Rumänien Testbericht
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Erfahrungsbericht von AndreaK.
Zwischen Mythos und Wirklichkeit
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Immer mehr wird der Osten Europas unter intellektuellen Reisenden, die mehr als nur den \"touristischen Glanz\" sehen wollen, zum absoluten Top-Geheimtip. Rumänien steht da zunehmend im Rampenlicht von Reiseanbeitern, die sich auf individuelle Urlaube verlegen. Aber auch entdeckungslustige Einzelreisende wagen sich häufiger in den ehemaligen Ostblock, gehen dort auf Entdeckungsreise, wo sich auch das \"Eldorado der Vorurteile\" befindet: Rumänien.
Nach zwei Aufenthalten nun endlich ist die Zeit für mich gekommen, um über dieses sehr widersprüchliche Land und seine tausend Facetten zu schreiben und zu erzählen, welche Erfahrungen ich dort gemacht habe.
Zuerst ein kleines Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Rumänien - ein Land stellt sich vor
3. Die erste Reise 1997
4. Die zweite Reise im November 2002
5. Persönliche Eindrücke und Fazit
1. Einleitung
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Gleich vorweg: ich weiß, dass es kaum so viele Vorurteile gibt, wie über Osteuropa, und da besonders über Rumänien und Bulgarien. Ja, ich bekenne mich schuldig, eine Zeit lang habe ich diesen Blödsinn auch wie ein Papagei wiederholt., besonders nach meiner ersten Reise 1997. Wer sich bei mir unbeliebt machen wollte, sprach über Rumänien.
ABER – und das ist meine Kernaussage – es kommt sehr auf die eigene Einstellung an, ob man Rumänien als positiv erlebt oder nicht. Und in diesem Fall lag die Schuld hauptsächlich bei mir: ich hätte wissen müssen, wie arm Rumänien wirklich ist. Ich hätte mich nur darüber informieren müssen – und wie „Ciao“ zeigt, gibt es ja auch viele Möglichkeiten, Informationen zu allen Themen zu bekommen.
Ich hätte auch ein klein wenig flexibler sein, mich einfach einmal auf alles einlassen können, anstatt es mit dem österreichischen Maßstab zu messen, was VOLLKOMMEN VERFEHLT ist!
Ich brauchte vier Jahre und eine zweite Reise in dieses Land, um zu erfahren, dass es NICHTS gibt, mit dem Rumänien vergleichbar wäre. Es ist, lasst es mich so sagen, eine eigene Welt. Und die erlebt man am besten und positivsten, wenn man sich einfach darauf einlässt, gut informiert über das Land und dessen Kultur, um das zu vermeiden, was mich vier Jahre lang völlig sinnlos zu eben denselben Vorurteilen trieb, wie oben angesprochen: einen massiven Kulturschock.
Meine ehrenamtliche Tätigkeit bei AIESEC war wieder einmal der Grund, warum ich zweimal nach Rumänien reiste. Meiner Zeit bei dieser Organisation habe ich es zu verdanken, dass es mich teilweise in die „wildesten“ Länder verschlagen hat, von denen ich heute nur Positives zu berichten weiß. So auch von Rumänien.
Doch bis ich soweit kam, musste ich lernen, meine österreichische Arroganz abzulegen und Dinge so hinzunehmen, wie sie nun einmal sind.
Wie (hart) der Weg für mich war, lest Ihr hier.
2. Rumänien - ein Land stellt sich vor
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Auch wenn die Fakten leicht zu recherchieren sind, geben einige allgemeine Informationen doch einen ersten Eindruck dieses Landes.
Im Südosten Rumäniens schlägt die Gischt des Schwarzen Meeres an schöne Sandstrände, dazwischen öffnet die Donau ihr berühmtes Delta, das international als wichtiges Naturschutzgebiet bekannt ist, und entlässt ihre Fluten in das einzige Binnenmeer Europas.
Im Süden bildet einer der bedeutendesten Ströme Europas - eben die Donau - die Südgrenze zu Bulgarien, während Rumänien im Norden und Osten an die Ukraine und Moldawien und im Westen an Rest-Jugoslawien und Ungarn grenzt.
Auch Berge gibt es in Rumänien zur Genüge. Die Karpaten ziehen sich wie ein großer Wall quer durch das Land und geben diesem Land einen ganz eigenen Charme.
Die Landessprache ist rumänisch, ebenfalls eine romanische Sprache. Hört man genau hin, kann man viele italienische Worte in dieser Sprache finden. Manchmal erinnerte sie mich aber auch teilweise an das Französische.
Keine Frage, dieses Land wurde von den Römern hochgeschätzt - die überall auftauchenden Spuren zeigen dies deutlich.
Die Währung Rumäniens nennt sich Lei und ist immer wieder starken Inflationsbewegungen unterworfen, was der dortigen Wirtschaft zusätzlich arge Probleme bereitet. Leider sind dies aber nicht die einzigen Herausforderungen, mit der die aktuelle Regierung in Form eines Präsidenten und seiner Minister zu kämpfen hat.
Der Fall des Eisernen Vorhangs liegt zwar schon weit zurück - seit 1989 sind 13 Jahre vergangen - aber dennoch nicht weit genug, um nicht immer noch an den für das Land teils dramatischen Auswirkungen zu leiden. Immer noch sind nicht alle Strukturen in Rumänien demokratisch ausgerichtet, was für die jetzige Regierung Aufbauarbeit bedeutet, und das nach 13 Jahren.
Dazu kommt noch eine große Armut in breiten Schichten der Bevölkerung. Zirka 22,4 Millionen Menschen leben in Rumänien, der Großteil davon stark verarmt.
Zusätzlich bereitet der weit ausgedehnte Schwarzmarkt den Ökonomen große Probleme und verhindert, dass es über die rumänische Wirtschaft einheitliche Zahlen gibt.
Heute ist Rumänien eine Demokratie, doch in Erinnerung geblieben ist uns das Land auch heute noch durch Ceausescu’s Diktatur und dessen jähes Ende nach dem Zusammenbruch seines Regimes.
Zu den Einreiseformalitäten ist folgendes zu sagen: während man früher eine offizielle Einladung nach Rumänien brauchte, kann man heute als Bürger der europäischen Union ohne offizielles Schreiben einreisen, wobei man an der Grenze kostenlos ein Visum für eine bestimmte Zeit (die Dauer kenne ich leider nicht - sorry) einreisen kann.
Die Landschaft Rumäniens könnte man – völlig emotionslos – teilweise als „Agrarwüste“ bezeichnen. Heute noch erstrecken sich riesige Felder ehemaliger Kolchosen über das Land, deren Ende man teilweise nur hinter dem Horizont vermuten kann.
Doch auch hohe Berge – wie eingangs schon erwähnt, lebendige Hügellandschaften, dichte und abenteuerliche Wälder bietet dieses Land. Dazwischen liegen kleine, hübsche Dörfer, vor denen große Schafherden weiden, die von einem Schäfer und seinem Hund betreut werden.
Als Autofahrer muss man sich in Geduld üben, denn die Gänsescharen, die oft genug die holprigen, mit Schlaglöchern übersäten Straßen überqueren, haben es nicht eilig. Ganz im Gegenteil. Da wird eifrig geschnattert, stehen geblieben und das Auto gemustert, zu bewegen ist das laute Federvieh nur durch das Betätigen der Hupe :-).
Kilometerweit kann man oft keine Menschenseele sehen, und so hat der Reisende den Eindruck, völlig allein auf dieser Welt zu sein. Aber fernab von allem Lärm und Trubel, ist die zeitweise Stille, die sich eben in genau diesen Landstrichen offenbart, oft wie Balsam auf der großstadt-gequälten Seele des Reisenden.
Wie man daran sehen kann, Rumänien ist in jeder Hinsicht eine Herausforderung. Für mich war es LETZTENDLICH eine positive!
3. Die erste Reise 1997
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\"Eine Katastrophe nimmt ihren Lauf...\"
Schon im zarten, pubertären Alter von 14 Jahren beschloss damals Klein-Andrea, also ICH :-), eines Tages den Osten Europas unsicher zu machen. Ganz klar, Rumänien stand da auch auf dem Programm. 1997, damals war ich 22 Jahre alt, kam ganz überraschend die Chance dazu.
Da in Baile Herculane (zu diesem Ort komme ich noch später) irgendwo im Herzen Rumäniens ein internationaler AIESEC-Kongress stattfand, beschloss ich, mit meinen Kollegen dort hinzufahren.
Da Studenten kaum Geld haben und es uns auch nicht anders ging, fuhren wir von Linz / Österreich 16 Stunden mit dem Zug nach Temesvar (rumän.=Timisoara). Und diese Bahnfahrt war schon das reinste Abenteuer.
An der rumänischen Grenze angekommen, sah ich - damals mit völlig ungeübten, verwöhnten Augen - das absolut Typische für Osteuropa: Bestechung und Korruption.
Da es in den ungarischen Supermärkten eine viel größere Auswahl an Lebensmitteln gibt und diese teilweise auch billiger als in Rumänien sind, fuhren viele Familien aus dem Grenzgebiet zum Masseneinkauf nach Ungarn. Das Ergebnis war meist eine fünfköpfige Familie mit 10 bis 12 riesengroßen, randvollgefüllten Taschen - so viele Lebensmittel auf einen Fleck hatte ich noch nie gesehen. Dann kamen die Zöllner mit ihren Stempelkissen herein und begannen, die Leute zu kontrollieren. Natürlich hätten die Rumänen für diese exzessiven Einkäufe Zoll bezahlen müssen, und das wäre wahrscheinlich ganz schön teuer geworden.
