Wenn die Liebe nicht endet (Taschenbuch) / Charlotte Link Testbericht

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ab 6,29
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Erfahrungsbericht von linnie

Lass diesen Roman nicht enden

Pro:

sehr blumige Sprache mit viel Liebe zum Detail, gelungene Charakterzeichnungen, fesselnde Geschichte vor dramatischem historischen Hintergrund, ein äußerst unterhaltsamer Roman, bei dem keine Langeweile aufkommt

Kontra:

am Ende häufen sich die Tragödien doch zu sehr, Zielgruppe sind wohl eher Frauen

Empfehlung:

Ja

Die Münchnerin Charlotte Link zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen überhaupt, besonders mit dem Roman "Die Rosenzüchterin" und der Familientrilogie "Sturmzeit - Wilde Lupinen - Die Stunde der Erben" machte sich Link einen Namen. Mit "Wenn die Liebe nicht endet" hat sie erneut eine herzzerreißende Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund veröffentlicht.


Zu Beginn des 17. Jahrhunderts lebt die fünfzehnjährige Margaretha von Ragnitz im bayrischen Kloster St. Benedicta, wo sie Freundschaft geschlossen hat zu der bildhübschen und selbstbewussten Angela und zu der etwas schüchternen und übergewichtigen Clara. An einem Augusttag im Jahre 1619 baden die drei Mädchen nur mit ihren Unterröcken bekleidet in einem Bach, als sie Pferdegetrappel und Männerstimmen hören. Ihnen rutscht das Herz in die nicht vorhandene Hose und sie versuchen vergeblich, sich vor den Männern zu verstecken. Schnell werden sie entdeckt und Margaretha verliebt sich auf der Stelle in den Anführer der Gruppe, in Richard von Tscharnini, der auf der Suche nach dem Sandlinger Hof ist, auf dem er kurze Zeit wohnen möchte. Die drei Mädchen werden von den fremden Männern nicht belästigt und kommen mit dem Schrecken davon, doch Margaretha kann den Anblick des Gruppenanführers nicht vergessen. Als sich ihr kurze Zeit später die Möglichkeit auftut, den Sandlinger Hof zu besuchen, ergreift sie diese und begegnet dort Richard, der ebenfalls seine Liebe zu ihr zeigt. Die beiden beginnen heimlich ein Techtelmechtel, doch Richard muss bald abreisen, um noch einige Dinge zu erledigen. Er verspricht jedoch, im Frühjahr zurück zum Kloster zu kommen und Margaretha mit sich nach Prag zu nehmen.

Doch Margarethas Eltern haben andere Pläne für sie, denn Regina und Wilhelm von Ragnitz sind darauf bedacht, ihre Tochter bestmöglich zu verheiraten. Unglücklicherweise ist die älteste Tochter Adelheid nicht hübsch genug, um eine gute Partei zu machen und die jüngste Tochter Bernada ist seit einem Unfall von der Taille bis zu den Füßen gelähmt. So liegt die gesamte Hoffnung der Eltern auf der bildhübschen Margaretha, für die sie einen reichen adeligen Mann gefunden haben. Kurz nach Richards Auftauchen reisen Margarethas Eltern zum Kloster St. Benedicta, um ihre Tochter abzuholen und diese zu verheiraten. Aber Margaretha gelingt es, ihren Eltern die Freude auf die anstehende Hochzeit vorzuspielen und zu erbitten, sie noch für einige Monate im Kloster leben zu lassen.

