Ludwig II. Testbericht

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Erfahrungsbericht von magnifico

Hier kam das Musical zu den Touristen...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

... und darunter leidet es auch deutlich. Denn anders als andere Musicals, oder Kulturangebote überhaupt, wurde König Ludwig II., Auf der Suche nach dem Paradies, zur „kulturellen Abrundung eines Besuches von Neu Schwanstein“ entworfen – das steht zwar so nirgendwo in den Informations- und Ausstellungsbroschüren, kann aber doch in eindeutiger Weise zwischen den Zeilen oder Seiten von beinahe jedem Reiseangebot in Richtung Füssen gelesen und erkannt werden. Dumm daran ist nur, daß gerade die „Hauptopfer“ der bayerischen Touristenvampire, klischeehaft die Japaner, nach einem Besuch von Neu Schwanstein als südlichstem Eckpunkt ihrer Deutschlandrundreise gleich wieder in ihre Busse springen, um das nächste Ziel anzuschauen und abzuknipsen und sich nicht ein die bayerische Kultur aufwärmendes Musical setzen.

Daß dieser Gedanke allerdings der Vater des ganzen Projektes gewesen ist, wird zugegebenermaßen im ersten Teil – geschickterweise – nicht deutlich, doch im zweiten wogt der Kitsch in beinahe reiner Form über die Bühne und erstickt den bekennden Musical-Fan in einer Woge aus „zünftig bayerischem Touristenabklatsch“. Da wird mal schnell nach der typischen Postkartenkulisse einer Waldlichtung ein „Schuhplattler“ – für alle „Preußen“: der bayrische Tanz überhaupt – von zwölf Schauspielern aufgeführt, der in meinen Augen eher auf die Wiesn – das Oktoberfest – oder aber einen Jahrmark in Hintertupfing gehört als auf die Bühne eines Musicals, das sich zumindest den Eintritt in gleicher Weise – teilweise sogar noch teurer – bezahlen läßt wie wirklich Meisterwerke dieses Genres, etwa Elisabeth, Tanz der Vampire, Starlight Express, Cats oder Phantom der Oper.

Sicherlich, die Bühnentechnik und Kulissenzahl, die zum Einsatz kommt, hat schon etwas für sich und auch die Atmosphäre im extra dafür erbauten Musicaltheater am Forggensee ist nicht schlecht – doch dafür zahle ich zum einen keinen beinahe dreistelligen Euro-Betrag, fahre zum anderen auch nicht extra nach Füssen. Und auch wenn die musikalische Untermalung ebenso wie die schauspielerische Darstellung – die können ja letztlich nichts für die „tollen“ Vorgaben – ebenfalls zu loben sind, kommt während des ganzen Musicals – danach ohnehin nicht mehr – die Begierde nach „mehr“ oder gar „noch mal“ auf.

Zum Inhalt dieses „Meisterwerks“:

Die Handlung dreht sich rund um Ludwig II., König von Bayern, und aufgrund von Jugend und damit nach Ansicht seines Kabinetts unwiderleglich einhergehender Unerfahrenheit nicht gerade sehr beliebt bei der Staatsführung, die, wenige Jahre vor dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 in einer Allianz mit Österreich den Erbfeind Preußen bekriegen möchte. Doch Ludwig II., der in seiner das Musical miteröffnenden Thronrede verlauten läßt, die Kunst möge sein Land (Bayern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) regieren, kann sich weit mehr für Musik von Wagner und dessen Werke begeistern als für Kriegswaffen und Politik.

So schlagen auch die verzweifelten Versuche des Ministerpräsidenten, den König entweder mittels einer psychischen Untersuchung für unzurechnungsfähig und damit regierungsunfähig zu erklären, oder aber ihn durch eine (politische) Heirat auszuschalten, fehl, so daß dieser, eingehend in eine Phantasiewelt der schönen Künste, nur noch Augen und Ohren für Kunst, Kultur und Schlösser – Neuschwanstein – hat. Ständige Wegbegleiter des dem Element Wasser sehr verbundenen Monarchen sind dabei drei Wassernymphen, die ihm mit düsteren Prophezeiungen und Warnungen umgarnen.
Schließlich kommt es – den ansatzweise erkennbaren historischen Parallelen zu entnehmen im Jahre 1871 – zur Unterschrift unter den von Graf Otto von Bismarck – sehr anregend gespielt – vorgelegten Vertrag, der Bayern in das neu gegründete Deutsche Reich einverleibt. Für das bayerische Kabinett der Anstoß zum Gnadenstoß!

