Erfahrungsbericht von Libraia
Andreas Eschbachs Bücher gehören alle zum Genre Sci-Fi-Romane, auch sein neuer Roman "
Pro:
spannend, regt zum Nachdenken an
Kontra:
manches ist zu lang, Stil ist recht einfach
Empfehlung:
Nein
Andreas Eschbachs neuer Roman "Eine Billion Dollar" ist letzten Herbst im Lübbe Verlag erschienen, er kostet 23 Euro.
Die ISBN ist:3-7857-20499-1
Andreas Eschbach ist eigentlich ein Science - Fiction- Autor, seinen größten kommerziellen Erfolg hatte er mit dem Zukunftsthriller "Das Jesusvideo".
Wenn man Literatur so wie Musik in einen E (für ernste Musik sprich Klassik) und U (Unterhaltung sprich eher seicht sprich Pop) einteilen würde, stände Eschbach ganz klar auf der U - Seite.
Er schreibt leicht lesbare, vom sprachlichen Niveau her gesehen eher niedrig einzustufende Spannungsromane.
Ich selbst wäre von mir aus nie darauf gekommen, freiwillig zu Eschbach zu greifen. Nachdem aber mein Sohn (17 Jahre) im letzten Urlaub so begeistert sowohl vom Jesus-Video als auch von "Kellwitts Stern" gewesen war und er mich mehr oder weniger nötigte, ihn zu lesen, tat ich es halt.
O.K. das Jesus - Video hat mich nicht überzeugt, es war zwar ganz spannend, aber das war's dann auch. Kellwitts Stern hingegen gehört so mit zu den lustigsten Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen hatte (musste dauernd kichern).
Also war meine Abneigung, nun das neue zu lesen, doch schon ziemlich geschrumpft.
Darüber bin ich sehr froh, denn es hat mir ausgesprochen gut gefallen!
Zum Autor:
Andreas Eschbach wurde 1959 in Ulm geboren, nach seinem Studium für Luft- und Raumfahrttechnik (daher wohl sein Hang zur Science-Fiction) arbeitete er als Software-entwickler. Während eines Stipendiats der Arno-Schmidt-Stiftung (sieh mal einer an, doch hochkarätige Literatur?) schrieb er 1995 seinen ersten Roman.
Wer Näheres über den Autor wissen möchte, kann auch unter www.andreaseschbach.de nachgucken.
Zum Inhalt:
John Fontanelli ist Pizza - Ausfahrer in New York, seine Eltern, Nachfahren italienischer Einwanderer sind ebenfalls einfache Leute. Sein Leben verläuft völlig normal, was so viel heißt, dass er fast immer pleite ist, obwohl er viel arbeitet, er hat ein kleines Zimmer in der Wohnung eines Kumpels gemietet, kürzlich hat ihn seine Freundin verlassen und er lebt ziellos, aber nicht wirklich unglücklich vor sich hin.
Nun wird John eines Tages eröffnet, dass er geerbt hat; zwar kann er sich nicht vorstellen, was und von wem überhaupt, er rechnet aber ganz bestimmt mit nichts Großartigem.
Tja, und was passiert dann? Sicher könnt ihr es euch schon denken: er hat 1 Billion Dollar geerbt, das sind eine Million Millionen, auf einen Schlag ist er damit der reichste Mensch der Welt.
Zustande gekommen ist diese unglaubliche Summe dadurch, dass vor exakt 500 Jahren einer seiner Vorfahren in einem Testament verfügt hat, dass das von ihm angelegte Geld (auf heutige Verhältnisse umgerechnet war das damals eine Summe von etwa 10.000 Dollar) seinem jüngsten männlichen (na ja vor 500 Jahren gab's halt noch keine Gleichberechtigung!) Nachkommen die gesamte Summe übereignet werde. Dieser Vorfahr (wer das war, verrate ich nicht) übergab die Summe einer Bankiersfamilie, den Vacchis, denen er völlig vertraute, diese legten dann über Generationen hinweg das Geld immer wieder so geschickt wie möglich an und durch Zins und Zinseszins wuchs es dann so weit an.
