Das Haus der Schwestern (Taschenbuch) / Charlotte Link Testbericht
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Erfahrungsbericht von Zicke20
Vergangenheit dramatisiert Gegenwart
Pro:
Spannend, lehrreich, sprachlich schön
Kontra:
für manche zuanspruchsvoll
Empfehlung:
Ja
Charlotte Link Das Haus der Schwestern
~~~Eine kurze inhaltliche Einführung:~~~
Westhill House, ein einsames Farmhaus im Hochmoor Yorkshires, ist das Ziel einer Weihnachtsreise des deutschen Ehepaares Barbara und Ralph Amberg. In der dortigen Einsamkeit wollen sie gemeinsam über sich und die Konsequenzen für ihre Ehe nachdenken. Gibt es für die beruflich sehr erfolgreichen Ehepartner einen Weg zu einer echten Partnerschaft oder steht das Ende ihrer Ehe bevor?
Doch eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten müssen zunächst einmal die elementaren Bedürfnisse wie Wärme und Nahrung befriedigt werden. Auf der Suche nach Verwertbarem stößt Barbara auf die bis dahin gut versteckten Aufzeichnungen über die Lebensgeschichte der früheren Besitzerin des Gutes Westhill, Frances Gray.
Sie beginnt die tagebuchähnlichen Schriftstücke zu lesen, ohne zu ahnen, dass sie mit diesem Fund noch eine verhängnisvolle Reaktionskette auslösen wird.
Im Roman wechseln jetzt ständig die drei Gedankenblickwinkel. Zum einen Barbara und Ralph im täglichen Hungers- und Wärmekampf, im Versuch ihre Beziehung auszuloten, die Sorge ihrer Vermieterin Laura, die sich zu Besuch bei ihrer Schwester aufhält, um ihr eingeschneites Haus, aber auch vor Angst, dass die Aufzeichnungen von Frances gefunden und gelesen werden könnten und hauptsächlich der Blickwinkel Frances Gray, ihre Lebensgeschichte.
Mehr möchte ich vom Handlungsbogen her nicht verraten.
~~~Was gefällt mir bzw. was gefällt mir weniger an diesem Gesellschafts- oder Schicksalsroman mit Kriminalromanelementen?~~~
Für mich ist die Beschreibung der historischen Ereignisse aus Sicht einer eher zufällig im Kampf um die weibliche Gleichberechtigung engagierten Normalbürgerin das Besondere des Romans.
Geschichte spielt hier hinein in die persönliche Entwicklung einer Frau, die selbst aktiv mit Hoffnungen, Leiden, Enttäuschungen umzugehen hat. Man (oder nur ich?) gewinnt Verständnis für Handlungen, die nicht der gesellschaftlichen Moralnorm entsprechen, die aber wohl im menschlichen Naturell liegen.
Unter der Oberflächliche gutbürgerlicher Familien spielen sich wahre Dramen an Liebe, Hass, Eifersucht, Macht- und Besitzstreben, kurzum aller möglichen Leidenschaften eng verknüpft mit den politischen Auswirkungen der damaligen Epoche ab.
In einer sicher eher schmerzlichen, aber auch notwendigen sinnlichen Erfahrung gelangt Barbara zu einem besseren Selbstverständnis und der bereits siebzigjährigen Laura gelingt es noch, sich von den Schatten und Illusionen der Vergangenheit zu befreien, zu einer lebenswerteren, selbst bestimmten Lebenshaltung zu finden.
*** Fazit und Leserempfehlung ***
Wer einen spannenden Kriminalroman sucht, der ist hier fehl am Platz. Wer sich nur an einer spannenden, dramatischen Liebesgeschichte berauschen will, auch für den gibt es bessere Möglichkeiten.
Wer jedoch dramatische Schicksalsromane mit gut recherchierter historischer Verknüpfung liebt, Romane, die von allen menschlichen Leidenschaften und Verhängnissen handeln, der sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Persönlich hat es mit sehr gut gefallen, auch wenn ich immer in der Gefahr bin, mit meinen Lieblingspersonen zu stark mitzuleiden und die Ohnmacht, die Ungerechtigkeiten der Welt nicht ändern zu können, oft kaum ertragen kann. Sprachlich ist dieser Roman von 600 Seiten, als Club Taschenbuch zu 15,90 DM bei Bertelsmann erschienen, auf jeden Fall ein wahrer Genuss.
~~~Lesebeispiel~~~
\"Sie hätte ihm gern gesagt, wie schwach sie sich in diesem Moment fühlte, schwach genug, sich von ihm umarmen zu lassen und ihr Gesicht an seiner Schulter zu vergraben. Er war ein Feind - und doch als Mensch verletzbar und zwiespältig genug, dass sie ihn nicht hassen konnte. Es schien ihr, sie könne gar nichts mehr empfinden, nichts als grenzenlose Erschöpfung.\"
Nun seid ihr dran mit euren Kommentaren und hoffentlich netten Bemerkungen.
