Wachau Testbericht
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Erfahrungsbericht von cxgirl
An der schönen blauen Donau
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Eine Komposition aus alten Torbögen und frischem Weinlaub, aus buckligem Mauerwerk und semmelblonden Kindern. Auf den Straßen liegt der Staub und über den Gärten kringelt sich das Licht eines unendlichen Sommertages. Als die Maler der Jahrhundertwende die Wachau entdeckten, lag sie im Dämmerzustand. Abseits des großen Verkehrs, der sich nun nicht mehr auf der Donau, sondern auf den Eisenbahnstrecken abspielte. Das barocke Blühen verwelkt, die Spuren des napoleonischen Kriegszugs noch in Erinnerung, der Wein hatte den Ruf Essig zu sein. Keine „Centralbahnhöfe, Grandhotels und Oberkellner“ verdarben die Landschaft. Hier war Österreich nicht mondän und elegant wie in den Sommerfrischelandschaften des Salzkammergutes oder am Semmering. Was die Künstler in ihrem Malerwinkel so romantisch empfanden, war große Armut. Das Donautal zwischen Melk und Krems, und insbesondere Dürnstein, zog Maler und Malerinnen des 19. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende magisch an. Rudolf von Alt (1812 – 1905) war ein unermüdlich Reisender durch die Monarchie und wurde durch seine Stadtveduten bekannt. Er gehörte zu den ersten, die Dürnstein aquarellierten.
Als Entdecker und Eroberer der Wachau gilt Robert Ruß (1847 – 1922). Ihm folgte bald darauf Emil Jakob Schindler (1824 – 1892). Auf seinem Gemälde „Alter Hof in Weißenkirchen“ vermeint man die sonnenwarmen Steine zu spüren, über jede Unebenheit der alten Mauer streichen zu können. Das krumme Holzgeländer, die barfüßigen Kinder, die Buckelkraxen fürs Grünfutter, die Wäscheleine: ein harmonisches Bild, aus Jahrhunderten herausgewachsen. Dem begnadeten Koloristen Schindler folgten seine Schüler Tina Blau, Olga Wisinger-Florian und Carl Moll.
Wie die Maler durch Weißenkirchen und Dürnstein, St. Michael und Rossatz streiften, hat Eduard Zetsche, Maler und Feuilletonist skizziert: „Zu all’ den coloristischen Herrlichkeiten hat der Herr Maler, oder, wie er auch zumeist freundlich genannt wird, ,der Malherr’, traditionell ungehinderten, ja zumeist freundlich willkommenen Zutritt. Mit rühmenswerthem Vertrauen erlauben die Eingeborenen die dann folgende, oft wochenlange, verkehrsstörende Einnistung des hereingeschneiten Fremdlings und seines umständlichen Belagerungs-Apparates in den ohnedies engen Interieurs, Gängen und Höfen ihrer Häuser; gutherzig suchen sie die mancherlei sonderbaren Wünsche desselben zu erfüllen. Da darf ein blumiger Grasfleck nicht abgemäht, dort müssen reife Kürbisse noch ein paar Tage hängen gelassen werden; schwere Bottiche sollen weggerückt, oder an jenes Stillleben, das der Zufall in einer Ecke aus Krautköpfen, alten Schürzen, Körben und Töpfen so wundervoll arrangirt hat, möge wenigstens bis zum Abend ja mit keinem Finger gerührt werden!“ Die Maler wachten ängstlich über den originären Zustand der Wachau und fürchteten jede Modernisierung. Hermine Cloeter schreibt in ihrem vergnüglichen Buch „Donauromantik“ über den Dürnsteiner Bürgermeister: „Bald hält er eine neue Dachrinne, bald ein neues Geländer – aus eisernen Schienen, o Jammer und Graus! – für unbedingt nötig. Das gibt dann allemal einen kleinen oder größeren störenden Klecks im schönen alten Bilde.“
