Der fremde Gast (Taschenbuch) / Charlotte Link Testbericht

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Erfahrungsbericht von GAWOnline1983

+++ Du kannst vor der Vergangenheit nicht fliehen +++

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

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Kurzinhalt
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Rebecca hat sich nach dem Tod ihres Mannes nach Südfrankreich zurückgezogen und ihre Vergangenheit hinter sich gelassen. Doch dann taucht eines Tages ihr alter Bekannter Maximilian auf, der zwei Studenten aufgelesen hat. Rebecca kann nicht ahnen, dass sich mit Ankunft der beiden ihr Leben für immer verändern wird und sie keineswegs mit ihrem alten Leben abgeschlossen hat, wie sie dachte.



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Inhalt
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Rebecca Brandt verlor ihren Mann Felix, als dieser frontal mit einem Geisterfahrer zusammenstieß. Für die junge Frau Anfang 40 ging damit ihre Welt unter. Sie wollte fortan nichts mehr mit München zu tun haben, wo sie einen Kinderschutzverein leitete. Vor Jahren kauften Felix und sie ein Ferienhäuschen in Südfrankreich. Nachdem sie ihre Zelte in Deutschland abgebrochen hat, verkroch sie sich dorthin und meidet wenn möglich jeden menschlichen Kontakt. Doch ihr alter Bekannter Maximilian Kemper macht sich Sorgen und fährt spontan nach Frankreich. Seine Ahnung hat ihn nicht getrogen, denn just an dem Nachmittag, an dem er sich bei Rebecca meldet, wollte sie mit Tabletten Selbstmord begehen. Auf dem Weg zu Rebecca stößt er auf die beiden verheirateten Studenten Inga und Marius Hagenau, die Urlaub in Südfrankreich machen. Doch ohne Auto kommen sie nicht weit und so beschließt er die beiden mitzunehmen. Sie zelten fortan auf dem Grundstück neben Rebecca. Als Marius erfährt, dass Rebeccas verstorbener Mann Besitzer eines Segelboots war, bekommt er die Erlaubnis, einen Ausflug damit zu machen. Auf die Sturmwarnungen der erfahreneren Seeleute hört er nicht. Auf dem Boot kommt es zur Katastrophe, als Marius auf einmal ganz verändert ist. Schließlich geht er über Bord, doch seine Leiche wird nicht gefunden…

Zur gleichen Zeit etwa findet Karen Steinhoff die Leichen ihrer älteren Nachbarn, den Lenowskys. Die beiden Rentner wurden brutal ermordet. Schon einige Tage hatte Karen das Gefühl, das etwas nicht stimmte, doch sie fasste zunächst nicht den Mut, nachzusehen. Einiges mehr spielt sich in München ab. Clara und ihre ehemalige Arbeitskollegin Agneta, die beide einst für das Jugendamt tätig waren, bekommen anonyme Drohungen per Post. Beide sind beunruhigt. Noch ahnen sie nicht, wie alle Ereignisse zusammenhängen und wie stark ihr Leben in Gefahr ist…



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Meine Meinung
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Ich hoffe nicht, dass manche von euch denken: „Oh nein, nicht schon wieder ein Bericht über die Link!“. Doch ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass ich euch ganz brandfrisch meine Eindrücke über das neuste Buch von Charlotte Link mitteilen muss. Schließlich wurde es heute Nacht recht spät, bis ich das Licht löschte und nun klebte ich die vergangene Stunde schon wieder an dem Buch bis ich es gerade beendete. Doch wie kam ich zu dem Buch? Angefangen hat alles mit „Der Verehrer“, damals ein reiner Zufallskauf, der mich aber auf den Geschmack brachte und mir bewies, dass auch Deutschland großartige Autoren, pardon, Autorinnen hervorbrachte. Und Charlotte Link gehört eindeutig dazu. Nachdem ich das zuvor genannte Werk verschlungen hatte, ging es alsbald mit „Die Täuschung“ weiter, ebenfalls ein Thriller der Spitzenklasse. In letzter Zeit hatte ich aber etwas Abstand von der Autorin genommen. Der Grund dafür war „Das Haus der Schwestern“, das mir nicht so wirklich zusagte und das ich eher als Durchschnitt abstempeln würde. Natürlich entsprang es nicht dem gleichen Genre wie die anderen beiden Werke, doch ich war erst einmal vorsichtig geworden. Vor einiger Zeit stieß ich aber schließlich auf die Ankündigung von „Der fremde Gast“ und das Wenige, was ich darüber las, machte mich absolut neugierig. Es stand somit außer Frage, dass bald ein Neuerwerb ins Haus stehen würde. Als ich schließlich vor etwa eineinhalb Wochen auf der Suche nach kleinen Ostergeschenken war, führte kein Weg an der Buchabteilung des Darmstädter Karstadts vorbei. Dort stieß ich schließlich auf „Der fremde Gast“. Ein paar Tage lag es hier noch herum, da ich noch mit anderen Romanen beschäftigt war, aber gestern griff ich nun dazu. Was ich alsbald „bereuen“ sollte, denn eigentlich hatte ich noch viel für die Uni zu tun…