Die Geschichte klingt ziemlich unglaublich (mein Einwand ist, dass sicher irgendjemand von der Bankiersfamilie sich das Geld doch unter den Nagel hätte reißen können), aber erstens beschreibt Eschbach all das doch mit einer in sich zwingenden Logik, zweitens ist es auch egal, wir müssen, um dem Roman weiter zu folgen, das einfach so hinnehmen und drittens ist das Testament auch mit einer Prophezeiung verbunden, an die alle Vacchis fest geglaubt hatten.
Diese Prophezeiung hat es in sich: Derjenige, der das Geld erbt, solle und werde sein Vermögen so einsetzen, dass er der Erde und der Menschheit wieder eine Zukunft ermöglicht.
Unser Pizza-Ausfahrer als Retter der Menschheit also.
Wie er diese Aufgabe allerdings bewerkstelligen soll, sagte der Vorfahr leider nicht, auch gibt es keine bindenden Verpflichtungen, Fontanelli kann frei über sein Geld bestimmen.
Dann passiert erst mal all das, was man sich so vorstellt: er dreht ein bisschen durch, kauft sich als erstes einen Ferrari, tolle Klamotten und eine wunderschöne Villa in Italien.
Die Familie Vacchi kümmert sich freundlich und fürsorglich um ihn, berät ihn gut und loyal in dieser neuen Lebenssituation.
Nachdem er sich dann ein bisschen an den Gedanken gewöhnt hat, der reichste Mensch der Welt zu sein, überlegt er sich intensiv, wie er denn die Prophezeiung umsetzen könne.
Seine erste spontane Idee, den größten Teil des Geldes an die Armen der Welt zu verteilen, wird ihm aber schnell ausgeredet, denn dann entfiele auf jeden nur etwa eine Summe von 250 Dollar, allzu weit kommt man damit auch nicht.
John beginnt, sich intensiv zu informieren über Dinge, die ihn noch nie im Leben interessiert hatten: über Geldanlage, Wirtschaft im Allgemeinen, über die Lage der Welt, über Umweltschutz, Klimaerwärmung, Globalisierung, Armut, die Weltgesundheitslage und dergleichen mehr.
Während er sich also langsam in seine Aufgabe einarbeitet, bekommt er einen anonymen Telefonanruf , ein Mensch, der anscheinend alles über das Testament und über ihn weiß, auch und gerade über sein Problem, wie er die Prophezeiung erfüllen kann. Dieser Mann ruft ihn immer wieder an, er gewinnt langsam sein Vertrauen , bis John beschließt, sich mit ihm zu treffen.
Es stellt sich heraus, dass McCaine früher bei den Vacchis die Software für die komplizierte Geldanlage entwickelt hatte und alles herausbekommen hatte. Seit diesem Zeitpunkt hatte sich McCaine vorbereitet auf den "Erben" und er hat ganz genaue Pläne, wie man mit dem Geld die Erde retten können.
Auch wenn die Vacchis John vor McCaine warnen, gelingt es diesem, John völlig von sich zu überzeugen. Er zieht mit ihm von Italien nach London um, kauft sich ein Schloss (das ihm zwar eigentlich nicht gefällt, aber aus Repräsentationsgründen muss das wohl sein)
Klar denkt sich nun jeder, dass McCaine sicher ein übler Bösewicht ist, der nur an das große Geld rankommen möchte, doch damit tut man ihm in gewisser Weise unrecht, denn er glaubt absolut an die Prophezeiung. Er hat sich in vielen Jahren mühsam auf die Aufgabe vorbereitet, dem Erben zur Seite zu stehen, alles, was John gerade erst anfing, hat McCaine schon hinter sich. Er kennt sich bestens aus mit der katastrophalen Lage der Welt und arbeitet an den verschiedensten Strategien zu ihrer Rettung.
Tja, was stellen nun diese beiden Weltverbesserer alles an, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen?
Das kann ich nun nicht alles beschreiben (der Roman hat fast 800 Seiten), aber sie entwickeln sehr unterschiedliche Denkmodelle, lassen Wissenschaftler unterschiedlichster Couleur für sich arbeiten und engagieren sich mächtig. Währenddessen nimmt das Vermögen immer mehr zu, die Fontanelli- Foundation wird eine ernstzunehmende und wichtige Wirtschaftsgröße.
