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Erfahrungsbericht von nici023

Jessen, Klaus "Nicht ganz wasserdicht"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Gute Pläne, schlechte Alibis

Es gibt Werke bei denen ein Rezensent automatisch scheitert, sei es, weil der sonst so objektive Kritiker (wobei wir uns bewusst von dieser gefürchteten Spezies distanzieren) sich in das Werk verliebt, oder weil es sich wie das vorliegende Buch einfach einer Wertung entzieht. Nicht dass, es nichts zu kritisieren gäbe - keine Sorge, es folgt da noch genug - aber die Art des Buches macht eine faire Bewertung nahezu unmöglich.

Das Buch eine Anthologie zu nennen, ist vermutlich falsch; es als eine Ansammlung von Kurzgeschichten zu bezeichnen, trifft es wohl, stellt mich aber nicht zufrieden. Womit kann man wohl zutreffend die 22 Geschichten dieses Buches bezeichnen? Mir persönlich erscheint der Vergleich einer Glosse in einen wöchentlich erscheinenden Magazin recht genau. Die Geschichten sind kurz, prägnant, kommen nach 4-6 Seiten zum Punkt und hinterlassen oft einen fein- und hintersinnigen Gedanken beim Konsumieren. Doch wer den Fehler macht, diese schnell und in rascher Folge zu verspeisen, verdirbt sich den Magen und hat nach spätestens der fünften davon genug. Doch uns Rezensenten ist nun einmal dieses Schicksal in den Schoß gefallen und der Stapel der noch zu kommentierenden Bücher verbiegt mein Regal (OK, ich übertreibe maßlos, aber nur in der Hoffnung, dass sich mitleidvolle Helfer finden, die unsere Site noch größer und spannender gestalten werden).

Klaus Jessen hat mit seinem dritten Buch wieder ein Feuerwerk an Einfällen, skurrilen Ideen und merkwürdigen Ereignissen gezündet. Manche dieser Raketen steigen hoch in den Himmel hinein und entfalten die buntesten Gedankenblumen, manche sind echte Heuler und bringen uns zum Kreischen, aber manche lassen auch nur einen einfachen Knaller hören und sind schlicht vorbei. Das ist aber bei der Fülle der Geschichten verzeihlich, denn schließlich ist Literatur immer noch Geschmacksache, und während sich der eine Leser nur an schwärzesten und feinsinnigsten Humor heimlich ins Fäustchen lacht, kann der andere über einen Slapstick in Literatur gegossen stundenlang totlachen.

Wer sich nun noch nichts unter dem Buch vorstellen kann, der sei erinnert, an die alten Alfred Hitchcock Fernsehserien oder an die Roald Dahl Fernsehserien (nicht die Bücher!). Dort wurde in winzigsten Episoden unter Einbeziehung aller gängigen Stereotypen und Klischees mit minimalistischen Mitteln eine Geschichte erzählt, die bis auf das humorig-sarkastische Ende normalerweise einen ganzen Tatort-Fernsehabend füllen würde, nur dass dieser mit weitaus mehr Füllsel und Spannung herhalten muss, während es bei dieser Form der Geschichten alleinig nur auf die Pointe ankommt. Diese hat Klaus Jessen oft geschickt gesetzt und akzentuiert betont. Doch wie auch die Fernsehserien kommt er nicht ohne Klischees aus, typische Figuren und einfach stilisierte Charaktere. Das ist auch bei der Kürze der einzelnen Geschichten nicht zu verhindern. Gerne wünscht man sich ein wenig mehr über häufiger auftauchende Personen (insbesondere die Kommissare und Inspektoren) zu erfahren, die sich dann doch in mehreren Geschichten wiederfinden, jedoch nicht genug, um eine Art Roten Faden zu spinnen.

Vor dem Fazit will ich dann doch noch eine Kritik loswerden. Diese geht aber vermutlich weniger an den Autor, als an den Verleger. Der Einband und der dort verwendete Text ist für mich abschreckend und zeugt meiner Einschätzung nach von maßloser Überschätzung. Nach dem Text auf dem Einband – den ich absichtlich hier nicht zitieren will – hätte ich das Buch niemals gekauft. Auch die Formatierung des Buches, der Innenrand ist viel zu knapp und sollte deutlich größer sein, als der Außenrand, lässt zu wünschen übrig. Kleinere Fehler, die bei einem sorgfältigeren Lektorat aufgefallen werden, überlasse ich den Lesern selber zu entdecken, da dies auch immer ein Spaß sein kann. Diese sind auch selten und nur an einer Stelle richtig auffällig.

Das Buch ist aber durchaus empfehlenswert, nur rate ich jedem ab, von dem Versuch es in einem Durchrutsch zu lesen. Dafür ist es auch nicht gedacht. Empfehlenswert und bestens geeignet dürfte es als Reiselektüre oder als kurzweilige Unterhaltung in gekachelten Räumen sein. Denn wer die Geschichten wirklich auskosten will, sollte zwischen jeder einzelnen mindestens einen Tag vergehen lassen.

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