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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Gering
Ein VeSpWi - Buch
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Der Totenacker / Paul Johnston
Mit "Der Totenacker" liegt der zweite Band der Reihe von Paul Johnston über das Edinburgh des 21. Jahrhunderts vor.
Im Buchladen habe ich das Buch seit einigen Wochen immer wieder in die Hand genommen und mich nach einigen hin und her dazu entschlossen, es dann doch mitzunehmen und mal probezulesen.
Um es gleich zu sagen: Das lange Zögern war ein Fehler, ich hätte das Buch sofort mitnehmen sollen.
***************************************
Die Geschichte spielt in Edinburgh im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts. Die westliche Welt hat fundamentale gesellschaftliche Metamorphosen hinter sich.
Das britische Königreich ist, getrieben von der Macht immer stärker werdender Drogenbanden zerfallen in kleine Stadtstaaten, die sich alle ganz unterschiedlich entwickeln.
Glasgow ist das Mekka der Demokratie, Edinburgh erinnert das er an "1984"..
Die Stadt wird regiert von sogenannten PROTEKTOREN, die alles unter ihrer Kontrolle haben. Die Telekommunikation wurde auf Orte beschränkt, wo sie überwacht werden kann, PCs sind nur den Protektoren zugänglichem, Fahrzeuge sind im Besitz der Regierung. Kontrolliert wird nicht mehr durch Polizisten sondern durch Ordnungshelfer, die dem System treu ergeben sind.
Selbst der Sex wird durch Regeln gemaßregelt: Sex ist den jeweiligen gesellschaftliche Gruppen nur an bestimmten Tagen erlaubt (z.B. Donnerstags) und eine weitere Bedingung ist, das es immer Sex mit wechselnden Partner - also querbeet - zu geben hat.
Eine Idee, die dem Autor scheinbar sehr gefällt.
**************************************
Diese Beschreibung wirkt eher dröge, aber zu verstehen ist sie eigentlich nur als Bühne, auf dem dann die eigentliche Handlung spielt:
Quint Dalrymple, Investigator (Detektiv / Privatermittler), stolpert mit einem Bekannten in eine Mordserie, die erstaunlich fantasievolle Leichen produziert. Ein scheinbar druschgeknallter Mörder tötet seine Opfer nicht nur, er verstümmelt sie und hinterlässt in den Leichen Kassetten mit verbotenen Blues Melodien.
Langsam wird deutlich, dass die Hintergründe dieser bestialischen Mordserie in die Reihen der Protektoren und der Ordnungshelfer reicht.........
**************************************
Ein VeSpWi - Buch
- zu deutsch ein versautes und spannendes und witziges Buch. Johnston und dem Übersetzer sind hier ein toller Wurf gelungen. Gespickt mit Humor und dramatischen Elementen ist das Buch ein absolutes Lesevergnügen. Vor allem die ironisch - bissige Art, die Johnston seinem Helden verleit, lässt einen durch das Buch quasi pflügen.
Als Tipp: Die Fabel wird einige Leser vielleicht das Buch nicht als passende Lektüre erscheinen, da a) entweder Fantasie nicht sein Fall ist oder b) vielleicht Krimis etc. nicht gerade das bevorzugte Genre ist.
Dennoch hat das Buch Stärkern, die es zu einer Allround - Lektüre machen, was dem Erzählwitz zuzuschreiben ist.
Aber Vorsicht: Ich habe meiner Frau einige "interessante" Passagen aus dem Buch vorgelesen, was gleich zu eifersüchtig- hysterischen Fragen geführt hat. Für etwas prüdere Zeitgenossen oder solche mit einem ausgeprägten Schamgefühl, die sexuelle Fantasien auch in Worten ablehnen, gilt dieses Buch als indiziert - : Hier - und nur hier!!!! - darf/soll/ kann nicht sein usw. das Buch nicht, nicht, nicht gelesen werden.