Eingewoben in diese Rahmenhandlung ist natürlich - wie könnte das fehlen - eine Liebesgeschichte, die gar nicht mal so schlecht ist. Man kann sich vorstellen, dass John auch stark mit dem Problem, wer sind eigentlich noch meine Freunde, wem kann ich vertrauen und wie gehe ich um mit meiner zunehmenden Macht zu kämpfen hat. Er stürzt sich voll in die Arbeit und entwickelt sich zum Workaholic.
Als er erfährt, dass er nur durch einen Zufall der Erbe wurde, denn der eigentliche Favorit, ein ihm bis dahin unbekannt gebliebener italienischer Cousin im Teenageralter, starb kurz vor dem Stichtag durch einen Unfall. Doch war es wirklich ein Unfall? Je mehr John über seinen Cousin erfährt, desto sicherer wird er, dass dieser (eine Art kleines Genie, der sich in Schülerzeitungsartikeln mit genau den Themen beschäftigt hatte, um die es jetzt geht) der "richtige" gewesen ist. Doch wer hatte ein Interesse daran, ihn, John, zum Erben zu machen???
Nun, ich möchte nicht alles auflösen, noch weniger möchte ich erzählen, ob es letztendlich gelingt, der Menschheit die Zukunft zurückzugeben.
Nur so viel: es passiert noch eine ganze Menge! John lernt andere Länder kennen, die Superreichen und die ganz Armen, und was ihm widerfährt, verändert nicht nur ihn, sondern auch ein bisschen den Leser, zumindest den, der bereit ist, sich auf die Story, so verrückt sie sein mag, einzulassen.
Stil:
Wie bereits erwähnt, der literarische Stil ist es sicher nicht, was Eschbachs Kunst ausmacht, er benutzt viele Klischees (manchmal nervt das etwas), mitunter sind gewisse Handlungsabläufe zu vorhersehbar und die Geschichte hat auch Längen (aber auf die 800 Seiten verteilt gar nicht mal so viele). Er schreibt recht einfach, nicht gerade kunstvoll, aber auch nicht zu platt.
Im Ausgleich dazu gelingt es ihm jedoch, komplizierteste Vorgänge auch für den absolut unbeleckten Leser verständlich zu machen. Dafür gebührt ihm höchstes Lob! Ich möchte sogar sagen, dass ich noch nie so viel Neues, Schlaues, Kluges und Gescheites über wirtschaftliche Zusammenhänge erfahren habe wie in diesem Buch!
Wer etwa meint, Geld vermehre sich quasi von selbst auf der Bank, wird das nach der Lektüre nicht mehr glauben. Man wird wissen, was Mehrwert ist, man wird die Vorgänge der Globalisierung wesentlich besser verstehen als vorher und man hat vielleicht auch seine Sensibilität, was Themen wie globale Umweltverschmutzung, Menschenrechte, Ausbeutung und Demokratie angeht, ein bisschen geschärft.
Das muss man aber nicht, man kann das Buch auch einfach als einen packenden, actiongeladenen Spannungsroman lesen (dafür ist Eschbach ja schließlich bekannt geworden).
Fazit:
Warum ich trotz der erwähnten Mängel "Eine Billion Dollar" die höchste Punktzahl gebe?
Ganz einfach: es ist ein Buch, das unheimlich stark zum Selber Nachdenken anregt. Kein Buch, das man aus der Hand legt und denkt: auch, ja, das war aber ein schöner Roman und dann wieder zum Alltag übergeht.
Nein, im Gegenteil! Ich habe den Roman schon vor ca. 3-4 Monaten gelesen und ertappe mich immer noch dabei, dass ich über einzelne Ideen und Gedanken, die er entwickelt, intensiv grübele.
Es lässt mich nicht mehr richtig los.
Ach ja, und was meint mein Sohn dazu, dem ich das Buch zu Weihnachten geschenkt hatte?
Er ist absolut begeistert und wir haben schon viel gemeinsam über die Inhalte und unterschiedlichen Denkmodelle diskutiert .
Wenn ein Unterhaltungsroman so etwas fertig bringt, dann ist das meiner Meinung nach ein sehr gutes Zeichen!