Für dieses Problem hatte man eine \"Lösung\" gefunden. Hinter dem Zollbeamten mit dem Stempelkissen lief ein Zweiter mit einer Plastiktüte, in die die Reisenden kommentarlos Lebensmittel stopften - quasi als Bestechung.
Und dann standen die beiden auch vor uns, fünf Österreichern. Keiner von uns dachte daran, die beiden zu bestehen - wieso auch?! Resultat war ein regelrechtes Kreuzverhör, was wir denn in Rumänien zu suchen hätten, etc. Aber dank der Hilfe eines Kollegen, der als Teil der ungarischen Minderheit in Rumänien geboren worden war und deshalb unter anderem auch fließend rumänisch sprach, zogen die beiden bald wieder ihres Weges - unter Zurücklassung eines interessanten rumänischen Einreisestempels in meinem Pass.
Da der Zug leider nicht direkt nach Temesvar fuhr, mussten wir in Arad aussteigen. Und da bekam ich den ersten Schock meines Lebens. Ganz unbedarft würde ich sagen, handelt es sich bei Arad um eine typische Zigeunerstadt. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich lieber keinen Fuß vor den Bahnhof setzen sollte, wenn ich keine Probleme haben wollte. Aber auch am Bahnhof fühlte ich mich nicht sicher.
Eine rumänische Studentin, die auch ehrenamtlich für AIESEC arbeitete, erwartete uns und lotste uns zu unserem angeblichen Zug nach Temesvar. Kaum waren wir dort eingestiegen und hatten dort unser Gepäck verstaut, gellten ihre Schreie quer durch den Bahnhof: \"raus aus dem Zug! Das ist der Falsche! Raus! Raus!\" Meine Kollegen schafften es noch aus dem Zug zu springen, bevor dieser im Anfahren an Geschwindigkeit gewann. Doch als es an mir war, zu springen, war der Zug schon so schnell, dass ich mich nicht mehr traute. Ich hatte schiere Angst, denn nun war ICH ALLEIN IM FALSCHEN ZUG, als Fremde, die nicht rumänisch sprechen kann. Schließlich packte ich meinen letzten Rest Mut, den ich noch aufbringen konnte und sprang mit einem schrillen Schrei aus dem schon schnell fahrenden Zug - mitten in einen Haufen Schmutz, bei dem auch Kot gewesen sein muss....
DAS waren meine ersten 10 Minuten in Rumänien. Der Rest des Aufenthalts ging dann genauso katastrophal weiter.
Nach 16 Stunden Zugfahrt endlich in Temesvar angekommen, erwartete uns dort ein Empfangskommittee von rumänischen AIESEC-Mitgliedern, die mit uns nach einigen Stunden Wartezeit mit dem nächsten Zug nach Baile Herculane fuhren.
Eine Woche sollten wir hier verbringen, auf einem internationalen Kongress in einem angeblich sehr schönen Hotel. Doch das \"Hotel\" war - wollte man bei der Wahrheit bleiben - als solches nicht zu bezeichnen und hatte wahrscheinlich seine Blütezeit in der Anfangsphase von Ceausescus Diktatur gehabt. Es handelte sich um einen riesengroßen wackeligen Klinkerbau, dem schon überall Steine fehlten, das Innere des Hauses war mit Flecken aller Art auf Boden, Wänden und Decke übersät, es roch überall nach Chemikalien und ich hatte schon bei meiner Ankunft nur noch den einen Wunsch: \"Raus hier!\" Das war offensichtlich nicht nur der falsche Zug, sondern auch das falsche Land! Ich hatte mit allem gerechnet, bloß damit nicht!
Hier sollte ich kurz zu Baile Herculane etwas sagen. Der Name deutet den Ursprung dieses Ortes schon an, und wieder mal waren\'s die Römer. Zu Deutsch \"Herkulesbad\" bietet dieser in Rumänien sehr bekannte Kurort heute noch die von den Römern so gern besuchten natürlichen Thermalquellen.
Baile Herculane liegt am Südzipfel der Karpaten, im hübschen Engtal der Cerna, umschlossen von schroffen, felsigen Massiven und grünen, bewaldeten Bergen.
Heute kann man dort noch die Reste römischer Besiedelung bestaunen, wie vielerorts in Rumänien.
Zusätzlich zeichnet sich Baile Herculane bei einem Bummel durch seine hübschen Barockbauten im Wiener Stil aus, ältere Gebäude gibt es leider kaum, weil der Banat, in dem der Kurort liegt, oft Zankapfel in verschiedenen Kriegen (auch die Türken wüteten hier) war und deshalb von Verwüstungen leider nicht verschont blieb.
Allerdings herrschte zu meinem ersten Besuch im November 1997 tiefster Winter, und das spürte ich leider sehr dramatisch am eigenen Leib.
Um möglichst viel Geld mit uns Fremden zu machen, schaltete die Hotelleitung dreist eine Woche lang die Heizung ab, was zur Folge hatte, dass wir das internationale Seminar in Wintermäntel und Handschuhen erlebten. So schlief ich dann auch jede Nacht, notdürftig umhüllt von zwei sehr dünnen Wolldecken. Es dauerte nicht lange, und ich bellte beim Husten wie ein Hund - ganz klar, ich hatte Lungenentzündung.
Vielleicht versteht der Leser nun den manchmal aufkeimenden leichten Anflug von Zynismus. Ich denke, meine Erfahrungen waren für jemanden, der zum ersten Mal in seinem Leben solche Zustände erlebt und zum ersten Mal im Leben mit einer derartigen Armut konfrontiert ist, etwas zu heftig.
Das Essen, Charakteristikum eines jeden Landes, verweigerte ich nach zwei Tagen in diesem Hotel. Schon zum Frühstück wurden ausnahmslose relativ fette Würste serviert - inzwischen weiß ich, dass es in osteuropäischen Ländern relativ normal ist, Fleischwaren auch schon in der Früh zu verzehren. Mittags wurde uns meistens etwas Frittiertes oder Gebratenes geboten, das aber derart fett war, dass ich mich die nächsten fünf Tage ausnahmslos von Weißbrot und rumänischer Schokolade ernährte.
Und dann kam der große Tag, an dem wir alle auch etwas mehr von dem Land zu sehen bekamen: wir fuhren für einen Tag nach Temesvar. Und das war für mich eines der wenigen Highlights dieser Reise.
Temesvar liegt in Westrumänien und ist seit jeher ein wichtiges Handelszentrum, um das im Laufe der Jahrhunderte auch oft gestritten wurde. Als Österreicherin :-) muss ich es hier anmerken: 1716 wurde Temesvar durch Prinz Eugen von Savoyen, dem Oberbefehlshaber des österreichischen Heeres, von den Türken befreit. Er gilt in Österreich als der große Türkenbefreier, wo er 1683 die türkischen Heere für immer in die Flucht schlug. Seine Kriegszüge gegen die Osmanen führten ihn sogar bis tief in den Osten Europas, wie ein Teil der rumänischen Geschichte zeigt.
Heute noch ist Temesvar eine sehr schöne Stadt, die in ihrem Baustil eine interessante Mischung aus Wiener Architektur (die österreichisch-ungarische Monarchie lässt grüßen), leicht orientalischem Stil (das Theater/Opernhaus zeigt es am besten) und das, was man wohl als den rumänischen Stil bezeichnet, zeigt. So reich wie die Einflüsse des Baustils sind auch die Facetten, die Temesvar zu bieten hat.
Eine der traurigen Seiten seiner Geschichte bietet die jüngste Vergangenheit. Temesvar war eines der Zentren, in denen der Volksaufstand gegen Ceausescu seinen Anfang nahm.
Steht man heute auf dem Platz der Revolution im Herzen der Stadt, sieht man überall Kreuze, Grabsteine und kleine Denkmäler, die an jene Rumänen erinnern, die damals für ihre Freiheit starben.
Hebt der aufmerksame Reisende seinen Blick zu den Dachgiebeln der Häuser, die den Platz der Revolution umgeben, entdeckt man heute noch die von Einschusslöchern durchsiebten Hausfronten. Es ist bekannt, dass die Securitate (der ehemalige rumänische Geheimdienst) völlig unzimperlich auf die eigenen Landsleute schoss. Und diese Spuren haben sich heute noch in den Häusern der Innenstadt rund um diesen Platz erhalten. Niemand weiß zu sagen, ob absichtlich als Mahnmal oder weil man noch kein Geld aufbringen konnte, um die Häuser zu restaurieren.
Am Ende des Platzes steht eine wunderschöne russisch-orthodoxe Kirche, die gegen 1890 erbaut wurde, mit bunt gestreiften Zwiebeldächern, die in ihrem Inneren schöne Fresken bietet. Leider waren diese damals aufgrund des Geldmangels noch in einem sehr schlechten Zustand. Vielleicht wurden sie inzwischen schon renoviert. Zu hoffen wäre es.
