Das Lied von Eis und Feuer 1. Die Herren von Winterfell (Taschenbuch) / George R. R. Martin Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von mima007

Grandiose Familien- und Fantasy-Saga

Pro:

spannend, erotisch, unterhaltsam, psychologisch interessant, sehr komplex angelegt, mit Glossar, Landkarte und Personalverzeichnis

Kontra:

nur die 1. Hälfte des Romans

Empfehlung:

Ja

Der Roman „A Game of Thrones“, der vom Goldmann-Verlag als Beginn des Zyklus „Das Lied von Eis und Feuer“ vermarktet wird, besteht in der deutschen Ausgabe aus den zwei Bänden „Die Herren von Winterfell“ und „Das Erbe von Winterfell“.

Das Buch erhielt 1997 von den Lesern des einflußreichen SF-Info-Magazins LOCUS den ersten Preis in ihrer Gunst. Auch Marion Zimmer Bradley, eine einschlägige Expertin, lobte das Buch als „das vielleicht beste Fantasy-Epos überhaupt“. Na, da fällt es direkt schwer, etwas an dem Buch auszusetzen. Aber vielleicht legte sie die Betonung auf „vielleicht“?

"Das Lied von Feuer und Eis" (bis 2003)

Band 1: Die Herren von Winterfell
Band 2: Das Erbe von Winterfell
Band 3: Der Thron der sieben Königreiche
Band 4: Die Saat des goldenen Löwen
Band 5: Sturm der Schwerter
Band 6: Die Königin der Drachen

Geplant für 2004:
- Feast of Crows
- A Dance with Dragons

Handlung des 1. Bandes
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Ein umfangreicher Anhang mit den einzelnen Herrscherhäusern von Martins Phantasiewelt macht es deutlich: Hier treten sehr viele Leute auf die Bühne, die die Welt bedeutet. Und nicht alle treten lebend ab. Denn wie das unter den Edlen so ist und dem Leser von Shakespeare sattsam bekannt: Es kann der Klügste nicht in Frieden regieren, wenn es dem Ehrgeizigen nicht gefällt.

Der König, das ist der Thronräuber Robert Baratheon, einst ein großer Kämpfer, nun nur noch ein Säufer und Schürzenjäger. Die Königin ist Cersei aus dem reichsten Haus des gesamten Inselkönigreichs, derer von Lannister. Was kaum jemand weiß: Ihre Kinder, die der König sein eigen glaubt, stammen alle von ihrem Bruder, dem strahlenden Ritter Jaime. Kaum ein Geheimnis ist jedoch, daß die beiden Lannisters des Königs alten Premierminister – hierzulande Rechte Hand genannt – mit Gift um die Ecke gebracht haben, um ihre Stellung zu stärken: Jaime sollte sein Nachfolger werden. Doch den Ersatz wählt der König nicht in seiner Nähe, sondern im hohen Norden, bei seinem alten Freund und Mitstreiter, dem rechtschaffenen Lord Eddard Stark. Das Schicksal der Angehörigen der Großfamilie derer von Stark von Winterfell ist der eigentliche Inhalt des umfangreichen Romans.

Zunächst widerwillig, doch vom Ehrgefühl getrieben, begibt sich Lord Eddard in die Hauptstadt, um als Rechte Hand zu regieren, während der König Mädchen und Wildschweinen nachstellt. Es kommt zum unausweichlichen Konflikt mit den Lannisters, als Eddards Frau Catelyn herausfindet, von wem ein Meuchelmörder in ihre Burg geschickt wurde, um ihren Sohn Bran zu töten: die Lannisters. Sie weiß nicht, daß Bran das Geheimnis des feindlichen Geschwisterpaares belauscht hatte. Ihr Verdacht fällt auf den Besitzer des Attentäterdolches: auf Tyrion Lannister, Königin Cerseis zwergenhaften Bruder. Sie läßt ihn verhaften und verschärft die Krise bis zum offenen Krieg. Der König kommt unter mysteriösen Umständen um.

Im zweiten Band des Romans kommt es zu mehreren Schlachten zwischen aufrechten Stark-Freunden und Lannistervasallen. Der Autor weiß die Kämpfer in der Schlacht auf eindrückliche Weise zu beschreiben. So erscheint etwa der Feldherr der Lannisters als eine Art Julius Cäsar. Seine Statur wird von der mickrigen Größe seines - inzwischen freigekommenen – Sohnes Tyrion noch erhöht, was aber nichts über seine moralischen Qualitäten aussagt. Lord Eddard, nach Roberts Tod von der Königin im Staatsstreich verhaftet und eingekerkert, wird vom neuen König und Cerseis Sohn, dem 14jährigen und eigensinnigen Joffrey, als Verräter zum Tode verurteilt und enthauptet. Eddards zwei 10- und 12jährige Töchter müssen dies mit ansehen. Ein Gegenkönig zeigt sich im Süden.

Am Ende des Romans sind viele Karten ausgespielt worden, aber die Partie ist weiterhin offen. In den Ländern jenseits der Meerenge gelangt Daenerys, die letzte Überlebende des Herrschergeschlechts, das Robert Baratheon dezimierte und verjagte, zu Macht an der Seite eines Reitervolkhäuptlings. Es gelingt ihr, den ausgestorbenen Drachen zur Wiedergeburt zu verhelfen. Und im höchsten Norden, an der Mauer, die das Königreich vor den Geistern des Verwunschenen Waldes schützt, kehrt der Winter zurück – für lange Jahre.

Mein Eindruck
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Nicht ohne Grund wurde „A Game of Thrones“ mit dem LOCUS Award ausgezeichnet. Es ist eine erfrischende Abwechslung zu solcher jugendtauglicher und keimfreier Einheits-Fantasy-Ware à la Terry Brooks und David Eddings.

In den Winterfell-Romanen herrscht bitterster Realismus, Drama zwischen Ironie und Tragödie, grimmig zuweilen bis zur Schmerzgrenze. Doch Martin desavouiert seine Figuren nicht, er lässt ihnen ihre Würde. Allerdings schildert er nicht das Innenleben der bösen Lannisters – hier ist der philosophische Zyniker Tyrion die Ausnahme.

Die Figuren erscheinen sehr lebendig und menschlich; Martin verschließt die Augen nicht vor ihren intimsten Gefühlsregungen oder sexuellen Betätigungen. Dass der Sex ebenso wie der Humor zuweilen von der derberen Sorte ist, verleiht dem geschilderten Leben Authentizität: So könnte es im Frankreich oder England des 13. oder 14. Jahrhunderts zugegangen sein. Man lese einmal Shakespeares „Heinrich V.“ nach oder sehe Brannaghs Verfilmung.

Unterm Strich
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„Winterfell“ zu lesen ist ein Erlebnis. Man sollte sich sofort die vier bislang auf Deutsch (und halbiert) erschienenen Fortsetzungen zu gemüte führen.


Michael Matzer ©1998/2004ff

Info: A Game of Thrones, 1996; Goldmann, 1997/8, 544 Seiten, EU 12,-, aus dem Amerikanischen von Jörn Ingwersen; Erscheinungsdatum: Oktober 1997, ISBN: 3442247292

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