Ansonsten: Viel Spaß!!!!!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-02 19:26:42 mit dem Titel Spannender SCIENCE-FICTION-THRILLER (Band1)
Der Roman „Die kalte Stadt“ ist der erste Teil der Science-Fiction-Serie von Paul Johnston über die Stadt Edinburgh nach dem Jahre 2002, die allesamt in der düsteren Stimmung von „1984“ verfasst wurden.
Grundsätzlich gleich zu Beginn: Die Serie (bisher sind zwei Bände übersetzt worden) sollte chronologisch gelesen werden, weil Johnston in den späteren Büchern immer wieder Rückgriffe auf die vorherigen Bände macht.
ZUM RAHMEN DER BÜCHER
Im Grunde handelt es sich um Detektivgeschichten, für die Johnston eine eigene, auf seine Heimatstadt Edinburgh bezogene Realität schafft, die einerseits die oben genannten Anlagen bei „1984“ deutlich erkennen lässt, andererseits aber auch „nur“ eine Spiegelung der derzeitigen Realität in unserer heutigen Welt ist.
Edinburgh im Jahre 2020 ist ein Polizeistaat, in dem alle auf die Persönlichkeit und Individualität ausgerichteten Verhaltensweisen ausgemerzt scheinen. Geburtstage dürfen nicht mehr gefeiert werden, das Rauchen und Trinken, das Hören von gefährlicher Musik sind aufgehoben.10 Direktoren regieren die Stadt, flankiert von den Ordnungshütern. Vor allem diese sind ausgewählte und speziell suggestiv ausgebildete Stützen des Regimes, sind die eigentliche, willfährige Ordnungsmacht, die jeden Schritt, uniformiert oder als Spitzel, der Bürger kontrollieren, melden, archivieren.. Sämtlich Individualität geht verloren, was zum Beispiel auch an der gleichen Kleidung der Menschen erkennen kann. Klar, das kennt man aus den alten Ostblockstaaten und anderen Diktaturen: Uniformität als Ziel der Indoktrination.
Die Tätigkeiten, die Berufe der Menschen werden zentral vergeben.
Neben diesen Anleihen beispielsweise am real existierenden Sozialismus geht Johnston aber noch ein gutes Stück weiter: So ist die Krise der Monarchie in England zu Beginn des 21 Jahrhunderts der eigentliche grund dafür, das Edinburgh zu dem wird, wie es Johnston beschreibt. Korrupte Politiker, ein König, der die Tochter eines kolumbianischen Drogenbarons gleiche zweimal ehelicht ( 1 Scheinung inklusive), sollen nicht nur zeigen, wie hohl der Autor die Gesellschaft am Ende des 20 Jahrhunderts einschätzt, nein, schließlich bringt dieses Verhalten das Fass zum überlaufen: England zerfällt in viele kleine Staaten / Stadtstaaten, ist damit aber nicht allein, Frankreich ergeht es ähnlich, wird von arabischen Banden aufgeteilt.
Die Grundidee des ersten Direktoriums geht die Philosophie Platons voraus: Reinheit des Geistes und des Körpers bar jeglichen Eigennutzes, so soll die Gesellschaft der Zukunft konstituiert werden. Nur: Wie auch bei allen schon gescheiterten Gesellschaftsexperimenten, der Faktor MENSCH bleibt unberücksichtigt bzw. seine Eigenart, Macht, die er hat, nicht wieder abgeben zu wollen. gesellschaftlich eingeforderter Altruismus – das geht immer in die Hose.
Edinburgh im Jahre 2020 – das ist nicht nur gesellschaftliches Chaos, auch die Rollen in der Welt haben sich verkehrt: Fahren heute die reichen Europäer nach China (ja, nach China, auch wenn die gemeinte Tätigkeit dort offiziell verboten ist!), Thailand oder sonst wo hin, um ihre körperlichen Gelüste an ausgelieferten Leibern zu stillen, so ist im Jahre 2020 Edinburgh neben Amsterdam das Libido-Mekka der neuen Welt. Um im harten Konkurrenzkampf zu bestehen, liefert die Stadt ihren Gästen, die nun nicht aus Europa, sondern den umgekehrten Weg aus dem Fernen Osten, aus Griechenland usw. nach Europa nehmen, das Härteste, was in diesem Bereich zu haben ist.