Temesvar hat einen ganz eigenartigen Charme. Auf der einen Seite ist die Stadt immer noch sehr urtümlich rumänisch, auf der anderen Seite schon sehr westlich.
Ein McDonalds direkt am Platz der Revolution zeigt, dass die Globalisierung - mag sie gut oder schlecht sein - auch vor Rumänien nicht halt gemacht hat.
Temesvar gewinnt zunehmend Bedeutung als Wirtschaftsstandort, auch für internationale Unternehmen. Deshalb wird dort auch sehr viel gebaut und verbessert - eine Entwicklung, die für Rumänien sicher von Vorteil ist.
Kritische Anmerkung: allerdings nur solange, wie auch das Kapital in rumänischen Händen bleibt und nicht die Spielregeln von ausländischen Multis gemacht werden.
Als hätte ich nicht schon genug Abenteuer hinter mich gebracht, machte ich hier auch noch ungewollt Bekanntschaft mit Straßenkindern. Fünf völlig zerlumpte Wesen flehten mich mit stetem, mir unverständlichem Gemurmel um etwas Geld an. Da ich wusste, dass sie dies abliefern mussten und trotzdem noch hungern müssen, teilte ich die österreichische Schokolade, die eigentlich als Geschenk für meine rumänischen Kollegen gedacht war und von der ich noch fünf Tafeln hatte, unter den Kindern auf. DAS war ein Fehler. Im Nu standen plötzlich 50 Kinder um mich herum, bedrängten mich von allen Seiten und waren sprichwörtlich dabei, mich auszuräumen. Rumänische Passanten, die mich als unwissende Fremde am liebsten dafür geschlagen hätten, retteten mir dann mein Hab und Gut, indem sie eine Hand voll Münzen weit weg in eine andere Richtung schleuderten. Blitzartigen liefen die Straßenkinder dem Geld nach, ich konnte meine Sachen packen und mich schnellstens aus dem Staub machen. Heute weiß ich, dass ich, werde ich in Rumänien angebettelt, nur dann etwas hergebe, wenn es die Rumänen selbst auch tun.
Nach einem ausgiebigen Stadtbummel aßen wir im Hotel Intercontinental, wo ich nach fast einer Woche zum ersten Mal wieder \"richtiges Essen\", d.h. eine HEISSE Suppe, Wienerschnitzel und Salat bekam.
Spätestens hier wurde mir bewusst, wie verwöhnt - um nicht zu sagen verzogen - ich als Österreicherin war. Der Moment war gekommen, um meine Arroganz vollends zu verlieren.
Rückblickend muss ich sagen, dass mir Temesvar unheimlich gut gefallen hat. Diese Stadt hinterließ sehr positive Eindrücke bei mir. Leider bekam ich auf dieser Reise sonst nichts zu sehen, außer unser - schon oben beschriebenes - weniger geniales Hotel ;-) in Baile Herculane.
Was mir schon damals auffiel, ist die Tatsache, dass Rumänien an und für sich ein sehr FRUCHTBARES Land ist. Ca. 45% der gesamten Landesfläche, also fast die Hälfte Rumäniens, wird landwirtschaftlich genützt. Riesige Felder breiten sich über weite Ebenen auf, scheinen nicht mehr aufzuhören. Und selbst der Blick zum Horizont gibt das Ende des Feldes nicht frei, lässt es in dieser tristen Flachheit unendlich erscheinen.
Und die Tristesse setzt sich in den Gesichtern der Menschen fort, die ich auf meiner Reise traf. Sie alle führen ein sehr hartes Leben in Armut und haben oft nicht einmal das Allernotwendigste. Ein Lächeln sieht man kaum, und es liegt nicht daran, dass Rumänen etwa humorlos wären. Nein, das ist nicht der Fall! Aber es gibt eben nicht viel im Leben eines typischen Rumänen, das zum Lachen wäre. Und unter dieser Prämisse konnte ich die Niedergeschlagenheit der Leute gut verstehen.
Mit einer heftigen Lungenentzündung und einem noch massiveren Kulturschock trat ich nach einer Woche den Nachhauseweg an - auf meinen Lippen ständig zwei Worte: \"NIE WIEDER!!!\"
Doch es sollte anders kommen, als geplant. Und das genau vier Jahre später.
So lange hatte es nämlich gebraucht, bis ich den Kulturschock und meine Sturheit, es bei bösen Bemerkungen über Rumänien zu belassen, überwunden hatte.
4. Die zweite Reise im November 2001
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\"Ist der Schüler bereit, findet sich auch ein Lehrer.\"
Was ich damit sagen will ist, dass es einzig und allein an meiner Einstellung lag, warum mein zweiter Besuch aus mir einen Rumänien-FAN (ja, ich wurde bekehrt! :-)) machte.
Genau vier Jahre später, auch im November, diesmal im Jahr 2001, fand wieder ein internationaler AIESEC-Kongress in Rumänien statt, zu dem ich als Trainerin eingeladen worden war. Diesmal sollte ich nach Sinaia kommen, einem sehr bekannten, mondänen Schiort im Herz der Karpaten.
Weil ich von meiner eigenen kulturellen Engstirnigkeit die Nase voll hatte und außerdem sehr neugierig bin, beschloss ich, mich ein zweites Mal nach Rumänien zu \"wagen\". Diese Entscheidung bereute ich nicht, wie sich herausstellte.
Dazu kam noch der Tod meines Vaters, der am 17.November 2001 von uns ging. Weil ich monatelang schon sein Sterben miterlebt hatte und jetzt dringend einen Tapetenwechsel brauchte, nahm ich die Gelegenheit wahr, mich mit einer sicher abenteuerlichen Reise abzulenken. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war das die einzig richtige Entscheidung.
Diesmal flog ich von München weg nach Bukarest/Otopeni, wo mich zwei Rumäninnen abholten.
Ganz erstaunt war ich schon, als ich den sehr modernen und sauberen Flughafen in Bukarest sah. Eine Stahl-Glaskonstruktion in rumänischem Stil erhob sich, zur Rollfeldseite hin mit einer offenen Glasfront. Ein angenehmer Anblick für jemanden, der mit Rumänien bislang nicht so Positives verband.
Aber spätestens am Zoll traf ich wieder meine \"liebe alte Bekannte\", die Korruption. Zugegeben, ein fremder, europäischer Pass, vorgezeigt von einer alleinreisenden jungen Frau lädt immer wieder zum Abzocken ein. Ja, aber nicht mit mir!!!
Der junge Zöllner braucht geschlagene 20 Minuten, bis er sich dazu herabließ, mir das Visum in den Pass zu stempeln. Doch bis es soweit kam, stand ich - mit den Fingern klopfend - vor dem Schalter, während der Beamte 10 Minuten lang mein Passbild kontrollierte, mir dumme Fragen stellte, die ich ebenso dumm beantwortet :-). Es lag klar auf der Hand, dass er mich mit seinem Verhalten in Panik versetzen wollte, sodass ich von allein auf die Idee kam, ihm einen Geldschein zukommen zu lassen. Das tat ich jedoch nicht, weshalb der Zöllner nach 20 Minuten mit gereiztem Augeverdrehen aufgab und mir das Visum ausstellte.
Am Ausgang warteten zwei meiner rumänischen Kolleginnen auf mich, die mich - gemeinsam mit einem griechischen Kollegen, der etwas später ankam - in einem uralten rumänischen Dacia durch Bukarest zum Bahnhof brachten. Uns - Christos, dem Griechen und mir - standen drei Stunden Zugfahrt OHNE RUMÄNISCHER BEGLEITUNG bevor, und das veranlasste mich zu einem mulmigen Gefühl.
Zuerst genoss ich aber einmal die Fahrt in dem alten Auto quer durch Bukarest.
Wer vom Flughafen zum Bahnhof fährt, kommt durch das sehr hübsch angelegte Botschafts- und Bankenviertel in die Stadt. Breit angelegte Straßen, hohe Alleen und dazwischen immer wieder alte Villen, die sehr schön renoviert sind, prägen hier das Bild dieses Viertels.
Wenig später erhebt sich das \"House of People\" vor dem Betrachter, ein riesenhafter mehrstöckiger - für mich bedrohlich wirkender - Bau, den Ceausescu einst als seinen Stadtpalast bauen ließ, in den er aber nie einziehen konnte, weil ihm die Revolution zuvor kam.
Schließlich am Bahnhof angekommen, bestiegen meine rumänischen Begleiterinnen mit Christos und mir den Wagon, um für uns ein Abteil zu finden, dessen Insassen keine Gefahr für uns darstellten.
Hier werdet Ihr Euch wahrscheinlich fragen, wie ich zu dieser Aussage komme. Ich will es Euch erklären. Rumänien ist und bleibt im Moment noch - auch wenn ich dieses Land sehr gerne mag - relativ unsicher. Selbst wenn man versucht, sich halbwegs einfach zu kleiden, wird man doch sehr schnell als Fremder und damit als jemand, der zumindest mehr Geld als der Einheimische hat, erkannt. Das zieht naturgemäß auch Leute an, die das Wort \"Gastfreundschaft\" missinterpretieren und sich ungefragt an Gästen bereichern - durch Anwendung von Körpergewalt oder von List, beides sehr unangenehm für den Reisenden. Leider findet man solche Leute nicht nur in Form von Zigeunern, sondern auch in Einheimischen, die - sind sie kriminell - meistens zur Mafia gehören. Und die ist bekanntlich immer und überall.
