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Erfahrungsbericht von mima007

Stan Jones: *Weißer Himmel - Schwarzes Eis*: Der Sherlock der Eskimos

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Stan Jones: *Weißer Himmel - Schwarzes Eis. Ein Fall für Nathan Active*:
Nathan Active ist ein Staatspolizist in Alaska. Der Trooper findet sich langsam am Polarkreis zurecht und kommt einem Umweltverbrechen auf die Spur - mit unorthodoxen Methoden.

Der Autor
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Stan Jones stammt aus und lebt in Anchorage, der größten Stadt in Alaska. Als Spezialist für Umweltfragen, Zeitungs- und Radio-Journalist sowie leidenschaftlicher Buschpilot hat er die Erfahrungen gesammelt, die man nun in seinen Romanen wiederfindet. Er arbeitet an weiteren Büchern über den eigenwilligen Inupiat-Cop Nathan Active und dessen Abenteuer am Polarkreis.

Man hat Jones als \"Tony Hillerman in Schneeschuhen\" bezeichnet. Richtig daran ist wohl, dass Jones uns aus erster Hand Einblicke in die Kultur der Inupiat (der Alaska-\"Eskimos\") gewährt. Aber gemessen an Hillerman, der über die Indianer des amerikanischen Südwestens schreibt, erzählt Jones weitaus lakonischer, trockener und mit geradezu eisgekühltem Witz. Man muss ein feines Gespür für Ironie mitbringen, um diesen Humor zu spüren und zu genießen.

Handlung
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Alaska State Troopers sollten sich nicht in die Angelegenheiten der lokalen Stadtpolizei einmischen. Auch wenn in dieser Geschichte die Stadt den Inupiat-Namen Chukchi trägt und nur 2500 Einwohner hat, die wenigsten davon Weiße. Doch Trooper nathan Active bleibt angesichts zweier mysteriöser Selbstmorde gar nichts anderes übrig, als sich einzumischen.

Active wurde als Inupiat geboren, doch dann von einer weißen Familie adoptiert worden, die in der \"Großstadt\" Anchorage aufzog und ihm eine gute Ausbildung spendierte. Nun hat es seine Behörde für weise befunden, ihn in die Wildnis zu schicken, nach Chukchi, seinen alten Heimatort.

Nicht genug damit, dass Arbeitslosigkeit, Armut und Alkohol den Menschen hier das Leben schwer machen. Sie nehmen auch Active, den Halbweißen, nicht für voll. Dem Dorfklatsch über einen alten Bannfluch, der auf den Selbstmördern gelegen haben soll (und der noch weitere Opfer fordern könnte), nimmt Active natürlich kein bisschen ernst.

Doch es gibt vereinzelte Hinweise - und einen weiteren Toten. Active fängt an zu schnüffeln und steht bald GeoNord, einem norwegischen Minenkonzern, der bei Chukchi eine giftige Kupfermine betreibt (dabei wird u.a. Arsen freigesetzt), auf den Zehen. Bis zur Schmerzgrenze.

Als GeoNords Anwalt anrückt und bald darauf Actives Vorgesetzte nervös werden, weiß er, dass er auf der richtigen Spur ist. Bis er dem wahren Schurken in diesem Stück gegenübersteht und der eine Flinte auf ihn richtet.

Mein Eindruck
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Ich muss zugeben, dass ich zunächst mit der trockenen und matter-of-fact-Art nicht zurechtgekommen bin, in der Stan Jones seine Geschichte erzählt. Moderner Krimistil wie der von Walters, Cornwell oder Deavers ist Jones fremd. Er erzählt schnurstracks geradeaus, und man muss ihm folgen oder es bleiben lassen.