Die ISBN ist:3-7857-20499-1
Andreas Eschbach ist eigentlich ein Science - Fiction- Autor, seinen größten kommerziellen Erfolg hatte er mit dem Zukunftsthriller "Das Jesusvideo".
Wenn man Literatur so wie Musik in einen E (für ernste Musik sprich Klassik) und U (Unterhaltung sprich eher seicht sprich Pop) einteilen würde, stände Eschbach ganz klar auf der U - Seite.
Er schreibt leicht lesbare, vom sprachlichen Niveau her gesehen eher niedrig einzustufende Spannungsromane.
Ich selbst wäre von mir aus nie darauf gekommen, freiwillig zu Eschbach zu greifen. Nachdem aber mein Sohn (17 Jahre) im letzten Urlaub so begeistert sowohl vom Jesus-Video als auch von "Kellwitts Stern" gewesen war und er mich mehr oder weniger nötigte, ihn zu lesen, tat ich es halt.
O.K. das Jesus - Video hat mich nicht überzeugt, es war zwar ganz spannend, aber das war's dann auch. Kellwitts Stern hingegen gehört so mit zu den lustigsten Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen hatte (musste dauernd kichern).
Also war meine Abneigung, nun das neue zu lesen, doch schon ziemlich geschrumpft.
Darüber bin ich sehr froh, denn es hat mir ausgesprochen gut gefallen!
Zum Autor:
Andreas Eschbach wurde 1959 in Ulm geboren, nach seinem Studium für Luft- und Raumfahrttechnik (daher wohl sein Hang zur Science-Fiction) arbeitete er als Software-entwickler. Während eines Stipendiats der Arno-Schmidt-Stiftung (sieh mal einer an, doch hochkarätige Literatur?) schrieb er 1995 seinen ersten Roman.
Wer Näheres über den Autor wissen möchte, kann auch unter www.andreaseschbach.de nachgucken.
Zum Inhalt:
John Fontanelli ist Pizza - Ausfahrer in New York, seine Eltern, Nachfahren italienischer Einwanderer sind ebenfalls einfache Leute. Sein Leben verläuft völlig normal, was so viel heißt, dass er fast immer pleite ist, obwohl er viel arbeitet, er hat ein kleines Zimmer in der Wohnung eines Kumpels gemietet, kürzlich hat ihn seine Freundin verlassen und er lebt ziellos, aber nicht wirklich unglücklich vor sich hin.
Nun wird John eines Tages eröffnet, dass er geerbt hat; zwar kann er sich nicht vorstellen, was und von wem überhaupt, er rechnet aber ganz bestimmt mit nichts Großartigem.
Tja, und was passiert dann? Sicher könnt ihr es euch schon denken: er hat 1 Billion Dollar geerbt, das sind eine Million Millionen, auf einen Schlag ist er damit der reichste Mensch der Welt.
Zustande gekommen ist diese unglaubliche Summe dadurch, dass vor exakt 500 Jahren einer seiner Vorfahren in einem Testament verfügt hat, dass das von ihm angelegte Geld (auf heutige Verhältnisse umgerechnet war das damals eine Summe von etwa 10.000 Dollar) seinem jüngsten männlichen (na ja vor 500 Jahren gab's halt noch keine Gleichberechtigung!) Nachkommen die gesamte Summe übereignet werde. Dieser Vorfahr (wer das war, verrate ich nicht) übergab die Summe einer Bankiersfamilie, den Vacchis, denen er völlig vertraute, diese legten dann über Generationen hinweg das Geld immer wieder so geschickt wie möglich an und durch Zins und Zinseszins wuchs es dann so weit an.
Die Geschichte klingt ziemlich unglaublich (mein Einwand ist, dass sicher irgendjemand von der Bankiersfamilie sich das Geld doch unter den Nagel hätte reißen können), aber erstens beschreibt Eschbach all das doch mit einer in sich zwingenden Logik, zweitens ist es auch egal, wir müssen, um dem Roman weiter zu folgen, das einfach so hinnehmen und drittens ist das Testament auch mit einer Prophezeiung verbunden, an die alle Vacchis fest geglaubt hatten.
