Toronto Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Letizia21
Tarantua-Treffpunkt
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ein Streifzug durch die kanadische
Multi-Kulti-Metropole Toronto
„Tarantua - Treffpunkt“ nannten vor Hunderten von Jahren die Huron-Indianer ihre Siedlung am Ontario-See, und die Bezeichnung stimmt bis heute: Toronto ist eine multikulturelle Metropole, deren Stadtviertel die Herkunft oder den Lebensstil ihrer Bewohner spiegeln - von ethnisch bis edel.
Im roten Mantel wartet sie Ecke Spadina Avenue und leckt an einem „Lucky Candy“, einem Erdbeer-Lolli in roter Folie: Shirley Lum, ein Energiebündel aus Kanada mit chinesischen Wurzeln. 1993 gründete sie „A Taste of the World Neighbourhood Bicycle Tours and Walks“. Das ganze Jahr hindurch bietet sie Stadtspaziergänge und Fahrradtouren an, die die Metropole aus neuen Blickwinkeln zeigen. Zu Halloween begibt sie sich mit ihren Gästen auf Geistersuche, im Winter folgt sie den Spuren von Charles Dickens oder zeigt, wie sich die Waterfront von Toronto vom Industriegebiet zum „Urban National Park“ gewandelt hat: Wo einst Fabrikschlote die Luft verpesteten, säumen heute Restaurants, Hafenbecken für Ausflugsboote und kleine Jachthäfen das Seeufer.
Eine kulinarische Weltreise
An heutigem Tag jedoch steht eine kulinarische Weltreise durch Chinatown und Kensington Market auf dem Programm. Unsere Gruppe ist klein, drei Einheimische, zwei Gäste aus Europa, die Neugier groß. Beim Frühstück mit Rugelach, Schoko-Zimt-Hörnchen, und Boreka, Teigtaschen mit Spinat und Feta, lässt Lum die Geschichte des Viertels Revue passieren - mit Anekdoten und Ansichten von einst.
Das Gebiet um die Kensington Markets spiegelt die Einwanderungswellen der Stadt wider. Besonders Juden aus Osteuropa, dem Nahen Osten und den Mittelmeerländern siedelten hier - deshalb hießen die Kensington Markets um 1920 auch noch Jewish Market. Später fanden hier Boat People aus Vietnam ein neues Zuhause - sozusagen in nächster Nähe zu China.
Das multikulturelle Ambiente hat schon früh die Szene angelockt. In der Kensington Street hausen Hippies in Häusern, die schon bessere Zeiten gesehen haben, züchten Cannabis in Blumentöpfen und verkaufen grellbunte T-Shirts mit Flower-Power-Motiven. Eigenwillig sind auch die Kreationen von Pius Gomes im „Chocolate Addict“-Shop. Geräucherte Bitterschokolade ruht neben dunkler Schokolade mit Wasabi, Chili- oder Lavendelzusatz in den Regalen. Kanadische Klassiker sind hingegen die Köstlichkeiten, die „My Market Bakery“ anbietet: butter tarts, kleine Mürbteigtörtchen aus Unmengen von Butter, pur, mit Pecan-Nüssen oder Rosinen gefüllt.
Märkte, Märkte, Märkte
Bereits 1783 eröffnete der St. Lawrence Market im „Old Town of York“, der Keimzelle der Millionenstadt. An Markttagen mussten einst die Geschäfte ringsum von 6 bis 16 Uhr schließen - um ihren Mitarbeitern den Besuch des Marktes zu ermöglichen. Sobald die Marktglocke das Ende des Markttages verkündete, wurden die Ladentüren wieder geöffnet. Heute erstrecken sich die hangarartigen Markthallen zu beiden Seiten der Front Street. Ein babylonisches Sprachengewirr schwirrt über den Ständen aus aller Welt.
Italiener verkaufen Mortadella, Russen Wodka, Neuseeländer Wein und Honig. Die Chinesen locken mit einem Dutzend Tofu-Sorten, Ingwer und Tee für jede Seelenlage, Ruby’s Rice Stand mit mehr als vierzig Sorten Reis.
Der Kinofilm „My Big Fat Greek Wedding“ machte Greektown, die Heimat der griechischen Einwanderer, weltweit berühmt. Und wie im Film, ist das Viertel eine Verbindung der Kulturen. Die Straßenschilder tragen englische und griechische Namen; Souvlaki-Restaurants flankieren Sushi-Bars und Steak-Häuser. Italienisches Flair findet sich vor allem am Corso Italia an der St. Clair’s Avenue westlich von Bathurst, während Little Italy eher edel als ethnisch ist. Was entlang der College Street zwischen Bathurst und Ossington Avenue in den Schaufenstern gezeigt oder in den Cafés serviert wird, gilt als Trendbarometer für Nordamerika.
