Frederick (gebundene Ausgabe) / Leo Lionni Testbericht

ab 7,18
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 12/2006

5 Sterne
(2)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von antjeeule

Wer streut die Schneeflocken? Wer schmilzt das Eis?

Pro:

Für Kinder ein guter Einstieg, Andersartigkeit zu akzeptieren

Kontra:

Keines

Empfehlung:

Ja

Gerade bin ich einmal wieder in meine Erinnerungen abgetaucht. Dabei fiel mir ein Zeitungsabschnitt in die Hände, der mich als Erzählerin zeigt. Mein liebster und natürlich einziger Ehemann spielt Gitarre und meine dreijährige Tochter hält sich ganz versonnen an meinem Bein fest und hört der Geschichte zu. Vor uns steht nämlich wahrhaftig ein kleines Mäuschen und ist gerade dabei, zur Begleitung meines Mannes dieses besonders schöne Lied, von dem ich die ersten Zeilen als Titel für diese Meinung gewählt habe, zu singen. Das Lied wurde übrigens von Frederik Vahle vertont.

Vielleicht haben es einige Leser schon erkannt, dass ich euch die Geschichte von "Frederick" erzählen möchte?

Erschienen ist Frederick von Leo Lionni,
das von Günter Bruno Fuchs ins Deutsche übersetzt wurde
im Gertraud Middelhauve Verlag
unter der ISBN 3 7876 9140 5
Es kostet mittlerweile 12,95 Euro


Weil es ein Bilderbuch ist, erzähle ich die ganze Geschichte und übernehme auch eine Textstelle wörtlich, die ich allerdings als Leseprobe kenntlich mache. Wer den Ausgang dieser Geschichte also nicht wissen möchte, kann an der für ihn geeigneten Stelle aussteigen.

****

In den Nischen der Steinmauer eines alten Bauernhauses leben einige kleine Feldmäuse. Das Haus steht schon lange leer. Als nun der Winter naht, beginnen die kleinen Feldmäuse schon einmal Vorräte zu sammeln und bringen sie in die leerstehenden Vorratskammern. Sie arbeiten alle. Nur Frederick sitzt da und arbeitet nicht. Das denken jedenfalls die anderen Mäuse.

Eine Maus fragt Frederick, warum er nicht arbeitet. Aber natürlich arbeitet er. Frederick sammelt Sonnenstrahlen für die kalten Wintertage.

Nach einer Weile - Frederick sitzt immer noch reglos da - fragen die Mäuse, was er denn jetzt gerade tue. Er sammle Farben für den grauen Winter, antwortet Frederick.

Als es schon so aussieht, als sei Frederick halb eingeschlafen, fragen die Mäuse neugierig, was er denn jetzt gerade mache. Er sammle Wörter, damit man auch im kalten Winter noch wisse, worüber man reden solle.

Als der Winter kommt, haben die kleinen Feldmäuse es sich mit ihren Vorräten im Mäuseversteck gemütlich gemacht. Sie haben genug zu essen und sind zufrieden. Immer wieder singen, spielen und erzählen sie sich Geschichten. Aber es wird ein langer Winter. Die Vorräte sind fast alle und auch das wärmende Stroh fehlt. Da fällt ihnen ein, dass Frederick ja auch Vorräte gesammelt hat. Sie fragen ihn danach.

Frederick bittet die Mäuse, ihre Augen zu schließen. Er selbst steigt auf einen großen Stein und erzählt den Mäusen von den warmen Sonnenstrahlen. Ob die Mäuse sie schon fühlen, möchte er wissen. Tatsächlich wird den Mäusen dabei schon wieder behaglicher.

Ganz aufgeregt fragen die Mäuse nun nach den Farben, die Frederick doch auch gesammelt habe. Wieder sollen die Mäuse ihre Augen schließen. Frederick erzählt ihnen etwas über die Farben der Natur. Dabei bekommen die Mäuse so eine klare Vorstellung von den Farben, als wären sie in ihren Mäuseköpfchen aufgemalt.

"Und was ist mit den Wörtern?", fragt eine kleine Maus.

Frederick hält einen Augenblick inne und wartet, bis die kleinen Mäuse ganz still werden. Dann fängt er an zu sprechen als stünde er auf einer Bühne.

Leseprobe:

"Wer streut die Schneeflocken? Wer schmilzt das Eis?
Wer macht lautes Wetter? Wer macht es leis?
Wer bringt den Glücksklee im Juni heran?
Wer verdunkelt den Tag? Wer zündet die Mondlampe an?

Vier kleine Feldmäuse wie du und ich
wohnen im Himmel und denken an dich.