Und da es sich um eine lukrative, besser gesagt, die einzig wirklich namhafte Einnahmequelle des ansonsten schwachbrüstigen Stadtstaates handelt, wird die Beschäftigung des Lust-Personals nicht etwa der freien Marktwirtschaft überlassen: Nein, männliche und weibliche Ordnungshelfer (also POLIZISTEN) werden dienstverpflichtet zum Wohle der Nation, sich den Sextouristen in jeglicher Form hinzugeben.
Andererseits: Edinburgh ist eine Stadt ohne Verbrechen – fast immer.
Der Held
Quintilian Dalrymple ist Sohn des ersten Ersten Direktoriumsvorsitzenden Hector Darymple, der freilich aus moralischen Skrupeln abgedankt hatte. Derzeit wird das Direktorium von seiner Mutter geleitet. Quintilian ist 36 Jahre alt, war früher Ordnungshelfer. Freilich verloren er trotz der Ausbildung nicht seine eigenen Gedanken , weshalb er ein denkbar ungünstiger Ordnungshelfer war. Und da Vater und Mutter sehr tugendhafte Menschen sind, hat er von deren Stellung keinerlei Vorteile. So lebt er, der gescheiterte Ordnungshelfer als Arbeiter im Amt für Parkanlagen und nebenbei als INVESTIGATOR, wie der Titel in dieser zeit für das lautet, was wir unter dem Begriff DETEKTIV kennen. Mit dieser Tätigkeit schafft er es, zumindest einige Vorteile im Alttag zu erlangen: So gibt es als Bezahlung beispielsweise 500g Kaffee – ein Vermögen in dieser Zeit.
Die letzten Morde in Edinburgh liegen einige Jahre zurück, als sich der junge Staat noch gegen Gangsterbande wehren musste, die das Territorium des Staats zu ihrem wirtschaftlichen Betätigungsfeld machen wollten.
Deshalb schlägt er sich auch oft mit der Suche nach vermisten Personen herum, die sich freilich im Frühjahr 2020 bedrohlich anhäufen. Junge Menschen verschwinden spurlos und tauchen nicht mehr auf.
parallel dazu beginnt eine brutale Mordserie, der auch, und das ist das schockierende, Ordnungshelfer zum Opfer fallen. Bedrohlich ist vor allem das Faktum, dass den Toden bei den Morden Organe entfernt werden – und gerade das war die Spezialität eines der letzten Mörder aus der Zeit der Bandenkriege, der nie gefasst worden ist.
Ist nun der Mörder zurückgekehrt? Warum mordet der Mörder immer nur an bestimmten Wochentagen? Was verbindet die Opfer, welches Motiv liegt hinter den Taten?
Bei seinen Ermittlungen stößt Quintilian Dalrymple auf ein Dickicht aus Korruption und Vorteilsnahme, die selbst nicht davor zurückschreckt, die eigenen Bürger ans Messer zu liefern.
DAS BUCH ALS LESESTOFF
Das Johnston so einige Anleihen aufnimmt, mag dem einen oder anderen als geistiges Plagiat vorkommen. Trotz dessen verbindet er in seinen Büchern Ideen von Mensch und Gesellschaft, wenn auch aus einem negativen Blickwinkel und vor allem als entgegengesetztes Bild zur heutigen Realität – ein bisschen einfach vielleicht, keinesfalls aber einfallslos.
Den die nicht utopische Umgebung der Handlung macht den Stoff an sich schon lesenswert. Dazu schafft er es, einen glaubwürdigen Helden und einer gekonnt gestrickten Detektivstory mit dieser Rahmenhandlung zu verweben, dass eine beachtenswerte Thrillerreihe das Licht der Welt erblickt, die nicht nur den eigentlichen Thriller – Leser begeistern wird.
11/2 Tage, länger hat das Buch bei mir nicht gehalten. Und kann zweierlei bedeuten: Entweder ist das Buch zu dünn für den Preis, oder aber das Buch ist hervorragend geschrieben.
