Maserati Coupé Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
- Fahreigenschaften:
- Fahrkomfort:
- Platzangebot:
- Zuverlässigkeit:
Erfahrungsbericht von Overknees
So emotional
Pro:
+ authentisches Supersportwagengefühl
Kontra:
- jenseits aller Euronen
Empfehlung:
Ja
Den Bericht gab es ursprünglich bei Ciao, dort war er ab dem 22.12.2003 zu lesen, ich habe ihn hier für Yopi aber überarbeitet und ergänzt.
Direkt vorweg: für Alle, die keine sehr ausführlichen Autoberichte mögen und Autos der 100.000 Euro Preisklasse für Unfug halten, dazu an eigener Erfahrung zweifeln.... wertet schnell "nicht nützlich" und schreibt böse Kommentare.
Dem Rest möchte ich ein Auto vorstellen, das für Otto Normalverbraucher so gut wie unerreichbar sein wird und das trotzdem, im Vergleich zu seinen Mitbewerbern, im Grunde "günstig" (perverses Wort in dieser Preisklasse) ist.
Doch dazu später mehr.
Für die, die keine Romane mögen, hier eine Kurzbewertung:
- Karosserie:
+ vorn brauchbare Platzverhältnisse
+ brauchbarer Kofferraum
+ weitgehend eingängige Bedienung
+ durchaus gute Qualitätsanmutung - Fahrkomfort:
+ von "ganz ok" bis "bretthart" einstellbarer Federungskomfort
- erhöhtes Geräuschniveau
+ sehr brauchbare Sitze vorn
- hinten nur Sitznischen für Kinder - Antrieb:
+ kraftvoll in jeder Lage
+ hängt sehr gut am Gas
- im Automatikmodus oft zögerndes Getriebe mit Schaltrucken - Fahreigenschaften:
+ sehr sicheres Fahrverhalten
O leicht eingeschränkte Handlichkeit
- eingeschränkte Wintertauglichkeit
+ echter Gran Tourismo - Sicherheit:
+ noch gute Sicherheitsausstattung
+ sehr gute Bremsen ohne Fading
- spürbare Seitenwindempfindlichkeit - Umwelt:
- hohe Verbrauchsspanne
- nur EU3 schadstoffarm - Kosten:
- sehr hoher Anschaffungspreis
- sehr hoher Wertverlust
- stark überdurchschnittliche Werkstattkosten
- starker Reifenverschleiß
Gefahren bin ich den Maserati im Sommer 2003, von Mitte Juli bis Ende August hat er mich über knapp 5.000 km begleitet. Langzeiterfahrungen bekomme ich über meinen Parkplatznachbarn in der Firma, er hat seinen seit November 2002, bisher knapp 60.000 km damit zurückgelegt.
Sehen wir uns das Auto an.
Wir sind in Modena, auf dem Betriebsgelände von Maserati (übrigens in der Zwischenzeit eine 100%tige Ferrari-Tochter), im Umfeld anderer Fahrzeuge gleichen Typs fällt er naturgemäß absolut nicht auf.
Das Coupé ist in schwarz-metallic (nero-carbonio im Maserati Jargon) gehalten und steht auf den aufpreisfreien 7-Speichen 18" Rädern. Im einzelnen ausgestattet ist er wie folgt, wie immer von mir subjektiv gewertet (++ = ein MUSS, + = macht Sinn, - = nicht nötig, -- = rausgeworfenes Geld):
- Maserati Coupé Cambiocorsa 85.000,-
- nero-carbonio Metalliclack 2.065,- (+)
- Bremssättel rot 500,- (--)
- Innenausstattung Leder Tobbaco Serie
- Lederkeder in schwarz abgesetzt 250,- (--)
- Ledernähte in schwarz 210,- (--)
- Uhr mittig in gold 210,- (++)
- Sitzheizung vorne 480,- (++)
- Navigationssystem 2.275,- (+)
- Hifilautsprecher 920,- (+)
- 5-fach CD-Wechsler 660,- (-)
- Geschwindigskeitsregelanlage 455,- (++)
- Innenspiegel automatisch abblendend 320,- (+)
- PDC hinten 600,- (++)
- Skyhook-Fahrwerk 2.275,- (--)
- Xenonscheinwerfer 1.290,- (++)
Gesamtpreis ab Werk zzgl. Überführung inklusive 16% MwSt. 97.510,- Euro
Preise Stand Dezember 2003
Anschaffung und Preise
Angesichts des Preises sehe ich schon viele nach oben verdrehte Augen.... aber nur mal zum Vergleich, ein ebenso ausgerüsteter Porsche 911 kostet immer locker um die 20.000,- Euro mehr. Alles ist relativ.
