Maternus Premium Pilsner Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Geschmack:  durchschnittlich
  • Wirkungsgrad:  hoch

Erfahrungsbericht von Swinja

Das Bier von Golgatha

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Zu den Supermarktbieren in der nicht ganz so hohen Preisklasse gehört das Maternus Pilsener, das einem bei aldi und LIDL aus den Regalen entgegenlacht. Es kommt von der Brauerei Martens in Bocholt (Belgien).

Eigentlich sympathisch-unaufdringlich ist die Verpackung: sechs 0,5 l Langhals-Braunglasflaschen (kein Pfand) im Karton, von dem einem nochmal das schlichte weiß-graue Flaschenetikett, auf der Rückseite ein frisch eingeschenktes in Großaufnahme, entgegenschauen.

Schon auf dem Karton wird darauf hingewiesen, daß diese Bierflaschen keinen Öffner benötigen (eigentlich ist es der Biertrinker, der ihn nicht braucht), weil es in Flaschen mit abdrehbarem Kronenkorken nach amerikanischem Vorbild abgefüllt ist. Der Durstige, der sich auf den Gerstensaft stürzt, freut sich zuerst - und flucht dann, denn mindestens eine Flasche im Karton läßt sich so nicht öffnen, sondern hinterläßt kleinere Schnittwunden in der Handfläche. Oder hat sich versehentlich eine Pulle \"Masochernus-Bräu\" dazwischengeschmuggelt?

Beim Einschenken sieht es dann wieder sehr ansprechend aus. Im Pilsglas bleibt die Krone tatsächlich einige Minuten stehen - einen Maßkrug sollte man allerdings nicht verwenden. Aber auch wenn man das Glas gut gespült haben sollte - nach spätestens 10 Minuten bleibt im Glas leider doch das stehen, was meine Großmutter als \"Sausoach\" zu bezeichnen pflegte.

Der Geschmack ist nicht allzu herb, es geht gut runter, und das \"taube-Zungen\"-Gefühl, das ich von anderen \"Sozialamts-Bieren\" her kenne, stellt sich hier nur ganz leicht ein. Der Kohlensäuregehalt ist annehmbar, wenngleich auch hoch genug, als daß man den ersten hastigen Schluck nicht in echointensiven Räumen (Kirchen, Plenarsäle, Museen) einnehmen sollte. Außer man will ungut auffallen.

Temperaturmäßig verlangt es nach nicht mehr als eine Viertelstunde Kühlschrank. Brühwarm wie auch zu kalt schmeckt es gleichermaßen unerträglich. Zu war, hat man den Eindruck von Ameisen im Mund, zu kühl nimmt man außer den herausfallenden Zahnplomben überhaupt keinen Geschmack mehr war.

Golgatha, die Schädelstätte vor den Toren Jerusalems. Dort langt man an, wenn man entweder den Aufstand gegen die Römer predigt, oder zuviel Maternus trinkt. Und weil nachhaltiges Wirtschaften immer aktueller wird, wird auch hier Nachhaltigkeit praktiziert: Der \"Schädel\", der sich bei mir diesmal schon nach dem Dritten frühmorgens beim Aufwachen einstellte, geht auch bis abends nicht mehr weg. Wer sich mit Maternus gemütlich besaufen will, kann auch genauso gut mit dem Kopf gegen die Zimmerwand rennen: das Gefühl bleibt das gleiche.

Und das ist der Punkt, der das Maternus in der Bewertung so richtig ins Mittelfeld herunterzieht. Jeder Hausbrandfusel kann da an \"Keule\" mithalten. Ansonsten ist Maternus eines der Biere, die der \"Pennerglück\"-Sparte zu Unrecht zugeordnet werden: Aufmachung, Geschmack und Preis sind, mit Abstrichen, akzeptabel und würden gerade noch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ergeben. Aber nicht, wenn man am anderen Tag als Katerzombie vom Dienst herumliegt...

10 Bewertungen