Maladroit - Weezer Testbericht

Maladroit-weezer
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Erfahrungsbericht von *sannah*

I cannot resist more!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Als im Sommer diesen Jahres das neueste Album von Weezer mit dem Titel Maladroit (in etwa zu übersetzen mit \"taktlos\", \"ungeschickt\") in die Plattenläden kam, wussten dies nicht sonderlich viele Menschen zu würdigen. Der Grund ist naheliegend: abseits des Independent-Sektors ist vielen die Band kein Begriff, auch wenn \"Hashpipe\" oder \"Island in the sun\" vom Vorgängeralbum (dem Grünen) auch auf MTV und Co. rotierten. Aber im allgemeinen liege ich sicherlich nicht falsch, wenn ich behaupte, wieder einmal eine Band vorzustellen, die \"die Welt nicht kennt\", aber vielleicht ja braucht...

Am Anfang war der Urknall, doch überspringen wir ein paar Jahre und kommen ins Jahr 1994. Kurz zuvor hatte es ein gewisser Kurt C. vorgezogen, sich selbst ins Nirvana zu befördern - eine Krise im US-Rock wurde prophezeit. Doch eine kleine unbeugsame Band schwamm gegen die Meinung der Mehrheit und veröffentlichte im Mai 1994 ihr erstes gleichnamiges Album: Weezer. Im Gegensatz zu Kurt C. gehörten sie nicht der Grunge-Szene an, sondern produzierten gitarrenlastigen, optimistischen, unschuldigen Rock mit Pop-Einschlag. Mehrstimmige Arrangements mit lauten, verzerrten Gitarren führten schnell zur Bezeichnung \"Beach Boys der 90er\". Doch Weezer sperrten sich gegen pauschale Prädikate und Schubladenzuweisungen. Ihr nächstes Album \"Pinkerton\" vom September 1996 setzte andere Schwerpunkte, klang härter, schwermütig und war auch textlich weniger unbeschwert - jedoch weiterhin mit dem gewissen Sinn für Ironie, der Weezer bis heute auszeichnet. Nach viereinhalbjähriger Pause (Mastermind Cuomo zog ein Harvard-Studium dem Popbiz vor) erschien dann das Grüne Album (aufgrund des Covers so genannte, eigentlich namenlose) und Weezer wurden ein wenig bekannter (trotz Welttourneen bereits in den 90ern), nicht zuletzt durch ihre \"Hashpipe\". Und dann, mit nur einem Jahr Pause, der nächste Coup: Maladroit.

Wer ein gutes Namensgedächtnis hat, kann sich vielleicht auch am Ende des Berichtes noch an die Besetzung der Band erinnern, die im Internet unter www.weezer.com zu finden ist:
Rivers Cuomo - Gesang, Gitarre
Brian Bell - Gitarre
Scott Shriner - Bass
Pat Wilson - Schlagzeug

Das Cover zeigt, kurz gesagt, Mensch auf Sofa. Neben den knapp unter vierzig Minuten Musik sind auch noch einige multimediale Tracks enthalten, die Videomitschnitte von verschiedenen Stücken zeigen. Doch was viel mehr interessiert, ist natürlich die Musik der 13 plus 1 Songs:

#01 American Gigolo
Gar nicht gigolös-charmant (ich liebe diese Wortkreationen *g*) beginnt die CD, sondern eher düster mit Hard-Rock Elementen, brachiales Bearbeiten von Schlagzeug und Gitarren. Zwischendurch die \'dub\'s, \'ah\'s und \'tüt\'s im Backgroundchor, die viele Stücke von Weezer ausmachen. Es verbleibt ein durchaus positiver Eindruck, der Lust auf den Rest des Albums macht.

#02 Dope Nose
Der Auftakt erinnert an eine Probestunde, es scheint, als würde nach dem Einzählen wieder abgebrochen werden, doch dann geht es erst richtig los: Ein Stück, das wieder leicht im Klang ist und daher schon eher als \"typisch Weezer\" zu bezeichnen ist. Man nehme leicht gesungenen Sprechgesang, einige Gitarrensoli, und gebe dem Backgroundchor einige Silben... Daher ein solider Track ohne Auffälligkeiten.