Als Richard im nächsten Frühjahr zurückkehrt, läuft Margaretha aus dem Kloster davon, um ihm nach Böhmen in seine Heimat zu folgen. Jedoch haben die beiden nicht mit dem beginnenden Krieg zwischen Katholiken und Protestanten gerechnet, der zeitgleich losbricht. Die gläubige Katholikin Margaretha glaubt dennoch an eine Hochzeit mit dem protestantischen Richard. Auf dem Anwesen der Tscharninis angekommen, spürt Margaretha allerdings die tiefe Abneigung gegen sich und ihre Religion vonseiten Richards strenger Mutter. Bald darauf belauscht sie ein Gespräch zwischen Richard und seinen Eltern, in dem diese ihm deutlich zu verstehen geben, dass er enterbt würde, wenn er Margaretha zu heiraten gedenke. Daraufhin entscheidet sich Richard für seine Familie und für sein Erbe, aber gegen Margaretha. Diese ist am Boden zerstört und muss erkennen, dass sie alleine in einem protestantischen Land gestrandet ist und auf eine Hochzeit mit Richard nicht mehr zu hoffen braucht...


Schon von der ersten Seite an fesselt Charlotte Link den Leser an ihr Buch. Zunächst lernt man die Landschaft Bayerns an einem heißen Augusttag kennen, an dem sich drei Klostermädchen in einem Bach Abkühlung holen wollen. Durch die blumige Sprache voller Adjektive verdeutlicht Link einem die Situation dermaßen realistisch, dass man den Bach und die Bäume vor seinem inneren Auge sehen kann. Link beweist hier wieder einmal, dass sie dem Leser die beschriebenen Situationen bildhaft durch ihre Liebe zum Detail sehr gelungen vor Augen führen kann.

Leseprobe, S. 9:
"Glühende Hitze lastete über dem Land. Keine Wolke schob sich vor die Sonne, kein Seufzen des Windes war zu vernehmen, und auch kein leises Rascheln der Blätter. Hoch über weitflächigen Kornfeldern kreisten Raubvögel, in blühenden Wiesen zirpten Myriaden Grillen ihren endlosen Gesang. In den Bächen floss das Wasser nur mehr flach und langsam über die hellen Kieselsteine, und die Zweige der Weidenbäume, die sonst in die Fluten tauchten, hingen reglos und trocken herab. Auf heißen, schmalen Feldwegen wirbelte der Staub in kleinen Luftspiralen, welke Löwenzahnblätter lagen flach am Boden. Im Schatten der ermatteten Laubbäume ruhten vereinzelt Kühe, schlafend oder wiederkäuend, geduldig und ergeben."

Dennoch braucht man sich von derlei ausufernden Beschreibungen nicht abschrecken zu lassen, da diese zwar immer wieder auftauchen, aber nicht den Großteil des Buches ausmachen. Charlotte Link versteht es hier wieder einmal gekonnt, Personen und Situationen ausführlich zu beschreiben, aber nie so lange, dass es langweilen würde.

Gleich in der ersten Situation wird außerdem die Hauptfigur Margaretha von Ragnitz vorgestellt, die im Mittelpunkt des Buches stehen wird. Auch der Grund für all die schicksalhaften Wendungen in Margarethas Leben, nämlich Richard von Tscharnini, hat seinen ersten Auftritt in dieser Eröffnungsszene. So befindet man sich gleich mitten in der Geschichte, denn Link macht schnell die Problematik deutlich, da zeitgleich zur ersten Liebe Margarethas ihre Eltern auftauchen, die sie mit einem Unbekannten verheiraten wollen. Obwohl das Buch mit gut 500 Seiten recht dick geworden ist, wird also nicht lange um den heißen Brei herumgeredet, die Geschichte beginnt sofort mit einigen Verwicklungen.

Aber wie kann es anders sein: Margaretha entscheidet sich selbstverständlich für den Mann, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hat, auch wenn sie dafür ihre Klosterfreundinnen und ihre Familie aufgeben muss. Das Buch wird daher besonders zu Beginn an keiner Stelle langweilig, als Leser taucht man vollständig in diese historische Zeit ein, um die katholische Margaretha auf ihrem abenteuerlichen Weg zu begleiten. Beim Lesen vergisst man vollständig die Zeit und erlebt eine Geschichte mit, die an Dramatik eigentlich nur von Klassikern wie "Die Dornenvögel" oder "Fackeln im Sturm" übertroffen werden kann. Der dramatische historische Hintergrund verleiht der Geschichte dabei eine besondere Faszination, denn den Dreißigjährigen Krieg hat es bekanntlich wirklich gegeben und nun erlebt man ihn indirekt mit.

