Hunde von Riga (Taschenbuch) / Henning Mankell Testbericht

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Erfahrungsbericht von frorgy

Ein Schwede in Lettland

Pro:

soziale Situation im Baltikum zu Beginn der 90er wird dargestellt; atmosphärisch dicht erzählt

Kontra:

Ereignisse oft vorhersehbar

Empfehlung:

Ja

An der schwedischen Küste wird ein rotes Schlauchboot angetrieben. Im Boot liegen zwei gut, aber für die Seefahrt nicht gerade zweckmäßig gekleidete Männer - erschossen. Der pathologische Befund ergibt, daß die beiden vor ihrem Tod gefoltert wurden und bereits mindestens seit einer Woche tot sind. Was man bei der Farbe des Schlauchboots sofort hätte vermuten können, aber erst nach Hinzuziehung eines pensionierten Kapitäns der Küstenwache zur Gewißheit wird: Das Boot stammt aus dem Ostblock. Eine Recherche über das Außenministerium ergibt: die beiden Toten sind Letten. Kommissar Kurt Wallander ist froh, den Fall an die lettische Polizei abgeben zu können.
Doch dann wird der Polizei-Major aus Riga, der die Ermittlungen nach einem Besuch in Schweden übernommen hat, unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Lettland ermordet. Die Rigaer Behörden bitten um Amtshilfe aus Schweden und fordern Kommissar Wallander an. Damit beginnt für Kurt Wallander ein überaus gefährliches Abenteuer im Baltikum...

Henning Mankell schrieb diesen Roman 1992 unter dem Eindruck umgreifender Veränderungen im Ostblock, die ihren Niederschlag in der Erzählung finden. Die DDR existiert nicht mehr, das Baltikum strebt nach Unabhängigkeit von Moskau. Der Leser hat die Gelegenheit, Riga aus der Sicht Kurt Wallanders wahrzunehmen, der sich im Zusammenhang der Ermittlungen in diesem Fall erstmals mit dem Baltikum und der politischen und sozialen Situation dort vertraut macht. Reste von Straßenbarrikaden und Einschußlöchern an Häusern künden von Straßenschlachten mit russischen Truppen. Ein Volk zwischen Kommunismus und Demokratie, ein Volk, das nach Unabhängigkeit strebt und zugleich Angst vor der Freiheit hat, ein Volk in Zwiespalt zwischen Angst und Hoffnung. So stellt Mankell das politische Klima in Lettland dar, in das Kurt Wallander unversehens hineingerät.

Dunkelheit, Kälte und Angst sind die Grundstimmungen, die Mankell in diesem Thriller zeichnet, der ganz aus der subjektiven Perspektive Wallanders geschrieben ist.

Mein Fazit: \"Hunde von Riga\" ist der zweite einer Reihe von Kurt-Wallander-Krimis und einer der schwächeren. Ein Thriller, der leider oft vorhersehbar ist, aber stilistisch überzeugend, durch politisch-historische und sozialkritische Untertöne durchaus noch akzeptabel.

Ein kurzes Wort zum Autor: Henning Mankell wurde 1948 in Schweden geboren. Heute lebt er in Mocambique, wo er nicht nur seine Bücher schreibt, sondern auch ein Theater leitet, an dem er selbst Regie führt. Seine Kriminalromane, die alle deutliche sozialkritische Züge tragen, wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

Das Buch: Eine Taschenbuchausgabe mit 350 Seiten ist bei dtv zum damaligen Preis von 18,50 DM unter der ISBN 3-423-20294-7 erschienen.

19 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Clarinetta2

    11.02.2007, 15:58 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die eigene Meinung ist zu kurz.