Mehr zum Thema Private Krankenversicherung Allgemein Testbericht

No-product-image
ab 13,70
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

5 Sterne
(4)
4 Sterne
(3)
3 Sterne
(2)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von LosGatos

Gesetzlich oder Privat - das ist hier die Frage

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Zu den größten Risiken des täglichen Lebens gehört leider das des Krankwerdens. Dabei rede ich jetzt nicht vom Schnupfen, den jeder hin und wieder bekommt und der meist auch relativ schnell wieder vergeht, sondern von ernsthaften Erkrankungen, die mit wochenlangem Krankenhausaufenthalt und natürlich immensen Kosten verbunden sein können.

Um den einzelnen vor solchen Kosten, die einen in den Ruin treiben können, und auch den Staat davor zu schützen, sieht der Gesetzgeber in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht vor, zumindest solange bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Diese Einkommensgrenze liegt derzeit bei 40.500 Euro pro Jahr oder 3.375 Euro pro Monat. Wer weniger verdient muss sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Dazu zählen die AOK, die sogenannten Ersatzkassen (z.B. die Barmer Ersatzkasse) oder die unzähligen Betriebskrankenkassen, z.B. die BKK Mobil Oil, die insbesondere bei den Mitgliedern dieser Plattform sich großer Beliebtheit erfreut. Die Konditionen, sprich die Beitragssätze und Leistungen, zu denen man sich dort versichern kann, sind von Kasse zu Kasse verschieden.


FREIWILLIGE VERSICHERUNG

Wer mehr als die genannte Grenze von 3.375 Euro pro Monat verdient, kann, muss sich aber nicht versichern lassen. Da die finanziellen Belastungen im Falle einer ernsthaften Krankheit in Millionenhöhe gehen können, wird kaum jemand auf einen Krankenversicherungsschutz verzichten, es sei denn, er hat wirklich einen 6er im Lotto erzielt, und zwar ohne Faber.

Bei der freiwilligen Versicherung gibt es jedoch zwei Möglichkeiten. Entweder man bleibt in einer gesetzlichen Krankenkasse (s.o.) oder man wählt eine private Krankenversicherung. Eine derartige Entscheidung sollte man jedoch nicht aus dem Bauch heraus treffen, denn es handelt sich um eine Entscheidung fürs Leben! Wer einmal als junger Mensch aus einer gesetzlichen Krankenversicherung ausgetreten ist und eine private Krankenversicherung abgeschlossen hat, für den gibt es so ohne weiteres kein Zurück mehr. Das ist so ähnlich wie bei einem Kirchenaustritt, wo man bei einer Behörde den Austritt kurz und bündig vollziehen kann, während man bei einem Wiedereintritt bei der Kirche erst zu Kreuze kriechen muss.

Aus einer privaten Krankenversicherung kommt man nur wieder heraus, wenn die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind, d.h. wenn man mit seinem Einkommen dauerhaft unterhalb die Pflichtgrenze zurückfällt, wie es z.B. im Falle von Arbeitslosigkeit der Fall sein kann.

Wenn sich also ein junger Mann entschließt, in eine private Krankenversicherung zu wechseln, weil dort die Leistungen besser und die Beiträge niedriger sind, kann sich das rächen, wenn er heiratet und eine Familie gründet, wo die Frau dann nicht berufstätig ist, sondern sich um die Kinder kümmert. Dann müssen nämlich für jede Person einzeln (auch die Kinder) Beiträge entrichtet werden, was bei nur einem Einkommen zu einer ziemlich Bürde werden kann. In einer gesetzlichen Krankenversicherung kann der Versicherungsnehmer hingegen die Familie beitragsfrei mitversichern.


WARUM PRIVATE KRANKENVERSICHERUNG ?

Wie bereits angedeutet, kann eine private Krankenversicherung preisgünstiger sein als eine gesetzliche Krankenversicherung.

Dabei ist die Beitragsstruktur völlig unterschiedlich. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung fungiert die Pflichtversicherungsgrenze gleichzeitig als sogenannte Bemessungsgrenze. Bis zu dieser Bemessungsgrenze wird das Einkommen prozentual berücksichtigt mit einem Beitragssatz, der von Kasse zu Kasse unterschiedlich ist. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, zusätzlich zum Einkommen, die Hälfte der Beiträge pro Monat zu bezahlen.
Beispiel: Die derzeitige Bemessungsgrenze (wird jährlich zum 1.1. nach oben angepasst) liegt bei 3.375 Euro. Der Beitragssatz der BKK meiner Firma, wo ich anfangs Mitglied war, beträgt derzeit 13,9% plus 1,7% für die Pflegeversicherung. Damit ergäbe sich ein Beitrag von 526,50 Euro pro Monat für Kranken- und Pflegeversicherung. Die Hälfte davon zahlt der Arbeitgeber.
Ich (LosGatos) zahle dagegen derzeit 411,47 Euro pro Monat (inkl. Arbeitgeberanteil) an meine private Krankenversicherung, die SIGNAL IDUNA. D.h. ich spare pro Jahr gegenüber der BKK ca. 690 Euro, allerdings muss ich dabei eine Selbstbeteiligung von mindestens 270 Euro aufbringen, sodass der Kostenvorteil unterm Strich bei ca. 400 Euro pro Jahr liegt.