Nachdem ich mich damit abgefunden hatte, merkte ich auch, wohin der Hase lief. Active ist eine Art Terrier: Einmal auf einer Spur, bleibt er auch drauf. Und so kommt er auch dem Umweltverbrechen auf die Spur, wobei er alle möglichen Experten befragt und schließlich mit dem gewieften Anwalt GeoNords in \"Verhandlungen\" eintritt. Schließlich spitzen sich die Verhandlungen zu, und Active kann GeoNord Paroli bieten. Wie das Verhandlungsergebnis in Wahrheit aussieht, müssen seine Vorgesetzten ja nicht im einzelnen erfahren. Hauptsache, der Bericht entspricht den sichtbaren Tatsachen.

Dies dürfte der erste Roman sein, der den Alltag in Alaska authentisch schildert (siehe oben). Hinsichtlich der Kultur der Inupiat ist die Bedeutung der Frauen erstaunlich: Sie sind die wahren bewahrer der Kultur. Und ständig versucht eine der Omas und der Mütter, Nathan mit ihren Töchtern oder Enkelinnen mit Nathan zu verkuppeln. Das hat seinen guten grund: Alleinstehende Mänenr werden im eisigen, einsamen Norden schlicht verrückt und rasten aus. Gar nicht gesund: nicht für ihn und nicht für die Gemeinschaft der Inupiat. Also muss eine Frau her. Schließlich sieht das sogar Active ein.

Unterm Strich
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Sherlock unter den Eskimos? Ja, und gar nicht mal schlecht erzählt. Allemal einen Blick wert, sofern man die nötige Geduld mitbringt.

Der Buchtitel
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Schwarzes Eis ist die gefährlichste Sorte von Eis, die es gibt. Es sieht stabil aus, wird aber den Vorwitzigen oder Unvorsichtigen sofort verschlingen. \'Weißer Himmel\' steht für den fortwährend wehenden Westwind, der Schnee und Nebel mitbringt: Blauer Himmel ist eine Seltenheit in Alaska. Zwischen diesen beiden Polen spielt sich die Handlung des Buches ab.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: White sky, Black ice, 1999; Union 2000, Zürich; 250 Seiten mit einem Autorenporträt und Glossar, EU 8,90, aus dem US-Englischen übertragen von Dirk Löwenberg; ISBN 3-293-20167-9



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-25 19:55:17 mit dem Titel L. Javin: *Sex, Space & Rock\'n\'Roll*: Douglas Adams meets the Riot Grrls!

\"Mein erster Tag auf der Erde! Und ich habe gleich meinen ersten Erdling entführt – dich!\" Was wie die Lebenserinnerungen von E.T klingt, ist eine witzige Mischung aus \"Per Anhalter ins Weltall\" und einem Aufklärungskurs in Sachen intergalaktischer Liebe.

Die Geschichte von den Alien-Babes auf Besuch in Down Under nimmt kein Blatt vor den Mund, lässt aber auch der Liebe eine Chance. Der Leser sollte aber auf jeden Fall Bescheid wissen, was in den letzten zehn Jahren in Sachen Rockmusik (nicht Pop, nicht HipHop, klar?) gelaufen ist. Dann kann man auch die herrlich respektlosen Bemerkungen über Grunge, Heavy Metal usw. genießen. Ein Glossar hilft über die gröbsten Bildungslücken in dieser Sache hinweg.

Handlung
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Baby, Doll und Lati sind drei wirklich nette Girls. Und bis auf die grüne Haut und die zwei Antennen auf dem Kopf könnte man sie selbst in Australien glatt für Menschen halten. Sie sind aber in Wirklichkeit natürlich Außerirdische, genauer eine Kreuzung aus Leuten vom Planeten Nufon (= no fun!) und Menschen, die wie Elvis Presley von den Aliens entführt wurden. Sämtliche Berichte über von Aliens geschwängerte Hausfrauen, die von Elvis träumten, sind also wahr.