#03 Keep Fishin\'
Mit \"Island in the sun\" mein unbezweifelter Liebling der Platte. Ich zumindest kann nicht anders, als grinsend den Kopf von links nach rechts und zurück zu bewegen. Eingeworfene Silben und Zeilen vom Background und der eingängige Beat sorgen für ein angenehmes Gefühl im Gehörgang. \"Waste my days\" (eine der deutlicher zu vernehmenden Zeilen) oder auch nicht, denn es ist ganz bestimmt keine Zeitverschwendung, dieses Stück wieder und wieder zu hören - nicht ohne Grund die erste Auskopplung aus dem Album. Und auch das Video: einfach lustig (ich verweise ans Ende der Meinung)!

#04 Take Control
Harte Gitarren wie bei Track #01, das Schlagzeug spielt hier hingegen eine nicht ganz so tragende Rolle. Die Kontrolle behält River in seiner Hand, auch die über seine Stimme, die dunkler wirkt als sonst - auf den nächsten Track vorbereitend wird hier schon mal ein wenig gute Laune rausgenommen. Dennoch ist das Stück ohne Einschränkung hörbar.

#05 Death And Destruction
\"Tod und Zerstörung\", dieser Titel lässt auf brutale Gewalt schließen... Doch weit gefehlt, schon zu Beginn überwiegt die Melancholie, dazu noch ein kleines bisschen Depristimmung. Aber eine Ballade ist es auch nicht. Meine Ohren spitzen sich - tatsächlich: Rivers summt zu Beginn vor jedem Einsatz den Ton an. Diese Vorsicht vergisst er jedoch im weiteren Verlaufs des Tracks, auch wenn er sich recht vorsichtig artikuliert.

#06 Slob
Ähnliche Grundstimmung wie beim Track zuvor, ähnelt dem Vorgänger auch sehr, abgesehen vom Schlagzeug, das hier eher treibend wirkt. Nun ja, nichts besonderes irgendwie von der Machart her. Textlich hingegen schon. Denn wen auch immer die vier hier besingen, geschmeichelt kann sich der \"slob\" (dt. das Schwein) nicht unbedingt fühlen. An ihn ergeht die Aufforderung, statt Opas Bier Wein zu trinken - ist doch schließlich viel stilvoller. Oder nicht?

#07 Burndt Slamb
Auf den Einsatz eines Textes warten wir hier vergeblich, aber gerade dies macht das Stück zu etwas besonderem: es bleibt gesungen-gesummte Leichtigkeit. Zwischenzeitlich wechseln Tempo und Dynamik - ist ja nicht so, dass die Jungs in Sachen Arrangement nichts drauf hätten!

#08 Space Rock
Im Gegensatz zum Vorgänger spielt hier der Verstärker wieder eine größere Rolle. Rivers macht mal wieder einen Ausflug in stimmentechnisch höhere Lagen, was einer gewissen Komik nicht entbehrt - aber wirklich spacig wirkt es auch nicht... Gehen wir über zum nächsten Track.

#09 Slave
Aber dennoch beherrscht Rivers seine Vocals wirklich, wenn er will, wie man hier einmal mehr merkt: bei der Artikulation kann man fast nicht meckern. Aber ich frage mich dennoch, ob es ein Stück gibt, bei dem auf das Singen von Silben verzichtet wird... Von der Machart her nichts Neues im Hause Weezer - ich hoffe, das geht nicht ewig so weiter.

#10 Fall Together
Oh, hier wird Weezer energisch, die Drums stechen zu Anfang ausnahmsweise einmal die Gitarren aus, denen die Soli daher besonders gegönnt seien. Das Verhältnis kippt dann später allerdings auch wieder. Die Aussage des Tracks? Fragt mich etwas leichteres, Rivers\' Lyrics sollte man lieber nicht allzu ernst nehmen...

