Die weiße Löwin (Taschenbuch) / Henning Mankell Testbericht
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Erfahrungsbericht von Volker111
KGB und Südafrika verunsichern Wallanders Welt
Pro:
Spannung, viele Personen mit Seelentiefe
Kontra:
Kriminaltechnik, unrealistische Nachrichtendienste
Empfehlung:
Ja
••• Vorwort •••
Nachdem die Hunde von Riga als Hörspiel von CIAO als Einstellung meines Kategorievorschlages immer noch auf sich warten lässt, vielleicht sollte ich den Vorschlag wiederholen, ziehe ich den anschließend gelesenen Band Die weiße Löwin in meiner Buchbesprechung vor.
Diesen Roman las ich während der Weihnachtsferien, schließlich wollte ich unbedingt die letzten Lücken der Wallander Reihe schließen, einmal aus einem Vollständigkeitsfimmel heraus, zum anderen aber auch, um die Person Wallanders mir weiter zu erschließen.
Trotz einiger mehr grundsätzlicher Kritik an der Realitätsferne Mankells, was die Arbeit von Nachrichtendiensten einschließlich KGBs betrifft, mein Vater arbeitete viele Jahre beim BND in München - Pullach im Bereich Aufklärung in der Sowjetunion, halte ich diesen Roman sprachlich und psychologisch gesehen für einen der besten der Wallander Reihe, doch das gehört ja schon zur Wertung.
••• Inhaltsanriss •••
Auch wenn ein nicht unbeträchtlicher Teil des Geschehens sich wie üblich in bzw. um Wallanders schwedischer Heimat Ystad abspielt, das eigentliche Hauptgeschehen, das fiktive Thema des Romans ist der Übergang Südafrikas von einer rigorosen Apartheidpolitik zur allmählichen Machtübergabe an die schwarze Bevölkerungsmehrheit.
Ob die Idealisierung der Politiker Mandela auf der einen und Präsident de Klerk auf der anderen Seite die damaligen Macht- und Politikverhältnisse realistisch wiedergibt, vermag ich nicht zu beurteilen. Dass es einen erbitterten Widerstand gegen die Beteiligung der Ureinwohner Südafrikas an den Machtinstitutionen seitens verschiedener Burenorganisationen gegeben haben wird, ist sicherlich nicht völlig frei erfunden.
Nun denn, auf jeden Fall beschließt eine geheime Organisation, das Komitee, aus der Bruderschaft hervorgegangen, \"einen Bürgerkrieg zu provozieren, der nur auf eine Weise enden konnte. In einem vernichtenden Blutbad.\" Auslöser soll die Ermordung Nelson Mandelas durch ein Attentat, ausgeführt von einem schwarzen Berufskiller, Victor Mabasha.
sein.
Die Vorbereitung auf dieses spezielle Attentat wird von einem ehemaligen hohen KGB Offizier, der sich nach dem Zusammenbruch der UDSSR nach neuem Tätigkeitsfeld umsieht, in Schweden durchgeführt. (Als ob nicht Putin, der jahrzehntelange KGB Chef in der Sowjetunion, seine damaligen Untergebenen nach wie vor für diverse Aufgaben gegen die Opposition benötigt und einsetzt?)
Als durch einen Zufall die Ehefrau eines Maklers auf der Suche nach einem abgelegenen Haus einer Mandantin ahnungslos auf das Versteck des Trainers und Killers stößt, zögert
der Russe Konovalenko keinen Moment und erschießt per Kopfschuss diese Frau.
Doch da die Maklerin und Mutter zweier Kinder einen äußerst geregelten Lebensablauf hat, fällt ihr Verschwinden sehr schnell auf. Aufgrund des völligen Fehlens jeglicher Motive für ein freiwilliges Verschwinden wird sehr schnell nach ihr zielgerichtet gesucht. Dies zwingt den KGB-Offizier zu überstürzten Handlungen, die sogar zu einer Eskalation mit seinem zu betreuenden Attentäter führt.
Mankell lässt nun die Handlung ständig zwischen Südafrika und den dort wichtigsten Handlungsträgern und Schweden mit unserem Kommissar Wallander hin und herwechseln, mal aus der Perspektive des Attentäters Victor Mabasha, mal aus der Konovalenkos, mal aus der des Kopfes der Verschwörung Jan Kleyn, mal natürlich aus der sicht Kurt Wallanders.
Es beginnt ein Wettlauf mit der Frage: Wird es dem Komitee trotz teilweiser Aufdeckung ihrer Pläne gelingen, das beabsichtigte Attentat erfolgreich durchführen zu lassen?