Die drei Babes haben ihr Raumschiff Galgal entführt und flogen damit zur Erde, um Spaß zu haben. Sie stehen voll auf Rockmusik, deshalb muss wohl der erste Erdling, den sie entführen – viele weitere sollen noch folgen – ein Rockmusiker, Jake, ein waschechter Slacker. Jake ist der Frontmann der Band \"Bosnia\". Zu ihr gehören noch die Zwillinge Tristan und Torqil – alle drei sind fortwährend bekifft und zugedröhnt, so dass es ihnen nicht besonders auffällt, als die Antennengirls in ihrer WG auftauchen und Jake entführen. Die drei Girls haben zwar viel Spaß mit ihren sexuellen Experimenten an ihm, doch nachdem sie Jake zurückgebracht und mit einem Lokalisator ausgestattet haben, wenden sie sich weiteren Forschungsobjekten zu.

Was bei ihrer Exkursion nicht vorgesehen war: 1) Baby, die aussieht wie Courtney Love zu Zeiten des seligen Kurt, hat sich in Jake verliebt; damit fangen die Schwierigkeiten an, denn einen Slacker lieben zu wollen, grenzt echt an Masochismus. 2) Weit schlimmer ist jedoch der Umstand, dass die Nufonier ihr Raumschiff zurückhaben wollen.

Captain Qwerk (klingt wie Kirk, darf aber nicht so geschrieben werden, klar?) macht sich mit einigen alliierten Aliens im Schlepptau zur Erde auf, um die entflohenen bösen Mädchen zwecks Disziplinierung und der Wiederbeschaffung des Raumschiffs zurückzuholen. Und 3) hat sich der Asteroid Eros dazu entschlossen, nicht mehr auf seiner von Gott persönlich zugewiesenen Laufbahn zu bleiben, sondern mit der Erde innigsten Kontakt aufzunehmen. Da wird Gott, der oberste Verkehrspolizist im Weltall (sieht alles, hört alles, verwarnt alles!), aber böse sein.

Da kommt was auf die Erde zu, wird sich so mancher Leser sagen, und in der Tat kommt es noch knüppeldick. Um nicht zuviel von der Spannung wegzunehmen, sei nur soviel verraten: Die drei Aliens treten als Girlband \"Rock\'n\'Roll Babes from Outer Space\" mit phänomenalem Erfolg auf und erobern Australien im Sturm.

Doch auf dem Höhepunkt ihrer Tour kommt es bei ihrem letzten Konzert im Cricketstadion von Sydney zu einigen unvorhergesehenen und folgenschweren Auftritten: Captain Qwerk und seine Nufonier, Eros und Gott sind nur einige der bemerkenswerten Top-Attraktionen! Es ist schon etwas Besonderes, einen Alien zu lieben, denkt sich Jake.

Mein Eindruck
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Die Besichtigung eines Zeitalters – und eines Kontinents, so könnte man diesen spritzigen Roman beschreiben. Ausgestattet mit dem metaphysischen Humor von Douglas Adams in \"Hitchhiker\'s Guide to the galaxy\" gibt uns Jaivin einen fundierten Grundkurs in Slacker- und Rocker-Lifestyle à la Down Under. Sie weiß als Türsteherin usw. in den diversen Musiklokalen wirklich, wovon sie redet. So taucht etwa ein Death-Metal-Frontmann auf, der Baby unbedingt die Füße küssen will.

Damit aber auch für Spannung gesorgt ist, flicht sie mit der Lovestory zwischen Baby und Jake einen Handlungsfaden ein, der von Romantik triefen könnte, doch so wie sie ihn bringt, ist er durchaus erträglich. Zwar kriegen sich die beiden, aber Slackerliebe ist sonderbar und einen Alien zu lieben noch einen Tick seltsamer.

Wirklich witzig sind die Sexszenen, denn natürlich haben die Alienbabes in dieser Hinsicht eine Supersonderausstattung der Extraklasse. Und erst als es zwischen Baby und Jake ernst wird, kommen alle eingebauten Features einer Nufonierhybridin zum Einsatz – zur Überraschung aller Beteiligten, wie ich verraten darf.