Schon die ersten Seiten zeigten das Können der Schriftstellerin und brachten mich sofort ins Grübeln. Ein anonymer Brief war abgedruckt, der sich auf eine mir unbekannte Person namens Sabrina und eine Frau namens Rebecca bezog. Wer Rebecca war, konnte ich mir immerhin noch auf Grund der Inhaltsangabe denken. Hinsichtlich der Identität der zweiten Person wurde ich aber erst einmal im Dunkeln gelassen. Nach und nach führt Charlotte Link nun die einzelnen Figuren ein, deren es eine Menge gibt. Sei es nun das Ehepaar Karen und Wolf Steinhoff, die eine eigentlich zerrüttete Ehe führen – zumindest wenn es nach Karen geht. Rebecca Brandt, die ihren Mann bei einem Autounfall verlor und sich nach Südfrankreich zurückzog. Oder das Studentenehepaar Inga und Marius Hagenau, wobei letzter einiges zu verbergen hat. Dann hätten wir noch die Nachbarn Lenowsky und noch einige andere. Viele mögen nun eventuell denken, dass die Personen damit doch recht oberflächlich bleiben müssten. Das Gegenteil ist aber der Fall und damit hebt Charlotte Link sich von vielen anderen Autoren ab. Bis ins kleinste Detail entwickelt und zeigt sie die komplizierte Psyche des Menschen auf. Auffällig ist nämlich, dass all ihre Romanfiguren an Problemen leiden, die meist mit ihrer Partnerschaft zu tun haben. Depressiv ist das Buch aber trotzdem nicht, denn man sieht auch, wie einige von ihnen mit Fortschreiten der Handlung an Stärke gewinnen, auch wenn es zu Beginn nur kleine Schritte sind. Normalerweise würde mich der permanente Schauplatzwechsel eher nerven, doch Link versteht es damit geschickt, die Spannung zu erhöhen. Ich wusste am Ende gar nicht mehr, über wen oder was ich lieber informiert werden wollte. Und so klebte ich an dem Buch, bis mir gegen Morgen die Augen zufielen und ich den Rest der Lektüre auf den heutigen Nachmittag verlegen musste. Nun einmal aber zurück zu den Personen. Gegen Mitte des Buches ahnte ich ein klein wenig, was hinter den Ereignissen stecken könnte, doch das Ende war damit keineswegs vorhersehbar. Ich hatte vielleicht ein kleines Zipfelchen dessen ausgemacht, was letztendlich offenbart werden würde. Aber gerade dies gefiel mir an der Geschichte und so versuchte ich mich weiter mit meinen detektivischen Fähigkeiten. Oft ließ ich mich aber auch von der Geschichte einfach mitreißen.

Es ist faszinierend, wie Link es schafft, die verschiedenen Handlungsstränge am Ende zusammenzuführen und alles zu einem einheitlichen Ganzen zu bringen. Von Anfang an gibt es natürlich Figuren, mit denen man sympathisiert, bei mir waren es Inga, Karen und nach einiger Zeit auch Rebecca. Letztere konnte ich in ihrer Abgeschiedenheit zunächst nicht verstehen, doch dann gewann auch sie meine Sympathie. Ich konnte mich aber ansonsten auch in die anderen Figuren sehr gut hineinversetzen, auch wenn es mir bei diesen drei Damen am besten gelang, ihre Gefühle und Handlungen nachzuvollziehen und quasi durch ihre Augen zu schauen.

Würde man mich fragen, welches meine Lieblingsbücher sind, könnte ich mich zwar nicht bis auf das Letzte festlegen, würde aber mit hundertprozentiger Sicherheit antworten, dass „Der fremde Gast“ auf jeden Fall dazugehört. Der Roman zählt zu dem besten, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Wer Fan von Joy Fielding oder Carlene Thompson ist, wird seine wahre Freude an dem Buch haben, denn Charlotte Link hat einmal mehr bewiesen, dass sie auch mit internationaler Konkurrenz mithalten kann und nicht nur alles aus Amerika kommen muss. Es ist ein Psychodrama, das seinesgleichen sucht und absolut brillant geschrieben ist. Der Stil ist sehr flüssig zu lesen und bis auf einige Begriffe aus der Segelwelt halten sich die unbekannten Worte absolut in Grenzen.