Unsere einheimischen Begleiterinnen kannten natürlich solche unangenehmen Zeitgenossen und waren deshalb in der Lage, für Christos und mich zwei sichere Plätze zu finden.
Schlussendlich landeten wir in einem Abteil, in dem ein sehr altes Ehepaar, ein älterer Herr und drei junge Frauen saßen. Und hier lernten wir gleich eine typische und SEHR SYMPATHISCHE Eigenschaft der Rumänen kennen: ihre Kommunikationsfreudigkeit.
Obwohl sich die Leute untereinander nicht kannten, begannen sie sofort miteinander zu reden und zu diskutieren.
In Österreich würde man sich im Zug lieber drei Stunden lang feindselig mustern und anschweigen, bevor man miteinander ein Wort wechseln würde. Die Rumänen waren da (glücklicherweise) anders. Naturgemäß rückten Christos und ich in den Mittelpunkt des Interesses; kein Wunder, Fremde sind überall interessant. Es dauerte nicht lange, und die sechs Mitreisenden waren sich einige: Christos und ich sind eine Ehepaar! Das verstanden wir sogar, obwohl wir beide nicht rumänisch sprachen, was bei uns natürlich für Erheiterung sorgte.
Aber nun waren viele Fragen für die Mitreisenden offengeblieben: was tun die beiden hier? Woher kommen sie? Wohin wollen sie? Und vor allem: sind sie wirklich VERHEIRATET?
Und daran sieht man das zweite - sehr sympathische - Charakteristikum der Rumänen: ihre Neugier.
Gerne hätte ich mich mit den Leuten um mich herum unterhalten, wenn da nicht die Sprachbarriere gewesen wäre.... Die Leute sprachen weder Englisch, Französisch, Griechisch, Spanisch noch Türkisch, ich hingegen weder Rumänisch noch Russisch. Auf die Idee, sie zu fragen, ob jemand DEUTSCH spricht, kam ich erst gar nicht, weil ich Angst hatte arrogant zu wirken. DAS war ein Fehler.
Die drei Stunden Zugfahrt vergingen für Christos und mich wie im Flug und unter größtem Gelächter, denn wir versuchten uns alle miteinander mit Händen und Füssen zu verständigen. Sogar zu Essen wurde uns angeboten, und so verteilte ich die berühmten österreichischen Mozartkugeln an meine rumänischen Mitreisenden, was helle Freude auslöste.
Die Zeichensprache war zwar unheimlich lustig, aber die Raterei, was gemeint sein könnte, auch ziemlich anstrengend.
Als wir dann - in Sinaia angekommen - die Zug verließen, rief mir auf einmal die alte Frau auf meinen englischen Gruß hin auf Deutsch (!) nach \"Auf Wiedersehen!\" Schlagartig ließ ich meine Koffer - blöderweise auf MEINE FÜSSE :-))) - fallen, damit hatte ich nicht gerechnet. Nein, falsch, ich hatte nicht DARAN GEDACHT, dass viele Rumänen Deutsch sprechen, was noch von den Siebenbürgen in Rumänien kommt. Hätte ich auch nur eine Sekunde nachgedacht, hätten wir uns alle den Palawatsch mit der Verständigung erspart. Als die Mitreisenden erkannten, dass die alte Frau meine Sprache gekonnt hätte und ich zu feig war, danach zu fragen, waren sie alle bitter enttäuscht und um einige Antworten ärmer. Und ich um eine Erfahrung reicher :-).
Dann stiegen wir in dichtem Schneetreiben - denn es war wieder einmal tiefster Winter - aus dem Zug. Und hier erwartete mich die nächste Überraschung, nämlich Sinaia selbst.
Wie eingangs schon erwähnt, ist Sinaia ein alter, mondäner Schiort, der von wohlhabenden Rumänen immer schon gerne besucht wurde. Der Bahnhof aus der Jahrhundertwende ist liebevoll restauriert, erstrahlt in einem freundlichen Gelb, und selbst die alten Holzschnitzereien wurden erneuert.
In einem relativ engen V-Tal drängen sich erneuerte und recht passabel aussehende Hotels und mondäne alte Villen aus der Zeit, da Rumänien noch ein Königreich war, an den Wänden, die irgendwann einmal vom Wald und später von Felsen abgelöst werden.
Wir waren im Hotel Sinaia – ich wage zu behaupten, eines der besten Hotels am Platz – untergebracht, und ich kann es nur empfehlen. Für rumänische Verhältnisse ist es top, für österreichische / deutsche Verhältnisse ganz nett. Eingerichtet ist das Hotel sehr schön und Blau- und Türkistönen, es gibt auch Annehmlichkeiten wie eine eigene Sauna, ein kleines Hallenbad und eine Diskothek.
Zwar gab es auch hier nur sehr unregelmäßig warmes Wasser, aber das ist, wie ich jetzt weiß, scheinbar ein rumänisches Charakteristikum. Aber die Heizung funktionierte gut – für mich nach dem Schreck von 1997 die Hauptsache.
Das Essen war dieses Mal ziemlich gut, und so konnte ich nun endlich die rumänische Küche etwas besser kennenlernen.
Typische Speisen sind in Rumänien alles Gebratene und Frittierte. Verschiedene gebackene Käsearten, darunter auch gebackener Schafskäse, gehören genauso zur rumänischen Küche, wie verschiedene Wurstarten. Gibt es Gemüse, ist dieses meistens eingelegt, so zum Beispiel eingelegte Paprika, Gewürzgurken, etc.
Mit dabei ist in der rumänischen Küche natürlich auch der Fisch, kein Wunder, hat doch Rumänien auch Anteil am Schwarzen Meer.
Was ich allerdings jedes Mal mit Ekel zurückweisen muss, was aber angeblich als Spezialität angesehen wird, ist die berühmt-berüchtigte Kuttelflecksuppe, also Suppe mit Stücken vom Rindermagen. Na, denn Mahlzeit! *brrrrrr*
Gern getrunken wird auch in diesem Land der Kaffee, und wie es in östlichen Ländern üblich ist, handelt es sich um eine stärkere Variante, also ganz mein Geschmack. :-)
Eines der Sehenswürdigkeiten in Sinaia ist das Peles Schloss. Eigentlich handelt es sich hier um drei Schlossanlagen im historistischen Stil des ausgehenden 19.Jahrhunderts. Carol I., der damalige rumänische König, ließ diese drei Schlossanlagen in einem riesigen Wald- und Parkgebiet erbauen, in dem auch eine uralte, recht hübsche Mühle zu finden ist.
Der historistische Stil zeichnet sich dadurch aus, dass man in dieser Zeit die „alten Baustile“ gerne imitiert hat und dabei ins Kitschige übertrieben hat. Das Peles Schloss sieht teilweise aus, wie ein alte Burg mit Fachwerkbauten, wurde aber eben erst 1870 erbaut. Aber in dieser Zeit war eben das „Revival“ alter Stile wieder sehr gefragt.
Es ist ein Genuss – besonders im Sommer bei schönem Wetter – diesen riesigen Park zu durchwandern und sich die drei Schlösser auch von innen anzusehen. Für den kulturinteressierten Reisenden ein Muss!
Nach dem Kongress veranstaltete das rumänische Organisationsteam eine dreitägige Rundreise durch Siebenbürgen, an der ich natürlich teilnahm, um endlich das Land kennenzulernen. Es war WUNDERSCHÖN!
Wenn ich heute an Rumänien denke, dann ständig mit einem Satz auf meinen Lippe: \"DA WILL ICH WIEDER HIN!!!\"
5. Persönliche Eindrücke und Fazit
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Ich bin sicher, dass Vorurteile gegenüber osteuropäischen Ländern keine Seltenheit sind.
Ich für mich persönlich kann nur sagen, dass der Großteil davon absoluter Quatsch ist, WENN man sich den örtlichen Gegebenheiten anpasst.
Die Rumänen zeichnen sich durch ihre Gastfreundschaft besonders aus. Ich hatte das Glück, bei zwei Rumäninnen wohnen zu dürfen und die kümmerten sich ganz lieb um mich.
Die Rumänen sind – ähnlich wie die Bulgaren – unheimlich neugierig und wissbegierig. Das fand ich ziemlich sympathisch.
Natürlich ist nicht zu leugnen, dass der Lebensstandard eines Durchschnittsrumänen bis heute noch katastrophal ist. Eine nicht immer funktionierende Heizung und unregelmäßig warmes Wasser gehören im Winter in Rumänien zum Alltag. Die Leute sind sehr arm, Studenten müssen mit 100,- DM – also 50,- Euro – im Monat auskommen und davon ihre gesamten Lebenshaltungskosten decken. Das ist für einen Österreicher oder Deutschen schockierend.
Eines meiner größten (beruflichen) Ziele ist es, einige Jahre in Rumänien zu arbeiten, dort eine Filiale einer österreichischen oder deutschen Firma aufzubauen, Einheimische einzustellen, ihnen einen guten Job zu geben und sie auszubilden und weiterzuentwickeln.
