Die Wanderhure (Taschenbuch) / Iny Lorentz Testbericht

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Erfahrungsbericht von Lilliana

Vom Mittelalter und tiefsten Seelenabgründen

Pro:

Handlung, Spannung, eine neue und unglaubliche Sichtweise in das Mittelater

Kontra:

///

Empfehlung:

Ja

Liebe Leserinnen und Leser!

Während der besinnlichen Weihnachtszeit, gab es oft Minuten, wo ich mich gerne mal zurückgezogen habe um mir ein Buch zur Hand zunehmen. Dabei sind es oft historische Romane, die ich viel und gerne verschlinge; eines davon möchte ich heute etwas näher vorstellen.
Das Mittelalter und die Abgründe der menschlichen Seele spielen in dem Buch

>>>> Die Wanderhure <<<<

eine wichtige Rolle und werden von der Autorin Iny Lorentz gekonnt in Szene gesetzt.




>>>> INY LORENTZ <<<<
Iny Lorentz wurde in Köln geboren und hat in verschiedenen Berufen gearbeitet. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Heute ist sie bei einem Berliner Unternehmen als Programmiererin tätig.
Romane wie:

- Die Kastratin
- Die Goldhändlerin
- Die Tatarin
- Die Löwin

haben ihr zu großem Erfolg verholfen.




>>>> DER HISTORISCHE HINTERGRUND <<<<

A.D. 1410 - Die Lage im Heiligen Römischen Reich der deutschen und in der katholischen Christenheit ist gleichermaßen verworren. König Ruprecht ist tot, und um sein Erbe streiten sich die beiden Vettern Sigismund und Jobst von Mähren. Sigismund wird sich durchsetzen, aber auch er ist nicht in der Lage, die Fehde und das Machtstreben der großen Geschlechter zu beenden, außerdem stellt ihn die Situation der Christenheit vor schier unlösbare Probleme.

Nicht nur ein oder zwei, nein gleich drei Kirchenfürsten erheben den Anspruch, die legitimen Nachfolger des Apostels Petrus zu sei, und bekämpfen einander mit aller Macht. Gleichzeitig erleidet der Klerus einen Niedergang, der aus Mönchen und Priestern Hurenböcke und aus Äbten und Bischöfen Landesherren macht, denen weniger die anvertrauten Seelen als ihr eigener Reichtum und ihre eigene Größe am Herzen liegen.

Aus diesem Grunde beruft der Kaiser Sigismund ein Konzil nach Konstanz ein, bei dem es zwar gelingt die Papstfrage zu lösen, aber in allen anderen wichtigen Punkten versagt.
Weder wird dem Prunk und der Unmoral der Kleriker ein Riegel vorgeschoben noch ein ehrlicher Dialog mit den Kritikern der Kirche gesucht.

Im Verlaufe des Konstanzer Konzils lockern sich die Sitten in der Stadt in einer Weise, dass der Minnesänger Oswald von Wolkenstein sie spöttisch ein Hurenhaus nennt, das von einem Stadttor bis zum anderen reiche.
Die angereisten Hübschlerinnen müssen sich daher mit radikalen Mitteln gegen die unlautere einheimische Konkurrenz zur Wehr setzen.
Die Stadt Konstanz hat noch lange nach dem Konzil mit dessen Nachwirkungen zu kämpfen, und selbst eine Generation danach stellt der Begriff "Konziliumskind" die schlimmste Beleidigung dar, die ein Konstanzer einem anderen an den Kopf werfen kann.




>>>> DIE GESCHICHTE DER WANDERHURE <<<<

Zur Zeit des Konstanzer Konzils spielt sich auch die Lebensgeschichte der Wanderhure Marie Schärer ab.
Bevor sie aber zu einer der beliebtesten Hübschlerinnen ihrer Zeit wird, hat die junge Frau sich vielen Zerreißproben gegenüber zustellen.

Als Kind lebt sie wohlbehütet bei ihrem Vater Matthis Schärer auf, der sich einen angesehenen Bürger Konstanz' nennen darf. Als Marie 14 Jahre alt wird, soll sie mit Ruppertus Splendidus, einem Magister aus gutem Hause, vermählt werden.
In ihrer Position als baldige Frau eines Magister und Reichsgrafen, um die sie jedes andere Mädchen wohl beneidet hätte, bereitet sie sich auf ihre Hochzeit in einer naiv-kindlichen Art vor, dass niemand die Intrigen ihres Zukünftigen bemerkt.
In der Nacht vor der Trauung schließen Matthis Schärer und der Magister den Ehevertrag ab, den Marie, aber auch ihr Vermögen an Ruppertus bindet.
Doch kurz darauf kommt es zum Eklat:
Ruppertus beschuldigt Marie der Unzucht und durch seine Intrigen gelingt es ihm auch, dies fälschlicherweise zu beweisen.