Unterm Strich

\"Sex, Space & Rock\'n\'Roll\" ist für junge und junggebliebene Leser sehr unterhaltsame und vergnügliche Lektüre, deren Tiefgang gut versteckt ist. Lediglich das relativ zurückhaltende Titelbild mit dem zweideutigen Granatapfel stört diesen Eindruck. Hoffentlich entschließt sich Heyne später zu einer Ausgabe, deren Titelbild an die Ausgaben der Douglas-Adams-Bände angelehnt ist.
Linda Jaivin lebte als Schriftstellerin und Übersetzerin in Sydney. Ihr erster Roman \"Haut und Haar erschien ebenfalls bei Heyne.

Michael Matzer © 2001ff

Info: Rock\'n\'Roll babes from Outer Space, 1998; Heyne 2001, Nr. 01/13231, München; 272 Seiten, aus dem Amerikanischen von Thomas Hag, DM 14,90; ISBN 3-453-17772-x


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-22 18:17:05 mit dem Titel J.V. Jones: *Melliandra*: Detailverliebte Abenteuer-Fantasy

Ein John le Carré im Fantasyformat - na, ob das gut geht? Die literarischen Zutaten bieten erstmal wenig Neues: eine uralte Prophezeiung – wenn die Ritter ihre Ehre verlieren, die Tempel fallen und sich das Reich des Bösen mittels schwarzer Magie erhebt, werde ein Junge ohne Vater und ohne Mutter kommen, der der Finsternis Einhalt gebieten kann.

Handlung
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Die Autorin spinnt ein recht fesselndes Garn. In mehreren Handlungssträngen berichtet sie vom Schicksal des magisch begabten Bäckerjungen Jack, des seiner Ehre beraubten Ritters Tawl, der Lady Melliandra und des junges Diebes Schnapper (die \'good guys\') sowie von Königsmörder Prinz Kylock (der Melli heiraten soll), Erzbischof Tavalisk und dem dunklen Zauberer Baralis (die Schurken mit den schwarzen Hüten).

Mittels politischer Intrigen, schwärzestem Teufelswerk und gar ruchlosem Verrat bringen sich die Schurken an die Schalthebel der Macht. Sie planen nichts geringes: ein neues Kaiserreich muss her. Das geht nicht ohne Opfer: auf Kosten der Freiheit der Nachbarländer. Wo grob gehobelt wird, fallen Späne: Auch Senioren, Frauen und Kinder müssen dran glauben. Unsere guten Jungs und Mädels werden gejagt, verfolgt, verraten, gefangen, gefoltert, bis sie endlich – endlich! – fliehen können.

Sie entwickeln sich angesichts der zahllos lauernden Gefahren zu vielschichtigen Persönlichkeiten, wenn sie auch manchmal der Zahn des Selbstzweifels annagt. Im grandiosen Finale versuchen sie den Mächten des Bösen Einhalt zu gebieten. Recht so! Lang lebe das \"Land von Hoffnung und Herrlichkeit\"!

Mein Eindruck
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In einen geographisch wie auch kulturell weit gespannten Rahmen eingebettet finden wir hier die unterschiedlichsten Menschentypen vor. Das aufgeschlossene, mit ihrer Lebensfreude und Leichtigkeit an mediterrane Vorbilder erinnernde Volk der Küstenlande, die wilden Naturburschen der Steppennomaden, die Bauern der Kornkammer, die rauhen von Wind und Wetter getroffenen Bergvölker – sie alle haben ihre charakteristischen Eigenheiten und Besonderheiten, die dazu beitragen sollen, die Handlung glaubhafter und vielseitiger zu machen.

In einer Detailgenauigkeit, die weit über das gewohnte Maß hinausgeht, steht bei der mittlerweile in den Vereinigten Staaten lebenden britischen Autorin das menschliche Schicksal im Vordergrund, wenn auch fein säuberlich in gut und böse unterteilt. Die inneren Konflikte der (guten) Hauptfiguren nehmen doch überproportional viel Raum ein. Dennoch führt all dies in spannender Weise auf den vorläufigen Abschluss in einem guten Finale hin.