Dank der schon recht umfangreichen Serienausstattung halten sich die Muß-Zutaten in engen Grenzen, man sollte jedenfalls das Navigationssystem, PDC und Xenon mitbestellen, diese drei Dinge gehören zum besseren Wiederverkauf später einmal einfach dazu. Und natürlich die kleine Analoguhr, Stil muß sein.
Was wird für das Geld geboten?
Sehen wir uns das Auto an. Wir sehen ein Coupé klassischer Form, lange Schnauze, kurzes Heck. Klare Linien, nirgendwo Schnörkel, Unauffälligkeitsfaktor extrem hoch. Die wenigsten Menschen verbinden mit dem Coupé etwas Protziges, von außen ist er schlicht und edel. Ganz aus der Nähe betrachtet werden dann Details sichtbar wie die lackierten Bremssättel, die doch deutlich zeigen, in welcher Klasse wir uns bewegen. Von außen macht das Auto auch von der Verarbeitung her einen guten Eindruck, für italienische Verhältnisse und für Kleinserie ist die Qualität erstaunlich, selbst die Spaltmasse bewegen sich im preisklassenüblichen Rahmen. Ob jedoch jeder, der einen Supersportwagen bewegen will, diese Unauffälligkeit mag, sei dahingestellt. Gewöhnen muß ich mich an das italienische Kennzeichen.
Und innen?
Hier ist es vorbei mit der Zurückhaltung. Geboten wird eine auf den ersten Blick typisch italienische Eleganz, den Vergleich zum 911 macht man am einfachsten verständlich, wenn man sich ein paar super-technische Sportschuhe im Vergleich zu italienischen eleganten Abendschuhen vorstellt. Auf beidem kann man gehen... aber der Eindruck ist jeweils ein ganz anderer. Das Armaturenbrett hat einen eleganten Schwung, aus der Mitte wird man der seit Jahrzehnten typischen Maserati Analog-Uhr begrüßt. Die Lederverarbeitung erscheint sehr gut, auf Anhieb sind keine schiefen Nähte oder ähnliche Nachlässigkeiten (in früheren Zeiten durchaus typisch!) auszumachen. Der Testwagen stammt aus der Fahrversuchsflotte, an einigen Stellen hat das Meßequipment im Innenraum böse Spuren hinterlassen, dem Auto kann man das aber kaum vorwerfen. So ist auch die hintere Sitzbank Opfer geworden.
Die Bedienung gibt keine Rätsel auf, wobei man aber fairerweise sagen muß, das es aufgrund der schieren Menge zu bedienender Ausstattung doch ratsam erscheint, mal einen Blick in das Handbuch zu werfen. Manches ist halt einfach nicht intuitiv für Jeden zu erfassen, so zum Beispiel die Verstellmöglichkeiten von Skyhook, dem elektronisch geregelten Fahrwerk. Zentral in der Mittelkonsole ist ein TFT-Monitor installiert, über den u.a. das optionale Navigationssystem gesteuert wird.
Was hier aber in erster Linie zählt, ist die Atmosphäre. Es wird für alle Sinne etwas geboten... allein der Geruch des Leders beim entern des Cockpits hält einen fest.
Die Instrumentierung ist klar, ein klein wenig verspielt, aber deutlich ablesbar, die Schaltanzeige und das darüberliegende Infodisplay geben keine Rätsel auf.
