Solange du da bist (Taschenbuch) Testbericht

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ab 5,51
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Erfahrungsbericht von Anonym114

Und schon war es weg ...

Pro:

fesselnde Geschichte, die man \"mal eben\" weglesen kann, schöne Botschaft

Kontra:

fast zu schnell vorbei!

Empfehlung:

Ja

An sich mag ich ja richtig lange Schmöker, Bücher, von denen man etwas hat, weil sie ordentlich dick sind, weil dann auch die Geschichte ihre Wendungen nimmt. An sich mag ich die ARD lieber als das ZDF. Doch die ZDF-Frau Elke Heidenreich finde ich nicht übel. Und in ihrer Sendung Lesen! ist der Anstoß für die Aktion Das große Lesen gegeben worden, durch die ich auf das Buch Solange du da bist von Marc Levy gestoßen bin. Ein Moderator hatte es als sein Lieblingsbuch vorgestellt, beschrieben, wie die Geschichte fesselnd und rührend sei. Doch das war und ist nicht der einzige Punkt, der für dieses Buch spricht: Marc Levys Roman wurde zum Weltbestseller. Auch das mag vielleicht noch nicht jeden überzeugen. Auch der Mann, der ein Händchen für gute und vor allen Dingen erfolgreiche Geschichten hat, sicherte sich die Filmrechte: Kein geringerer als Hollywood-Starregisseur Steven Spielberg. Und so habe ich mir die Geschichte bei Ebay ersteigert.


DIE HAUPTFIGUREN:
Im Zentrum der Handlung stehen zwei Personen: Lauren und Arthur. Sie ist Ärztin und er Architekt, zwei Menschen, die man sich gut zusammen vorstellen könnte, wenn sie sich unter normalen Umständen (z.B. bei einer Feier Bekannten oder im Urlaub) kennen lernen wollten. Doch normal ist die erste Begegnung nicht ...

LAUREN:
Sie ist noch keine dreißig, aber eine durchaus aufstrebende und fähige Assistenzärztin in einem Krankenhaus in San Francisco. Lauren ist ein Arbeitstier, lebt zusammen mit Kali, einem Hund. Seit zwei Monaten ist sie solo. Eigentlich, so muss ich beim Versuch sagen, hier eine Zusammenfassung zu schreiben, kann man gar nicht soviel mehr über sie sagen. Nur soviel: Sie wirkt sympathisch, kümmert sich um ihre Mutter, sorgt sich um ihre Patienten.

ARTHUR:
Für mich ist der Architekt, der in seinen Dreißigern ist, der aktivere Part. Kein Wunder, wenn ich gleich mehr zur Geschichte verrate. Dennoch glaube ich, dass Autor Marc Levy bei der Figur Arthur mehr ins Detail gegangen ist. Vielleicht auch nicht nur, weil es sich aus der Handlung ergibt, vielleicht auch, weil sich der Mann Marc Levy eher in den Mann Arthur hinein versetzen kann .... Auch Arthur scheint jemand zu sein, der für seine Arbeit lebt. Mit einem Freund, Paul, hat er zusammen ein Architekturbüro eröffnet. Doch Arthur ist ein Mensch, der umschalten kann. In dem Moment, in dem er Lauren kennen lernt, klappt er den Hebel um, kniet sich hinein, um ihr zu helfen. Arthur hat gute, gesunde Einstellungen zum Leben, hat viel von seiner Mutter gelernt. Seine Geschichte spielt im Laufe der Handlung eine Rolle und gibt ihr noch eine andere Würze. Man hat es dann nämlich nicht nur mit einer Liebesgeschichte zu tun ...
Arthur, so sehe ich das, ist die Art Mann, die man gerne in seinem Freundeskreis haben würde. Er ist einer, der sich nicht scheut, sich vor der Außenwelt zu blamieren, wenn er dadurch Menschen, die im nahe stehen, unterstützen kann. Er ist einer, der sich einsetzt für seine Freunde, und das macht ihn sympathisch.