Marie wird aus ihrer heilen Welt herausgerissen und in den Kerker gesteckt, wo sie bis zu ihrer Gerichtsverhandlung wegen Unzucht bleiben muss.
Sie selber hält das alles für einen bösen Traum, denn sie hatte sich nie dieser Verleumdung schuldig gemacht. In ihrer kindlich-naiven Art glaubt sie daran, dass am nächsten Morgen sich alles aufgeklärt hatte und sie sich in ihrem wohlbehüteten Zuhause wieder finden würde.

Gerade 30 Seiten verbringt der Leser in Maries kindlich-heiler Welt bevor sich ihr Leben vollkommen ändert und sie von einer angesehenen Bürgerstochter zu einer Sünderin absteigt - alles wegen einer gemeinen Intrige.

Da der Magister keineswegs an Marie interessiert ist, sondern nur an deren Mitgift und Matthis' Vermögen, lässt er seine Handlanger unglaubliches tun:
Er lässt Marie am Abend vor dem Gerichtsbeginn vergewaltigen um deren Unzucht zu beweisen. Maries heile Welt und auch ihre Seele liegen in Trümmern, dennoch versucht sie noch immer sich aus dieser unwirklichen Situation zu befreien.
Aber weder das Gericht, noch die Bürger Konstanz glauben ihr und verurteilen sie schließlich zur Auspeitschung und Vertreibung aus der Stadt.
Marie findet sich plötzlich im kalten, blutigen und grausamen Mittelalter wieder, welches ihr bisher verborgen blieb.

Auf dem Marktplatz wird das junge Mädchen schließlich entblößt und ihr Rücken mit mehreren brutalen Peitschenhieben verunstaltet. Auf wackelnden Beinen und ohne jegliche Kraft wird sie schließlich aus der Stadt vertrieben.
Niemand ist länger an ihr interessiert - nur Michel. Ein Junge aus der Nachbarschaft, der Marie von Anfang an sein Herz geschenkt hatte.

Schließlich bricht die junge Frau am Straßenrand zusammen, ohne jeglichen Willen weiterzuleben. Erst als die Wanderhure Hiltrud das blutüberströmte Mädchen findet, scheint sie dem Tode entrinnen zu können. Die Frau nimmt sich nach einigen Überlegungen Marie an und sorgt dafür, dass ihre Wunden, die noch immer von der Vergewaltigung und der Auspeitschung zeugen, gut versorgt werden. Mithilfe eines Apothekers gelingt es der Hübschlerin Marie das Leben zu retten.

Marie sieht sich ab jetzt einem ganz neuen Leben gegenüber. Hiltruds Aktivitäten als Hure sind für sie unverständlich, aber dennoch bleibt auch ihr nichts anderes übrig als ihren Körper zu verkaufen. Denn Marie hat sich Rache geschworen - Rache an ihrem ehemaligen Verlobten Ruppertus und dessen Handlangern.

Nach langem zetern, wird auch die junge Marie zur Hure. Durch ihre unverkennbare Schönheit und ihrem engelsgleichen Gesicht, mausert sie sich allerdings zu einer der beliebtesten Huren der Umgebung.

Auf den Wanderungen der beiden Huren, die inzwischen sehr gute Freundinnen geworden sind, sehen sie immer wieder Gefahren entgegen, die kaum überwindbar scheinen.
Maries Vorhaben Rache zu üben, steht also auf Messers Schneide….




>>>> DIE HAUPTFIGUREN <<<<

>>Marie Schärer<<

Am Anfang der Geschichte zeigt sich in der jungen Marie ein schönes, aber sehr naives Kind, das abrupt aus seiner heilen Welt gerissen wird. Im Laufe des Buches allerdings wächst sie zu einer starken Frau heran, die genau weiß was sie will und in all ihren Handlungen von nur einem Wunsch geführt wird:
Rache an ihrem ehemaligen Verlobten und dessen Handlangern.


