Manneken Pis, Brüssel Testbericht

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Erfahrungsbericht von newsboard

MannekenPis Brüssels Wahrzeichen, gestern & heute

Pro:

tolle Fontaine, nackter kleiner Prinz, viel geliebt, viel fotografiert, berühmtes Vorbild für unrühmliche kaiserliche Prinzen, kostenlos,

Kontra:

auf ewig zu derselben Tätigkeit verdammt, der kleine Prinz,

Empfehlung:

Ja

An was denkt ihr, wenn es um Belgien, insbesondere die stolze Landeshauptstadt Brüssel geht? Was fällt Euch da ein?

Je nach Alter wahrscheinlich das ehemals ziemlich ultramodern weltraummäßig futuristisch anmutende Atomium, der Große Markt (Grote Markt oder Grande Place) vielleicht noch, und dann hat es sich eigentlich schon, oder nicht, wer von Euch könnte mir da mehr nennen? Wohl die wenigsten, leider Gottes.

Ach ja, war da nicht noch etwas, woran wir uns wirklich alle erinnern? Aber sicher, da war doch etwas, - so ein nackter, kleiner Junge, einer der auf einem Brunnen steht und in diesen im hohen Bogen hineinpinkelt.

Ihr erinnert Euch doch sicherlich alle, wenn ich mich nicht irre.

Wahrscheinlich hattet Ihr den andererseits auch schon lange wieder vergessen, wenn Ihr nicht gerade eine Ansichtskarte aus Belgien bekommen haben solltet, auf der er mal wieder werbewirksam Modell stand und unter in die Landschaft pinkelte.

Doch war da nicht einer, ein mutiger und tapferer Prinz, von hohem, genau gesagt Kaiserlichem Geblüt, der es mutig auf sich nahm diesem fast vergessenen Manneken Pis eine neue, weltweit pressewirksam vermarktete Geltung zu verschaffen, ihn ein für alle mal wieder in die Erinnerung der heutigen Menschen zurück zu pardon pissen?!

Ihr kennt auch ihn alle, spätestens, seit er mit der hübschen Caroline, genauer gesagt der Tochter der ehemals auch recht beliebten Amerikanischen Filmschönheit Grace Kelly, verheiratet ist.

Ich meine das vornehmste und prominenteste Manneken Pis Imitat der Welt, den berühmten Hannoveraner (das ist kein Pferd) Prinzen Ernst August den Letzten, der es werbewirksam verstand sich in die Presse der Welt zu pinkeln.

Jetzt spricht wieder jeder davon, dass Männer auch mal pinkeln, all diese PR bekam unser altes, bronzenes Manneken Pis von ihm ganz gratis mitgeliefert.

Die Besucherzahlen sind seit der steigenden Aktivität des edlen Welfenprinzen, so das Fremdenverkehrsamt der Landeshauptstadt, schlagartig und drastisch wieder angestiegen, ein Hoch auf den erfolgreichen Werbe-Strategen Prinz Ernst-August.

Dabei begann die Geschichte bildlich wie praktisch, was so oft im Leben vorkommt, im wirklichen auch prinzlichen Leben, der Sache nach, mit einem seiner frühzeitigeren Artgenossen.

Dieses mal rede ich von, einem glaubhaften Gerücht zufolge den seinerzeit im 17. Jahrhundert noch jugendlichen Herzog Gottfried III von Brabant, der als Kind so, mit blankem Arsch und pinkelnd, feindliche Soldaten tapfer vor einer Schlacht verspottet haben soll. Was aus dem früheren Prinzen wurde, ist mir nicht näher bekannt, jedenfalls gab es einen fähigen Künstler, einen gewissen Hieronymus Duquesnoy d.Ä., der im Jahre
1619, so steht es da jedenfalls, den Prinzen verewigte, nackt wie Gott ihn schuf, gegossen in Bronze, und damit stabil und solide, quasi für die Ewigkeit festgehalten, den quasi so angepinkelten Feinden zum Trotz.

Die Landeshaupstadt hatte ein neues, herzallerliebstes neues Wahrzeichen, eines das außer ihr wirklich noch keiner hatte. Machte nicht dieses Wahrzeichen großartiger Weise Brüssel weltweit berühmt für seine pinkelnde Freizügigkeit?

Und da alles nicht durch ein riesiges Reiterstandbild, einen riesigen Palast oder eine machtvolle Festung, nein, ein kleiner Junge, nur durch einen seine ecke, immerwährend sich wiederholende, herausfordernde Tat, - ist das nicht der Landescharakter der Flamen und der Wallonen, heute nennt man die ja Belgier, geworden, keiner Herausforderung ausweichen, notfalls sich keck und mutig dem Angreifer oder Gegner stellen?

Und wie kommt man zu dem Knaben?