So wird mittels „Ferndiagnose“ eine eherbliche Schizophrenie bis hin zur Paranoia diagnostiziert, die Regentschaft Ludwig II. aberkannt und dieser mehr oder weniger in ein Exil verfrachtet, bei dessen Antritt er, sichtlich von der realen Welt entfernt, in einem See seinem Freitod entgegen geht.

Soweit eine knappe und kurze inhaltliche Zusammenfassung. Einen Vergleich mit Elisabeth, dem Musical in Essen, das die Lebensgeschichte von Österreichs letzter Kaiserin Sissi wiedergibt, braucht Ludwig II. zwar beinahe nicht zu scheuen, nur gilt auch hier, daß alleine für den geschichtlichen Nachhilfeunterricht nicht unbedingt ein Eintrittspreis – gut, Preiskategorie Zwei ist auch nicht die Billigste gewesen – von 85,- € gezahlt werden braucht; das Buch über Ludwigs Leben, im Theaterladen für weniger als 10,- € erhältlich, bringt einem da vielmehr.

Insgesamt und unter Heranziehung aller Positiva, die der Tag so mit sich brachte, kann ich zwar nicht behaupten, mich über den Besuch des Musicals und die damit verbundenen Kosten geärgert zu haben, denn das Panorama sowie der atmosphärische Eindruck, aber auch die Szenen im ersten Akt entbehren schon einer gewissen Faszination nicht. Wenn sich die Musical-Veranstalter nur endlich zu einer Überarbeitung des zweiten Teils, namentlich der Entkitschung, durchringen könnten, wäre das Ganze vielleicht sogar ein zweites Mal sehenswert – vielleicht! So jedoch würde ich ein zweites Mal nicht auf eigene Kosten einen Besuch durchführen – auf Einladung, nun ja, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins M...!

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-08-24 17:41:24 mit dem Titel Hier ist das Musical zu den Touristen gekommen...

... und darunter leidet es auch deutlich. Denn anders als andere Musicals, oder Kulturangebote überhaupt, wurde König Ludwig II., Auf der Suche nach dem Paradies, zur „kulturellen Abrundung eines Besuches von Neu Schwanstein“ entworfen – das steht zwar so nirgendwo in den Informations- und Ausstellungsbroschüren, kann aber doch in eindeutiger Weise zwischen den Zeilen oder Seiten von beinahe jedem Reiseangebot in Richtung Füssen gelesen und erkannt werden. Dumm daran ist nur, daß gerade die „Hauptopfer“ der bayerischen Touristenvampire, klischeehaft die Japaner, nach einem Besuch von Neu Schwanstein als südlichstem Eckpunkt ihrer Deutschlandrundreise gleich wieder in ihre Busse springen, um das nächste Ziel anzuschauen und abzuknipsen und sich nicht ein die bayerische Kultur aufwärmendes Musical setzen.

Daß dieser Gedanke allerdings der Vater des ganzen Projektes gewesen ist, wird zugegebenermaßen im ersten Teil – geschickterweise – nicht deutlich, doch im zweiten wogt der Kitsch in beinahe reiner Form über die Bühne und erstickt den bekennden Musical-Fan in einer Woge aus „zünftig bayerischem Touristenabklatsch“. Da wird mal schnell nach der typischen Postkartenkulisse einer Waldlichtung ein „Schuhplattler“ – für alle „Preußen“: der bayrische Tanz überhaupt – von zwölf Schauspielern aufgeführt, der in meinen Augen eher auf die Wiesn – das Oktoberfest – oder aber einen Jahrmark in Hintertupfing gehört als auf die Bühne eines Musicals, das sich zumindest den Eintritt in gleicher Weise – teilweise sogar noch teurer – bezahlen läßt wie wirklich Meisterwerke dieses Genres, etwa Elisabeth, Tanz der Vampire, Starlight Express, Cats oder Phantom der Oper.