Am Ende war ich gleichermaßen überrascht und schockiert von dem Schicksal, das sich im Laufe des Lesens offenbart. Man muss sich aber in jedem Fall Zeit für das Buch nehmen, denn gerade der Showdown zieht sich recht lange hin – in etwa 100 Seiten. Ich konnte den Roman jedenfalls nicht mehr zur Seite legen. Es gab immer wieder etwas, was meine Aufmerksamkeit erforderte und meinen Entschluss, nun endlich zu schlafen, zunichte machte. Egal wie friedlich es zugeht, eine untergründige Spannung ist immer vorhanden, die an vielen Stellen explodiert. Bei einigen Szenen, bei denen es mir schon mulmig wurde, wenn ich mich in die jeweilige Romanfigur hineinversetze, sog ich schließlich scharf die Luft ein, wenn Link mit einer neuen überraschenden Wendung aufwartete. Einige Kleinigkeiten erinnerten mich zwar an „Die Täuschung“, störten aber letztendlich nicht wirklich. Zum einen ist da natürlich die Kulisse Südfrankreichs, deren Romantik, aber auch Abgeschiedenheit Link einmal mehr einsetzt. Zum anderen ist da der Showdown in einem Haus in dieser Gegend. Das sind aber nur die Randdaten, was Link diesmal daraus machte, ähnelt dem Buch „Die Täuschung“ nun wahrlich nicht. Schließlich sind es zwei verschiedene Themen. In „Die Täuschung“ recherchiert die Protagonistin Laura über den Tod ihres Mannes und findet einiges heraus, was sie lieber nicht hätte wissen wollen. Hier werden die Ereignisse aber von einer ganz anderen Seite aufgerollt und man kann sich denken, dass Marius der Geheimnisvolle ist, der im Mittelpunkt steht. Dennoch kommen genug Überraschungen vor und ich konnte mir bis zum Ende nicht sicher sein, wer das Ehepaar Lenowsky brutal ermordete.

Ich kann euch diesen Thriller wirklich nur empfehlen, da er wie bereits geschrieben, zu dem besten gehört, was ich bisher gelesen habe. Es steht daher außer Frage, dass das Buch von mir fünf Sterne bekommt.



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Das Buch
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„Der fremde Gast“ erschien in Deutschland erstmals Ende März 2005 im Goldmann Verlag. Der Roman umfasst 479 Seiten und ist unter der ISBN 3-442-45769-6 für 10,00 Euro im Handel erhältlich.



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Die Autorin
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Charlotte Link wurde im Jahr 1963 geboren. Sie lebt heute in Wiesbaden und zählt zu den erfolgreichsten deutschen Autorinnen.
(Quelle: Autorinneninfo in „Die Täuschung“)



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Mehr von Charlotte Link
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1. Die schöne Helena
2. Wenn die Liebe nicht endet
3. Verbotene Wege
4. Die Sterne von Marmalon
5. Haus im Glück
6. Sturmzeit
7. Reiterhof Eulenburg, In der Falle der Tiermafia
8. Reiterhof Eulenburg, Die geheimnisvolle Spionin
9. Reiterhof Eulenburg, Die Diamanten der schönen Johanna
10. Reiterhof Eulenburg, Schnee aus heiterem Himmel
11. Wilde Lupinen
12. Schattenspiel
13. Frauensache(n)
14. Die Sünde der Engel
15. Die Stunden der Erben
16. Der Verehrer
17. Das Haus der Schwestern
18. Die Rosenzüchterin
19. Cromwells Traum oder Die schöne Helena
20. Die geheimnisvolle Spionin
21. Die Täuschung
22. Am Ende des Schweigens
23. Der fremde Gast




(copyright by Laura Thoma, März 2005)

34 Bewertungen, 5 Kommentare

  • Meinungsumfrager

    27.03.2007, 00:40 Uhr von Meinungsumfrager
    Bewertung: sehr hilfreich

    excellenter Bericht! LG Sven

  • Clarinetta2

    21.01.2007, 14:45 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wunderbarer Bericht.

  • plötzlichpapa

    11.04.2005, 14:36 Uhr von plötzlichpapa
    Bewertung: sehr hilfreich

    obwohl ich wirklich Lust auf mehr bekommen habe. Hab mir den Bericht gespeichert.

  • feldhase

    31.03.2005, 22:03 Uhr von feldhase
    Bewertung: sehr hilfreich

    so ausführlich und verrät trotz allem kaum etwas von dem Buch, das ich nach deiner Beschreibung auf jeden Fall lesen möchte. Danke, Feldhase

  • gangster09

    31.03.2005, 20:43 Uhr von gangster09
    Bewertung: sehr hilfreich

    .. i zwar net, aber bericht gefällt mir. lg rene