Das Lenkrad liegt gut in der Hand, die Schaltungsbetätigung des Cambiocorsa-Getriebes ist fest als Paddel installiert.
Zu den Sitzen
Auch bei Maserati ist die Zeit der Froschhaltung beim Sitzen vorbei. Die Position ist ok, die Verstellung (elektrisch) nicht der Logik letzter Schluß. Nach ein bißchen Fummelei ist man allerdings gut untergebracht. Die Sitze selbst bewerte ich mal nach Schulnotensystem mit einer 3+, weit weg von Perfektion, aber doch akzeptabel für eine Zeit. Straff, ausreichender Seitenhalt, mir persönlich ist die Sitzfläche einen Hauch zu kurz. Aber da wir kein typisches Langsteckenfahrzeug haben, kann man damit leben.
Hinten sitzt es sich nur für Kinder bis etwa 4-6 akzeptabel... im Testfahrzeug sowieso nicht zu verifizieren, da die Rückbank durch Abwesenheit glänzt. Aber wie gesagt, wir haben schon versucht, mit vier Erwachsenen den Maserati des Kollegen zur Fahrt zum Mittagessen zu benutzen. Für ein paar Kilometer war auch das machbar.
Der Kofferraum (315l) wiederum ist eine angenehme Überraschung, Reisegepäck für zwei ist problemlos unterzubringen, obwohl man eher Reisetaschen als Koffer benutzen sollte. Wohl dem, der noch 2.065 € für das passende Maserati Kofferset im Budget hat... ;)
Die Technik
Der Motor
Das Herz jedes Sportlers ist natürlich der Motor. Hier trohnt er stolz im Motorraum, weit zurückgesetzt, mit rot lackierten Zylinderkopfdeckeln. Italien. Bella machina.
Ein Exemplar, das mit Hilfe der Ferrari Entwicklungsabteilung entstanden ist. Im Gegensatz aber zu den Ferrari Achtzylindern ein echter V8 mit gekröpfter Kurbelwelle und dadurch mit typischem V8-Brabbeln gesegnet. Die Ferrari Achtzylinder haben eine nur einfach gekröpfte, sogenannte "flache" Kurbelwelle, die für gleichmäßige Zündabstände sorgt und für Höchstdrehzahlen besser geeignet ist... allerdings ist ein "richtiger" V8 vom Klang her das angenehmere Erlebnis als das Kreischen des Ferrari Originals.
Die Eckdaten: 4.244 ccm³, bei 7.000 U/min werden 390 PS abgegeben. Der Motor stemmt 451 Nm Drehmoment, dies ist bei 4.500 U/min voll versammelt. Wer jetzt allerdings auf reine Hochdrehzahlcharakteristik schließen mag, kann beruhigt sein, auch knapp oberhalb Leerlaufdrehzahl stehen schon über 300 Nm bereit. Also Druck von unten. Der Rest der Konstruktion ist extrem aufwendig, es gibt eine Trockensumpfschmierung, die beiden Nockenwellen pro Zylinderbank werden im übrigen per Kette getrieben.. im Sinne der Wartungsfreiheit und der Dauerhaltbarkeit die beste Lösung.
Im gerade (Herbst 2004) vorgestellten Ferrari F430 kommt im übrigen der fast gleiche Motor zum Einsatz, hier aber ferraritypisch mit "flacher" Kurbelwelle für mehr Drehzahlfestigkeit. Und ohne das typische V8 Brummeln... hier kreischt der Grummler. Nicht mein Fall.
Der Triebstrang
Nach dem Motor folgt zuerst mal nur die Kardanwelle, das Getriebe ist in sogenannter Transaxle Bauweise mit der Hinterachse verblockt.
Das Getriebe ist übrigens für unser Fahrzeug der namensgebende Faktor. Cambiocorsa steht für eine auch von Ferrari genutzte elektro-hydraulische Betätigung von Kupplung und Getriebe. Ein Sperrdifferential ist integriert, für einen Frontmotorsportwagen ergibt sich nicht zuletzt dadurch ein sehr ausgewogenes Gewichtsverhältnis von 52% auf der Vorder- und 48% auf der Hinterachse. Also gute Voraussetzungen für bestes Handling.
