Schmidt Spiele Ligretto Testbericht

Schmidt-spiele-ligretto
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Summe aller Bewertungen
  • Präsentation:  gut
  • Spielanleitung:  sehr gut

Erfahrungsbericht von magnifico

Nichts für Choleriker, Jähzornige und Herzkranke

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Aufgrund seines hektischen Spielverlaufes und der unweigerlich auftretenden Aggression empfiehlt sich das Spiel "Ligretto" weder für Choleriker oder Jähzornige noch für Herzinfarktpatienten oder anderweitig gesundheitlich gefährdete. Denn während erste durch ihr Ausbrüche und Frustationsgebaren vielleicht den Witz des Spieles noch um ein weiteres erhöhen, besteht bei Herzkranken aufgrund des aktionsreichen Spielverlaufes die, in meinen Augen nicht unbeträchtliche Gefahr, einen ernsthaften gesundheitlichen Vorfall erleiden zu können - was nun wirklich nicht der Sinn des Spieles ist.

Der Sinn liegt vielmehr darin, durch schnelle Reaktion und ein geschicktes Händchen zu punkten bzw. den Mitspielern Punktemöglichkeiten wegzuschnappen - eine schweißtreibende und die Stimmung anheizende Angelegenheit.

Gespielt werden kann bereits ab drei Spielern, wobei die derzeitige Höchstgrenze aufgrund des vorgegebenen Spielmaterials bei 12 Personen liegt - nach meinen Erfahrungen sind 4-5 Personen ideal, da sonst einerseits das Spiel wenig Elan erzeugt, andererseits aber bei zu vielen Mitspielern leicht unübersichtlich wird und die Versuchung, durch Mogelei zum Sieg zu kommen, eventuell in die Tat umgesetzt wird - wir sind alle nur Menschen.

Gespielt wird mit Spielkarten, auf denen sich die Zahlen 1 bis 10 befinden. Jeder Spieler erhält zu Beginn einer Spielrunde einen Stapel mit 40 Karten, auf deren Rückseite sich sein Symbol befindet. Von diesen 40 Karten legt er vier offen vor sich hin - erreicht oder übersteigt ihre Summe die Zahl 30, so darf er vier neue Karten auflegen. Weitere zehn Karten legt er verdeckt als Kartenstoß neben die vier aufgedeckten Karten. Die verbleibenden sechsundzwanzig Karten nimmt er in eine Hand - ein Wechsel in die andere oder ein fächerförmiges Aufbreiten dieses Stapels ist nicht erlaubt. Haben alle Mitspieler die Vorbereitungen abgeschlossen, ruft ein Spieler "Los!" und eröffnet damit den wilden Kampf.

Ziel eines jedes Spielers ist es, die vier vor ihm befindlichen Karten möglichst schnell auf den Tisch - der im übrigen stabil gebaut sein sollte - zu legen, um den freiwerdenden Kartenplatz mit einer Karte aus dem Zehnerstapel belegen zu können. Dabei gilt, daß auf einen bereits eröffneten Stapel auf der Spielfläche nur die nächsthöhere Zahl, beispielsweise die "5" auf die "4", gelegt werden darf. Neue Stapel können mit der "1" eröffnet werden, mit der "10" ist der Stapel abgeschlossen. Durch die in der Hand befindlichen 26 Karten können und müssen Stapel ebenfalls eröffnet oder weitergeführt werden. Da jeder Mitspieler das selbe Ziel und meistens auch den selben Stapel vor Augen hat, entscheidet oftmals die Reaktionsgeschwindigkeit über die Möglichkeit, eine Karte ablegen zu können oder nicht. Hat ein Spieler seinen Zehnerstapel abgebaut - die vier offenen Karten dürfen noch vorhanden sein - so ruft er laut "Stop!", womit das Ende der Runde allen anderen angezeigt wird, die keine weiteren Karten ablegen dürfen. - nach meiner Erfahrung hat sich ein vehementes Vorgehen bei dem Abbrechen der Runde, etwa durch Über-den-Tisch-hechten oder Karten-an-sich-reisen im Hinblick auf etwaige "unbewußte" Nachzügler bewährt. Alle, auf der Spielfläche befindlichen Karten werden nun umgedreht und, nach ihren jeweiligen Symbolen, den Mitspielern zugeteilt. Dabei zählt jede abgelegte Karte einen Pluspunkt, wohingegen jede Karte im noch vorhandenen Zehnerstapel zwei Minuspunkte zählt - ein negatives Ergebnis ist also durchaus drin.

Nach dem Aufsummieren des aktuellen Ergebnisses mit den vorher erzielten Werten kann sodann eine neue Runde beginnen, in der neue Taktiken wie auch Adrenalinschübe eingebracht werden können. Sieger ist, wer eine vorher definierte Punktegrenze, beispielsweise 200 oder 300 Punkte, als erster erreicht.

Während des Verlaufes einer Runde kann und wird es, mit voranschreitendem Spielablauf immer wahrscheinlicher werdend, zu dem ein oder anderen verbalen Ausrutscher kommen - als Folge von Frustration oder Aggression über eine eben verpaßte Chance. Deshalb sollte man sich vorher gut überlegen, ob die vermeintlichen Mitspieler aufgrund ihrer Fähigkeit zur Selbstbeherrschung oder anderweitiger Charakterzüge geeignet sind, dieses temporeiche Spiel mitzumachen. Nach meinen eigenen, nunmehr durch vielfache Ligretto-Abende gefestigen Erfahrungen ist neben blauen Flecken an Handgelenken und Unterarmen, gestauchten Fingern und Beinahe-Brüchen von Handgelenken, die nur knapp einem mehr oder weniger gezielten Handkantenschlag entgangen sind, auch eine nicht unbeträchtliche verbale Vielfalt im Bereich des eher vulgären oder obszönen Spektrums möglich - für mich immer wieder sehr interessant, wie Personen, die man infolge langjähriger Freundschaft vermeintlich gut zu kennen glaubt und ihr sprachliches und anderweitiges Niveau einschätzen zu können meint, mit "deftigen Sprachschmankerln", unterstrichen durch eher harmlose Flüche oder Kraftausdrücke, ihren Emotionen freien Lauf lassen.

Damit will ich weder mich selbst von derartigen Entgleisungen ausnehmen, noch irgendwelche negativen Auswirkungen des Spiels auf interhumane Relationen ausdrücken - vielmehr kann man hierbei, zumindest kurzzeitig, Einblicke auf so manche Schattenseite der lieben Mitmenschen nehmen, womit, soweit meine persönliche Einschätzung, ein gewisser Reiz des Spieles erklärbar ist.

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