Wie in der Zusammenfassung der Handlung schon angedeutet, sind die bösen Jungs ganz und gar schlecht, die Guten jedoch nie ganz und gar gut – das macht erstere unglaubwürdig, letztere aber glaubhafter. Ritter Tawl hat auch seine schwachen Momente, und es steht zu fürchten, das er der dunklen Seite anheimfällt. Es gibt dadurch also immerhin eine klitzekleine Grauzone.

Was das alles mit John le Carré zu tun hat? Nun ja: Es könnte daran liegen, dass bei ihm die Hauptfiguren auch Opfer von Verrat (und sei es an sich selbst!) werden und sie erst wieder einen Wert oder einen Menschen suchen müssen, an dem sie wieder Halt finden. Beispiele dafür fände man in \"Der Schneider von Panama\" oder noch krasser in \"Die Libelle\".

Fazit
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Freunde abenteuerlicher Fantasy dürften hier voll auf ihre Kosten kommen, und zwar sowohl die weiblichen wie die männlichen Fans. Der anhaltende Erfolg der Autorin (bei Knaur) belegt ihre Beliebtheit in gleichem Maß wie ihre Routiniertheit.

Doch der Verlag hätte sauberer arbeiten können: Die landkarte aus der Originalausgabe, die die 4 Königreiche zeigt, fehlt in der deutschen Fassung.

Michael Matzer © 2002ff

Info: The baker\'s boy, 1995; Bastei-Lübbe 2001, Nr. 20407, Bergisch Gladbach ; 733 Seiten, EU 9,66, aus dem Englischen übertragen von Rainer Schumacher; ISBN 3-404-20407-7


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-25 16:17:00 mit dem Titel J.V. Jones: *Der Dornenring 1 - Die Ewige Krone*: Verfluchte Kronen, zeichnende Magier

Die Magie der Zeichen und Muster, ein mysteriöser Dornenring, eine unbedarfte Heldin, ein böser Eroberer – doch alles wird gut, sofern man erstens gute Freunde hat und zweitens weiß, was man in Wahrheit selbst drauf hat.

So beginnt das Epos um den Dornenring der britischen Fantasy Autorin J.V. Jones, die mittlerweile in Kalifornien lebt.

Handlung
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Das Buch beginnt – nach zwei kurzen Prologen - in unserer Wirklichkeit. Tessa McCamfrey ist seit ihrer Kindheit von Tinnitus geplagt, diesem psychologisch bedingten Pfeifen im Ohr. Auf der Flucht vor Bindung führt sie ihr Weg in die Einsamkeit der kalifornischen Berge. Hier stößt sie auf den Schauplatz eines grausamen Verbrechens. Dort findet sie einen goldenen Dornenring; sie streift ihn sich über, wird gestochen und stante pede in eine andere Wirklichkeit versetzt: in die farbenprächtige Stadt Bay\'zell.

Diese Welt befindet sich am Rande des Untergangs. Vor knapp 500 Jahren wurde die Dornenkrone geschaffen, ein magischer Reif, dessen einziger Zweck der Krieg ist. Zusammen mit dem charismatischen Söldner Davis und dem Herrscher Camron ist Tessa dazu ausersehen, die Dornenkrone, die unter einem Bannfluch liegt, zu befreien und damit den wahnsinnigen Eroberer Izgard aufzuhalten.

Doch zuerst einmal muss Tessa lernen, die in ihr verborgenen magischen Kräfte zu erschließen. Sie kann zeichnen und malen. Und um Bay\'zell handelt es sich um eine Welt, in der Bilder und Muster große magische Energie entwickeln: Tessa verfügt über ungeahnte Macht. \"Schreiber\" wie sie vermögen mittels farbiger Muster Wissen zu erwerben sowie Gutes und Böses zu erschaffen. Emith, ein alternder Schreibergehilfe, bringt ihr die Grundlagen der Kunst bei. Bald kann sie einfache Muster zeichnen.

