Pippi Langstrumpf geht an Bord (gebundene Ausgabe) / Lindgren Astrid Testbericht

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ab 7,86
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Erfahrungsbericht von linnie

Schiff ahoi?!

Pro:

Pippi ist und bleibt Lindgrens sympathischte Romanfigur, viele hübsche Illustrationen, abenteuerliche Geschichten, Pippi macht, was sie will

Kontra:

das Buch ist zu kurz, es gibt insgesamt nur drei Pippi-Bücher, manch einer mag sich an Pippis \"rebellischem\" Verhalten stören

Empfehlung:

Ja

Nachdem ich nun zuletzt einen Bericht über Karlsson vom Dach geschrieben habe, möchte ich auch heute wieder eine Lanze für die Kinderbücher von Astrid Lindgren brechen und über ihre vielleicht berühmteste und beliebteste Romanfigur schreiben, nämlich Pippi Langstrumpf, die auch Lesemuffel sicherlich aus den Pippi-Filmen kennen dürften.

** Die Autorin
Astrid Lindgren wurde 1907 auf Näs im schwedischen Smaland geboren. Ihre mehr als 70 Bücher wurden in ebenso viele Sprachen übersetzt und mit vielen Preisen ausgezeichnet, unter andererem erhielt Astrid Lindgren den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den Alternativen Nobelpreis, den internationalen Jugendbuchpreis Hans-Christian-Andersen-Medaille, die große Goldmedaille der Schwedischen Akademie und den deutschen Jugendbuchpreis.

Über Pippi Langstrumpf gibt es insgesamt drei Geschichten, nämlich „Pippi in der Villa Kunterbunt“, „Pippi geht an Bord“ und Pippi in Taka-Tuka-Land“.

** Inhalt
In einer kleinen kleinen Stadt in der Villa Kunterbunt wohnt ein neunjähriges Mädchen zusammen mit ihrem Pferd und dem Affen Herr Nilsson. Das kleine Mädchen mit den vielen Sommersprossen im Gesicht, dem viel zu kurzen selbstgenähten Kleid und den viel zu großen Schuhen heißt Pippi, um genau zu sein Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf. Pippi wohnt dort ohne ihre Eltern, denn ihre Mutter ist ein Engel und ihr Vater lebt als Negerkönig auf Taka-Tuka-Land, doch Pippi hat zwei beste Freunde, nämlich Thomas und Annika, die beiden Nachbarskinder. Beide Kinder sind eigentlich sehr wohlerzogen und immer gut gekleidet, doch Pippi veranstaltet gerne ein solches Chaos, dass Annika nicht mehr mit ihren besten Kleidern zu Pippi gehen darf. Die drei Kinder treffen sich täglich zum Spielen in der Villa Kunterbunt, wo sie allerlei Abenteuer erleben.

Das erste der neun Kapitel in diesem Buch dient lediglich der Vorstellung von Pippi, die man im Grunde genommen eigentlich schon aus dem ersten Teil der Pippi-Reihe kennen dürfte. Im nächsten Kapitel gehen Pippi, Thomas und Annika einkaufen, da an diesem Tag schulfrei ist. Pippi packt ein paar ihrer Goldstücke ein und macht damit die Stadt unsicher. Zunächst macht sie einer Frau im Parfümgeschäft noch klar, dass man nicht unter Sommersprossen leidet, weil diese doch schön sind, später zerstört sie eine Modepuppe in einem Bekleidungsgeschäft und anschließend kauft Pippi kiloweise Süßigkeiten ein, um sie mit sämtlichen Kindern in der Stadt zu teilen.

Damit Pippi zusammen mit Thomas und Annika am Schulausflug teilnehmen kann, besucht sie noch einmal die Schule, in der sie bereits im ersten Pippi-Band ihr Unwesen getrieben hat, doch dieses Mal sitzt Pippi nur draußen vor dem Fenster in einer Birke und lenkt die anderen Kinder vom Unterricht ab. Und obwohl Pippi auch in dieser Unterrichtsstunde nur Döneken gemacht hat, darf sie mitkommen zum Ausflug. Der Ausflug führt die Kinder in den ungeheuer schönen Ungeheuerwald, wo die Kinder unter Pippis Federführung ausgelassen rumalbern und spielen, während die Lehrerin ein Buch liest. Später sind alle Schulkinder noch bei einem Mädchen zu Erfrischungen im Garten eingeladen, doch leider benimmt Pippi sich wieder ein wenig daneben, dennoch bleibt sie die Heldin des Tages, da sie einem gemeinen Mann eine ordentliche Lektion erteilt hat.