Die erste ist die Frühlingsmaus, die lässt den regen lachen.
Als Maler hat die Sommermaus die Blumen bunt zu machen.
Die Herbstmaus schickt mit Nuss und Weizen schöne Grüße.
Pantoffeln braucht die Wintermaus für ihre kalten Füße.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind vier Jahreszeiten.
Keine weniger und keine mehr. Vier verschiedene Fröhlichkeiten."

Leseprobe Ende

Die Mäuse sind begeistert und nennen Frederick einen Dichter. Ganz verlegen verbeugt sich Frederick und bedankt sich bei den lieben Mäusegesichtern.

****

Ich habe dieses Buch vor fast zwölf Jahren für meine Tochter gekauft und es seit dieser Zeit unzählige Male mit ihr, aber auch mit vielen anderen Kindern, so auch all meinen Patenkindern angesehen und gelesen. Die Spuren der vielen Kinderhände sind deutlich zu sehen.


Was ist das faszinierende an diesem Buch?

Es ist unter anderem die Einfachheit, in der es gestaltet ist. Die Bilder sind nicht gemalt. Sie sind aus entsprechend ausgeschnittenem Papier, das unterschiedliche Strukturen aufweist, zu verschiedenen Bildern zusammengestellt und gedruckt worden. An einigen Stellen wurde mit Wasserfarben ein zusätzliches Mittel eingesetzt, das den Text an der entsprechenden Stelle sehr gut unterstreicht. Der Text im Bilderbuch ist fast durchgängig eher im Hintergrund. Die Bilder sprechen eine sehr deutliche Sprache, so dass ein Kind dieses Bilderbuch auch ohne Text gut nachvollziehen kann.

Eindrucksvoll wird den Kindern der Übergang von Herbst und Winter geschildert. Sie lernen, dass Tiere sich dafür Vorräte anlegen müssen. Aber etwas anderes lernen Kinder auch noch, dass man nicht nur materielle Essensvorräte braucht, um über den Winter zu kommen. Kalte Winterabende übersteht man nicht nur mit ausreichendem Essen.

Der Herbst und auch der Winter stehen hier symbolisch für etwas anderes, worüber man sich Gedanken machen kann, eben so wie Frederick das tut.

Die Sonnenstrahlen stehen für Wärme und Licht. Wir können uns an sie erinnern und uns auch auf sie freuen. Dabei sind es nicht nur die Sonnenstrahlen, die der Natur die nötige Wärme geben, sondern es sind auch die vielen Sonnenstrahlen, die Menschen einander geben können. Ganz oft sagt man, dass das eigene Kind auch gleichzeitig der Sonnenschein der Familie ist. Es drückt Wärme für diesen jungen Menschen aus. Das ist die Wärme, die man neben den Sonnenstrahlen der Sonne in Form von liebevoller Zuwendung auch zum Überleben braucht.

Ähnlich verhält es sich mit den Farben. Der Winter ist grau. Aber die Farben lassen sich an manchen Stellen schon noch entdecken. Im übertragenen Sinne stehen die Farben für Vielfältigkeit. Welche Farben, welche Vielfalt an Erlebnissen und Eindrücken schenken wir unseren Kindern? Lassen wir ihre Welt bunt werden oder bleibt es für sie ein grauer Winter? Wir zeigen unseren Kindern, dass es nach tristen Tagen oder Gedanken auch wieder zu Ereignissen kommen kann, die das Leben doch bunt und erstrebenswert machen. Aber das Grau gehört dazu, um die Farben bewusst wahrnehmen zu können.

Die Wörter haben in diesem Zusammenhang auch einen tieferen Sinn.

Was kann man mit Worten nicht alles sagen? Frederick zeigt den Mäusen im kalten Winter sehr eindrucksvoll, dass er sich über die Jahreszeiten seine Gedanken gemacht hat. Dabei erschöpft sich das Wissen nicht darin, dass es vier davon gibt. Wesentlich ist die Aussage, dass alle vier Jahreszeiten einander brauchen und gleichwertig sind.

Aber es gibt noch eine andere, wesentlich wichtigere Aussage in diesem Buch.

Frederick ist anders als die anderen Mäuse. Er ist aber deshalb kein Außenseiter. Die Mäuse nehmen seine Fähigkeiten genauso ernst wie ihre eigene Arbeit. Frederick arbeitet nämlich auch. Die Mäuse haben durch ihre Fragen festgestellt, dass Frederick etwas tut, was man nicht sehen kann. Aber es ist genauso wichtig wie die Arbeit, die sie selbst tun.