Diese Prophezeiung hat es in sich: Derjenige, der das Geld erbt, solle und werde sein Vermögen so einsetzen, dass er der Erde und der Menschheit wieder eine Zukunft ermöglicht.
Unser Pizza-Ausfahrer als Retter der Menschheit also.
Wie er diese Aufgabe allerdings bewerkstelligen soll, sagte der Vorfahr leider nicht, auch gibt es keine bindenden Verpflichtungen, Fontanelli kann frei über sein Geld bestimmen.
Dann passiert erst mal all das, was man sich so vorstellt: er dreht ein bisschen durch, kauft sich als erstes einen Ferrari, tolle Klamotten und eine wunderschöne Villa in Italien.
Die Familie Vacchi kümmert sich freundlich und fürsorglich um ihn, berät ihn gut und loyal in dieser neuen Lebenssituation.
Nachdem er sich dann ein bisschen an den Gedanken gewöhnt hat, der reichste Mensch der Welt zu sein, überlegt er sich intensiv, wie er denn die Prophezeiung umsetzen könne.
Seine erste spontane Idee, den größten Teil des Geldes an die Armen der Welt zu verteilen, wird ihm aber schnell ausgeredet, denn dann entfiele auf jeden nur etwa eine Summe von 250 Dollar, allzu weit kommt man damit auch nicht.
John beginnt, sich intensiv zu informieren über Dinge, die ihn noch nie im Leben interessiert hatten: über Geldanlage, Wirtschaft im Allgemeinen, über die Lage der Welt, über Umweltschutz, Klimaerwärmung, Globalisierung, Armut, die Weltgesundheitslage und dergleichen mehr.
Während er sich also langsam in seine Aufgabe einarbeitet, bekommt er einen anonymen Telefonanruf , ein Mensch, der anscheinend alles über das Testament und über ihn weiß, auch und gerade über sein Problem, wie er die Prophezeiung erfüllen kann. Dieser Mann ruft ihn immer wieder an, er gewinnt langsam sein Vertrauen , bis John beschließt, sich mit ihm zu treffen.
Es stellt sich heraus, dass McCaine früher bei den Vacchis die Software für die komplizierte Geldanlage entwickelt hatte und alles herausbekommen hatte. Seit diesem Zeitpunkt hatte sich McCaine vorbereitet auf den "Erben" und er hat ganz genaue Pläne, wie man mit dem Geld die Erde retten können.
Auch wenn die Vacchis John vor McCaine warnen, gelingt es diesem, John völlig von sich zu überzeugen. Er zieht mit ihm von Italien nach London um, kauft sich ein Schloss (das ihm zwar eigentlich nicht gefällt, aber aus Repräsentationsgründen muss das wohl sein)
Klar denkt sich nun jeder, dass McCaine sicher ein übler Bösewicht ist, der nur an das große Geld rankommen möchte, doch damit tut man ihm in gewisser Weise unrecht, denn er glaubt absolut an die Prophezeiung. Er hat sich in vielen Jahren mühsam auf die Aufgabe vorbereitet, dem Erben zur Seite zu stehen, alles, was John gerade erst anfing, hat McCaine schon hinter sich. Er kennt sich bestens aus mit der katastrophalen Lage der Welt und arbeitet an den verschiedensten Strategien zu ihrer Rettung.
Tja, was stellen nun diese beiden Weltverbesserer alles an, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen?
Das kann ich nun nicht alles beschreiben (der Roman hat fast 800 Seiten), aber sie entwickeln sehr unterschiedliche Denkmodelle, lassen Wissenschaftler unterschiedlichster Couleur für sich arbeiten und engagieren sich mächtig. Währenddessen nimmt das Vermögen immer mehr zu, die Fontanelli- Foundation wird eine ernstzunehmende und wichtige Wirtschaftsgröße.
Eingewoben in diese Rahmenhandlung ist natürlich - wie könnte das fehlen - eine Liebesgeschichte, die gar nicht mal so schlecht ist. Man kann sich vorstellen, dass John auch stark mit dem Problem, wer sind eigentlich noch meine Freunde, wem kann ich vertrauen und wie gehe ich um mit meiner zunehmenden Macht zu kämpfen hat. Er stürzt sich voll in die Arbeit und entwickelt sich zum Workaholic.