••• Wertung •••
Positiv wirkte auf mich die ausgesprochene Vielschichtigkeit des Romans, in dem Kurt Wallander als Persönlichkeit schon eher an den Rand des Geschehens tritt. Seine Vorgehensweise wirkt zu Beginn professionell, im Laufe der Ermittlungen allerdings extrem irrational, auch bereits so gefährdend für Kollegen und Familienangehörige, dass an seiner Eignung für den Polizeidienst zu recht gezweifelt werden darf.
Manches liegt aber vielleicht auch an der Übersetzung, denn wie soll folgender Satz mit mehrfacher Verneinung denn nun verstanden werden?: \"Wie wahrscheinlich die meisten Polizisten im Lande war Wallander insgeheim kein überzeugter Gegner des absoluten Verbotes der Todesstrafe.\"[i/b]
Kein Gegner der Todesstrafe (wäre für die Todesstrafe) - Kein Gegner des Verbotes der Todesstrafe (wäre gegen die Todesstrafe) - Kein Gegner des absoluten Verbotes der Todesstrafe (wäre also völlig gegen die Todesstrafe) Kein überzeugter Gegner des absoluten Verbotes der Todesstrafe (wäre also nicht überzeugt, völlig gegen die Todesstrafe zu sein).
Im Handlungsverlauf scheint Wallander daran innerlich zu zerbrechen, einen Verbrecher in Notwehr erschossen zu haben, gleichzeitig aber weniger Probleme damit zu haben, kurz darauf einen weiteren ohne akute Notwehrgefahr hinzurichten.
Kurzum, mag die Seele eines Menschen auch innerlich des öfteren sehr widersprüchlich sein, Kurt Wallanders Seele scheint in diesem Roman der Widerspruch in sich zu sein.
Wie leider auch in anderen Romanen kann mich der polizeiliche Ermittlungsschluss in Schweden wenig überzeugen. Doch werden diese Mängel wettgemacht durch hohe durchgehende Spannung, für die Wallander-Reihe erstaunlich viel dramatische Handlung und vor allem durch die Vielschichtigkeit der Handlungsabläufe und der sie tragenden unterschiedlichen Persönlichkeiten. Zudem sind einige Darstellungen einfach von poetischer Schönheit. So bin ich hin und her gerissen, ein besonderer Roman, von beeindruckender Originalität und dann doch wieder Konstruktionen, die in ihrer Anhäufung von zufälligen Fehlern mich einfach nicht überzeugen können.
Egal, insgesamt überwiegt der positive Eindruck, weswegen ich 4 Sterne für angebracht halte, eine Empfehlung sowieso, denn Stoff zum Nachdenken bietet bei gleichzeitig sehr hoher Spannung der Roman allemal.
Vielleicht erfahre ich in einigen Kommentaren, ob ich mit meinen Eindrücken nicht ganz allein stehe.
Nachtrag: Ach ja, es fehlen noch die Buchdaten. Hier also auch noch diese: Als Taschenbuch dtv Verlag, 538 Seiten, kostet der Roman neu 10 Euro, gebraucht ist er ab 4,10 Euro über amazon.de beziehbar. Günstigere Angebote (ab 1 Euro plus Versandkosten) gibt es ganz sicher über Ebay. Die gebundene Ausgabe kostet noch 24,90, gebraucht ab 9 Euro. Auch hier verweise ich auf Ebay, denn viel verkaufte Bestseller sind trotz Portokosten hier gebraucht sehr günstig zu erstehen. Auch eine Hörspielausgabe ist vorhanden.
63 Bewertungen, 10 Kommentare
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07.07.2008, 14:42 Uhr von try_or_die87
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße aus Regensburg
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05.05.2008, 14:11 Uhr von Milkyway2610
Bewertung: sehr hilfreichmir hat das buch ebenso gefallen
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06.11.2007, 09:24 Uhr von AnjaS911
Bewertung: sehr hilfreichIch fand das Buch ziemlich spannend!
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18.08.2007, 10:04 Uhr von Puppekaa
Bewertung: sehr hilfreichLG Karsta
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09.07.2007, 13:23 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreichLG Anita
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12.05.2007, 16:19 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichSh & lg Sarah
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29.04.2007, 23:23 Uhr von Django006
Bewertung: sehr hilfreichsh & *lg* Alan ;>))))
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28.02.2007, 09:59 Uhr von campimo
Bewertung: sehr hilfreich(¯`•.¸* SH & LG *¸.•´¯)
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25.06.2006, 17:22 Uhr von Tweety30
Bewertung: sehr hilfreich;o) Liebe Grüße, Tweety30!
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28.02.2006, 11:17 Uhr von skorbut
Bewertung: sehr hilfreichsteht noch unberührt im Regal!
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