Während des gesamten Romans stellt Margaretha die Identifikationsfigur dar, auch wenn sie in ihrem Leben viele Fehler macht und sich nicht immer durch charakterliche Stärken auszeichnet, fühlt man dennoch immer mit ihr mit und wünscht ihr, dass sie glücklich wird. Bei jedem ihrer Schicksalsschläge leidet man fast mit und hat Mitleid für Margaretha, die oftmals einen Neuanfang in ihrem Leben starten muss. Obwohl das Buch in der dritten Person geschrieben ist, lernt man besonders Margaretha mit ihren Stärken und Schwächen sehr gut kennen, ihr Bild wird im Laufe der Geschichte immer detaillierter, sodass sie fast zu einer guten Freundin wird. Auch die anderen Charakterzeichnungen sind recht gut gelungen, besonders die von Richard von Tscharnini, der zunächst der gutaussehende Held zu sein scheint, der dann aber später sein wahres Gesicht zeigt, und auch die vom später auftauchenden Grafen Lavany. Allerdings sind die handelnden Figuren nicht gerade aus dem Leben gegriffen, nur wenige erscheinen realistisch zu sein, da einige zu tragisch, andere wiederum zu glorreich dargestellt werden. Das stört aber nur wenig, da die Geschichte zu faszinierend ist und von ihren Charakteren lebt. Ausschließlich ganz normale Alltagsmenschen hätten sicherlich keinen so interessanten Roman ausgemacht.

Zum Ende hat Charlotte Link meiner Meinung nach ein wenig zu dick aufgetragen, denn ab einem gewissen Punkt sind die tragischen Ereignisse in Margarethas Leben und dem ihrer Freunde und Bekannten nicht mehr allzu spannend, dann häufen sich die Klischees und man liest etwas gelangweilt weiter, weil man sich als erfahrener Schnulzenkenner das Ende des Buches schon ausmalen kann. Unglaubwürdig sind die Figuren ohnehin, aber irgendwann beginnen sie einen doch ein wenig zu stören. Das fand ich dann doch sehr schade, da mir der Roman bis kurz vor Ende an sich wirklich gut gefallen hat.

Insgesamt konnte mich "Wenn die Liebe nicht endet" als Liebesroman vor historischem Hintergrund dennoch überzeugen. Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben, sodass man das Buch innerhalb kürzester Zeit lesen wird, weil man es nicht aus der Hand legen mag. Die Identifikation mit der Figur der Margaretha führt dazu, dass man die tragischen Ereignisse richtiggehend mitfühlen kann und mitleiden muss. Auch die Charakterzeichnungen sind größtenteils sehr gut gelungen, auch wenn die Figuren recht realitätsfern erscheinen. Gen Ende übertreibt Charlotte Link es ein wenig mit ihren Schicksalsschlägen, die dann auch für einen erfahrenen Schnulzenleser zu viel werden. So kann man sich das Ende des Buches leider vorher ausmalen und bleibt etwas unbefriedigt zurück, wenn man das Buch zuschlägt. Zielgruppe des Buches sind vor allem Frauen, die eine Vorliebe für spannende und tragische Liebesromane haben, diese werden sicherlich sehr gut unterhalten von diesem kurzweiligen Roman.


Wunderlich Taschenbuch
ISBN: 3-499-26508-7
Preis: 6 €
510 Seiten

65 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Infinite

    07.02.2005, 18:29 Uhr von Infinite
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die Rezension hat mich neugieruig gemacht. Klasse Bericht!

  • Madrianda

    30.01.2005, 21:24 Uhr von Madrianda
    Bewertung: sehr hilfreich

    Welch eine überaus gelungene Rezension zu einem Roman, der mich auch fesseln könnte :-) VLG Beate