#11 Possibilities
Eine sehr schnelle Nummer, die aber dennoch wie auch schon \"Keep Fishin\'\" Spaß macht. \"You are gone to stay\" (\"du bist gegangen um zu bleiben\") - eine der Möglichkeiten, die hier spritzig daherkommen. Der Background wiederholt neben den obligatorischen Silben, an die sich das Ohr inzwischen schon gewöhnt hat, sogar ganze Zeilen, die besonders im Gehörgang verbleiben.

#12 Love Explosion
Das Tempo des Vorgängers kann natürlich auf die Dauer nicht gehalten werden. Daher nehmen Weezer hier ein wenig von ihrer Energie raus und legen eine nette Nummer hin, singen für ihr \"Girlie\", allerdings ohne allzu viel Gefühl in die Nummer zu investieren - das würde nicht zu Rivers\' oft ironischer Distanz passen. Er lässt lieber Zitate sprechen: \"Kiss me Kate\".

#13 December
Sentimental, aber nicht wirklich so klingend. Die besonders deutlich zu vernehmende Aussage: \"Nur die Liebe zählt\" - und das nicht nur im Dezember. Das beruhigt und lässt sich das Ohr entspannen: eine schöne ruhige Nummer haben sich die vier hier ausgedacht: Also Leute, habt euch lieb und freut euch auf den Bonushappen...

#14 Island In The Sun
Adaptiert vom Vorgänger, grundloser Bonustrack, macht aber nichts, denn dieses Lied ist einfach nur genial! Und welche Frau kann schon einem Video widerstehen, in dem Männer mit Tierbabies eine heile Welt simulieren??? Und diese Leichtigkeit des Seins zieht sich durch den ganzen Track... Dieses Gesamtkonzept müsste auch den letzten Pessimisten überzeugen.


#FAZIT#
Schubladen sind doof, das denken auch Weezer und beweisen auch auf diesem Album erneut ihre unschuldige Vielseitigkeit irgendwo zwischen Collegerock und Beachfun, mit jeder Menge Gitarren und ironielastigen Gute-Laune-Texten. Im Vergleich zu den Vorgängern haben Weezer aber auch dazugelernt: mehr Gitarrensoli und besser beherrschte Vocals (inzwischen in fast allen Tonlagen). Wobei sie mit den \"Beach Boys\" sicherlich die Vorliebe für Silben (im Background) gemein haben.

Eine klare Empfehlung für Freunde dieser Musik und ähnlicher Bands wie zum Beispiel Ash, Wheatus (kennt die eigentlich noch jemand? Mit \"Teenage Dirtbag\" das One-Hit-Wonder 2000/01) oder Jimmy Eat World. Für noch Unentschlossene oder andere Unkundige ;-) meine Anspieltipps: #03 \"Keep Fishin\'\", #07 \"Burndt Slamb\", #11 \"Possibilities\", #13 \"December\" und natürlich der Bonustrack #14 \"Island In The Sun\".

Alles in allem vier Sterne aufgrund einiger klanglicher Ähnlichkeiten (Man kann nicht immer innovativ sein, aber...), dennoch eine eindeutige Weiterempfehlung: Wer Weezer noch nicht kennt, sollte dies schleunigst ändern! Für Einsteiger empfehle ich jedoch den Erstling, der noch etwas mehr Pep hatte.

Denn wie Drummer Pat Wilson rückblickend schon zum ersten Erfolg 1994 sagte: \"Das war damals das besondere an Weezer. Wir waren einfach vier Typen, die jeder gut singen und Songs schreiben konnten.\"

Daran hat sich bis 2002 nichts geändert!
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Wen die Geschichte hinter dem Titel der Meinung interessiert: Das mal wieder sehr originelle Video zu \"Keep Fishin\'\" ist eine Kooperation mit den Muppets. Im Intro sieht man Miss Piggy, die sich Pat gefügig gemacht hat (er sitzt gefesselt auf einem Stuhl in ihrer Garderobe...), weil sie wohl ein wenig heiß auf ihn ist. Und da fällt auch der Satz: \"I cannot resist more\" - aber ich habe die Personifizierung jetzt einfach mal auf das Album übertragen... ;-)