Doch das Herumspielen mit Magie hat auch seine Gefahren. In ihrer Lehrlingszeit nähert sich Izgards Eroberungsstreitmacht scheinbar unaufhaltsam dem friedlichen Bay\'zell. Izgards Schreiber beschwört mit Hilfe der Macht des verfluchten Dornenrings alles verschlingende Ungeheuer herauf. Tessa sieht sich bald verfolgt und gejagt, ihre Helfer werden zum Teil grausam ermordet.

Es gilt zunächst das Rätsel zu lösen, wie die Dornenkrone vor 500 Jahren an diese Welt gebunden wurde, bevor Tessa daran gehen kann, den Bann aufzuheben – und allmählich wird ihr dafür die Zeit reichlich knapp. (Wird fortgesetzt in \"Krone aus Blut\".)

Mein Eindruck
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J.V. Jones\' Romane sind irgendwie anders. Natürlich wird der Leser bei ihr durchaus spannend unterhalten. Doch sie nimmt die gängigen Versatzstücke moderner High-Fantasy-Erzählungen, um sie neu zu arrangieren und zu werten.

Die zunächst etwas unbedarft wirkende Heldin, die in ihrer Umgebung meist etwas fremd erscheint, verfügt über eine bislang verborgene, entscheidende Gabe – das kennt man ebenso wie den ausgestoßenen Krieger und den zunächst arroganten Herrscher, der sich im Lauf der Handlung zum verantwortungsbewussten Führer entwickelt; auf der Seite der \'bad guys\' finden wir den einer dunklen macht verfallenen Gegner.

Alles kommt zusammen durch die Suche nach den Geheimnissen der Vergangenheit, die zu den schicksalhaften Geschehnissen führen. Diese Suche nach den Rätseln der Vergangenheit wird zur Suche nach der eigenen identität, nach den verborgenen oder einfach nur ungenutzten Fähigkeiten der Protagonisten.

All dies sind gewohnte Szenarien, und doch ragen Jones\' Werke aus den Fantasy-Allerlei heraus. Sie legt größeres Gewicht auf die Darstellung der Motivation der Akteure und zeichnet ein zutiefst menschliches Bild ihrer Psychologie. Es gelingt ihr, die Leser zu berühren, sie mitleiden und mittriumphieren zu lassen, ohne die schmerzhaften Wandlungen auf dem Weg zum Triumph herabzuwürdigen.

Jones\' Erzählungen lassen einen am Schluss geschunden und fertig, aber auch glücklich und zufriedengestellt zurück. Mehr kann man wohl von guter Unterhaltung nicht erwarten.

Michael Matzer © 2002ff

Info: The barbed Coil, Part 1, 1997; Bastei-Lübbe 1999/2002, Nr. 28315, Bergisch Gladbach; 429 Seiten, DM 26,90, aus dem Englischen übertragen von Rainer Schumacher; ISBN 3-404-28315-5


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-28 18:29:24 mit dem Titel Jordan/Patterson: *Die Welt von R. Jordans *Das Rad der Zeit**: Guter Überblick

Es war ja nun höchste Zeit, daß der seit Jahren erfolgreichste Fantasy-Zyklus der Welt seine eigene Sekundärdokumentation bekam. Jordans deutscher Verlag Heyne hat denn auch schnell reagiert und innerhalb eines Jahres die deutsche Übersetzung geliefert. Prächtig illustriert und gut übersetzt wird das Werk für den Preis von 58 Mark nicht unter Wert verkauft.

Inhalte

Auf der inhaltlichen Seite des Buches findet der faktenhungrige Fan erst einmal die amerikanischen Titelillustrationen zu den ersten sieben Romanen - bis zu \"Crown of Swords\". Doch konnte zur Zeit der Veröffentlichung des Originals der Roman Nummer 8, \"The Path of Daggers\", natürlich noch nicht berücksichtigt werden - er erschien erst Oktober 1998.