Auf uns Menschen übertragen bedeutet es, dass wir unterschiedliche Gaben und Fähigkeiten haben, die wir zur Freude und zum Wohl unserer Mitmenschen einsetzen. Dabei sind die ideellen Werte den materiellen Werten gleichzusetzen. Das bedeutet, dass jede Gabe, die ein Mensch zur Freude oder zum Wohlbefinden eines anderen Menschen einsetzt, der gleichen Akzeptanz bedarf.

Was wären wir ohne die vielen schönen Geschichten, die uns so mancher Schriftsteller zu erzählen weiß?

Was wären wir ohne die Musik, die unserer Seele Flügel verleiht, wenn wir es zulassen?

Was wären wir ohne die vielen Kunstwerke, die all die bekannten Maler für sich, aber auch für uns geschaffen haben?

Was wären wir ohne die vielen schönen Filme, die uns noch einmal in eine ganz andere Welt entführen, die uns auch die Möglichkeit geben, im Anschluss an das Gesehene unserer Phantasie freien Lauf zu lassen?

Was wären wir aber auch ohne all die Menschen, die den bildenden Künstlern und den Musikern die Möglichkeit geben, ihre Zeit in diesem Sinne einzusetzen?


Die Beantwortung dieser Fragen möchte ich dem Leser überlassen und freue mich über die entsprechenden Rückmeldungen in der Kommentarspalte.


antjeeule 04/2003

199 Bewertungen, 20 Kommentare

  • anonym

    05.06.2007, 17:46 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • hammi79

    15.04.2007, 23:56 Uhr von hammi79
    Bewertung: sehr hilfreich

    wie geil! das selbe buch hab ich als kind gliebt! schöner bericht! :)

  • anonym

    10.03.2007, 23:37 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße :o)

  • pepilino

    22.02.2007, 18:55 Uhr von pepilino
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einfach schön, einfach super! LG Gabi

  • star87

    17.02.2007, 16:09 Uhr von star87
    Bewertung: sehr hilfreich

    keine strukturierung und unübersichtlich geschrieben,wie bei allen anderen berichten auch

  • barbu

    17.02.2007, 13:47 Uhr von barbu
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schöner bericht. DANKE FÜR DEINE BEWERTUNG, da bewerte ich doch gern gegen! LG

  • Zuckermaus29

    31.01.2007, 12:59 Uhr von Zuckermaus29
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Jeanny :o)

  • Nick_Neschi

    28.01.2007, 11:10 Uhr von Nick_Neschi
    Bewertung: sehr hilfreich

    o---> lg...jonny :o)

  • anonym

    24.01.2007, 11:06 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • morla

    22.11.2006, 00:19 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • anonym

    08.11.2006, 22:47 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein ganz klares sh ;-)

  • Engal00

    30.08.2006, 14:15 Uhr von Engal00
    Bewertung: sehr hilfreich

    super Bericht! Liebe Grüße Anja

  • anonym

    23.07.2006, 20:31 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • iii

    10.06.2006, 21:16 Uhr von iii
    Bewertung: sehr hilfreich

    +++ sehr hilfreich +++

  • Estha

    05.06.2006, 13:42 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨¨*:•. ... sh ... .•:*¨¨*:•.

  • Chrillemaus

    24.04.2006, 05:14 Uhr von Chrillemaus
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein schönes Buch. LG Martina

  • Baby1

    22.04.2006, 16:31 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich versteh die "hilfreich" Bewertungen auch nicht, aber ich hab auch in manchen Berichten welche drin ohne Begründung....Jeder so, wie er meint, manchmal auch sicher Rachebewertungen. Schönes WE LG Anita

  • Madrianda

    24.03.2006, 14:00 Uhr von Madrianda
    Bewertung: sehr hilfreich

    ***Natürlich sh!*** Die beiden hilfreich-Bewertungen sind absolut nicht nachzuvollziehen. Und dann auch noch ohne Begründung! Hast Du mal nachgehakt? Liebe Grüße und ein wunderschönes Wochenende Antje... Beate ♦

  • MasterDeniz

    22.12.2005, 22:29 Uhr von MasterDeniz
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr Hilfreich! SChöne Grüße, Frohes Fest und'n guten Rutsch. Deniz

  • anonym

    29.11.2005, 18:20 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mir sind doch tatsächliche einige Berichte von Dir durch die Lappen gegangen, aber jetzt gibts ja die Anzeige, ob man den Bericht schon bewertet hat, das find ich klasse, weil dadurch eine gute Übersicht gegeben wird :) LG von Tanja