Sicherlich, die Bühnentechnik und Kulissenzahl, die zum Einsatz kommt, hat schon etwas für sich und auch die Atmosphäre im extra dafür erbauten Musicaltheater am Forggensee ist nicht schlecht – doch dafür zahle ich zum einen keinen beinahe dreistelligen Euro-Betrag, fahre zum anderen auch nicht extra nach Füssen. Und auch wenn die musikalische Untermalung ebenso wie die schauspielerische Darstellung – die können ja letztlich nichts für die „tollen“ Vorgaben – ebenfalls zu loben sind, kommt während des ganzen Musicals – danach ohnehin nicht mehr – die Begierde nach „mehr“ oder gar „noch mal“ auf.

Zum Inhalt dieses „Meisterwerks“:

Die Handlung dreht sich rund um Ludwig II., König von Bayern, und aufgrund von Jugend und damit nach Ansicht seines Kabinetts unwiderleglich einhergehender Unerfahrenheit nicht gerade sehr beliebt bei der Staatsführung, die, wenige Jahre vor dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 in einer Allianz mit Österreich den Erbfeind Preußen bekriegen möchte. Doch Ludwig II., der in seiner das Musical miteröffnenden Thronrede verlauten läßt, die Kunst möge sein Land (Bayern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) regieren, kann sich weit mehr für Musik von Wagner und dessen Werke begeistern als für Kriegswaffen und Politik.

So schlagen auch die verzweifelten Versuche des Ministerpräsidenten, den König entweder mittels einer psychischen Untersuchung für unzurechnungsfähig und damit regierungsunfähig zu erklären, oder aber ihn durch eine (politische) Heirat auszuschalten, fehl, so daß dieser, eingehend in eine Phantasiewelt der schönen Künste, nur noch Augen und Ohren für Kunst, Kultur und Schlösser – Neuschwanstein – hat. Ständige Wegbegleiter des dem Element Wasser sehr verbundenen Monarchen sind dabei drei Wassernymphen, die ihm mit düsteren Prophezeiungen und Warnungen umgarnen.
Schließlich kommt es – den ansatzweise erkennbaren historischen Parallelen zu entnehmen im Jahre 1871 – zur Unterschrift unter den von Graf Otto von Bismarck – sehr anregend gespielt – vorgelegten Vertrag, der Bayern in das neu gegründete Deutsche Reich einverleibt. Für das bayerische Kabinett der Anstoß zum Gnadenstoß!

So wird mittels „Ferndiagnose“ eine eherbliche Schizophrenie bis hin zur Paranoia diagnostiziert, die Regentschaft Ludwig II. aberkannt und dieser mehr oder weniger in ein Exil verfrachtet, bei dessen Antritt er, sichtlich von der realen Welt entfernt, in einem See seinem Freitod entgegen geht.

Soweit eine knappe und kurze inhaltliche Zusammenfassung. Einen Vergleich mit Elisabeth, dem Musical in Essen, das die Lebensgeschichte von Österreichs letzter Kaiserin Sissi wiedergibt, braucht Ludwig II. zwar beinahe nicht zu scheuen, nur gilt auch hier, daß alleine für den geschichtlichen Nachhilfeunterricht nicht unbedingt ein Eintrittspreis – gut, Preiskategorie Zwei ist auch nicht die Billigste gewesen – von 85,- € gezahlt werden braucht; das Buch über Ludwigs Leben, im Theaterladen für weniger als 10,- € erhältlich, bringt einem da vielmehr.

Insgesamt und unter Heranziehung aller Positiva, die der Tag so mit sich brachte, kann ich zwar nicht behaupten, mich über den Besuch des Musicals und die damit verbundenen Kosten geärgert zu haben, denn das Panorama sowie der atmosphärische Eindruck, aber auch die Szenen im ersten Akt entbehren schon einer gewissen Faszination nicht. Wenn sich die Musical-Veranstalter nur endlich zu einer Überarbeitung des zweiten Teils, namentlich der Entkitschung, durchringen könnten, wäre das Ganze vielleicht sogar ein zweites Mal sehenswert – vielleicht! So jedoch würde ich ein zweites Mal nicht auf eigene Kosten einen Besuch durchführen – auf Einladung, nun ja, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins M...!

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