Fanny Thiery, Hausherrin des Hotels „Richard Löwenherz“ in Dürnstein hält die Erinnerung an die Künstler bis heute aufrecht. Ihr Großvater Johann Thiery pries in einem Wachau-Führer von 1890 seinen Gasthof: die prachtvolle Aussicht, das „Künstlerheim“ und die „reelle Bedienung, billigste Preise“ werden besonders hervorgehoben. Frau Thiery: „Die Wachauer waren damals bitterarm. Sie hatten eine Kuh, eine Ziege, einen Acker und einen Weingarten. Ihr Bargeld erwirtschafteten sie beim Heurigen, wofür sie Küche oder Hof ausräumten.“ Und auch der Gasthof Thiery, der erst durch den deutschen Maler Emil Strecker (1841 – 1925) seinen Namen „Richard Löwenherz“ erhielt, war ein bescheidenes Schiffergasthaus. Die gewölbten Speisesäle waren einst die Stallungen der Schifferpferde. Den Stammtisch eroberten die Maler. Hermine Cloeter schreibt: „Unter den Malern Wiens dürften nur wenige sein, die nicht wenigstens einmal ihre Füße unter ihren Dürnsteiner Stammtisch gestreckt hätten. Drum ist die heimelige Ecke auch mit Erinnerungszeichen unserer Besten stolz geschmückt.“ Bis heute erinnern alte Fotografien, flüchtige Skizzen, spitze Karikaturen an den legendären Stammtisch.
Die Maler sahen sich als die eigentlichen Herren von Dürnstein. Und der Stammtisch im Löwenherz war gleichzeitig eine Heimat. Das Wiener Künstlerhaus dankte diese Betreuung mit einer Auszeichnung für Raimund Thiery und ernannte ihn zum außerordentlichen Mitglied der Künstlergenossenschaft. Die Wachauer verfolgten mit Interesse Ausstellungen in Wien. So besuchten etwa die Schwestern der Gemischtwarenhandlung Kranz in Weißenkirchen jede Ausstellungseröffnung in Wien, um zu sehen was ihre Maler geschaffen hatten. Manche Augenblicke, die die Maler in der Wachau festhielten, blieben über die Zeiten bestehen: ein Fenster, auf dem die Kapuzinerkresse rankt, ein Sessel, auf dem Kürbisse zum Kauf angeboten werden, ein Torbogen, auf dem Glockenblumen wachsen. Die Schriftstellerin Hermine Cloeter wusste es: \"Alles wird hier zu Lande ja von selbst zum Bild, und man kann sich’s hundertmal vornehmen, keine Motive zu suchen und zu sehen, es nützt nichts.\"
Weiter Informationen zur Wachau unter
http://www.wachau.at/extended/regionen/default.asp?medium=ex_wa
Als Entdecker und Eroberer der Wachau gilt Robert Ruß (1847 – 1922). Ihm folgte bald darauf Emil Jakob Schindler (1824 – 1892). Auf seinem Gemälde „Alter Hof in Weißenkirchen“ vermeint man die sonnenwarmen Steine zu spüren, über jede Unebenheit der alten Mauer streichen zu können. Das krumme Holzgeländer, die barfüßigen Kinder, die Buckelkraxen fürs Grünfutter, die Wäscheleine: ein harmonisches Bild, aus Jahrhunderten herausgewachsen. Dem begnadeten Koloristen Schindler folgten seine Schüler Tina Blau, Olga Wisinger-Florian und Carl Moll.
