Russland: Sankt Petersburg Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von LoMei
Seefahrt 24: Im Seemanns-Club von Leningrad
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Kurz vor Besuch der Schiffsingenieurschule fuhr ich ei halbes Jahr auf der MS Botilla Russ. Das Schiff war relativ klein. Es hatte eine Ladefähigkeit von 1545 dtw bei 962 BRT, war für den Dienst in Nord- und Ostsee gebaut und besaß die höchste finnische Eisklasse. Ein Achtzylinder MAK-Dieselmotor sorgte für eine normale Geschwindigkeit von etwa 12 Knoten.
Dienstag (4.9.56) waren wir auf meiner ersten Reise gegen 17:30 Uhr in Helsinki an der Pier fest. Hier blieb uns nicht viel Zeit. Am Nachmittag des 6.9. ging die Reise weiter in Richtung Russland.
Damals herrschte noch kalter Krieg zwischen Ost und West und Leningrad hieß noch nicht wieder St. Petersburg.
INHALT
1. Kurzbesuch in Leningrad
2. Seekrankheit
3. Fazit
1. KURZBESUCH IN LENINGRAD
Am Freitag (7.9.1956) morgens um 08:00 Uhr lagen wir in Leningrad an der Pier. Die erwartete Durchsuchung des Schiffes blieb aus. Zwei Mann vom Zoll waren beim Alten. Wir durften alles behalten. Außer einem Gewehr mit Munition kam nichts unter Zollverschluss. Man kann sogar mit einem Fotoapparat beliebig an Land umhermarschieren und Aufnahmen machen.
Am Nachmittag kam eine Dame vom Interclub (International Club for Seamen) und lud uns dorthin ein. Abends kurz nach 20:00 Uhr holte uns ein Extrabus ab. Das Gebäude machte von außen keinen besonderen Eindruck. Kommt man aber hinein, gehen einem die Augen über. Es hat vor der Oktoberrevolution sicher einmal einem Fürsten gehört. Treppen und Treppengeländer sind aus weißem Marmor. Die Decken sind mit Barockverzierungen aus Gips und Stuck geschmückt und bunt bemalt. Die vielen Räume kommen Sälen gleich. Viele der dort anwesenden Russen sprechen englisch und fast alle deutsch. Wir sahen einen Film (in Farbe) nach einem Shakespearestück: „Die zwölfte Nacht“. Neben uns saßen jeweils eine junge Dame oder ein junger Herr und übersetzten die wichtigsten Passagen. Nach dem schauspielerisch sehr guten Film konnte man sich entweder mit jemandem unterhalten oder tanzen. Außerdem war die Möglichkeit gegeben, Tischtennis, Billard oder anderes zu spielen. Ich unterhielt mich mit einem jungen Russen über Deutschland, über evangelisch und katholisch und anderes. Ich fragte ihn aus nach Leningrad und wir machten aus, dass er mich am nächsten Tage abholen würde, um mir die Eremitage zu zeigen. Um 23:30 Uhr setzte uns der Bus wieder vor dem Schiff ab.
Der vor der Gangway stehende Posten kontrollierte gewissenhaft unsere russischen Spezialausweise und ließ und dann passieren.
Der Besuch der Eremitage musste leider ausfallen, denn am Nachmittag des 8.9. wurde das Schiff voll. Unsere Ladung bestand aus Baumwolle und war für Antwerpen bestimmt. Mein Museumsführer erschien, wie verabredet und war enttäuscht, dass ich nicht mitkommen konnte. Aber der Landgang war gestrichen. Es sollte sichergestellt werden, dass wir sofort auslaufen konnten, ohne dass jemand fehlt.
2. SEEKRANKHEIT
Die Ostsee war ruhig. Am 16. 9. fuhren wir durch den Nord-Ostseekanal.
Auf der Nordsee stand eine kräftige Dünung. Da „Botilla Russ“ nicht sehr lang war und fast als Kümo (Küstenmotorschiff) bezeichnet werden konnte, hüpfte sie entsprechend rauf und runter und hin und her. Ein großer Teil der Besatzung war seekrank. Ich gehörte auch dazu.
Mit der Seekrankheit ist das so eine Sache. Manche Leute werden nie seekrank, andere nur einmal und dann nie mehr, und einige erwischt es immer wieder. Ich gehörte zu letzten Kategorie. Unterkünfte und Maschine befanden sich im Achterschiff. In den kurzen Seen wurde es meist sehr unregelmäßig hochgehoben, sackte dann unter dem Einfluss eine seitlich einwirkenden Welle mit einer schlingernden Drehbewegung in ein Wellenloch und hob sich zitternd nach oben um erneut in ein Wellenloch zu fallen. Das machte mein Magen nicht mit. Auf meiner wache trug ich immer einen Zinkeiner mit mir herum. Da spuckte ich mein Essen hinein. Solange der Magen noch etwas abgeben konnte, war es halb so schlimm. War er leer, begann ein krampfartiges Würgen. Dann kam Gallenflüssigkeit und dann nichts mehr, aber das Würgen blieb. Ich begriff damals was es heißt, wenn jemand sagte: „Der hat Rotz und Galle gespuckt“.
3. FAZIT
In Antwerpen wurde unsere Ladung gelöscht, und wir nahmen Kurs auf Deutschland.
Leningrad heißt heute wieder St. Petersburg und der kalte Krieg ist Vergangenheit. Ich möchte wirklich noch einmal diese schöne Stadt an der Newa besuchen und die damals geplante Führung nachholen.
