hat wie sich schwule Männer in der Dämmerung auf öffentlichen Toiletten heimlich getroffen haben. Noch keine zwei Jahre ist es her, dass mir ein akademischer Arbeitskollege deutlich gesagt hat, dass alles andere als Heterosexualität für ihn eine Krankheit sei. - Die Ehefrau ist Ärztin!
Dieser Beitrag will gar nicht all das ignorieren, was in den letzten dreißig Jahren an Vorurteilen abgebaut wurde, er will auch nicht alles aufzählen, was noch nicht in Ordnung ist. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang ein ganz spezielles Problem.: Wie sieht das Leben von Lesben und Schwulen im Alter aus?
Diese Fragestellung ist in der Öffentlichkeit nahezu tabuisiert. Tatsache ist wohl, dass die meisten Lesben und Schwulen einen anderen Lebenslauf haben als der heterosexuelle Teil der Bevölkerung. Die Mehrzahl der Lesben und Schwulen hat ein anderes Leben geführt, sie haben in der Regel keine Kinder und sind somit im Alter vielfach auf sich allein gestellt. Natürlich gibt es auch heterosexuelle Menschen, die keine Kinder haben. Dennoch ist der Personenkreis von Lesben und Schwulen diesbezüglich signifikant. Was wir früher einmal Generationenvertrag genannt haben, trifft auf Lesben und Schwule nicht zu. Sie können kaum eine Unterstützung durch die jüngere Generation erwarten.
Vor ein paar Tagen haben zwei Frauen ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass sie sehr wohl heterosexuell seien und ausschließlich aus Versorgungsgründen heiraten wollen. Dies ist natürlich ebenso legal wie die Eheschließung von einem schwulen Mann mit einer Frau. - Soll es ja tatsächlich geben, oder?
Viele Lesben und Schwule denken jedoch mit Grauen daran, einmal in einem heterosexuell geprägten Altenpflegeheim ihren Lebensabend zu verbringen. Die über dreißig Jahre erkämpften Freiräume und Selbstverständlichkeiten sind für die ältere Generation strukturell noch nicht vorhanden. Altersgerechte Wohnprojekte, betreutes Wohnen oder Service-Wohnen ist bislang vorwiegend auf eine heterosexuelle Kundschaft ausgerichtet. Es wäre womöglich viel gewonnen, wenn die ersten konzipierten Wohnformen und Betreuungsformen für genau diese Zielgruppe in der Öffentlichkeit transparent würden.
In Berlin hat ein kleiner Verein ein derartiges Wohnprojekt gestartet, um die soziale Isolation von Lesben und Schwulen im Alter zu reduzieren. Neben diesen Wohnprojekten geht es auch um spezifische Konzepte für ein bedarfsgerechtes Angebot für die Lebensrealität von Lesben und Schwulen im Alter.
Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich abschließend betonen, dass es mir nicht um die Privilegierung einer gesellschaftlichen Minderheit geht. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass soziale Benachteiligungen in der Vergangenheit immer nur dadurch relativiert wurden, dass die Privilegierung besonders betont wurde.
Diese Herangehensweise ist unbequem und stößt auf Widerstände. Wichtig ist die Auseinandersetzung im öffentlichen Raum. Dazu soll dieser Beitrag dienen: Er will ein spezifisches Problem in die Öffentlichkeit rücken.
Als Info noch die Adresse des Berliner Vereins. [email protected] / www.village-ev.de
P.S.:
Ich erinnere mich noch an Hape Kerkeling, der in der Fußgängerzone Passanten fragte, ob sie heterosexuell seien. Alle Antworten, die gesendet wurden, lauteten: Um Gottes Willen, nein! Ich persönlich stehe dazu und finde das auch gut so!
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