Wie die Maler durch Weißenkirchen und Dürnstein, St. Michael und Rossatz streiften, hat Eduard Zetsche, Maler und Feuilletonist skizziert: „Zu all’ den coloristischen Herrlichkeiten hat der Herr Maler, oder, wie er auch zumeist freundlich genannt wird, ,der Malherr’, traditionell ungehinderten, ja zumeist freundlich willkommenen Zutritt. Mit rühmenswerthem Vertrauen erlauben die Eingeborenen die dann folgende, oft wochenlange, verkehrsstörende Einnistung des hereingeschneiten Fremdlings und seines umständlichen Belagerungs-Apparates in den ohnedies engen Interieurs, Gängen und Höfen ihrer Häuser; gutherzig suchen sie die mancherlei sonderbaren Wünsche desselben zu erfüllen. Da darf ein blumiger Grasfleck nicht abgemäht, dort müssen reife Kürbisse noch ein paar Tage hängen gelassen werden; schwere Bottiche sollen weggerückt, oder an jenes Stillleben, das der Zufall in einer Ecke aus Krautköpfen, alten Schürzen, Körben und Töpfen so wundervoll arrangirt hat, möge wenigstens bis zum Abend ja mit keinem Finger gerührt werden!“ Die Maler wachten ängstlich über den originären Zustand der Wachau und fürchteten jede Modernisierung. Hermine Cloeter schreibt in ihrem vergnüglichen Buch „Donauromantik“ über den Dürnsteiner Bürgermeister: „Bald hält er eine neue Dachrinne, bald ein neues Geländer – aus eisernen Schienen, o Jammer und Graus! – für unbedingt nötig. Das gibt dann allemal einen kleinen oder größeren störenden Klecks im schönen alten Bilde.“
Fanny Thiery, Hausherrin des Hotels „Richard Löwenherz“ in Dürnstein hält die Erinnerung an die Künstler bis heute aufrecht. Ihr Großvater Johann Thiery pries in einem Wachau-Führer von 1890 seinen Gasthof: die prachtvolle Aussicht, das „Künstlerheim“ und die „reelle Bedienung, billigste Preise“ werden besonders hervorgehoben. Frau Thiery: „Die Wachauer waren damals bitterarm. Sie hatten eine Kuh, eine Ziege, einen Acker und einen Weingarten. Ihr Bargeld erwirtschafteten sie beim Heurigen, wofür sie Küche oder Hof ausräumten.“ Und auch der Gasthof Thiery, der erst durch den deutschen Maler Emil Strecker (1841 – 1925) seinen Namen „Richard Löwenherz“ erhielt, war ein bescheidenes Schiffergasthaus. Die gewölbten Speisesäle waren einst die Stallungen der Schifferpferde. Den Stammtisch eroberten die Maler. Hermine Cloeter schreibt: „Unter den Malern Wiens dürften nur wenige sein, die nicht wenigstens einmal ihre Füße unter ihren Dürnsteiner Stammtisch gestreckt hätten. Drum ist die heimelige Ecke auch mit Erinnerungszeichen unserer Besten stolz geschmückt.“ Bis heute erinnern alte Fotografien, flüchtige Skizzen, spitze Karikaturen an den legendären Stammtisch.
Die Maler sahen sich als die eigentlichen Herren von Dürnstein. Und der Stammtisch im Löwenherz war gleichzeitig eine Heimat. Das Wiener Künstlerhaus dankte diese Betreuung mit einer Auszeichnung für Raimund Thiery und ernannte ihn zum außerordentlichen Mitglied der Künstlergenossenschaft. Die Wachauer verfolgten mit Interesse Ausstellungen in Wien. So besuchten etwa die Schwestern der Gemischtwarenhandlung Kranz in Weißenkirchen jede Ausstellungseröffnung in Wien, um zu sehen was ihre Maler geschaffen hatten. Manche Augenblicke, die die Maler in der Wachau festhielten, blieben über die Zeiten bestehen: ein Fenster, auf dem die Kapuzinerkresse rankt, ein Sessel, auf dem Kürbisse zum Kauf angeboten werden, ein Torbogen, auf dem Glockenblumen wachsen. Die Schriftstellerin Hermine Cloeter wusste es: \"Alles wird hier zu Lande ja von selbst zum Bild, und man kann sich’s hundertmal vornehmen, keine Motive zu suchen und zu sehen, es nützt nichts.\"
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http://www.wachau.at/extended/regionen/default.asp?medium=ex_wa
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