In den weiteren Kapiteln erleben Pippi, Thomas und Annika noch viele weitere aufregende Dinge, z.B. als sie den Jahrmarkt besuchen und Pippi dort bei allen möglichen Vorführungen mitwirken will und am Ende einen entlaufenen Tiger einfängt oder als die drei mit einem kleinen Boot auf eine einsame Insel paddeln und dort Schiffbrüchige spielen. Schließlich kehrt Pippis Vater Efraim aus Taka-Tuka-Land zurück und will seine Tochter auf sein Schiff – die Hoppetosse – mitnehmen, damit sie Negerprinzessin in Taka-Tuka-Land wird. Vorher wird natürlich noch eine große Abschiedsparty gefeiert, zu der 34 Kinder und die gesamte Besatzung der Hoppetosse erscheinen, um Pippi zu verabschieden. Doch wird Pippi wirklich ihre beiden besten Freunde verlassen, um mit ihrem Vater hinaus in die weite Welt zu segeln? Lassen wir uns überraschen.

** Allgemeines zum Buch
Verlag: Oetinger Verlag
Titel der schwedischen Originalausgabe: "Pippi Langstrump gar on Bord"
Aus dem Schwedischen von: Cäcilie Heinig
Zeichnungen von Rolf Rettich
ISBN: 3-7891-1852-4
Preis: 7,50 Euro
208 Seiten

oder:
Pippi Langstrumpf, Gesamtausgabe
Oetinger Verlag
ISBN 3-7891-2944-5
Preis: 15,90 Euro
389 Seiten

** Kritik
Inspiriert durch Karlsson vom Dach wollte ich unbedingt auch mal wieder meine Pippi-Bücher lesen, die schon viel zu lange unbeachtet in meinem Bücherschrank gestanden haben. Pippi war schon immer meine Favoritin, ich habe damals die Filme und Bücher einfach nur geliebt, da Pippi immer fröhlich und gut gelaunt war, immer einen Koffer voller Goldstücke im Hause hatte und genau das getan hat, wonach ihr der Sinn steht. Und das macht meiner Meinung nach auch die Faszination von Pippi Langstrumpf aus, denn sie erlebt all die Dinge, die Kindern normalerweise von Erwachsenen verboten werden, so lebt sie allein in einem großen Haus, bestimmt selbst, wann sie zu Bett geht und schläft dann auch noch mit den Füßen auf dem Kopfkissen, damit sie besser mit den Zehen wackeln kann. Keiner verbietet ihr irgendwas, außerdem hat sie zwei beste Freunde, zwei liebe Haustiere und ist ungewöhnlich stark. Wohin Pippi auch geht, sie steht immer im Mittelpunkt, meist allerdings unbeabsichtigt, weil sie manchmal gar nicht versteht, dass ein anderes Verhalten oder Benehmen angebrachter wäre. Sie weiß nicht, was ein Zirkus ist, so ist es für sie selbstverständlich, auf ein Pferd mit aufzuspringen, das durch die Manege trabt. Pippi scheint die beste Freundin zu sein, die man sich überhaupt nur wünschen kann als Kind, da man mit ihr Unglaubliches erleben kann, sie immer verrückte Ideen hat und auch nett zu ihren Freunden ist. Hier unterscheidet sich Pippi doch deutlich von Karlsson, denn Karlsson bezeichnete seinen besten Freund Lillebror meist als kleinen dummen Jungen, doch Pippi ist nett und freundlich zu Thomas und Annika und ärgert meist nur die Menschen, die es auch verdient haben. Pippi macht ihren Freunden Geschenke und erlebt mit ihnen Dinge, die die beiden ohne Pippi sicherlich nicht erlebt hätten.

Pippi wird in ihren Büchern so facettenreich beschrieben und ist zudem noch so hübsch illustriert worden, dass der Leser Pippi stets vor Augen hat beim Lesen. Hier merkt man einmal mehr, welch ungeheure Fantasie Astrid Lindgren gehabt haben muss, dass sie sich Pippi so lebhaft ausdenken konnte. Pippi ist nahezu in jeder Hinsicht anders als andere Kinder, sie stellt einfach die tollsten Sachen an, wer würde zum Beispiel auf die Idee kommen, seinen eigenen Schiffbruch zu inszenieren oder sich selbst einen Brief zu schreiben?