Letzteres ist der Fall.
Mit "Der Totenacker" liegt der zweite Band der Reihe von Paul Johnston über das Edinburgh des 21. Jahrhunderts vor.
Im Buchladen habe ich das Buch seit einigen Wochen immer wieder in die Hand genommen und mich nach einigen hin und her dazu entschlossen, es dann doch mitzunehmen und mal probezulesen.
Um es gleich zu sagen: Das lange Zögern war ein Fehler, ich hätte das Buch sofort mitnehmen sollen.
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Die Geschichte spielt in Edinburgh im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts. Die westliche Welt hat fundamentale gesellschaftliche Metamorphosen hinter sich.
Das britische Königreich ist, getrieben von der Macht immer stärker werdender Drogenbanden zerfallen in kleine Stadtstaaten, die sich alle ganz unterschiedlich entwickeln.
Glasgow ist das Mekka der Demokratie, Edinburgh erinnert das er an "1984"..
Die Stadt wird regiert von sogenannten PROTEKTOREN, die alles unter ihrer Kontrolle haben. Die Telekommunikation wurde auf Orte beschränkt, wo sie überwacht werden kann, PCs sind nur den Protektoren zugänglichem, Fahrzeuge sind im Besitz der Regierung. Kontrolliert wird nicht mehr durch Polizisten sondern durch Ordnungshelfer, die dem System treu ergeben sind.
Selbst der Sex wird durch Regeln gemaßregelt: Sex ist den jeweiligen gesellschaftliche Gruppen nur an bestimmten Tagen erlaubt (z.B. Donnerstags) und eine weitere Bedingung ist, das es immer Sex mit wechselnden Partner - also querbeet - zu geben hat.
Eine Idee, die dem Autor scheinbar sehr gefällt.
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Diese Beschreibung wirkt eher dröge, aber zu verstehen ist sie eigentlich nur als Bühne, auf dem dann die eigentliche Handlung spielt:
Quint Dalrymple, Investigator (Detektiv / Privatermittler), stolpert mit einem Bekannten in eine Mordserie, die erstaunlich fantasievolle Leichen produziert. Ein scheinbar druschgeknallter Mörder tötet seine Opfer nicht nur, er verstümmelt sie und hinterlässt in den Leichen Kassetten mit verbotenen Blues Melodien.
Langsam wird deutlich, dass die Hintergründe dieser bestialischen Mordserie in die Reihen der Protektoren und der Ordnungshelfer reicht.........
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Ein VeSpWi - Buch
- zu deutsch ein versautes und spannendes und witziges Buch. Johnston und dem Übersetzer sind hier ein toller Wurf gelungen. Gespickt mit Humor und dramatischen Elementen ist das Buch ein absolutes Lesevergnügen. Vor allem die ironisch - bissige Art, die Johnston seinem Helden verleit, lässt einen durch das Buch quasi pflügen.
Als Tipp: Die Fabel wird einige Leser vielleicht das Buch nicht als passende Lektüre erscheinen, da a) entweder Fantasie nicht sein Fall ist oder b) vielleicht Krimis etc. nicht gerade das bevorzugte Genre ist.
Dennoch hat das Buch Stärkern, die es zu einer Allround - Lektüre machen, was dem Erzählwitz zuzuschreiben ist.
Aber Vorsicht: Ich habe meiner Frau einige "interessante" Passagen aus dem Buch vorgelesen, was gleich zu eifersüchtig- hysterischen Fragen geführt hat. Für etwas prüdere Zeitgenossen oder solche mit einem ausgeprägten Schamgefühl, die sexuelle Fantasien auch in Worten ablehnen, gilt dieses Buch als indiziert - : Hier - und nur hier!!!! - darf/soll/ kann nicht sein usw. das Buch nicht, nicht, nicht gelesen werden.
Ansonsten: Viel Spaß!!!!!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-02 19:26:42 mit dem Titel Spannender SCIENCE-FICTION-THRILLER (Band1)
Der Roman „Die kalte Stadt“ ist der erste Teil der Science-Fiction-Serie von Paul Johnston über die Stadt Edinburgh nach dem Jahre 2002, die allesamt in der düsteren Stimmung von „1984“ verfasst wurden.
