Venlo Testbericht

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Erfahrungsbericht von Anonym114

Einmal Holland und zurück ...

Pro:

man kann einigermaßen preiswert Kleidung einkaufen, das Ausland in der Nähe

Kontra:

z.T. unfreundliche Bedienung in den Geschäften - mitunter Deutschenfeindlichkeit

Empfehlung:

Ja

Eine Fahrt ins Ausland? Da muss meist Urlaub her. Neulich hatte ich den zwar. Doch richtig wegfahren wollte ich nicht, da ich noch einiges erledigen musste ... Immerhin gab es (da ich sowieso gerade in NRW war), die Gelegenheit zu einem Tagesausflug ins Ausland. Bei Nordrhein-Westfalen ist da eins nahe liegend: Holland. Und so fuhren wir nach Venlo.

WAS IST VENLO?
Man kann es sich schon fast denken: Es handelt sich um eine niederländische Stadt. Sie hat etwa 90-tausend Einwohner und liegt im äußersten Südosten Hollands, direkt angrenzend an Deutschland. Auf der anderen Grenzseite gehört Kaldenkirchen im Kreis Viersen zu den direkten Nachbarn von Venlo.
Der Ort erhielt seine Stadtrechte im 13. Jahrhundert. Viele der heute noch vorhandenen Bauten stehen eng zusammen und stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Sie verleihen Venlo ein uriges Aussehen. Besonders schön ist das Rathaus, um 1600 erbaut aus rotem Backstein und von Türmen umrahmt. Damit man sich einen Eindruck machen kann, füge ich unten ein Bild davon bei. Architektonisch haben also manche Ecken der Stadt einen gewissen Charme, sind aber andererseits auch kein Muss für Leute, die nur nach schönen Straßen und Gebäuden Ausschau halten.

WIE KOMMT MAN HIN?
Wer im westlichen Ruhrgebiet, also in der Ecke von Moers, Krefeld oder Duisburg wohnt, hat es recht nahe nach Venlo und kann locker mal eben über (die inzwischen nicht mehr ganz so vorhandene) Grenze fahren. Auch von der Ecke Mönchengladbach, Neuss, Düsseldorf, ist die holländische Stadt noch recht schnell zu erreichen. Die meisten Deutschen, so scheint es mir, kommen mit dem Auto, was auch nicht verwunderlich ist, denn über die A 40 (führt durchs Ruhrgebiet) kommt man schnell ans Ziel. Zubringer aus dem niederrheinischen Bereich sind dann noch die A 3 oder A 57. Für uns war die Anfahrt noch einen Tick weiter, knapp 120 Kilometer, die man aber an Wochentagen auch locker in knapp anderthalb Stunden hinter sich bringt ...

DIE GRENZE:
Ich erinnere mich noch an früher: Damals hatte man richtige Grenzkontrollen, wurde mal durchgewunken, musste (soweit ich das noch aus meinem Gedächtnis kramen kann) aber auch mal den Personalausweis vorzeigen ... Die letzten Male gab es bei unseren Ausflügen nach Venlo allerdings keine Kontrollen.
Die Andersartigkeit merkt man aber dann doch schnell: Rechts sieht man direkt hinter der Grenze eine Art Gewächshaus, außerdem eine Art Pferdegestüt. Die Häuser wirken klein und gemütlich auf der holländischen Seite und auf dem Weg nach Venlo sind dann doch mehr Blumen schmückend auf Inseln im Straßenrand eingepflanzt, als ich das aus den meisten deutschen Städten kenne.

PARKEN:
Hier ist alles ziemlich gut ausgeschildert. Allerdings hat man auch die Qual der Wahl zwischen den Parkhäusern. Zuletzt haben wir unseren Wagen im: Nolensplein abgestellt. Dieser unterirdische Parkplatz geht (soweit ich das gesehen habe) über drei Etagen, er ist gut ausgeleuchtet und die einzelnen Parkbuchten sind sogar einen Hauch größer als häufig in deutschen Großstadtparkhäusern. Wer dann noch oben ans Tageslicht will, kann entweder mit dem Aufzug fahren (dafür war in unserem Fall allerdings etwas Geduld nötig, da gleichzeitig viele Leute nach oben wollten). Die Stufen sind im Parkhaus relativ klein und hoch ...
Wenn man dann endlich niederländische Luft schnuppert, steht man mitten auf dem Platz und ist schon drin, in der Venloer Innenstadt. Das Parken kostet in diesem Parkhaus pro Stunde 1,30 Euro.