DIE GESCHICHTE:
Nein, nein, keine Sorge: Was jetzt kommt ist keine ausschließliche Nacherzählung des Buches. Wo es geht, versuche ich schon ein wenig Meinung einzustreuen, zu kommentieren.
Lauren ist völlig überarbeitet, hat gerade 24 Stunden Dienst hinter sich. Sie fährt nach Hause, hat Mühe, sich wach zu halten. Eigentlich, so könnte man vermuten, droht sie schon jetzt die Kontrolle über ihren Wagen zu verlieren. Doch sie schafft es, sich ihre Wohnung zu erreichen. Am nächsten Morgen muss Lauren schon wieder früh aufstehen. Sie will zu Freunden fahren. Ihr Wagen bricht aus, sie verliert kann nicht mehr lenken, es kommt zu einem schweren Unfall. Der Notarzt tut alles, um ihr Leben zu retten, spritzt immer und immer wieder neue Mittel, versucht unermüdlich, mit dem Defibrilator ihr Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Vergeblich, wie es zuerst scheint. Bis zu diesem Punkt liest man alles leicht weg. Man weiß noch nicht genau, in welche Richtung die Geschichte nun geht. Sie stirbt? Wie soll die Handlung dann ohne sie weiter gehen?
Die Leiche der jungen Ärztin soll abtransportiert werden. Dabei merkt man, dass ihr Herz wieder schlägt ... Dennoch scheint alles aussichtslos. Auch ihr Vorgesetzter hat keine Hoffnung mehr, sie noch zu retten, auch wenn der Notarzt auf ihn einredet. Dennoch versucht Laurens Chef sein Glück, operiert die junge Frau, die hirntot zu sein scheint ... Anschließend liegt sie im Koma, ohne Aussicht auf Besserung.
Architekt Arthur zieht in seine neue Wohnung ein ... Da entdeckt er in seinem Schrank eine junge Frau. Schon diese Tatsache an sich wirkt abstrus, absurd. Welche Frau versteckt sich in einem Schrank? In einer fremden Wohnung? Doch es ist nicht irgendeine Frau, es ist Lauren oder, besser gesagt, es ist Laurens Geist oder Seele. Nur Arthur kann sie sehen. Und seine neue ist ihre frühere Wohnung. Ein Geist im Schrank, Mensch, Marc Levy, da ist die Phantasie aber ziemlich mit Ihnen durchgegangen!!! Doch diese Idee hat auch ihren Charme. Nur Arthur kann Lauren oder vielmehr Laurens Geist sehen. Ihr Körper liegt immer noch im Krankenhaus, angeschlossen an einen Tropf und ohne dass sie sich bewegen oder gar sprechen könnte. Doch der Geist kann sprechen, und das tut diese Version von Lauren auch, erst einmal bemüht, Arthur glaubhaft zu machen, wie die Dinge stehen. Ihre Geschichte klingt für ihn zunächst reichlich unglaubwürdig. Doch Lauren nimmt den Architekten ins Krankenhaus mit. Dort sieht er ihren Körper. In langen Gesprächen lernen die beiden einander kennen. Schnell vernachlässigt Arthur seine Arbeit, verbringt Tage in der Bibliothek, um mehr über Laurens Koma und über mögliche Heilmöglichkeiten heraus zu finden. Eine kleine Schwäche der Handlung ist wahrscheinlich, dass kein normaler selbständiger Arbeitnehmer sich derart über Wochen aus seinem Job ausklinken kann. Doch dies ist eigentlich verzeihlich.
Beide erfahren über die Einstellung des anderen zu Beziehungen. Und man lernt vor allem Arthur intensiver kennen: Mit zehn Jahren war er schon Vollwaise. Zu seiner Mutter hatte er ein sehr enges, liebevolles Verhältnis. Man bekommt ihre Abschiedsbriefe zu lesen: Den an den kleinen Jungen. Ihn erhält Arthur nach ihrem Tod. Dann einen zweiten, den er als Volljähriger in der Schule ausgehändigt bekommt und einen weiteren, den er als Mann liest, zu dem Zeitpunkt, zu dem er sich entschließt, erstmals in das Haus zurück zu kehren, in dem er aufgewachsen ist. Gleichzeitig erfährt man auch mehr über die Mutter, über ihr Leben zwischen zwei Männern, über ihre Rücksichtnahme gegenüber ihrem Ehemann und (nach dessen Tod) gegenüber ihrem Sohn. Für diese beiden hat sie ihre große Liebe nie gelebt. Der eine oder die andere mag diese Passagen als sentimental oder gar zu zuckrig oder schmalzig empfinden. Ich halte sie für durchaus realistisch und für wirklich zu Herzen gehend.
Kann man ewig mit einem Geist zusammen leben? Man kann nicht! Eines Tages findet Arthur Lauren völlig erschüttert in seiner Wohnung. Die Ärzte haben ihre Mutter überredet, die lebenserhaltenden Maßnahmen für ihren Körper zu beenden. Arthur beschließt, die im Koma liegende Lauren aus dem Krankenhaus zu entführen und in das frühere Haus seiner Mutter zu bringen.