Grundsätzlich gleich zu Beginn: Die Serie (bisher sind zwei Bände übersetzt worden) sollte chronologisch gelesen werden, weil Johnston in den späteren Büchern immer wieder Rückgriffe auf die vorherigen Bände macht.
ZUM RAHMEN DER BÜCHER
Im Grunde handelt es sich um Detektivgeschichten, für die Johnston eine eigene, auf seine Heimatstadt Edinburgh bezogene Realität schafft, die einerseits die oben genannten Anlagen bei „1984“ deutlich erkennen lässt, andererseits aber auch „nur“ eine Spiegelung der derzeitigen Realität in unserer heutigen Welt ist.
Edinburgh im Jahre 2020 ist ein Polizeistaat, in dem alle auf die Persönlichkeit und Individualität ausgerichteten Verhaltensweisen ausgemerzt scheinen. Geburtstage dürfen nicht mehr gefeiert werden, das Rauchen und Trinken, das Hören von gefährlicher Musik sind aufgehoben.10 Direktoren regieren die Stadt, flankiert von den Ordnungshütern. Vor allem diese sind ausgewählte und speziell suggestiv ausgebildete Stützen des Regimes, sind die eigentliche, willfährige Ordnungsmacht, die jeden Schritt, uniformiert oder als Spitzel, der Bürger kontrollieren, melden, archivieren.. Sämtlich Individualität geht verloren, was zum Beispiel auch an der gleichen Kleidung der Menschen erkennen kann. Klar, das kennt man aus den alten Ostblockstaaten und anderen Diktaturen: Uniformität als Ziel der Indoktrination.
Die Tätigkeiten, die Berufe der Menschen werden zentral vergeben.
Neben diesen Anleihen beispielsweise am real existierenden Sozialismus geht Johnston aber noch ein gutes Stück weiter: So ist die Krise der Monarchie in England zu Beginn des 21 Jahrhunderts der eigentliche grund dafür, das Edinburgh zu dem wird, wie es Johnston beschreibt. Korrupte Politiker, ein König, der die Tochter eines kolumbianischen Drogenbarons gleiche zweimal ehelicht ( 1 Scheinung inklusive), sollen nicht nur zeigen, wie hohl der Autor die Gesellschaft am Ende des 20 Jahrhunderts einschätzt, nein, schließlich bringt dieses Verhalten das Fass zum überlaufen: England zerfällt in viele kleine Staaten / Stadtstaaten, ist damit aber nicht allein, Frankreich ergeht es ähnlich, wird von arabischen Banden aufgeteilt.
Die Grundidee des ersten Direktoriums geht die Philosophie Platons voraus: Reinheit des Geistes und des Körpers bar jeglichen Eigennutzes, so soll die Gesellschaft der Zukunft konstituiert werden. Nur: Wie auch bei allen schon gescheiterten Gesellschaftsexperimenten, der Faktor MENSCH bleibt unberücksichtigt bzw. seine Eigenart, Macht, die er hat, nicht wieder abgeben zu wollen. gesellschaftlich eingeforderter Altruismus – das geht immer in die Hose.
Edinburgh im Jahre 2020 – das ist nicht nur gesellschaftliches Chaos, auch die Rollen in der Welt haben sich verkehrt: Fahren heute die reichen Europäer nach China (ja, nach China, auch wenn die gemeinte Tätigkeit dort offiziell verboten ist!), Thailand oder sonst wo hin, um ihre körperlichen Gelüste an ausgelieferten Leibern zu stillen, so ist im Jahre 2020 Edinburgh neben Amsterdam das Libido-Mekka der neuen Welt. Um im harten Konkurrenzkampf zu bestehen, liefert die Stadt ihren Gästen, die nun nicht aus Europa, sondern den umgekehrten Weg aus dem Fernen Osten, aus Griechenland usw. nach Europa nehmen, das Härteste, was in diesem Bereich zu haben ist.