Das Fahrwerk
Der Rest der Technik bleibt hochkarätig, Radaufhängungen mit doppelten Dreiecksquerlenkern vorne wie hinten sind in Straßenfahrzeugen immer noch die rare Ausnahme. Mit dem Skyhook Paket gibt es dazu noch eine elektronische Anpassung der Dämpfer, wozu das führt, dazu später mehr. Die Bremsen halten den Standard, vorne wie hinten tun riesige innenbelüftete Bremsschreiben ihren Dienst, Brembo als Zulieferer gilt als Garant für beste Qualität.
Als Leergewicht gibt Maserati 1.580 kg an, nicht schlecht für einen Frontmotor V8 mit voller Sicherheitsausrüstung (6 Airbags, ESP, ABS usw.).
Fahren wir!
Nach dem kurzen Dreh am Zündschlüssel ertönt ein erster aggressiver Brunftschrei aus dem Motorraum.
Direkt danach fällt der Motor in einen unerschütterlichen Leerlauf, garniert mit einem verheißungsvollen Ton von Leistungsbereitschaft und einem satten Brabbeln aus dem Auspuff.
In einem anderen Bericht las ich den Vergleich mit einem 8-Zylinder in einem BMW. Ich besitze privat einen 8-Zylinder BMW, den ich sehr schätze... an die Akustik und den Gänsehautfaktor, den der Maserati bereits im Stand verbreitet, da kommt er selbst mit Sportauspuffanlage nicht in die Nähe.
Jetzt wird es spannend, die Cambiocorsa-Schaltung läßt eine Menge Optionen, wie geschaltet werden soll. Manuell oder automatisch, nach braver Kennung oder im Schema Sport, dazu gibt es für schlechte Witterungsverhältnisse noch einen Traktionsmodus. Ziemlich komplex das Ganze, Lieschen Müller wird keinen Meter fahren, ohne daß jemand die Funktionsweise erklärt hat. Dazu ist die Getriebesteuerung gekoppelt mit dem Skyhook System... bei Sport Stellung wird auch die Dämpfung auf eine härtere Kennlinie bewegt.
Die ersten Meter gibt es Automatikmodus, den Rückwärtsgang legt man wie bei Ferrari mittels eines kleinen Hebels auf der Mittelkonsole ein.
Automatikmodus ein, ein zarter Ruck geht durchs Auto, Motorradfahrer werden sich wohlfühlen... da ist es oft genauso.
Ein wenig eckig verlasse ich das Werksgelände, Cambiocorsa hält den ersten Gang auch bei 2.000 U/min, wo man als routinierter Fahrer im 2. mit Leerlaufdrehzahl unterwegs wäre.
Auf dem Weg durch die Stadt im Automatikmodus des Getriebes bin ich froh, alleine unterwegs zu sein. Die Schaltstrategie erscheint etwas unbeholfen, so werden auch Fahrschüler ein Getriebe bedienen. Die Gangwechsel erfolgen zwar recht sauber mit wenig oder ohne Last, aber halt nicht so, wie es jemand machen würde, der weiß, was er tut.
Nach den ersten 5 km bin ich die Automatik leid und wechsele durch einfaches Betätigen eines der Schaltpaddel in den manuellen Modus. Ah... gut, jetzt darf der Motor auch bei niedrigen Drehzahlen zeigen, was er kann, auch bei 1.500 U/min wird Vollgas klaglos und umgehend in Druck umgesetzt.
Bis zur Autostrada habe ich mich mit dem Getriebe ausgesöhnt und fange an, ein bißchen die Sporen zu geben. Die Autobahn selbst erfordert dann wieder Disziplin, auch einem Maserati wird in Italien und auch in der Schweiz keine Temposünde verziehen, also ziehen wir gemütlich unsere Bahn.