Ebenfalls im Westen der Stadt liegt das Portugal Village, die Heimat von Torontos großer portugiesische Gemeinschaft. Little Poland, eine Enklave russischer und anderer osteuropäischer Einwanderer, erstreckt sich auf der Roncesvalles Avenue zwischen King Street und Dundas Street West. Exotische Düfte schweben über dem Indian Bazaar an der Gerrard Street. Frauen ins Saris schleppen schwere Säcke mit Basmati-Reis, laut dringt indische Musik aus den Geschäften und Restaurants.
Hot & hip
Michael und Guy Rubino, ambitionierte Söhne italienischer Immigranten, die bis heute ihre eigene Salami, Tomatensauce und Ricotta-Käse herstellen, haben die multikulturelle Wurzeln der Stadt in ein trendiges Design-Erlebnis verwandelt. Ihr Restaurant „Rain“, im Januar 2002 im ersten Frauengefängnis der Stadt in einer schlecht beleuchteten Seitenstraße eröffnet, ist „hot & hip“.
Selbst Liam Nelson, Robin Williams und Kate Hudson mussten Wochen im Voraus hier ihren Tisch buchen. Eine Wand aus Wasser trennt die Lounge im Retro-Look der 1970er Jahre vom Restaurant. Das Menü ist auf dünnem Reispapier gedruckt; das Duo von Ente und Wachtel mit Peking-Confit wird auf Schieferplatten serviert, die die Brüder in Bauschutt-Containern gefunden haben.
Klima: Toronto liegt auf 44° nördlicher Breite, und damit südlicher als Paris. Im Sommer schwanken die Temperaturen zwischen 16 und 26 Grad Celsius, der Herbst ist mit 7 bis 15 Grad Celsius angenehm mild. Im meist schneereichen Winter liegen die Temperaturen zwischen null und minus acht Grad Celsius. Der Frühling gerät mit drei bis elf Grad Celsius eher kühl.
Multi-Kulti-Metropole Toronto
„Tarantua - Treffpunkt“ nannten vor Hunderten von Jahren die Huron-Indianer ihre Siedlung am Ontario-See, und die Bezeichnung stimmt bis heute: Toronto ist eine multikulturelle Metropole, deren Stadtviertel die Herkunft oder den Lebensstil ihrer Bewohner spiegeln - von ethnisch bis edel.
Im roten Mantel wartet sie Ecke Spadina Avenue und leckt an einem „Lucky Candy“, einem Erdbeer-Lolli in roter Folie: Shirley Lum, ein Energiebündel aus Kanada mit chinesischen Wurzeln. 1993 gründete sie „A Taste of the World Neighbourhood Bicycle Tours and Walks“. Das ganze Jahr hindurch bietet sie Stadtspaziergänge und Fahrradtouren an, die die Metropole aus neuen Blickwinkeln zeigen. Zu Halloween begibt sie sich mit ihren Gästen auf Geistersuche, im Winter folgt sie den Spuren von Charles Dickens oder zeigt, wie sich die Waterfront von Toronto vom Industriegebiet zum „Urban National Park“ gewandelt hat: Wo einst Fabrikschlote die Luft verpesteten, säumen heute Restaurants, Hafenbecken für Ausflugsboote und kleine Jachthäfen das Seeufer.
Eine kulinarische Weltreise
An heutigem Tag jedoch steht eine kulinarische Weltreise durch Chinatown und Kensington Market auf dem Programm. Unsere Gruppe ist klein, drei Einheimische, zwei Gäste aus Europa, die Neugier groß. Beim Frühstück mit Rugelach, Schoko-Zimt-Hörnchen, und Boreka, Teigtaschen mit Spinat und Feta, lässt Lum die Geschichte des Viertels Revue passieren - mit Anekdoten und Ansichten von einst.
Das Gebiet um die Kensington Markets spiegelt die Einwanderungswellen der Stadt wider. Besonders Juden aus Osteuropa, dem Nahen Osten und den Mittelmeerländern siedelten hier - deshalb hießen die Kensington Markets um 1920 auch noch Jewish Market. Später fanden hier Boat People aus Vietnam ein neues Zuhause - sozusagen in nächster Nähe zu China.