>>Hiltrud<<
Hiltrud ist eine Wanderhure, die sich Maries annimmt, als diese halbtot am Wegesrand liegt. Sie führt das Mädchen in die Geschicke ihres Gewerbes ein und geht mit ihr durch Dick und Dünn. Die beiden entwickeln eine tiefe Freundschaft, die kein Mann der Welt zerstören kann.


>>Ruppertus Splendidus<<
Ruppert ist Magister und Bastard des Reichsgrafen von Keilburg. Er soll Maries Ehemann werden, doch führt dieser nur böses im Schilde. Durch ihn wird Marie der Unzucht verurteilt. Doch deren Rache ist ihm gewiss.


>>Michel<<
Michel ist seit seiner frühsten Kindheit mit Marie befreundet, doch hegt er innigere Gefühle für sie. Als fünfter Sohn eines Wirtes hat er aber keine Chancen eine angesehene Bürgerstochter zur Frau zu bekommen.


>>>> DAS BUCH IM GANZEN <<<<

… ist der Autorin Iny Lorentz hervorragend gelungen.
Schon zu Anfang der Geschichte ist der Leser fasziniert von der detailgetreuen Widergabe der mittelalterlichen Zustände. Der Leser taucht quasi in das Geschehen voll ein und es fällt einem schwer das Buch aus der Hand zulegen.

Faszinierend aber sogleich in einer schockierenden Art und Weise erzählt die Autorin die Geschehnisse um Marie Schärer und lässt sie lebendig werden.
Selbst Szenen wie die Vergewaltigung der jungen Bürgerstochter schildert sie so detailliert, dass dem Leser beinahe der Atem stockt. Das tiefste Empfinden Maries, aber auch der Vergewaltiger kommen zur Geltung, sodass die Autorin den Blick auf die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele frei gibt.

Die Autorin berichtet in einer Epoche unglaublicher Grausamkeit, in der Tod, Verachtung und Rache wie das tägliche Brot zum Leben dazugehören. Das Mittelalter stellt sie in einer meist unfassbaren Sichtweise dar, und man mag kaum glauben, dass diese wahre Wurzeln hat.
Iny Lorentz ist mit diesem Buch ein klasse Roman geschaffen, der unbedingt lesenswert ist.
Die Spannung was als nächstes Geschehen mag, zieht sich durch die ganze Geschichte. Es ist wie ein Zeitsprung - ein Zeitsprung in eine Welt, die sich nicht nur in ihrem Rechtsverständnis von der unseren unterscheidet.
Es gibt kaum Bücher, die mich je so fasziniert haben wie der Roman "Die Wanderhure" von Iny Lorentz.
Für mich gehört es zu den besten Büchern und bekommt daher auch die volle Punktzahl. Ich bin sehr gespannt auf die fortführenden Bände über Maries Leben.
Lesenswert bis zum letzten Wort!

51 Bewertungen, 13 Kommentare

  • Binki

    16.03.2007, 10:46 Uhr von Binki
    Bewertung: sehr hilfreich

    °°° liebe Grüße von der Binki °°°

  • swissflyer

    06.02.2007, 22:17 Uhr von swissflyer
    Bewertung: sehr hilfreich

    °~°~° sh °~°~°

  • Andalee

    24.01.2007, 08:22 Uhr von Andalee
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß!

  • panico

    20.01.2007, 12:28 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg panico:-)

  • sudden23

    07.01.2007, 04:33 Uhr von sudden23
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gesundes Neues Jahr! LG Martin

  • krullinchen

    05.01.2007, 20:44 Uhr von krullinchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    (¯`•.¸*sh*¸.•´¯)

  • bigmama

    02.01.2007, 01:37 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh + Gesundes, neues Jahr! LG Anett

  • erdlicht

    31.12.2006, 15:06 Uhr von erdlicht
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG und guten Rutsch!

  • JustOliver

    31.12.2006, 11:27 Uhr von JustOliver
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und nen gutschen Rutsch, O.

  • Annna13

    31.12.2006, 10:46 Uhr von Annna13
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh! Einen guten Rutsch ins neue Jahr!

  • bodenseestern

    31.12.2006, 08:12 Uhr von bodenseestern
    Bewertung: sehr hilfreich

    guten Rutsch ins neue Jahr

  • LittleSparko

    31.12.2006, 03:14 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela

  • morla

    31.12.2006, 01:55 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir einen guten rutsch ins neue jahr. l. g. petra