NUR SO kann meiner Meinung nach Entwicklungshilfe funktionieren. Nur dann, wenn die Rumänen selbst die Chance haben, einen guten Arbeitsplatz mit Entwicklungsmöglichkeiten zu finden, kann gewährleistet sein, dass sie irgendwann doch einmal den Wohlstand erreichen und ihr Land auf ein gutes Niveau bringen können. Doch dazu braucht es viele offene Leute aus Westeuropa, die bereit sind, den Rumänen auf ihrem Weg zu helfen.
Nach zwei Aufenthalten nun endlich ist die Zeit für mich gekommen, um über dieses sehr widersprüchliche Land und seine tausend Facetten zu schreiben und zu erzählen, welche Erfahrungen ich dort gemacht habe.
Zuerst ein kleines Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Rumänien - ein Land stellt sich vor
3. Die erste Reise 1997
4. Die zweite Reise im November 2002
5. Persönliche Eindrücke und Fazit
1. Einleitung
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Gleich vorweg: ich weiß, dass es kaum so viele Vorurteile gibt, wie über Osteuropa, und da besonders über Rumänien und Bulgarien. Ja, ich bekenne mich schuldig, eine Zeit lang habe ich diesen Blödsinn auch wie ein Papagei wiederholt., besonders nach meiner ersten Reise 1997. Wer sich bei mir unbeliebt machen wollte, sprach über Rumänien.
ABER – und das ist meine Kernaussage – es kommt sehr auf die eigene Einstellung an, ob man Rumänien als positiv erlebt oder nicht. Und in diesem Fall lag die Schuld hauptsächlich bei mir: ich hätte wissen müssen, wie arm Rumänien wirklich ist. Ich hätte mich nur darüber informieren müssen – und wie „Ciao“ zeigt, gibt es ja auch viele Möglichkeiten, Informationen zu allen Themen zu bekommen.
Ich hätte auch ein klein wenig flexibler sein, mich einfach einmal auf alles einlassen können, anstatt es mit dem österreichischen Maßstab zu messen, was VOLLKOMMEN VERFEHLT ist!
Ich brauchte vier Jahre und eine zweite Reise in dieses Land, um zu erfahren, dass es NICHTS gibt, mit dem Rumänien vergleichbar wäre. Es ist, lasst es mich so sagen, eine eigene Welt. Und die erlebt man am besten und positivsten, wenn man sich einfach darauf einlässt, gut informiert über das Land und dessen Kultur, um das zu vermeiden, was mich vier Jahre lang völlig sinnlos zu eben denselben Vorurteilen trieb, wie oben angesprochen: einen massiven Kulturschock.
Meine ehrenamtliche Tätigkeit bei AIESEC war wieder einmal der Grund, warum ich zweimal nach Rumänien reiste. Meiner Zeit bei dieser Organisation habe ich es zu verdanken, dass es mich teilweise in die „wildesten“ Länder verschlagen hat, von denen ich heute nur Positives zu berichten weiß. So auch von Rumänien.
Doch bis ich soweit kam, musste ich lernen, meine österreichische Arroganz abzulegen und Dinge so hinzunehmen, wie sie nun einmal sind.
Wie (hart) der Weg für mich war, lest Ihr hier.
2. Rumänien - ein Land stellt sich vor
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Auch wenn die Fakten leicht zu recherchieren sind, geben einige allgemeine Informationen doch einen ersten Eindruck dieses Landes.
Im Südosten Rumäniens schlägt die Gischt des Schwarzen Meeres an schöne Sandstrände, dazwischen öffnet die Donau ihr berühmtes Delta, das international als wichtiges Naturschutzgebiet bekannt ist, und entlässt ihre Fluten in das einzige Binnenmeer Europas.
Im Süden bildet einer der bedeutendesten Ströme Europas - eben die Donau - die Südgrenze zu Bulgarien, während Rumänien im Norden und Osten an die Ukraine und Moldawien und im Westen an Rest-Jugoslawien und Ungarn grenzt.
Auch Berge gibt es in Rumänien zur Genüge. Die Karpaten ziehen sich wie ein großer Wall quer durch das Land und geben diesem Land einen ganz eigenen Charme.
Die Landessprache ist rumänisch, ebenfalls eine romanische Sprache. Hört man genau hin, kann man viele italienische Worte in dieser Sprache finden. Manchmal erinnerte sie mich aber auch teilweise an das Französische.
Keine Frage, dieses Land wurde von den Römern hochgeschätzt - die überall auftauchenden Spuren zeigen dies deutlich.
Die Währung Rumäniens nennt sich Lei und ist immer wieder starken Inflationsbewegungen unterworfen, was der dortigen Wirtschaft zusätzlich arge Probleme bereitet. Leider sind dies aber nicht die einzigen Herausforderungen, mit der die aktuelle Regierung in Form eines Präsidenten und seiner Minister zu kämpfen hat.
Der Fall des Eisernen Vorhangs liegt zwar schon weit zurück - seit 1989 sind 13 Jahre vergangen - aber dennoch nicht weit genug, um nicht immer noch an den für das Land teils dramatischen Auswirkungen zu leiden. Immer noch sind nicht alle Strukturen in Rumänien demokratisch ausgerichtet, was für die jetzige Regierung Aufbauarbeit bedeutet, und das nach 13 Jahren.
Dazu kommt noch eine große Armut in breiten Schichten der Bevölkerung. Zirka 22,4 Millionen Menschen leben in Rumänien, der Großteil davon stark verarmt.
Zusätzlich bereitet der weit ausgedehnte Schwarzmarkt den Ökonomen große Probleme und verhindert, dass es über die rumänische Wirtschaft einheitliche Zahlen gibt.
Heute ist Rumänien eine Demokratie, doch in Erinnerung geblieben ist uns das Land auch heute noch durch Ceausescu’s Diktatur und dessen jähes Ende nach dem Zusammenbruch seines Regimes.
Zu den Einreiseformalitäten ist folgendes zu sagen: während man früher eine offizielle Einladung nach Rumänien brauchte, kann man heute als Bürger der europäischen Union ohne offizielles Schreiben einreisen, wobei man an der Grenze kostenlos ein Visum für eine bestimmte Zeit (die Dauer kenne ich leider nicht - sorry) einreisen kann.
Die Landschaft Rumäniens könnte man – völlig emotionslos – teilweise als „Agrarwüste“ bezeichnen. Heute noch erstrecken sich riesige Felder ehemaliger Kolchosen über das Land, deren Ende man teilweise nur hinter dem Horizont vermuten kann.
Doch auch hohe Berge – wie eingangs schon erwähnt, lebendige Hügellandschaften, dichte und abenteuerliche Wälder bietet dieses Land. Dazwischen liegen kleine, hübsche Dörfer, vor denen große Schafherden weiden, die von einem Schäfer und seinem Hund betreut werden.
Als Autofahrer muss man sich in Geduld üben, denn die Gänsescharen, die oft genug die holprigen, mit Schlaglöchern übersäten Straßen überqueren, haben es nicht eilig. Ganz im Gegenteil. Da wird eifrig geschnattert, stehen geblieben und das Auto gemustert, zu bewegen ist das laute Federvieh nur durch das Betätigen der Hupe :-).
Kilometerweit kann man oft keine Menschenseele sehen, und so hat der Reisende den Eindruck, völlig allein auf dieser Welt zu sein. Aber fernab von allem Lärm und Trubel, ist die zeitweise Stille, die sich eben in genau diesen Landstrichen offenbart, oft wie Balsam auf der großstadt-gequälten Seele des Reisenden.
Wie man daran sehen kann, Rumänien ist in jeder Hinsicht eine Herausforderung. Für mich war es LETZTENDLICH eine positive!
3. Die erste Reise 1997
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\"Eine Katastrophe nimmt ihren Lauf...\"
Schon im zarten, pubertären Alter von 14 Jahren beschloss damals Klein-Andrea, also ICH :-), eines Tages den Osten Europas unsicher zu machen. Ganz klar, Rumänien stand da auch auf dem Programm. 1997, damals war ich 22 Jahre alt, kam ganz überraschend die Chance dazu.
Da in Baile Herculane (zu diesem Ort komme ich noch später) irgendwo im Herzen Rumäniens ein internationaler AIESEC-Kongress stattfand, beschloss ich, mit meinen Kollegen dort hinzufahren.
Da Studenten kaum Geld haben und es uns auch nicht anders ging, fuhren wir von Linz / Österreich 16 Stunden mit dem Zug nach Temesvar (rumän.=Timisoara). Und diese Bahnfahrt war schon das reinste Abenteuer.
An der rumänischen Grenze angekommen, sah ich - damals mit völlig ungeübten, verwöhnten Augen - das absolut Typische für Osteuropa: Bestechung und Korruption.
Da es in den ungarischen Supermärkten eine viel größere Auswahl an Lebensmitteln gibt und diese teilweise auch billiger als in Rumänien sind, fuhren viele Familien aus dem Grenzgebiet zum Masseneinkauf nach Ungarn. Das Ergebnis war meist eine fünfköpfige Familie mit 10 bis 12 riesengroßen, randvollgefüllten Taschen - so viele Lebensmittel auf einen Fleck hatte ich noch nie gesehen. Dann kamen die Zöllner mit ihren Stempelkissen herein und begannen, die Leute zu kontrollieren. Natürlich hätten die Rumänen für diese exzessiven Einkäufe Zoll bezahlen müssen, und das wäre wahrscheinlich ganz schön teuer geworden.