Diesem Publikationsstand entspricht auch der Inhalt der zahlreichen vor dem Leser ausgebreiteten Kapitel - insgesamt 32. Ironischerweise hat Jordan die genannten Cover zu einem eigenen Abschnitt als \"Einige erzählerische Darstellungen von fragwürdiger Echtheit\" zusammengefaßt. Dies wird ausgeglichen durch ein immenses Faktenwissen, das den Eindruck von Authentizität suggeriert. Angefangen wird mit \"Das Rad und die Macht\", da sie ja die zentralen Kräfte für die geschilderte Welt darstellen. Im \"Zeitalter der Legenden\" wird den männlichen und weiblichen Verlorenen sowie den Schattenfreunden und Shai\'tan erstaunlich viel Raum eingeräumt - schließlich muß man den Gegner kennen.

In chronologischer Reihenfolge schildert Jordan sodann die Welt nach der Zerstörung: die Bildung der Weißen Burg, Artur Falkenflügels Auftauchen, der Hundertjährige und der Aiel-Krieg. Diese Epoche ist für den Leser ebenso Vergangenheit wie für die Romanfiguren, weshalb es nur konsequent erscheint, daß ihr und den vorangegangenen Kapiteln nur rund 110 von 300 Seiten gewidmet werden. Abschnitt 5 und 6 schildern en detail \"Die Welt des Rades\" und noch etwas eingegrenzter die Welt \"Innerhalb des Landes\", also die Region zwischen den Bergketten in West und Ost, wo der Großteil der Handlung spielt. Naturgemäß gibt es über Weltgegenden östlich des Aiel-Landes - Shara - und westlich des Hauptkontinents - der Inselkontinent der Seanchan - relativ wenig zu berichten. Erstaunlich ist vielleicht die bislang in den Roman unerwähnte Existenz eines dritten Kontinents, der vom Meeresvolk als \"Land der Wahnsinnigen\" bezeichnet und folglich gemieden wird.

Abschnitt 5 und 6 setzen sich nicht nur mit den zahlreichen Völkerschaften auseinander, sondern auch mit deren Organisationen: den Aes Sedai, den Ashaman (leider viel zu kurz), den Kindern des Lichts, der Bande der Roten Hand von Mat Cauthon. Eine Darstellung der Eigenarten der einzelnen Stadtstaaten wie Tear, Mayene, Cairhien usw. mag dagegen weniger interessant erscheinen.

Das Buch wird abgeschlossen mit der Aufzählung der Feiertage, dem Kalender und den Prophezeiungen des Drachen. Ein wertvolles Register liefert Stichwörter. Das gesamte Buch ist Jordans Frau Harriet gewidmet.

Mein Eindruck

Es wird in einem amerikanischen Fantasybuch nicht sonderlich überraschen, daß Sex kein Thema ist. Die Leser müssen einfach davon ausgehen, daß alle Wesen sich irgendwie fortpflanzen, und sei es durch Magie. Auch so manche liebgewordene bildliche Vorstellung vom Aussehen der Helden und Heldinnen - positiver wie auch negativer Moral - muß über Bord geworfen werden. Sämtliche Hauptfiguren haben ihr Konterfei erhalten. Über die Darstellung kann man sich wirklich streiten. Der Ogier Loial sieht beispielsweise aus wie ein zu groß geratenes Kind, und Rand al\'Thor, der einen würdigen Abschluß dieses Reigens bildet, hat Ringe unter den Augen, als hätte er zwanzig Nächte durchgekämpft. Lustig ist es hingegen, zu entdecken, daß die Soldaten, auf die Rands Aiel im \"Stein von Tear\" stoßen, alte spanische Rüstungen und Helme tragen - Beduinenkämpferinnen und Hidalgos, welch eine nette Mischung!

Michael Matzer © 2000/2003ff

Info: The World of Robert Jordan\'s The Wheel of Time, 1997, TOR Books; Heyne 1998, Nr. 06/9000, München; 303 Seiten, DM 58,00, aus dem US-Englischen übertragen von Karin König; mittlerweile auch im Paperbackeinband erhältlich. ISBN 3-453-?

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