Dienstag (4.9.56) waren wir auf meiner ersten Reise gegen 17:30 Uhr in Helsinki an der Pier fest. Hier blieb uns nicht viel Zeit. Am Nachmittag des 6.9. ging die Reise weiter in Richtung Russland.
Damals herrschte noch kalter Krieg zwischen Ost und West und Leningrad hieß noch nicht wieder St. Petersburg.
INHALT
1. Kurzbesuch in Leningrad
2. Seekrankheit
3. Fazit
1. KURZBESUCH IN LENINGRAD
Am Freitag (7.9.1956) morgens um 08:00 Uhr lagen wir in Leningrad an der Pier. Die erwartete Durchsuchung des Schiffes blieb aus. Zwei Mann vom Zoll waren beim Alten. Wir durften alles behalten. Außer einem Gewehr mit Munition kam nichts unter Zollverschluss. Man kann sogar mit einem Fotoapparat beliebig an Land umhermarschieren und Aufnahmen machen.
Am Nachmittag kam eine Dame vom Interclub (International Club for Seamen) und lud uns dorthin ein. Abends kurz nach 20:00 Uhr holte uns ein Extrabus ab. Das Gebäude machte von außen keinen besonderen Eindruck. Kommt man aber hinein, gehen einem die Augen über. Es hat vor der Oktoberrevolution sicher einmal einem Fürsten gehört. Treppen und Treppengeländer sind aus weißem Marmor. Die Decken sind mit Barockverzierungen aus Gips und Stuck geschmückt und bunt bemalt. Die vielen Räume kommen Sälen gleich. Viele der dort anwesenden Russen sprechen englisch und fast alle deutsch. Wir sahen einen Film (in Farbe) nach einem Shakespearestück: „Die zwölfte Nacht“. Neben uns saßen jeweils eine junge Dame oder ein junger Herr und übersetzten die wichtigsten Passagen. Nach dem schauspielerisch sehr guten Film konnte man sich entweder mit jemandem unterhalten oder tanzen. Außerdem war die Möglichkeit gegeben, Tischtennis, Billard oder anderes zu spielen. Ich unterhielt mich mit einem jungen Russen über Deutschland, über evangelisch und katholisch und anderes. Ich fragte ihn aus nach Leningrad und wir machten aus, dass er mich am nächsten Tage abholen würde, um mir die Eremitage zu zeigen. Um 23:30 Uhr setzte uns der Bus wieder vor dem Schiff ab.
Der vor der Gangway stehende Posten kontrollierte gewissenhaft unsere russischen Spezialausweise und ließ und dann passieren.
Der Besuch der Eremitage musste leider ausfallen, denn am Nachmittag des 8.9. wurde das Schiff voll. Unsere Ladung bestand aus Baumwolle und war für Antwerpen bestimmt. Mein Museumsführer erschien, wie verabredet und war enttäuscht, dass ich nicht mitkommen konnte. Aber der Landgang war gestrichen. Es sollte sichergestellt werden, dass wir sofort auslaufen konnten, ohne dass jemand fehlt.
2. SEEKRANKHEIT
Die Ostsee war ruhig. Am 16. 9. fuhren wir durch den Nord-Ostseekanal.
Auf der Nordsee stand eine kräftige Dünung. Da „Botilla Russ“ nicht sehr lang war und fast als Kümo (Küstenmotorschiff) bezeichnet werden konnte, hüpfte sie entsprechend rauf und runter und hin und her. Ein großer Teil der Besatzung war seekrank. Ich gehörte auch dazu.
Mit der Seekrankheit ist das so eine Sache. Manche Leute werden nie seekrank, andere nur einmal und dann nie mehr, und einige erwischt es immer wieder. Ich gehörte zu letzten Kategorie. Unterkünfte und Maschine befanden sich im Achterschiff. In den kurzen Seen wurde es meist sehr unregelmäßig hochgehoben, sackte dann unter dem Einfluss eine seitlich einwirkenden Welle mit einer schlingernden Drehbewegung in ein Wellenloch und hob sich zitternd nach oben um erneut in ein Wellenloch zu fallen. Das machte mein Magen nicht mit. Auf meiner wache trug ich immer einen Zinkeiner mit mir herum. Da spuckte ich mein Essen hinein. Solange der Magen noch etwas abgeben konnte, war es halb so schlimm. War er leer, begann ein krampfartiges Würgen. Dann kam Gallenflüssigkeit und dann nichts mehr, aber das Würgen blieb. Ich begriff damals was es heißt, wenn jemand sagte: „Der hat Rotz und Galle gespuckt“.
3. FAZIT
In Antwerpen wurde unsere Ladung gelöscht, und wir nahmen Kurs auf Deutschland.
Leningrad heißt heute wieder St. Petersburg und der kalte Krieg ist Vergangenheit. Ich möchte wirklich noch einmal diese schöne Stadt an der Newa besuchen und die damals geplante Führung nachholen.
43 Bewertungen, 2 Kommentare
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10.06.2002, 22:36 Uhr von Swinja
Bewertung: sehr hilfreichMensch, den alten Vollmatrosen findet man doch echt überall *ggg*
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01.05.2002, 19:59 Uhr von Urquhart
Bewertung: sehr hilfreichDa möchte ich schon lange mal hin, bin aber bisher noch nicht dazu gekommen. Als nächstes will ich erstmal für Island sparen....
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