Für Eltern muss Pippi allerdings so etwas wie eine Horrorvorstellung von einem Kind sein, da sie immer das macht, was ihr gefällt, sich in feiner Gesellschaft nicht benehmen kann, nicht zur Schule geht und auch sonst genug Unsinn treibt. Ein weiteres Hobby von ihr ist das Lügen, denn sie erzählt Thomas und Annika immer wieder die verrücktesten Geschichten von ihren Reisen durch die weite Welt. Da soll es laut Pippi Länder geben, wo die Leute nur einen Arm haben, wo sich Menschen Eier ins Haar schmieren, damit sie keine Glatze kriegen oder Länder, in denen Kinder in der Schule nur spielen. Manchmal bemerkt sie selbst, dass sie gerade am Lügen ist, manchmal wird sie auch darauf hingewiesen, doch weiß der Leser nie, welche Geschichten wahr sind und welche gelogen, denn die Geschichte vom Negerkönig stellt sich am Ende als wahr heraus, obwohl man sie vorher nicht geglaubt hätte. So bleibt dem Leser genug Raum für Spekulationen.

Die Sprache im Buch ist zwar kindgerecht und leicht zu verstehen, aber sehr ausschmückend, so legt Astrid Lindgren nicht nur viel Wert auf die Beschreibung der Charaktere, sondern auch in die Beschreibungen der Situation. Selbst Kleinigkeiten werden erwähnt, um die Situationen möglichst vielseitig zu beschreiben. Außerdem spart Lindgren nicht an Adjektiven, wodurch ihre Worte nochmals an Farbe gewinnen. Hierzu eine kleine Leseprobe:

„Die kleine Stadt sah sehr gemütlich aus in der Frühlingssonne. Die schmalen, mit Steinen gepflasterten Straßen schlängelten sich zwischen den Häusern entlang. In den kleinen Gärten, die fast alle Häuser umgaben, blühten Schneeglöckchen und Krokus. Es gab viele Geschäfte in der kleinen Stadt. An diesem schönen Frühlingstag waren viele Leute unterwegs, die durch die Türen aus und ein gingen, und die Türglocken läuteten unaufhörlich. Frauen kamen mit Körben an den Armen, um Kaffee und Zucker und Butter und Seife zu kaufen.“

Diese idyllische Beschreibung steht im Gegensatz zu den sonst so abenteuerlichen Geschichten um Pippi herum und lassen zwischendurch etwas Ruhe in die Erzählung einkehren. Außerdem sind sie ein weiteres Anzeichen dafür, dass nicht immer nur eitel Sonnenschein herrscht. Pippi macht zwar gerne ihre Späße, aber an manchen Stellen werden auch Probleme thematisiert oder Fehlverhalten von irgendwelchen Menschen. Als Beispiel möchte ich hier die Geschichte um den Bauern anführen, der sein Pferd auspeitscht und quält, weil es zu müde ist, um seine Fracht zu ziehen. Pippi lädt dem Mann selbst einen Sack auf, der er nach Hause tragen muss und trägt selbst das erschöpfte Pferd auf Händen nach Hause. An solchen Stellen können Kinder auch etwas für ihr eigenes Leben lernen,

Auf etwa jeder dritten Seite findet sich eine Zeichnung von Rolf Rettich, die das momentan Beschriebene illustriert, so ist das Buch auch zum Vorlesen besonders geeignet, da Kinder fast immer etwas zum Gucken haben, während sie der Geschichte lauschen. Die lebendigen Beschreibungen in Verbindung mit den hübschen schwarz-weiß-Zeichnungen ermöglichen es dem Leser immer, sich die Geschichten genau bildlich vorzustellen, sodass das Lesen zu einem besonderen Vergnügen wird.

** Fazit
Um es noch einmal kurz zusammen zu fassen: Pippi Langstrumpf zählt zu meinen absoluten Lieblingskinderbüchern, da Pippi all das ausleben kann, was man sich selbst als Kind manchmal gewünscht hat. Sie ist die Heldin dieser Geschichten und sicherlich auch die Heldin vieler Kinder und auch Kind-Gebliebener. Die Abenteuer von Pippi Langstrumpf sind hübsch geschrieben, verrückt und absolut lesens- und auch vorlesenswert. Somit kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen und 5 Sterne geben, denn für Pippi sollte man nie zu alt werden.

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