Und da es sich um eine lukrative, besser gesagt, die einzig wirklich namhafte Einnahmequelle des ansonsten schwachbrüstigen Stadtstaates handelt, wird die Beschäftigung des Lust-Personals nicht etwa der freien Marktwirtschaft überlassen: Nein, männliche und weibliche Ordnungshelfer (also POLIZISTEN) werden dienstverpflichtet zum Wohle der Nation, sich den Sextouristen in jeglicher Form hinzugeben.
Andererseits: Edinburgh ist eine Stadt ohne Verbrechen – fast immer.
Der Held
Quintilian Dalrymple ist Sohn des ersten Ersten Direktoriumsvorsitzenden Hector Darymple, der freilich aus moralischen Skrupeln abgedankt hatte. Derzeit wird das Direktorium von seiner Mutter geleitet. Quintilian ist 36 Jahre alt, war früher Ordnungshelfer. Freilich verloren er trotz der Ausbildung nicht seine eigenen Gedanken , weshalb er ein denkbar ungünstiger Ordnungshelfer war. Und da Vater und Mutter sehr tugendhafte Menschen sind, hat er von deren Stellung keinerlei Vorteile. So lebt er, der gescheiterte Ordnungshelfer als Arbeiter im Amt für Parkanlagen und nebenbei als INVESTIGATOR, wie der Titel in dieser zeit für das lautet, was wir unter dem Begriff DETEKTIV kennen. Mit dieser Tätigkeit schafft er es, zumindest einige Vorteile im Alttag zu erlangen: So gibt es als Bezahlung beispielsweise 500g Kaffee – ein Vermögen in dieser Zeit.
Die letzten Morde in Edinburgh liegen einige Jahre zurück, als sich der junge Staat noch gegen Gangsterbande wehren musste, die das Territorium des Staats zu ihrem wirtschaftlichen Betätigungsfeld machen wollten.
Deshalb schlägt er sich auch oft mit der Suche nach vermisten Personen herum, die sich freilich im Frühjahr 2020 bedrohlich anhäufen. Junge Menschen verschwinden spurlos und tauchen nicht mehr auf.
parallel dazu beginnt eine brutale Mordserie, der auch, und das ist das schockierende, Ordnungshelfer zum Opfer fallen. Bedrohlich ist vor allem das Faktum, dass den Toden bei den Morden Organe entfernt werden – und gerade das war die Spezialität eines der letzten Mörder aus der Zeit der Bandenkriege, der nie gefasst worden ist.
Ist nun der Mörder zurückgekehrt? Warum mordet der Mörder immer nur an bestimmten Wochentagen? Was verbindet die Opfer, welches Motiv liegt hinter den Taten?
Bei seinen Ermittlungen stößt Quintilian Dalrymple auf ein Dickicht aus Korruption und Vorteilsnahme, die selbst nicht davor zurückschreckt, die eigenen Bürger ans Messer zu liefern.
DAS BUCH ALS LESESTOFF
Das Johnston so einige Anleihen aufnimmt, mag dem einen oder anderen als geistiges Plagiat vorkommen. Trotz dessen verbindet er in seinen Büchern Ideen von Mensch und Gesellschaft, wenn auch aus einem negativen Blickwinkel und vor allem als entgegengesetztes Bild zur heutigen Realität – ein bisschen einfach vielleicht, keinesfalls aber einfallslos.
Den die nicht utopische Umgebung der Handlung macht den Stoff an sich schon lesenswert. Dazu schafft er es, einen glaubwürdigen Helden und einer gekonnt gestrickten Detektivstory mit dieser Rahmenhandlung zu verweben, dass eine beachtenswerte Thrillerreihe das Licht der Welt erblickt, die nicht nur den eigentlichen Thriller – Leser begeistern wird.
11/2 Tage, länger hat das Buch bei mir nicht gehalten. Und kann zweierlei bedeuten: Entweder ist das Buch zu dünn für den Preis, oder aber das Buch ist hervorragend geschrieben.
Letzteres ist der Fall.
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