MEINE VERSICHERUNGSBEDINGUNGEN UND ERFAHRUNGEN MIT DER SIGNAL IDUNA

Den Wechsel in die private Krankenversicherung habe ich bereits vor ca. 18 Jahren vorgenommen. Damals nannte sich die Versicherung noch NOVA Krankenversicherung, eine Tochtergesellschaft der IDUNA Lebensversicherung, später hieß sie dann IDUNA NOVA.

Vor einigen Jahren haben SIGNAL und IDUNA NOVA fusioniert, daraus entstand SIGNAL IDUNA. Die einzelnen Versicherungen IDUNA NOVA und SIGNAL gibt es hingegen nicht mehr.

Während die AOK verpflichtet ist, jeden Kranken aufzunehmen, können sich private Versicherer ihre Kunden aussuchen, so wie es Versicherungen am liebsten tun, also nur Risiken versichern, die eigentlich keine sind. Z.B. eine Versicherung gegen Hochwasser für Sahara-Bewohner.

Demzufolge muss man zwar i.d.R. keine Gesundheitsprüfung ablegen, wenn man eine private Krankenversicherung abschließen möchte, jedoch erklären, dass man gesund ist und alle größeren früheren Erkrankungen nennen. Macht man hier falsche Angaben und man erkrankt später an etwas, dass mit einer früheren Erkrankung in Zusammenhang steht, ist die Versicherung nicht verpflichtet zu zahlen.

Die Beiträge werden im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr prozentual am Einkommen oder der Bemessungsgrenze berechnet, sondern richten sich nach dem Eintrittsalter, wobei Männer weniger zahlen als Frauen, was auf statistischen Erhebungen beruht, wonach Frauen im Schnitt höhere Arztkosten verursachen als Männer gleichen Alters.
Demnach ist es auch nicht zu empfehlen, bei einer privaten Krankenversicherung zu kündigen und zur Konkurrenz zu wechseln, auch wenn die bessere Leistungen hat. Denn mit zunehmendem Alter steigt auch woanders der Einstiegstarif. Die Versicherung selbst kann jedoch dem Versicherungsnehmer nicht kündigen, wenn der z.B. zu hohe Kosten verursacht. Es sei denn, er hat beim Eintritt falsche Angaben hinsichtlich seines Gesundheitszustandes gemacht.

Mit jährlichen Beitragsanpassungen ist jedoch stets zu rechnen. So zahlte ich anfangs lediglich etwas über 200DM pro Monat (inklusive Arbeitgeberanteil), wobei damals jedoch noch keine Pflegeversicherung dabei war. Mittlerweile zahle ich inklusive Pflegeversicherung fast das 4fache wie damals.

Dabei sind folgende Versicherungsleistungen abgedeckt:

- Ambulante Heilbehandlung (d.h. alle Arztbesuche außer Zahnarzt) mit einer auch ständig angepassten Selbstbeteiligung von derzeit 270 Euro pro Jahr.

- Zahnbehandlung mit einer Selbstbeteiligung von 20%

- Stationäre Heilbehandlung (Krankenhausaufenthalt 2-Bett-Zimmer)

- Krankentagegeld von ca. 70 Euro pro Tag ab 92. Krankheitstag (Loohnfortzahlung im Krankeitsfall)
- Pflegeversicherung


Der Abschluss einer Selbstbeteiligung ist nicht zwingend. Lässt man sie weg, ist der Beitrag höher. Immerhin ist bei höherem Beitrag der Arbeitgeber mitbeteiligt, während die Selbstbeteiligung der Versicherungsnehmer voll aufbringen muss.