Das multikulturelle Ambiente hat schon früh die Szene angelockt. In der Kensington Street hausen Hippies in Häusern, die schon bessere Zeiten gesehen haben, züchten Cannabis in Blumentöpfen und verkaufen grellbunte T-Shirts mit Flower-Power-Motiven. Eigenwillig sind auch die Kreationen von Pius Gomes im „Chocolate Addict“-Shop. Geräucherte Bitterschokolade ruht neben dunkler Schokolade mit Wasabi, Chili- oder Lavendelzusatz in den Regalen. Kanadische Klassiker sind hingegen die Köstlichkeiten, die „My Market Bakery“ anbietet: butter tarts, kleine Mürbteigtörtchen aus Unmengen von Butter, pur, mit Pecan-Nüssen oder Rosinen gefüllt.
Märkte, Märkte, Märkte
Bereits 1783 eröffnete der St. Lawrence Market im „Old Town of York“, der Keimzelle der Millionenstadt. An Markttagen mussten einst die Geschäfte ringsum von 6 bis 16 Uhr schließen - um ihren Mitarbeitern den Besuch des Marktes zu ermöglichen. Sobald die Marktglocke das Ende des Markttages verkündete, wurden die Ladentüren wieder geöffnet. Heute erstrecken sich die hangarartigen Markthallen zu beiden Seiten der Front Street. Ein babylonisches Sprachengewirr schwirrt über den Ständen aus aller Welt.
Italiener verkaufen Mortadella, Russen Wodka, Neuseeländer Wein und Honig. Die Chinesen locken mit einem Dutzend Tofu-Sorten, Ingwer und Tee für jede Seelenlage, Ruby’s Rice Stand mit mehr als vierzig Sorten Reis.
Der Kinofilm „My Big Fat Greek Wedding“ machte Greektown, die Heimat der griechischen Einwanderer, weltweit berühmt. Und wie im Film, ist das Viertel eine Verbindung der Kulturen. Die Straßenschilder tragen englische und griechische Namen; Souvlaki-Restaurants flankieren Sushi-Bars und Steak-Häuser. Italienisches Flair findet sich vor allem am Corso Italia an der St. Clair’s Avenue westlich von Bathurst, während Little Italy eher edel als ethnisch ist. Was entlang der College Street zwischen Bathurst und Ossington Avenue in den Schaufenstern gezeigt oder in den Cafés serviert wird, gilt als Trendbarometer für Nordamerika.
Ebenfalls im Westen der Stadt liegt das Portugal Village, die Heimat von Torontos großer portugiesische Gemeinschaft. Little Poland, eine Enklave russischer und anderer osteuropäischer Einwanderer, erstreckt sich auf der Roncesvalles Avenue zwischen King Street und Dundas Street West. Exotische Düfte schweben über dem Indian Bazaar an der Gerrard Street. Frauen ins Saris schleppen schwere Säcke mit Basmati-Reis, laut dringt indische Musik aus den Geschäften und Restaurants.
Hot & hip
Michael und Guy Rubino, ambitionierte Söhne italienischer Immigranten, die bis heute ihre eigene Salami, Tomatensauce und Ricotta-Käse herstellen, haben die multikulturelle Wurzeln der Stadt in ein trendiges Design-Erlebnis verwandelt. Ihr Restaurant „Rain“, im Januar 2002 im ersten Frauengefängnis der Stadt in einer schlecht beleuchteten Seitenstraße eröffnet, ist „hot & hip“.
Selbst Liam Nelson, Robin Williams und Kate Hudson mussten Wochen im Voraus hier ihren Tisch buchen. Eine Wand aus Wasser trennt die Lounge im Retro-Look der 1970er Jahre vom Restaurant. Das Menü ist auf dünnem Reispapier gedruckt; das Duo von Ente und Wachtel mit Peking-Confit wird auf Schieferplatten serviert, die die Brüder in Bauschutt-Containern gefunden haben.
Klima: Toronto liegt auf 44° nördlicher Breite, und damit südlicher als Paris. Im Sommer schwanken die Temperaturen zwischen 16 und 26 Grad Celsius, der Herbst ist mit 7 bis 15 Grad Celsius angenehm mild. Im meist schneereichen Winter liegen die Temperaturen zwischen null und minus acht Grad Celsius. Der Frühling gerät mit drei bis elf Grad Celsius eher kühl.
40 Bewertungen, 1 Kommentar
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14.02.2006, 22:14 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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