Für dieses Problem hatte man eine \"Lösung\" gefunden. Hinter dem Zollbeamten mit dem Stempelkissen lief ein Zweiter mit einer Plastiktüte, in die die Reisenden kommentarlos Lebensmittel stopften - quasi als Bestechung.
Und dann standen die beiden auch vor uns, fünf Österreichern. Keiner von uns dachte daran, die beiden zu bestehen - wieso auch?! Resultat war ein regelrechtes Kreuzverhör, was wir denn in Rumänien zu suchen hätten, etc. Aber dank der Hilfe eines Kollegen, der als Teil der ungarischen Minderheit in Rumänien geboren worden war und deshalb unter anderem auch fließend rumänisch sprach, zogen die beiden bald wieder ihres Weges - unter Zurücklassung eines interessanten rumänischen Einreisestempels in meinem Pass.
Da der Zug leider nicht direkt nach Temesvar fuhr, mussten wir in Arad aussteigen. Und da bekam ich den ersten Schock meines Lebens. Ganz unbedarft würde ich sagen, handelt es sich bei Arad um eine typische Zigeunerstadt. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich lieber keinen Fuß vor den Bahnhof setzen sollte, wenn ich keine Probleme haben wollte. Aber auch am Bahnhof fühlte ich mich nicht sicher.
Eine rumänische Studentin, die auch ehrenamtlich für AIESEC arbeitete, erwartete uns und lotste uns zu unserem angeblichen Zug nach Temesvar. Kaum waren wir dort eingestiegen und hatten dort unser Gepäck verstaut, gellten ihre Schreie quer durch den Bahnhof: \"raus aus dem Zug! Das ist der Falsche! Raus! Raus!\" Meine Kollegen schafften es noch aus dem Zug zu springen, bevor dieser im Anfahren an Geschwindigkeit gewann. Doch als es an mir war, zu springen, war der Zug schon so schnell, dass ich mich nicht mehr traute. Ich hatte schiere Angst, denn nun war ICH ALLEIN IM FALSCHEN ZUG, als Fremde, die nicht rumänisch sprechen kann. Schließlich packte ich meinen letzten Rest Mut, den ich noch aufbringen konnte und sprang mit einem schrillen Schrei aus dem schon schnell fahrenden Zug - mitten in einen Haufen Schmutz, bei dem auch Kot gewesen sein muss....
DAS waren meine ersten 10 Minuten in Rumänien. Der Rest des Aufenthalts ging dann genauso katastrophal weiter.
Nach 16 Stunden Zugfahrt endlich in Temesvar angekommen, erwartete uns dort ein Empfangskommittee von rumänischen AIESEC-Mitgliedern, die mit uns nach einigen Stunden Wartezeit mit dem nächsten Zug nach Baile Herculane fuhren.
Eine Woche sollten wir hier verbringen, auf einem internationalen Kongress in einem angeblich sehr schönen Hotel. Doch das \"Hotel\" war - wollte man bei der Wahrheit bleiben - als solches nicht zu bezeichnen und hatte wahrscheinlich seine Blütezeit in der Anfangsphase von Ceausescus Diktatur gehabt. Es handelte sich um einen riesengroßen wackeligen Klinkerbau, dem schon überall Steine fehlten, das Innere des Hauses war mit Flecken aller Art auf Boden, Wänden und Decke übersät, es roch überall nach Chemikalien und ich hatte schon bei meiner Ankunft nur noch den einen Wunsch: \"Raus hier!\" Das war offensichtlich nicht nur der falsche Zug, sondern auch das falsche Land! Ich hatte mit allem gerechnet, bloß damit nicht!
Hier sollte ich kurz zu Baile Herculane etwas sagen. Der Name deutet den Ursprung dieses Ortes schon an, und wieder mal waren\'s die Römer. Zu Deutsch \"Herkulesbad\" bietet dieser in Rumänien sehr bekannte Kurort heute noch die von den Römern so gern besuchten natürlichen Thermalquellen.
Baile Herculane liegt am Südzipfel der Karpaten, im hübschen Engtal der Cerna, umschlossen von schroffen, felsigen Massiven und grünen, bewaldeten Bergen.
Heute kann man dort noch die Reste römischer Besiedelung bestaunen, wie vielerorts in Rumänien.
Zusätzlich zeichnet sich Baile Herculane bei einem Bummel durch seine hübschen Barockbauten im Wiener Stil aus, ältere Gebäude gibt es leider kaum, weil der Banat, in dem der Kurort liegt, oft Zankapfel in verschiedenen Kriegen (auch die Türken wüteten hier) war und deshalb von Verwüstungen leider nicht verschont blieb.
Allerdings herrschte zu meinem ersten Besuch im November 1997 tiefster Winter, und das spürte ich leider sehr dramatisch am eigenen Leib.
Um möglichst viel Geld mit uns Fremden zu machen, schaltete die Hotelleitung dreist eine Woche lang die Heizung ab, was zur Folge hatte, dass wir das internationale Seminar in Wintermäntel und Handschuhen erlebten. So schlief ich dann auch jede Nacht, notdürftig umhüllt von zwei sehr dünnen Wolldecken. Es dauerte nicht lange, und ich bellte beim Husten wie ein Hund - ganz klar, ich hatte Lungenentzündung.
Vielleicht versteht der Leser nun den manchmal aufkeimenden leichten Anflug von Zynismus. Ich denke, meine Erfahrungen waren für jemanden, der zum ersten Mal in seinem Leben solche Zustände erlebt und zum ersten Mal im Leben mit einer derartigen Armut konfrontiert ist, etwas zu heftig.
Das Essen, Charakteristikum eines jeden Landes, verweigerte ich nach zwei Tagen in diesem Hotel. Schon zum Frühstück wurden ausnahmslose relativ fette Würste serviert - inzwischen weiß ich, dass es in osteuropäischen Ländern relativ normal ist, Fleischwaren auch schon in der Früh zu verzehren. Mittags wurde uns meistens etwas Frittiertes oder Gebratenes geboten, das aber derart fett war, dass ich mich die nächsten fünf Tage ausnahmslos von Weißbrot und rumänischer Schokolade ernährte.
Und dann kam der große Tag, an dem wir alle auch etwas mehr von dem Land zu sehen bekamen: wir fuhren für einen Tag nach Temesvar. Und das war für mich eines der wenigen Highlights dieser Reise.
Temesvar liegt in Westrumänien und ist seit jeher ein wichtiges Handelszentrum, um das im Laufe der Jahrhunderte auch oft gestritten wurde. Als Österreicherin :-) muss ich es hier anmerken: 1716 wurde Temesvar durch Prinz Eugen von Savoyen, dem Oberbefehlshaber des österreichischen Heeres, von den Türken befreit. Er gilt in Österreich als der große Türkenbefreier, wo er 1683 die türkischen Heere für immer in die Flucht schlug. Seine Kriegszüge gegen die Osmanen führten ihn sogar bis tief in den Osten Europas, wie ein Teil der rumänischen Geschichte zeigt.
Heute noch ist Temesvar eine sehr schöne Stadt, die in ihrem Baustil eine interessante Mischung aus Wiener Architektur (die österreichisch-ungarische Monarchie lässt grüßen), leicht orientalischem Stil (das Theater/Opernhaus zeigt es am besten) und das, was man wohl als den rumänischen Stil bezeichnet, zeigt. So reich wie die Einflüsse des Baustils sind auch die Facetten, die Temesvar zu bieten hat.
Eine der traurigen Seiten seiner Geschichte bietet die jüngste Vergangenheit. Temesvar war eines der Zentren, in denen der Volksaufstand gegen Ceausescu seinen Anfang nahm.
Steht man heute auf dem Platz der Revolution im Herzen der Stadt, sieht man überall Kreuze, Grabsteine und kleine Denkmäler, die an jene Rumänen erinnern, die damals für ihre Freiheit starben.
Hebt der aufmerksame Reisende seinen Blick zu den Dachgiebeln der Häuser, die den Platz der Revolution umgeben, entdeckt man heute noch die von Einschusslöchern durchsiebten Hausfronten. Es ist bekannt, dass die Securitate (der ehemalige rumänische Geheimdienst) völlig unzimperlich auf die eigenen Landsleute schoss. Und diese Spuren haben sich heute noch in den Häusern der Innenstadt rund um diesen Platz erhalten. Niemand weiß zu sagen, ob absichtlich als Mahnmal oder weil man noch kein Geld aufbringen konnte, um die Häuser zu restaurieren.
Am Ende des Platzes steht eine wunderschöne russisch-orthodoxe Kirche, die gegen 1890 erbaut wurde, mit bunt gestreiften Zwiebeldächern, die in ihrem Inneren schöne Fresken bietet. Leider waren diese damals aufgrund des Geldmangels noch in einem sehr schlechten Zustand. Vielleicht wurden sie inzwischen schon renoviert. Zu hoffen wäre es.
Temesvar hat einen ganz eigenartigen Charme. Auf der einen Seite ist die Stadt immer noch sehr urtümlich rumänisch, auf der anderen Seite schon sehr westlich.
Ein McDonalds direkt am Platz der Revolution zeigt, dass die Globalisierung - mag sie gut oder schlecht sein - auch vor Rumänien nicht halt gemacht hat.