EINKAUFSMÖGLICHKEITEN:

Die sind recht vielseitig: Besonders die Leute werden fündig, die nach KLAMOTTEN suchen. Zahlreiche kleine Boutiquen sind vorhanden, in denen man modische Sachen im mittleren bis unteren Preisbereich finden kann. Wer in Sachen JEANS nicht unbedingt nach Levis sucht, hat hier viele günstige Hosen zur Auswahl.

Auch kleine SCHUHLÄDEN gibt es reihenweise. Hier zählt ebenfalls vor allen das Modische. Viele Schuhe, die den aktuellen Trends entsprechen, kann man recht preiswert kaufen, die Preislage ist recht ähnlich wie die bei den Klamotten: günstig bis mittlere Kategorie.

Ansonsten ist das Angebot bunt gemischt: Da gibt es den Käseladen, ein Blumengeschäft, eines mit verschiedensten Bastelartikeln (direkt in Rathausnähe), etwas davon entfernt einen sehr schönen Laden mit Bürobedarf und ein Kaufhaus, in dem man vom Hut übers Fotoalbum bis hin zum Gürtel verschiedenste Sachen bekommt. Allerdings ist dieses Kaufhaus eher mit welchen in mittleren und kleinen Städten Deutschlands zu vergleichen, hat nicht das Angebot eines deutschen Großstadt-Kaufhof oder Karstadt.

In Sachen SUPERMÄRKTEN gibt es nur einen, der in direkter Nähe vom oben bereits erwähnten Parkhaus steht: Die Zwei Brüder. Man erkennt sie schon an den vielen Leuten, die mit den gelben Tüten heraus strömen. Hier gibt es alles, was man für den täglichen Bedarf so braucht. Ich habe allerdings selber noch nie die Gelegenheit genutzt, dort einzukaufen. Daher kann ich nicht einschätzen, ob die Preise den deutschen entsprechen ...

In den LOKALEN sind die Speisekarten meist recht bodenständig. Es gibt Fleisch- und Fischgerichte, wie man sie auch aus vielen Restaurants hierzulande kennt, wobei der Fisch häufig frischer und leckerer (so habe ich als Vegetarierin mir sagen lassen) ist als z.B. bei uns in der Ecke in NRW. Empfehlenswert ist da Deckers, ebenfalls am bereits erwähnten Parkhausplatz Nolensplein gelegen. Wer mag, kann dort für rund 15 Euro ein ganzes Menu mit einer Suppe vorneweg, etwas Salat, einem Hauptgericht und einem Nachtisch (Vanilleeis und Poffertjes) bestellen. Die weiteren Mahlzeiten sind etwa in einer mittleren Kategorie, für mich war z.B. Apfelpfannkuchen dabei (6,50 Euro). Der wird bei Deckers übrigens nicht mit Zimt und Zucker sondern mit Sirup und Puderzucker serviert.

CAFES wie man sie aus Deutschland kennt, sind eher selten. Es gibt ein paar, die vorrangig eher Eis anbieten, in denen man aber auch einen Cappucchino und Kuchen bestellen kann. In der Nähe des Platzes sind dann noch Prinz Bernhard und Prinz Hendrik, zwei Lokale, die auch am Nachmittag ein paar Torten (meist Apfelkuchen und weitere Obsttorten) parat haben. Die Preise sind bei Bernhard geringer als bei Hendrik, wo sie schon das Niveau von teuren Konditoreien z.B. an der Düsseldorfer Nobelstraße Kö(nigsallee) erreichen.