MEINE MEINUNG:
Zunächst einmal hat man es natürlich mit einer Liebesgeschichte zu tun. Doch würde es sich nur darum drehen, ob und wie sich Arthur und Lauren näher kommen, so würde die Geschichte vielleicht langweilig werden. Die Würze kommt zum einen durch die ungewöhnliche Lage der beiden. Denn sie können nicht wie ein gewöhnliches Paar ausgehen. Da nur er sie sehen kann, wirkt es komisch, wenn dieser Mann am Tisch unaufhörlich scheinbare Selbstgespräche führt. Die Würze kommt aber auch, weil Levy vor allem Arthur Hintergrund und damit Tiefe verleiht: Der Architekt schafft es endlich, einen neuen Zugang zu seiner Vergangenheit zu finden. Und es ist interessant, ihn dabei zu begleiten.
Mir gefällt es darüber hinaus, dass die Figuren ein wenig philosophieren. Und dabei kommt in den Briefen von Arhurs Mutter aber auch in den Einstellungen des Architekten eine Lebensweisheit zum Vorschein, die viele von uns in der Hektik des Alltags vergessen: Man sollte den Augenblick genießen und sich auf das konzentrieren, was einem wichtig ist. Bei Levy sagt Arthur das dann so: Ich werde dir sagen, warum ich gelassen bin, wie du es nennst. Weil man nicht alles haben kann im Leben und darum das Wesentliche leben muss.
Klar, man kennt diese Aussage in ähnlicher Form, zum Beispiel als Carpe Diem, nutze den Tag! Doch sie beinhaltet auch noch etwas anderes, eine Tatsache, die ein wenig ernüchternd ist, aber gleichzeitig auch dazu veranlasst, die schönen Momente des Lebens intensiver zu leben: Das Leben ist kein einziges Fest, kein Wunschkonzert. Doch es gibt ab und an wirkliche Glücksmomente, die man festhalten, die man genießen sollte. Und wenn man das tut, lebt man wirklich, ist ausgeglichener, glücklicher. Gleichzeitig erinnert mich ein Stichwort in dem vorhin erwähnten Zitat an ein Lieblingsbuch von mir: das WESENTLICHE. Natürlich, das kennt man aus Der kleine Prinz. Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar. Und das gilt auch für Arthur, der Lauren mit dem Herzen kennen (und schließlich auch lieben) lernt.
Arthur, der Mann, der schon früh seine Mutter verloren hat, der zwar mit seinem Job zufrieden ist und mit seinem Kompagnon Paul auch gleichzeitig seinen besten und sehr zuverlässigen Freund hat, merkt, dass er diese Glücksmomente (erst) mit Lauren findet. Und er folgt seinen Worten, versucht, das Wesentliche wirklich zu leben.