~~~Eine kurze inhaltliche Einführung:~~~
Westhill House, ein einsames Farmhaus im Hochmoor Yorkshires, ist das Ziel einer Weihnachtsreise des deutschen Ehepaares Barbara und Ralph Amberg. In der dortigen Einsamkeit wollen sie gemeinsam über sich und die Konsequenzen für ihre Ehe nachdenken. Gibt es für die beruflich sehr erfolgreichen Ehepartner einen Weg zu einer echten Partnerschaft oder steht das Ende ihrer Ehe bevor?
Doch eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten müssen zunächst einmal die elementaren Bedürfnisse wie Wärme und Nahrung befriedigt werden. Auf der Suche nach Verwertbarem stößt Barbara auf die bis dahin gut versteckten Aufzeichnungen über die Lebensgeschichte der früheren Besitzerin des Gutes Westhill, Frances Gray.
Sie beginnt die tagebuchähnlichen Schriftstücke zu lesen, ohne zu ahnen, dass sie mit diesem Fund noch eine verhängnisvolle Reaktionskette auslösen wird.
Im Roman wechseln jetzt ständig die drei Gedankenblickwinkel. Zum einen Barbara und Ralph im täglichen Hungers- und Wärmekampf, im Versuch ihre Beziehung auszuloten, die Sorge ihrer Vermieterin Laura, die sich zu Besuch bei ihrer Schwester aufhält, um ihr eingeschneites Haus, aber auch vor Angst, dass die Aufzeichnungen von Frances gefunden und gelesen werden könnten und hauptsächlich der Blickwinkel Frances Gray, ihre Lebensgeschichte.
Mehr möchte ich vom Handlungsbogen her nicht verraten.
~~~Was gefällt mir bzw. was gefällt mir weniger an diesem Gesellschafts- oder Schicksalsroman mit Kriminalromanelementen?~~~
Für mich ist die Beschreibung der historischen Ereignisse aus Sicht einer eher zufällig im Kampf um die weibliche Gleichberechtigung engagierten Normalbürgerin das Besondere des Romans.
Geschichte spielt hier hinein in die persönliche Entwicklung einer Frau, die selbst aktiv mit Hoffnungen, Leiden, Enttäuschungen umzugehen hat. Man (oder nur ich?) gewinnt Verständnis für Handlungen, die nicht der gesellschaftlichen Moralnorm entsprechen, die aber wohl im menschlichen Naturell liegen.
Unter der Oberflächliche gutbürgerlicher Familien spielen sich wahre Dramen an Liebe, Hass, Eifersucht, Macht- und Besitzstreben, kurzum aller möglichen Leidenschaften eng verknüpft mit den politischen Auswirkungen der damaligen Epoche ab.
In einer sicher eher schmerzlichen, aber auch notwendigen sinnlichen Erfahrung gelangt Barbara zu einem besseren Selbstverständnis und der bereits siebzigjährigen Laura gelingt es noch, sich von den Schatten und Illusionen der Vergangenheit zu befreien, zu einer lebenswerteren, selbst bestimmten Lebenshaltung zu finden.
*** Fazit und Leserempfehlung ***
Wer einen spannenden Kriminalroman sucht, der ist hier fehl am Platz. Wer sich nur an einer spannenden, dramatischen Liebesgeschichte berauschen will, auch für den gibt es bessere Möglichkeiten.
Wer jedoch dramatische Schicksalsromane mit gut recherchierter historischer Verknüpfung liebt, Romane, die von allen menschlichen Leidenschaften und Verhängnissen handeln, der sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Persönlich hat es mit sehr gut gefallen, auch wenn ich immer in der Gefahr bin, mit meinen Lieblingspersonen zu stark mitzuleiden und die Ohnmacht, die Ungerechtigkeiten der Welt nicht ändern zu können, oft kaum ertragen kann. Sprachlich ist dieser Roman von 600 Seiten, als Club Taschenbuch zu 15,90 DM bei Bertelsmann erschienen, auf jeden Fall ein wahrer Genuss.
~~~Lesebeispiel~~~
\"Sie hätte ihm gern gesagt, wie schwach sie sich in diesem Moment fühlte, schwach genug, sich von ihm umarmen zu lassen und ihr Gesicht an seiner Schulter zu vergraben. Er war ein Feind - und doch als Mensch verletzbar und zwiespältig genug, dass sie ihn nicht hassen konnte. Es schien ihr, sie könne gar nichts mehr empfinden, nichts als grenzenlose Erschöpfung.\"
Nun seid ihr dran mit euren Kommentaren und hoffentlich netten Bemerkungen.
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