Ich will auch Geschwister haben Testbericht

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Erfahrungsbericht von Nutsi

Peter und Lena sind Jeldrik und Finja

Pro:

hilft Eifersucht zu verarbeiten

Kontra:

könnte kids auf dumme gedanken bringen

Empfehlung:

Ja

Bei uns im Freundeskreis haben viele mittlerweile das zweite Kind bekommen oder bekommen es bald. Für dieses denkwürdige Ereignis wollen alle pflichtbewussten Eltern natürlich die best mögliche Vorbereitung für das bis dato alleinherrschende Erstgeborene. Diese Vorbereitung geschieht meist durch dafür gedachte Kinderliteratur. So entdeckte ich bei Freunden das Buch „Ich will auch Geschwister haben“ von Astrid Lindgren.

Auf der ersten Seite die ich aufschlug, sah ich einen kleinen Jungen, der sein Schwesterchen von hinten boxte und auf der nächsten Seite wütend seine Mutter trat und sich dann beleidigt in die Ecke stellte. Damit fand ich das Buch erst mal total doof, denn mein Großer ist zwar auch mal eifersüchtig auf seine Schwester und ärgert sie manchmal, aber dass er sie boxte oder aggressiv gegen mich wurde, ist noch nicht passiert und man muss mit einem Buch die Kinder ja nicht auf solche Ideen bringen!

Doch die Mutter der Besitzerin des Buches meinte, dass ihre Tochter auch noch nie die kleine Schwester geschlagen hätte und auch von diesem Buch nicht darauf gebracht worden wäre.
Im Gegenteil ihre Tochter würde diese Buch lieben, denn sie könnte sich sehr mit der Hauptperson des Buches identifizieren und ihre Gefühle für ihre Schwester verarbeiten. Die besagte Mutter ist Psychologin und empfahl mir das Buch wärmstens! Daraufhin habe ich es mir mal von vorne bis hinten durchgelesen und fand es so gut, dass ich es auch meinem Sohn gekauft haben.

Aber nicht zur Vorbereitung auf ein Geschwisterchen, denn die kleine Schwester ist ja nun schon seit über einem Jahr da, sondern damit mein Sohn seine Eifersucht verarbeiten kann. Denn auch wenn Jeldrik seine kleine Finja über alles liebt und richtig knuffig für sie sorgt, gibt es doch immer wieder Momente der Eifersucht, die glaube ich normal unter Geschwistern sind. Ich persönlich kann das nicht beurteilen, weil ich ein verwöhntes Einzelkind bin!
Nun aber zurück zum Buch!

***Inhalt***
Peter ist schon groß und trifft einen beim Spielen auf der Strasse einen Jungen der seinen Bruder im Kinderwagen schiebt und schwärmt, wie schön es ist Geschwister zu haben.
Zu Hause wünscht sich dann Peter auch Geschwister von seiner Mutter und merkwürdigerweise sagt seine Mutter, dass ihm dieser Wunsch bald erfüllt wird. So bringt die Mutter eines Tages nach einem Krankenhausaufenthalt Peters kleine Schwester Lena mit. Zuerst freut er sich, aber dann wird ihm bewusst, dass Mama und Papa das schreiende Bündel sehr lieb haben, vielleicht sogar lieber als ihn. Da denkt er sich, das er ganz schön doof war, sich Geschwister wünschen und er würde Lena am liebsten gegen ein Dreirad tauschen und wütend hat er sie. Mama schimpft natürlich und darauf tritt er sie. Wenn Lena gestillt wird, stellt Peter immer etwas an, damit Mama kommen muss. Er ist sehr traurig. Doch seine Mutter kommt und tröste ihn und sagt , dass sie ihn sehr lieb hat und das Lena eben viel Mühe macht, weil sie so klein ist und sie sich freuen würde, wenn Peter ihr helfen würde, für Lena zu sorgen. Das macht er dann auch.
Lena und Peter werden größer und bekomme irgendwann ein Bruder namens Nils. Der macht auch sehr viel Mühe und Mama hat nicht mehr soviel Zeit. Da ist Peter sehr froh, dass er Lena nicht gegen ein Dreirad getauscht hat, denn sonst hätte er jetzt niemand zum Kissenschlacht machen.

***Design***
Das Buch ist orange und auf dem Cover sind Peter, Lena, Baby Nils und ein paar Spielsachen zu sehen. Die Seiten sind aus Papier (keine Hardcover, also keine stabilen Pappseiten). Die Bilder wurden 1978 von Ilon Wikland gezeichnet und man sieht es ihnen schon an, dass sie aus den spät 70er kommen. Aber trotzdem hat die Illustratorin es gut hin bekommen, dass die Bilder trotz des 70er Touchs relativ zeitlos sind und heute nicht total unmodern wirken.
Die Bilder sind eher plakativ gehalten, klar und schön bunt. Die Konturen etwas hart, betonen aber die Klarheit der Bilder. Auf einem Bild, auf dem Peter und seine schwangere Mama in der Küche sind ist die Perspektive etwas verzogen.
Aber ansonsten sind die Bilder sehr realistisch, nicht in dem Sinne von plastischer Malerei, in dem Sinne von nahe an der realen Welt einer Familie. Da liegt z.B. mal ein angebissene Rosinenschnecke rum oder im Kinderzimmer herrscht heilloses Durcheinander.

***Altersempfehlung***
Mein Sohn ist 2 Jahre und 8 Monate und findet das Buch sehr gut. Aber er muss sich richtig konzentrieren, wenn ich es vorlese, denn der Text ist schon relativ lang. Wenn die Konzentration nicht so gut ist, kürze ich den Text ein bisserl.
Ich würde sagen, man könnte das Buch ab 2 ½ Jahren empfehlen, aber eher ab drei. Doch das ist ja auch von Kind zu Kind verschieden, je nachdem wie weit sie sind.

***Preis***
Mit 12 € ist man dabei, wenn man sich das Buch kaufen möchte. Meiner Meinung nach ein normaler Preis für ein Kinderbuch, aber trotzdem viel Geld. Man kann es natürlich auch in der Bücherei leihen, aber ich bin so ein Bücherwurm und finde es schöner eigene Bücher zu haben. Das möchte ich meinen Kindern gerne weiter vermitteln. Deswegen haben sie gaaaanz viele eigene Bücher, obwohl wir auch mal was leihen!

***Fazit***
Ich kann das Buch durchweg empfehlen und meine anfänglich Bedenken, dass mein Sohn durch dieses Buch auf dumme Gedanken kommt und mich oder seine Schwester vermöbelt, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil, manchmal ist er sogar ein bisserl verständiger, wenn Finja „nervt“, dann sagt er zu ihr „Du bist klein, du machst Mühe!“.
Was ich schön an dem Buch finde, das die Sätze ganz leicht verständlich sind und gut die Gedanken eines Dreijährigen einfangen. Beispielsweise: „Peter war sehr erstaunt. Sonst musste er viel länger Quengeln, wenn er ich irgendetwas wünschte!“
Sowohl von den Bildern als auch vom Text her, finde ich das Buch sehr ansprechend. Außerdem mag ich Astrid Lindgren sehr gerne und denke, dass ihre Bücher aus dem Leben gegriffen sind und nicht umsonst mit vielen Preisen ausgezeichnet wurden.

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