FREUNDLICHKEIT:
An sich sind mir die Holländer mit ihrem Akzent ja sympathisch. Das mag daran liegen, dass ich eine halb-niederländische Mitschülerin hatte und wir auch auf Stufenfahrt in den Niederlanden waren und ich Worte wie Daag oder Bedankt gut leiden mag. Vielen Niederländern scheint es jedoch anders zu ergehen. Denn häufig merkt man in den Geschäften eine gewisse Ungeduld und Gereiztheit. Ganz besonders stark, ja schon fast feindseelig, fiel sie bei Bedienungen in den Cafes Bernhard und Hendrik aus. Im Bernhard war die weibliche Bedienung schnippisch und unterkühlt, der Kellner (und möglicherweise sogar Inhaber) des Hendrik wurde sogar frech, als wir ihn auf seine unhöfliche Art ansprachen: Ja, die armen Deutschen! meinte er mit einer ziemlichen Ironie in der Stimme ...
Doch es geht auch anders. Bei Deckers, wo wir schon wiederholt zu Mittag gegessen haben, waren bisher alle Bedienungen freundlich, ohne aufgesetzt oder unehrlich zu wirken.
Ein Stück weit kann ich die Vorbehalte einiger Holländer sicher verstehen: Viele Deutsche kommen nach Gutsherrenmanier nach Venlo, meinen die Herren zu sein, denen alles offen steht und die alles verlangen können. Meiner Meinung nach sollten beide Seiten offener aufeinander zugehen und den anderen respektieren. Das kann zum Beispiel geschehen, indem sich die niederländischen Geschäftsleute und Bedienungen in den Restaurants klar machen, dass ein Großteil ihres guten Geschäfts dadurch zustande kommt, dass die Deutschen in Massen bei Ihnen einkaufen. Andererseits sollten die Deutschen aber auch Respekt zeigen, z.B. indem sie weniger polternd durch den Ort ziehen und vielleicht auch mal höflich Gruß auf Niederländisch grüßen oder danken.

WER KAUFT DA EIN?
Wir waren an einem Wochentag in Venlo, und es kam so vor, als würden wir den Altersschnitt ungemein senken. Denn die Besucher aus Ruhrgebiet und Rheinland waren vor allen Dingen weißhaarige Damen und Herren. Sicherlich mag das an Wochenenden und Feiertagen anders aussehen, wenn auch Familien Zeit und Gelegenheit haben, mal über die grüne Grenze zu fahren ...

WIVIEL GELD MUSS MAN MITBRINGEN?
Wer in Venlo zu Mittag ißt, Kaffee trinkt und dann vielleicht noch ein paar Euro für Kleidung oder andere Dinge ausgeben will, wird pro Person schnell 50 Euro los. Venlo ist also kein ganz billiges Pflaster ...

VENLO IM INTERNET:
http://www.venlo.nl
Hier findet man auch deutschsprachige Informationen, die allerdings dünnergesäht sind als die auf Englisch.

FAZIT:
Venlo ist ein ganz nettes Ziel für all die Leute, die dicht bei der (ehemaligen) deutsch-niederländischen Grenze wohnen und mal etwas anderes sehen möchten. Gerade wer einigermaßen preiswert modische Kleidung oder Schuhe kaufen möchte, hat hier einige Gelegenheit. Ein großer Minuspunkt der Stadt ist aber die mitunter doch sehr unfreundliche Art einiger Bedienungen und Geschäftsleute. Deutsche sind lästig, so hat man das Gefühl, auch wenn man selber mit höflicher Art diesen Menschen begegnet. Auch die Preise können gerade in Cafes mitunter reichlich hoch sein. Da stimmt Preis und Leistung dann nicht immer. Ich schwanke daher, ob ich drei oder vier Sterne vergeben soll, entscheide mich für nur drei. Eine Empfehlung? Nun, wer nie in Venlo war, hat zwar nichts verpaßt, wer aber in der Nähe wohnt, der kann ruhig einen Ausflug dahin wagen und wird sicher dennoch einen netten Tag in der niederländischen Stadt verbringen. Denn immerhin bietet sie die Gelegenheit zu einmal Holland hin und zurück.

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