Temesvar gewinnt zunehmend Bedeutung als Wirtschaftsstandort, auch für internationale Unternehmen. Deshalb wird dort auch sehr viel gebaut und verbessert - eine Entwicklung, die für Rumänien sicher von Vorteil ist.
Kritische Anmerkung: allerdings nur solange, wie auch das Kapital in rumänischen Händen bleibt und nicht die Spielregeln von ausländischen Multis gemacht werden.
Als hätte ich nicht schon genug Abenteuer hinter mich gebracht, machte ich hier auch noch ungewollt Bekanntschaft mit Straßenkindern. Fünf völlig zerlumpte Wesen flehten mich mit stetem, mir unverständlichem Gemurmel um etwas Geld an. Da ich wusste, dass sie dies abliefern mussten und trotzdem noch hungern müssen, teilte ich die österreichische Schokolade, die eigentlich als Geschenk für meine rumänischen Kollegen gedacht war und von der ich noch fünf Tafeln hatte, unter den Kindern auf. DAS war ein Fehler. Im Nu standen plötzlich 50 Kinder um mich herum, bedrängten mich von allen Seiten und waren sprichwörtlich dabei, mich auszuräumen. Rumänische Passanten, die mich als unwissende Fremde am liebsten dafür geschlagen hätten, retteten mir dann mein Hab und Gut, indem sie eine Hand voll Münzen weit weg in eine andere Richtung schleuderten. Blitzartigen liefen die Straßenkinder dem Geld nach, ich konnte meine Sachen packen und mich schnellstens aus dem Staub machen. Heute weiß ich, dass ich, werde ich in Rumänien angebettelt, nur dann etwas hergebe, wenn es die Rumänen selbst auch tun.
Nach einem ausgiebigen Stadtbummel aßen wir im Hotel Intercontinental, wo ich nach fast einer Woche zum ersten Mal wieder \"richtiges Essen\", d.h. eine HEISSE Suppe, Wienerschnitzel und Salat bekam.
Spätestens hier wurde mir bewusst, wie verwöhnt - um nicht zu sagen verzogen - ich als Österreicherin war. Der Moment war gekommen, um meine Arroganz vollends zu verlieren.
Rückblickend muss ich sagen, dass mir Temesvar unheimlich gut gefallen hat. Diese Stadt hinterließ sehr positive Eindrücke bei mir. Leider bekam ich auf dieser Reise sonst nichts zu sehen, außer unser - schon oben beschriebenes - weniger geniales Hotel ;-) in Baile Herculane.
Was mir schon damals auffiel, ist die Tatsache, dass Rumänien an und für sich ein sehr FRUCHTBARES Land ist. Ca. 45% der gesamten Landesfläche, also fast die Hälfte Rumäniens, wird landwirtschaftlich genützt. Riesige Felder breiten sich über weite Ebenen auf, scheinen nicht mehr aufzuhören. Und selbst der Blick zum Horizont gibt das Ende des Feldes nicht frei, lässt es in dieser tristen Flachheit unendlich erscheinen.
Und die Tristesse setzt sich in den Gesichtern der Menschen fort, die ich auf meiner Reise traf. Sie alle führen ein sehr hartes Leben in Armut und haben oft nicht einmal das Allernotwendigste. Ein Lächeln sieht man kaum, und es liegt nicht daran, dass Rumänen etwa humorlos wären. Nein, das ist nicht der Fall! Aber es gibt eben nicht viel im Leben eines typischen Rumänen, das zum Lachen wäre. Und unter dieser Prämisse konnte ich die Niedergeschlagenheit der Leute gut verstehen.
Mit einer heftigen Lungenentzündung und einem noch massiveren Kulturschock trat ich nach einer Woche den Nachhauseweg an - auf meinen Lippen ständig zwei Worte: \"NIE WIEDER!!!\"
Doch es sollte anders kommen, als geplant. Und das genau vier Jahre später.
So lange hatte es nämlich gebraucht, bis ich den Kulturschock und meine Sturheit, es bei bösen Bemerkungen über Rumänien zu belassen, überwunden hatte.
4. Die zweite Reise im November 2001
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\"Ist der Schüler bereit, findet sich auch ein Lehrer.\"
Was ich damit sagen will ist, dass es einzig und allein an meiner Einstellung lag, warum mein zweiter Besuch aus mir einen Rumänien-FAN (ja, ich wurde bekehrt! :-)) machte.
Genau vier Jahre später, auch im November, diesmal im Jahr 2001, fand wieder ein internationaler AIESEC-Kongress in Rumänien statt, zu dem ich als Trainerin eingeladen worden war. Diesmal sollte ich nach Sinaia kommen, einem sehr bekannten, mondänen Schiort im Herz der Karpaten.
Weil ich von meiner eigenen kulturellen Engstirnigkeit die Nase voll hatte und außerdem sehr neugierig bin, beschloss ich, mich ein zweites Mal nach Rumänien zu \"wagen\". Diese Entscheidung bereute ich nicht, wie sich herausstellte.
Dazu kam noch der Tod meines Vaters, der am 17.November 2001 von uns ging. Weil ich monatelang schon sein Sterben miterlebt hatte und jetzt dringend einen Tapetenwechsel brauchte, nahm ich die Gelegenheit wahr, mich mit einer sicher abenteuerlichen Reise abzulenken. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war das die einzig richtige Entscheidung.
Diesmal flog ich von München weg nach Bukarest/Otopeni, wo mich zwei Rumäninnen abholten.
Ganz erstaunt war ich schon, als ich den sehr modernen und sauberen Flughafen in Bukarest sah. Eine Stahl-Glaskonstruktion in rumänischem Stil erhob sich, zur Rollfeldseite hin mit einer offenen Glasfront. Ein angenehmer Anblick für jemanden, der mit Rumänien bislang nicht so Positives verband.
Aber spätestens am Zoll traf ich wieder meine \"liebe alte Bekannte\", die Korruption. Zugegeben, ein fremder, europäischer Pass, vorgezeigt von einer alleinreisenden jungen Frau lädt immer wieder zum Abzocken ein. Ja, aber nicht mit mir!!!
Der junge Zöllner braucht geschlagene 20 Minuten, bis er sich dazu herabließ, mir das Visum in den Pass zu stempeln. Doch bis es soweit kam, stand ich - mit den Fingern klopfend - vor dem Schalter, während der Beamte 10 Minuten lang mein Passbild kontrollierte, mir dumme Fragen stellte, die ich ebenso dumm beantwortet :-). Es lag klar auf der Hand, dass er mich mit seinem Verhalten in Panik versetzen wollte, sodass ich von allein auf die Idee kam, ihm einen Geldschein zukommen zu lassen. Das tat ich jedoch nicht, weshalb der Zöllner nach 20 Minuten mit gereiztem Augeverdrehen aufgab und mir das Visum ausstellte.
Am Ausgang warteten zwei meiner rumänischen Kolleginnen auf mich, die mich - gemeinsam mit einem griechischen Kollegen, der etwas später ankam - in einem uralten rumänischen Dacia durch Bukarest zum Bahnhof brachten. Uns - Christos, dem Griechen und mir - standen drei Stunden Zugfahrt OHNE RUMÄNISCHER BEGLEITUNG bevor, und das veranlasste mich zu einem mulmigen Gefühl.
Zuerst genoss ich aber einmal die Fahrt in dem alten Auto quer durch Bukarest.
Wer vom Flughafen zum Bahnhof fährt, kommt durch das sehr hübsch angelegte Botschafts- und Bankenviertel in die Stadt. Breit angelegte Straßen, hohe Alleen und dazwischen immer wieder alte Villen, die sehr schön renoviert sind, prägen hier das Bild dieses Viertels.
Wenig später erhebt sich das \"House of People\" vor dem Betrachter, ein riesenhafter mehrstöckiger - für mich bedrohlich wirkender - Bau, den Ceausescu einst als seinen Stadtpalast bauen ließ, in den er aber nie einziehen konnte, weil ihm die Revolution zuvor kam.
Schließlich am Bahnhof angekommen, bestiegen meine rumänischen Begleiterinnen mit Christos und mir den Wagon, um für uns ein Abteil zu finden, dessen Insassen keine Gefahr für uns darstellten.
Hier werdet Ihr Euch wahrscheinlich fragen, wie ich zu dieser Aussage komme. Ich will es Euch erklären. Rumänien ist und bleibt im Moment noch - auch wenn ich dieses Land sehr gerne mag - relativ unsicher. Selbst wenn man versucht, sich halbwegs einfach zu kleiden, wird man doch sehr schnell als Fremder und damit als jemand, der zumindest mehr Geld als der Einheimische hat, erkannt. Das zieht naturgemäß auch Leute an, die das Wort \"Gastfreundschaft\" missinterpretieren und sich ungefragt an Gästen bereichern - durch Anwendung von Körpergewalt oder von List, beides sehr unangenehm für den Reisenden. Leider findet man solche Leute nicht nur in Form von Zigeunern, sondern auch in Einheimischen, die - sind sie kriminell - meistens zur Mafia gehören. Und die ist bekanntlich immer und überall.
Unsere einheimischen Begleiterinnen kannten natürlich solche unangenehmen Zeitgenossen und waren deshalb in der Lage, für Christos und mich zwei sichere Plätze zu finden.