Abends auf der deutschen Autobahn bekommt er dann die Sporen, schnell gewinnt man Zutrauen, lediglich Seitenwind mag der Maserati nicht. In Erinnerung der Tips der Maserati Ingenieure wechsele ich in den Sportmodus, von der Härte her auf der Autobahn erträglich, auch langgezogene Autobahnkurven jenseits der 250 km/h verlieren so ihren Schrecken.
Während die Rollerei durch Italien und der Schweiz mit einem Verbrauch von etwas über 11 Litern belohnt wurde, ist es jetzt vorbei mit den guten Trinksitten. Läßt man den 390 Pferden eine lose Hand, laufen die 88 Liter SuperPlus die der Tank faßt, bequem auf 350 km durch, genau gerechnet ergeben sich fast 23 Liter auf 100 km... Aua. Im alltäglichen Einsatz mit überwiegend Tagesetappen auf deutschen Autobahnen, pendelt sich mein Schnitt bei 18.5l/100 km ein. Immer noch schmerzlich, ein 911er ist nur bei Vollgas zu solchen Trinksitten zu überreden, durch nichts sonst. Und jeder starke Turbodiesel ermöglicht höhere Durchschnitte.
Ein Wort zu den Fahrleistungen: Maserati nennt 4.9s für den Standardspurt von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 285 km/h angegeben. Beides klingt glaubhaft, wichtiger ist die Elastizität, auch aus knapp 60 km/h mit 1.000 U/min 6. Gang wird klag- und rucklos beschleunigt... schön!
Was sagt meine Hausstrecke, die bergigen Sträßchen rund um meinen Wohnort? Die bringen Freud und Leid. Leid dann, wenn man Skyhook alleine regeln läßt... dann kämpft man mit sich dauernd veränderten Kennlinien. Mal wird die Fuhre erst nach dem Einlenken in eine Kurve hart, mal spaßeshalber erst beim Rausbeschleunigen... feuchte Hände sind garantiert. Dazu greift das ESP viel zu früh und lange vor Erreichen der Haftgrenze ein... hausfrauentauglich, meinetwegen, Sportwagen? Im Leben nicht.
Das Bild wandelt sich mit Zuschaltung des Sportprogramms in Skyhook und Ausschalten von ESP. Jetzt ist das Auto präzise beherrschbar, lenkt auf den Punkt ein, ist sauber auf der Bremse und läßt sich aus engen Kurven zur Not nur mit dem Gas und minimalem Lenkeinsatz rausholen. Das klappt selbst auf trockener Bahn, der Leistungsüberschuß ist genug, um das Heck jederzeit mit dem Gasfuß kontrollieren zu können. Mundwinkel ganz oben! :)
Für Mitfahrer ist das ganze weniger lustig, meine bessere Hälfte maulte schon beim Anblick des Maserati ("och, wieder kein Cabrio!"), in dem Moment, wo mir das Auto großen Spaß machte, wurde sie plötzlich fromm, ich habe sie zumindest vorher nie laut beten gehört. Engagiert und auf Sport-Programm des Skyhook bewegt ist auch das Thema Komfort erledigt. Nur ein Wort: erschütternd.
Zwar knarrt und knirscht nichts in der Karosse, die fühlt sich nicht nur steif an, sondern ist es auch, an der Präzision des Fahrverhaltens leicht abzulesen.
Und noch ein Satz zum Komfort: In Normalstellung von Skyhook ist der Grundkomfort für ein Auto, das auch bei 285 km/h noch ruhig seine Bahn ziehen soll, sehr annehmbar. Lediglich bei langsamer Fahrt wirkt der Maserati etwas steifbeinig, Kanaldeckel werden polternd absolviert. Einmal auf Landstrassentempo ist aber alles im Lot. Die Geräuschkulisse habe ich kurz angesprochen, vom tiefen bollernden Baß über aggressives Brabbeln bis zum reinen Heldentenor läßt sich per Gasfuß eine Sinfonie komponieren. Gracie!