Als er erfährt, dass er nur durch einen Zufall der Erbe wurde, denn der eigentliche Favorit, ein ihm bis dahin unbekannt gebliebener italienischer Cousin im Teenageralter, starb kurz vor dem Stichtag durch einen Unfall. Doch war es wirklich ein Unfall? Je mehr John über seinen Cousin erfährt, desto sicherer wird er, dass dieser (eine Art kleines Genie, der sich in Schülerzeitungsartikeln mit genau den Themen beschäftigt hatte, um die es jetzt geht) der "richtige" gewesen ist. Doch wer hatte ein Interesse daran, ihn, John, zum Erben zu machen???
Nun, ich möchte nicht alles auflösen, noch weniger möchte ich erzählen, ob es letztendlich gelingt, der Menschheit die Zukunft zurückzugeben.
Nur so viel: es passiert noch eine ganze Menge! John lernt andere Länder kennen, die Superreichen und die ganz Armen, und was ihm widerfährt, verändert nicht nur ihn, sondern auch ein bisschen den Leser, zumindest den, der bereit ist, sich auf die Story, so verrückt sie sein mag, einzulassen.
Stil:
Wie bereits erwähnt, der literarische Stil ist es sicher nicht, was Eschbachs Kunst ausmacht, er benutzt viele Klischees (manchmal nervt das etwas), mitunter sind gewisse Handlungsabläufe zu vorhersehbar und die Geschichte hat auch Längen (aber auf die 800 Seiten verteilt gar nicht mal so viele). Er schreibt recht einfach, nicht gerade kunstvoll, aber auch nicht zu platt.
Im Ausgleich dazu gelingt es ihm jedoch, komplizierteste Vorgänge auch für den absolut unbeleckten Leser verständlich zu machen. Dafür gebührt ihm höchstes Lob! Ich möchte sogar sagen, dass ich noch nie so viel Neues, Schlaues, Kluges und Gescheites über wirtschaftliche Zusammenhänge erfahren habe wie in diesem Buch!
Wer etwa meint, Geld vermehre sich quasi von selbst auf der Bank, wird das nach der Lektüre nicht mehr glauben. Man wird wissen, was Mehrwert ist, man wird die Vorgänge der Globalisierung wesentlich besser verstehen als vorher und man hat vielleicht auch seine Sensibilität, was Themen wie globale Umweltverschmutzung, Menschenrechte, Ausbeutung und Demokratie angeht, ein bisschen geschärft.
Das muss man aber nicht, man kann das Buch auch einfach als einen packenden, actiongeladenen Spannungsroman lesen (dafür ist Eschbach ja schließlich bekannt geworden).
Fazit:
Warum ich trotz der erwähnten Mängel "Eine Billion Dollar" die höchste Punktzahl gebe?
Ganz einfach: es ist ein Buch, das unheimlich stark zum Selber Nachdenken anregt. Kein Buch, das man aus der Hand legt und denkt: auch, ja, das war aber ein schöner Roman und dann wieder zum Alltag übergeht.
Nein, im Gegenteil! Ich habe den Roman schon vor ca. 3-4 Monaten gelesen und ertappe mich immer noch dabei, dass ich über einzelne Ideen und Gedanken, die er entwickelt, intensiv grübele.
Es lässt mich nicht mehr richtig los.
Ach ja, und was meint mein Sohn dazu, dem ich das Buch zu Weihnachten geschenkt hatte?
Er ist absolut begeistert und wir haben schon viel gemeinsam über die Inhalte und unterschiedlichen Denkmodelle diskutiert .
Wenn ein Unterhaltungsroman so etwas fertig bringt, dann ist das meiner Meinung nach ein sehr gutes Zeichen!
16 Bewertungen, 2 Kommentare
-
22.05.2002, 01:16 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichIch konnte mich bislang nur zur Lektüre von 80 Seiten durchringen. Vielleicht fehlt mir der Humor darin? Guter Bericht, Elvira! CU, mima007
-
22.02.2002, 01:08 Uhr von roma1
Bewertung: sehr hilfreichEs ist sehr interessant. Liebe Grüße. roma1 alias Carnuntum
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