Ganz einfach und Idiotensicher: Vom Großen Markt geht man, wohl fast immer den strömenden Touristenmassen folgend, Richtung der Rue de l’ Etuve bzw. Rue des Grands Charmes, dabei übrigens vorbei an dutzenden großen und kleinen Andenkensständen und Ansichtskartenverkäufern, die uns alle, jeder für sich, einen der Millionen und Abermillionen großer, kleiner, aus Metall, aus Plastik, aus Schokolade, aus Marzipan, aus was auch immer gefertigten Pissenden Knaben anbieten wollen. Kurz gesagt, es gibt ihn in allen Formen, Farben, Schattierungen und Materialien die Ihr Euch nur denken könnt, - in Brüssel ist er beliebter als die Disney’sche Micky Maus.

Jedenfalls dann stehen wir plötzlich vor dem Original, - unverdrossen lässt er, im bekannt kecken, wirklich meisterlich hohen Bogen, sein Wässerchen, das er, wenn man ihm ins Gesicht schaut, kaum zu trüben fähig zu sein scheint, vor sich in die freie Flämisch-Brabantische frische Luft in Brüssel.

So mutig-respektlos sieht sich auch noch der heutige Brüsseler oder Belgier im Umgang mit Gegnern oder fremden Autoritäten.

Dass sich das gesamte Kerlchen dann bei näherer Betrachtung als relativ unansehnlich herausstellt, spricht allenfalls für die Bescheidenheit der Belgier oder den Geiz ihrer Verwaltung, die das kostbare Stück zu dem kostbaren Stück anfertigen lassen und zahlen mussten.

Ähnlich wie bei unserem lebenden Pinkelprinzen gab es schon schnell Leute, die sich sorgen machten um den kleinen Kerl, die ihn oder wenigstens seinen kleinen Freund abdecken oder verdecken wollten, sei es aus Moral, aus Jux oder aus Marketingstrategie, - immer wieder kommt irgend ein cleverer Typ auf die Idee dem armen kleidungslosen Kindchen etwas neues zum Anziehen zu schenken, - sehr zur grenzenlosen Freude der Fans des Pinkel-Prinzen-Kindes, - aus der Not wurde eine Tugend gemacht, jetzt gibt es schon ein ganzes Museum mit den gesammelten Bekleidungsstücken und Bekleidungsvorschlägen für den im Winter ja möglicherweise frierenden Kleinen Prinzen.

So soll sich schon 1689 als einer der ersten der Bayrische Kurfürst Max Emanuel hervor getan haben und den Knaben fürstlich beschenkt. Nach und nach bürgerte sich das s richtig ein, inzwischen sind es schon mehr als 600 Kleidungsstücke die dieses nackte Kind sein eigen nennt. Was auch immer der kleine Prinz wohl früher anzuziehen hatte, heute jedenfalls müsste er kaum die Not der Nacktheit erleiden. In der Tat durfte ich, was wohl wirklich ein echter Zufall war, ihn als Elvis bewundern, als ich einmal vorbeikam, das war so um die Zeit vom Tod des großen Künstlers. Zur Zeit, wo jetzt gerade, wohl relativ ungerecht, die Belgier bei der Fußball-WM gegen Brasilien ausgeschieden sind im Achtelfinale, da wird er erwartungsgemäß nicht Trauer tragen, sondern stolz eines seiner Nationalen Fußballtrikots, die kleinen Prinzen sind nun einmal widerstandsfähig und zeigen stolz ihre Standfestigkeit. So soll er, wenn man sich die Museumsstücke in Ruhe anschaut, auch schon als General, als Dracula, als Mönch oder als ein Irrer in einer Zwangsjacke ver- oder bekleidet gewesen sein. Natürlich auch mal als Clown, Humor hatte er ja schon immer, und seine lieben Landsleute bis auf den heutigen Tag übrigens auch. Ein königliches oder kaiserliches Prinzenornat soll er sich übrigens, nachdem der bekannte neuzeitliche Prinz für ihn so erfolgreich Werbung macht, auch zugelegt, bzw. wieder hervorgeholt haben, man weiß ja nie wann der lebende, ebenfalls nach seiner eigenen Meinung nicht immer richtig verstandene Freund ihn einmal besuchen wird, dann möchte er natürlich standesgemäß zu dessen Begrüßung angezogen sein. Ehre wem Ehre gebührt, meinen da die Landsleute und werden ihm auch in diesem Falle sicherlich sorgsam und wirksam helfen.

Anschließend der Tipp: Wer den pinkelnden (kleinen) Prinzen noch nicht gesehen haben sollte, z.B. im Fernsehen, der ist gern eingeladen ihn an seinem traditionellen Domizil in Brüssel einmal zu besuchen, - dennoch sollte es dies, der Einfachheit halber, gleich mit einem umfangreicheren Besuch in der Landeshauptstadt der Flamen und der Wallonen, im alten Brabantischen Brüssel, verbinden.

Dann wird es sich sicherlich auf jeden Fall lohnen.

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