Was macht denn Cambiocorsa bei sportlicher Fahrweise? Cambiocorsa tut manchmal weh... nicht den Menschen (zumindest nicht so sehr), aber wie die Gänge im Sportmodus oftmals "reingekloppt" werden, das schmerzt. Die dabei entstehenden Geräusche lassen auf Dauer nichts Gutes erwarten... der einzige Vorteil wird wohl sein, das niemand das auf längere Zeit nutzt. Es schmerzt einfach beim Zuhören und Fühlen. Zu halten scheint es jedenfalls, mein Testwagen hatte bereits 82.000 km auf dem Tacho, als ich ihn übernahm, mechanische Schwächen waren keine feststellbar.
Zuverlässigkeit
Auf meinen Kilometern gab es nur Kleinigkeiten, die störten. Ein Xenon-Scheinwerfer fiel aus (übrigens, gutes Licht für einen Exoten, lediglich etwas streifig); die Steuerung der Klimaautomatik hatte sich einmal zu Dauerfrost entschlossen, das Navisystem hatte seine Mucken, wirklich im Stich gelassen hat er mich nicht. Mein Arbeitskollege hatte, besonders die ersten Wochen, da schon mehr Probleme, zwar auch keinen Totalausfall, aber diverse Elektronikmucken, bis hin zum Ausfall des ABS. Also keine Porsche Qualitäten.
Die Kosten
Den Anschaffungspreis haben wir bereits betrachtet, erfahrungsgemäß wird der Wertverlust auch nicht ohne Schmerzen sein. Auch die Betriebskosten bewegen sich auf Supersportwagenniveau. So kostet schon ein Ölwechsel mal "eben" gut 350 €, eine große Inspektion, fällig spätestens nach 30.000 km, wird nicht unter 1.200 € vorgenommen. Dazu kommen heftige Kosten für Reifen, ein Satz Hinterreifen (265/35 R 18, vorne sind 235/40 R 18 montiert) wird engagiert gefahren bei 15.000 km fällig sein, Stückpreis um die 350 €. Die Versicherungseinstufung erfolgt individuell, das Auto ist keiner Typklasse zugeordnet, die Prämie muß also jeweils ausgehandelt werden.
Ziehen wir ein Fazit
Wir haben ein echtes Traumauto, ausgestattet mit echtem Flair, dazu das Charisma eines echten Hochleistungsmotors.
Was bekommt man nicht? Teutonische Solidität und sterile Perfektion.
Sterne?
Das Gefühl sagt fünf, der Verstand sagt was anderes.
Schließen wir einen Kompromiß.
Vier Sterne mit Zusatzzahl für Emotion!
Und wie immer an dieser Stelle sind mir Kommentare, Kritik und Wünsche, was Ihr im Bericht vermißt, sehr willkommen!
P.S.: leider wieder kein Bild dabei, irgendwie hat Yopi da Probleme.
Den Test mit Bildern und etwas mehr Inhalt findet Ihr auch unter http://www.autotestnet.de/maserati_coupe_cambiocorsa.php
72 Bewertungen, 4 Kommentare
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22.04.2005, 12:10 Uhr von plötzlichpapa
Bewertung: sehr hilfreichÜber die eineinhalb Monate mit dem Ding beneide ich Dich schon. Ich stelle mir gerade vor wie es ist, wenn man damit bei uns in München Schwabing vorfährt. Man wäre mit Sicherheit ein Blickfang. Dein Bericht hat Dein hohes Niveau geha
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28.01.2005, 20:34 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichLaunemachender Fahrbericht!Ein Wagen für Individualisten mit großem Geldbeutel...zum Träumen geeignet, aber für's normale Leben etwas ungeeignet. RS
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27.01.2005, 00:53 Uhr von April
Bewertung: sehr hilfreichAlso heutzutage reicht doch ein Anruf in der Mitfahrzentrale!!!....Häh? Quatsch...der Bericht ist klasse und mit einem "nicht nützlich" kann ich leider nicht dienen...sorry ;-)!!! LG April
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12.01.2005, 19:51 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSehr guter informativer Beitrag, hat eine gute Wertung verdient..
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