Marie (Single) - Joachim Deutschland Testbericht

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ab 8,12
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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von DieEine

"Gefühle in Worte packen" mal anders

Pro:

ehrlich, rockig, gefühlvoll, provozierend

Kontra:

vielen vielleicht zu krass

Empfehlung:

Ja

Die Musikindustrie in Deutschland ist doch echt witzig. Da mühen sich wochenlang potentielle \"Superstars\" in einer Fernsehshow ab, lassen sich demütigen und von geifernden alten Säcken auf ihr Aussehen reduzieren, nur, um am Ende einen heißbegehrten Plattenvertrag zu bekommen und dann sieht man auf MTV ein Video von \"Joachim Deutschland\", der weder singen kann noch gut aussieht, aber eben diesen Plattenvertrag hat, ohne, dass er sich zum Larry hat machen müssen.

Mich jedenfalls hat das Lied \"Marie\" von oben genanntem Herrn Deutschland in jeder Hinsicht erheitert. So sehr, dass ich es für nötig halte euch darüber zu berichten.
\"Marie\" ist ein Lied über eine zerbrochene Beziehung und Joachim Deutschland schildert seine Gefühle auf eine sehr unkonventionelle und sehr ehrliche Art und Weise.
In vielen Liedern heißt es ja immer \"wir haben halt nicht zusammengepasst und ich wünsche Dir viel Glück\"-blabla, aber mal ehrlich, wer hat solche Gefühle, wenn man verletzt und verlassen wird?

Joachim Deutschland bringt es wirklich auf den Punkt, denn bei ihm heißt es schlicht und einfach \"ganz egal wo du dich rumtreibst, ich hoffe es geht dir schlecht, du Schlampe, du Drecksau\".

Wie man bei dem harten, aber doch sehr treffenden Text vermuten kann, ist das Lied insgesamt sehr rockig. Es fängt an mit schnellen Gitarrenspiel, ein paar Spassbrüllern vom Sänger und richtig rockigem, sehr schnellem Schlagzeug. Musikalisch klingt das alles, wie eben auch der Text, nicht sehr anspruchsvoll, aber doch wirkungsvoll. Die Nummer kracht und rockt einfach. Die Musik unterstützt die Aggressivität des Liedes ganz einfach und Text und Musik bilden wirklich eine Einheit.

Der Text gibt natürlich keine großartigen Zeilen zum Nachdenken her, aber er ist einfach herrlich aggressiv, herrlich ehrlich und herrlich provozierend. Sowas muss auch mal sein. Immer nur heile Welt ist doch langweilig.
Wenn man jemanden wirklich geliebt hat und ihm \"den Schüssel zu seine großen Welt\" gegeben hat, dann fühlt man so. Also ich zumindest und Joachim Deutschland beweist mir, dass ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin. \"Nie wieder werde ich dein Macker sein - lieber bleibe ich für immer allein\".

Sein Album heißt zwar auch \"Musik wegen Frauen\", aber ich denke, dass auch Frauen die Musik zu schätzen wissen, man muss halt zumindest bei diesem Lied einfach nur den weiblichen Namen durch einen männlichen ersetzen, dann passt das schon. Um seinen Frust loszuwerden und rauszuschreien, ist \"Marie\" bestens geeignet.

Auch, wenn man den Titel von der Art der Musik her und von der Art des Textes her und auch von der Art wie sich der Künstler schreiend, mit nacktem Oberkörper und Gitarre auf dem CD-Cover präsentiert nicht drauf kommen könnte, so bezeichne ich \"Marie\" als einen sehr gefühlvollen Song. Gefühle müssen ja nicht immer positiv sein, es gibt ja auch negative Gefühle, die in der deutschen Pop-Musik meiner Meinung nach viel zu selten thematisiert werden.

Ich bin jetzt sicher kein Pessimist oder Freund von Hasstiraden, aber wenn ich mir zum Beispiel mal die deutschen Charts anschaue, sehe ich nur Coversongs der 80er Jahre im Techno-Outfit oder sonstige Schalala-Heile-Welt-Lieder. Hat Deutschland momentan eigentlich keine anderen Sorgen als wer Superstar wird?

Gut, \"Marie\" ist jetzt auch kein Lied, das auf Deutschlands Probleme aufmerksam macht, aber ich schätze es, wenn ein Künstler kein Blatt vor dem Mund nimmt und seinen Gefühlen und seiner Wut freien Lauf lässt.
Das wollte Joachim Deutschland ja auch beim deutschen Vorentscheid zum Grand Mix machen, aber man hat ihn mit seinem Lied \"Die Stoibers\" (und da haben wir die Politik) kurzerhand im Vorfeld schon disqualifiziert (aber Hauptsache die Kanzler-Gummipuppe darf \"Alles wird gut\" singen).

Ok, bevor ich jetzt total vom Thema abschweife, beende ich meinen Bericht mal lieber. Auf der Maxi-CD sind neben dem mit drei Minuten doch sehr kurzem Stück \"Marie\" noch die 4 Minuten lange Live-Version und der sehr harte Lomags-Remix drauf.

Ich würde sagen: anhören hat noch keinem geschadet.

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