FÜR WEN IST DAS BUCH?
Zunächst hätte ich auf einen reinen Frauenroman getippt. Auch wenn derjenige, der es empfohlen hatte, ein Mann ist ... Doch da Arthur noch etwas mehr im Mittelpunkt steht, können sich wohl auch Männer identifizieren. Wenn sie ohnehin gerne lesen, werden auch sie sicher ihre Freude an dieser Geschichte haben!

WER IST MARC LEVY?
Erst jetzt, da ich diese Passage schreiben will, lese ich die Angaben zu Marc Levy und erkenne, dass ich gar nicht so falsch liege, wenn ich eine Parallele zwischen Arthur und seinem Autor ziehe: Denn beide sind von Haus aus Architekten. Und beide haben eine Zeit lang in San Francisco gelebt. Levy, der Verlegersohn, wurde 1961 geboren. Eigentlich schrieb er Solange du da bist als Geschichte für seinen Sohn. Der sollte sie als Erwachsener erhalten. Levys Ziel: Ich wollte ihm von einem Mann erzählen, der sich in den Inhalt eines Menschen verliebt und nicht in seine Verpackung.
Inzwischen lebt Levy als freier Schriftsteller in Paris und London.

ANGABEN ZUM BUCH:
Meine Ausgabe stammt aus dem Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin, www.aufbau-taschenbuch.de. Es ist die 12. Auflage aus dem Jahr 2003. De ISBN-Nr.: 3-7466-1836-3 . Das Buch ist 276 Seiten dünn.
Eigentlich hätte man meinen können, dass die Originalausgabe englischsprachig war. Doch Irrtum! Sie stammt aus dem Französischen und lief unter dem Titel Et se c’etait vrai ... und erschien erstmals 2000 bei Editions Robert Laffon S.A., Paris.

PREIS:
Bei Ebay habe ich dieses Taschenbuch für 1 Euro (+ Versandkosten) ersteigert. Es war in einem ordentlichen Zustand. Er es neu kaufen möchte, zahlt 8,50 Euro.

FAZIT:
Anfangs war ich etwas skeptisch, dachte, dass dieser Roman vielleicht doch einer der auf seichte Weise leicht ist. Dabei muss man die Begriffe erläutern: Seicht? Nun, das geht oftmals ins Negative hinein, im Sinne von nicht besonders anspruchsvoll. Und leicht? Das kann mit seicht gleichzusetzen sein, kann aber auch heiter heißen oder aber, das gilt hier, leicht zu lesen, eine Geschichte, die einen in den Bann reißt und nicht wieder los läßt Bei dem letzten Roman hat es länger gedauert, bis ich ihn durch hatte. Und das lag nicht nur an der Seitenzahl. Hier konnt eich gar nicht wieder aufhören. Habe mich gefreut, nach Hause zu kommen, um wieder in die Geschichte einzutauchen. Was mich gefesselt hat, war, dass es sich nicht nur um eine triviale Liebesgeschichte handelte, sondern dass man die Figuren (vor allem Arthur) kennen lernt, man ihre Sorgen und Zeifelnachvollziehen kann, ihre Glücksmomente miterlebt. Vielleicht noch wichtiger aber als das: Man bekommt selber etwas mitgegeben: Nämlich, sich nicht immer vom Laufrad des Alltags treiben zu lassen, sondern die schönen Augenblicke intensiver zu greifen und zu begreifen. Für mich eine besonders schöne Botschaft, die man bekommen kann. Daher gibt es von mir natürlich hier alle Sterne und eine ganz dicke Empfehlung!

40 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Madrianda

    21.08.2004, 11:17 Uhr von Madrianda
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eine sehr gute und anspruchsvolle Rezension, bei der eine gehörige Portion Eigenmeinung rüberkommt :-) Gruß Beate