Schlussendlich landeten wir in einem Abteil, in dem ein sehr altes Ehepaar, ein älterer Herr und drei junge Frauen saßen. Und hier lernten wir gleich eine typische und SEHR SYMPATHISCHE Eigenschaft der Rumänen kennen: ihre Kommunikationsfreudigkeit.
Obwohl sich die Leute untereinander nicht kannten, begannen sie sofort miteinander zu reden und zu diskutieren.
In Österreich würde man sich im Zug lieber drei Stunden lang feindselig mustern und anschweigen, bevor man miteinander ein Wort wechseln würde. Die Rumänen waren da (glücklicherweise) anders. Naturgemäß rückten Christos und ich in den Mittelpunkt des Interesses; kein Wunder, Fremde sind überall interessant. Es dauerte nicht lange, und die sechs Mitreisenden waren sich einige: Christos und ich sind eine Ehepaar! Das verstanden wir sogar, obwohl wir beide nicht rumänisch sprachen, was bei uns natürlich für Erheiterung sorgte.
Aber nun waren viele Fragen für die Mitreisenden offengeblieben: was tun die beiden hier? Woher kommen sie? Wohin wollen sie? Und vor allem: sind sie wirklich VERHEIRATET?
Und daran sieht man das zweite - sehr sympathische - Charakteristikum der Rumänen: ihre Neugier.
Gerne hätte ich mich mit den Leuten um mich herum unterhalten, wenn da nicht die Sprachbarriere gewesen wäre.... Die Leute sprachen weder Englisch, Französisch, Griechisch, Spanisch noch Türkisch, ich hingegen weder Rumänisch noch Russisch. Auf die Idee, sie zu fragen, ob jemand DEUTSCH spricht, kam ich erst gar nicht, weil ich Angst hatte arrogant zu wirken. DAS war ein Fehler.
Die drei Stunden Zugfahrt vergingen für Christos und mich wie im Flug und unter größtem Gelächter, denn wir versuchten uns alle miteinander mit Händen und Füssen zu verständigen. Sogar zu Essen wurde uns angeboten, und so verteilte ich die berühmten österreichischen Mozartkugeln an meine rumänischen Mitreisenden, was helle Freude auslöste.
Die Zeichensprache war zwar unheimlich lustig, aber die Raterei, was gemeint sein könnte, auch ziemlich anstrengend.
Als wir dann - in Sinaia angekommen - die Zug verließen, rief mir auf einmal die alte Frau auf meinen englischen Gruß hin auf Deutsch (!) nach \"Auf Wiedersehen!\" Schlagartig ließ ich meine Koffer - blöderweise auf MEINE FÜSSE :-))) - fallen, damit hatte ich nicht gerechnet. Nein, falsch, ich hatte nicht DARAN GEDACHT, dass viele Rumänen Deutsch sprechen, was noch von den Siebenbürgen in Rumänien kommt. Hätte ich auch nur eine Sekunde nachgedacht, hätten wir uns alle den Palawatsch mit der Verständigung erspart. Als die Mitreisenden erkannten, dass die alte Frau meine Sprache gekonnt hätte und ich zu feig war, danach zu fragen, waren sie alle bitter enttäuscht und um einige Antworten ärmer. Und ich um eine Erfahrung reicher :-).
Dann stiegen wir in dichtem Schneetreiben - denn es war wieder einmal tiefster Winter - aus dem Zug. Und hier erwartete mich die nächste Überraschung, nämlich Sinaia selbst.
Wie eingangs schon erwähnt, ist Sinaia ein alter, mondäner Schiort, der von wohlhabenden Rumänen immer schon gerne besucht wurde. Der Bahnhof aus der Jahrhundertwende ist liebevoll restauriert, erstrahlt in einem freundlichen Gelb, und selbst die alten Holzschnitzereien wurden erneuert.
In einem relativ engen V-Tal drängen sich erneuerte und recht passabel aussehende Hotels und mondäne alte Villen aus der Zeit, da Rumänien noch ein Königreich war, an den Wänden, die irgendwann einmal vom Wald und später von Felsen abgelöst werden.
Wir waren im Hotel Sinaia – ich wage zu behaupten, eines der besten Hotels am Platz – untergebracht, und ich kann es nur empfehlen. Für rumänische Verhältnisse ist es top, für österreichische / deutsche Verhältnisse ganz nett. Eingerichtet ist das Hotel sehr schön und Blau- und Türkistönen, es gibt auch Annehmlichkeiten wie eine eigene Sauna, ein kleines Hallenbad und eine Diskothek.
Zwar gab es auch hier nur sehr unregelmäßig warmes Wasser, aber das ist, wie ich jetzt weiß, scheinbar ein rumänisches Charakteristikum. Aber die Heizung funktionierte gut – für mich nach dem Schreck von 1997 die Hauptsache.
Das Essen war dieses Mal ziemlich gut, und so konnte ich nun endlich die rumänische Küche etwas besser kennenlernen.
Typische Speisen sind in Rumänien alles Gebratene und Frittierte. Verschiedene gebackene Käsearten, darunter auch gebackener Schafskäse, gehören genauso zur rumänischen Küche, wie verschiedene Wurstarten. Gibt es Gemüse, ist dieses meistens eingelegt, so zum Beispiel eingelegte Paprika, Gewürzgurken, etc.
Mit dabei ist in der rumänischen Küche natürlich auch der Fisch, kein Wunder, hat doch Rumänien auch Anteil am Schwarzen Meer.
Was ich allerdings jedes Mal mit Ekel zurückweisen muss, was aber angeblich als Spezialität angesehen wird, ist die berühmt-berüchtigte Kuttelflecksuppe, also Suppe mit Stücken vom Rindermagen. Na, denn Mahlzeit! *brrrrrr*
Gern getrunken wird auch in diesem Land der Kaffee, und wie es in östlichen Ländern üblich ist, handelt es sich um eine stärkere Variante, also ganz mein Geschmack. :-)
Eines der Sehenswürdigkeiten in Sinaia ist das Peles Schloss. Eigentlich handelt es sich hier um drei Schlossanlagen im historistischen Stil des ausgehenden 19.Jahrhunderts. Carol I., der damalige rumänische König, ließ diese drei Schlossanlagen in einem riesigen Wald- und Parkgebiet erbauen, in dem auch eine uralte, recht hübsche Mühle zu finden ist.
Der historistische Stil zeichnet sich dadurch aus, dass man in dieser Zeit die „alten Baustile“ gerne imitiert hat und dabei ins Kitschige übertrieben hat. Das Peles Schloss sieht teilweise aus, wie ein alte Burg mit Fachwerkbauten, wurde aber eben erst 1870 erbaut. Aber in dieser Zeit war eben das „Revival“ alter Stile wieder sehr gefragt.
Es ist ein Genuss – besonders im Sommer bei schönem Wetter – diesen riesigen Park zu durchwandern und sich die drei Schlösser auch von innen anzusehen. Für den kulturinteressierten Reisenden ein Muss!
Nach dem Kongress veranstaltete das rumänische Organisationsteam eine dreitägige Rundreise durch Siebenbürgen, an der ich natürlich teilnahm, um endlich das Land kennenzulernen. Es war WUNDERSCHÖN!
Wenn ich heute an Rumänien denke, dann ständig mit einem Satz auf meinen Lippe: \"DA WILL ICH WIEDER HIN!!!\"
5. Persönliche Eindrücke und Fazit
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Ich bin sicher, dass Vorurteile gegenüber osteuropäischen Ländern keine Seltenheit sind.
Ich für mich persönlich kann nur sagen, dass der Großteil davon absoluter Quatsch ist, WENN man sich den örtlichen Gegebenheiten anpasst.
Die Rumänen zeichnen sich durch ihre Gastfreundschaft besonders aus. Ich hatte das Glück, bei zwei Rumäninnen wohnen zu dürfen und die kümmerten sich ganz lieb um mich.
Die Rumänen sind – ähnlich wie die Bulgaren – unheimlich neugierig und wissbegierig. Das fand ich ziemlich sympathisch.
Natürlich ist nicht zu leugnen, dass der Lebensstandard eines Durchschnittsrumänen bis heute noch katastrophal ist. Eine nicht immer funktionierende Heizung und unregelmäßig warmes Wasser gehören im Winter in Rumänien zum Alltag. Die Leute sind sehr arm, Studenten müssen mit 100,- DM – also 50,- Euro – im Monat auskommen und davon ihre gesamten Lebenshaltungskosten decken. Das ist für einen Österreicher oder Deutschen schockierend.
Eines meiner größten (beruflichen) Ziele ist es, einige Jahre in Rumänien zu arbeiten, dort eine Filiale einer österreichischen oder deutschen Firma aufzubauen, Einheimische einzustellen, ihnen einen guten Job zu geben und sie auszubilden und weiterzuentwickeln.
NUR SO kann meiner Meinung nach Entwicklungshilfe funktionieren. Nur dann, wenn die Rumänen selbst die Chance haben, einen guten Arbeitsplatz mit Entwicklungsmöglichkeiten zu finden, kann gewährleistet sein, dass sie irgendwann doch einmal den Wohlstand erreichen und ihr Land auf ein gutes Niveau bringen können. Doch dazu braucht es viele offene Leute aus Westeuropa, die bereit sind, den Rumänen auf ihrem Weg zu helfen.
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27.05.2008, 11:47 Uhr von Qualle
Bewertung: besonders wertvollinteressant geschrieben.
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