Zum anderen ist es so, dass private Krankenversicherer häufig eine Beitragsrückerstattung zahlen, wenn während eines Kalenderjahres keine Leistungen abgerechnet wurden. Verfährt man so über mehrere Jahre, steigt die Beitragsrückerstattung sogar. Anfangs zahlte mir die (damalige) NOVA 2 volle Monatsbeiträge zurück, wenn ich die Versicherung nicht beanspruchte. Mittlerweile hat sich auch das reduziert. Man bekommt aber zu Beginn des Kalenderjahres rechtzeitig mitgeteilt, wie hoch die Beitragsrückerstattung im folgenden Jahr ist, wenn man keine Leistungen abrechnet. Derzeit liegt die Rückerstattung bei gut 400 Euro pro Jahr.

Anfangs habe ich jahrelang keine Leistungen abgerechnet, weil ich selten krank war (bin) und neben dem jährlichen Zahnarztbesuch mit Ärzten nie allzu viel zu tun hatte. Da war die Selbstbeteiligung auch sehr sinnvoll, weil ja die mögliche Beitragsrückerstattung ohnehin zum Selberzahlen verleitet. Wer hingegen stärker zu Krankheiten neigt, sollte auf die Selbstbeteiligung verzichten.

Da es ratsam ist, sich mit zunehmendem Alter regelmäßig untersuchen zu lassen, um z.B. aufkommende Krebserkrankungen rechtzeitig zu erkennen, lasse ich seit einigen Jahren alle 1-2 Jahre vollständige Vorsorgeuntersuchungen durchführen, die auch dazu führen, dass ich meine Leistungen jetzt fast immer abrechne.

Außerdem benötige ich seit dem 42. Lebensjahr aufgrund ständig nachlassender Sehstärke eine Brille. Dabei zahlt mir die SIGNAL IDUNA alle 2 Jahre eine neue Brille, es sei denn, dass es aufgrund stark nachlassender Sehstärke schon vorher notwendig ist. Ersetzt werden dabei die Gläser voll und das Gestell bis zu einem Höchstsatz von ehemals 250 DM. Eine gesetzliche Krankenversicherung würde da meist wesentlich weniger erstatten.

Bei Medikamenten gibt es keine eigene Zuzahlung außer dem Anteil, der im Rahmen der Selbstbeteiligung bei ambulanter Behandlung aufzubringen ist.

Bei der zahnärztlichen Behandlung gab es zu Anfang nicht die Möglichkeit, die Selbstbeteiligung von 20% auszuschließen. Nach einigen Jahren bot man mir (LosGatos) den Ausschluss gegen geringen Mehrbeitrag an, was ich nicht annahm. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich später herausstellte. Denn vor etwa 6 Jahren entschloss ich mich, mir sämtliche Amalgam-Füllungen entfernen zu lassen und durch Goldfüllungen zu ersetzen. Ich erkundigte mich vorher bei der Versicherung telefonisch, ob es bei dieser auch finanziell aufwendigen Operation irgendwelche Höchstgrenzen gäbe. Die Antwort war ‚nein’, ich hätte lediglich meine 20% Selbstbeteiligung zu zahlen. Bei ca. 1000DM Kosten pro Zahn und 13 Zähnen, war das natürlich schon einmal nicht wenig. Darüberhinaus weigerte sich die Versicherung jedoch plötzlich, die vollen 80% der Restkosten zu übernehmen. Der Zahnarzt hätte zu hohe Laborkosten geltend gemacht. Die SIGNAL IDUNA würde sich an den schon relativ hohen Preisen Hamburger Zahnärzte orientieren. Was darüber hinausgehe, würde nicht ersetzt werden. Da ich mir vorher keine schriftliche Zusage hatte geben lassen, blieb ich somit auf etwa 40% statt 20% der Kosten sitzen. Auch ein Anruf meines Zahnarztes bei der Versicherung nützte da nichts.

Heilpraktikerbehandlungen werden ebenfalls erstattet. Allerdings habe ich davon noch nie Gebrauch gemacht.

Meine private Krankenversicherung gilt auch im Ausland. Ein zusätzlicher Abschluss einer Reisekrankenversicherung ist somit nicht notwendig.


FAZIT

Da ich weder verheiratet bin noch Kinder habe, ist für mich eine private Krankenversicherung sinnvoll, solange mein Einkommen über der Grenze liegt, bis zu der der Gesetzgeber Versicherungspflicht vorsieht. Die Leistungen sind besser als die einer gesetzlichen Krankenversicherung. Ich (LosGatos) habe freie Arztwahl (manche Ärzte nehmen keine Kassenpatienten), genieße womöglich Vorteile bei den Ärzten. Die Kosten für Brillen und Heilpraktikerbehandlungen werden großteils übernommen. Außerdem beinhaltet meine Krankenversicherung auch Auslandsversicherungsschutz. Bis auf die Abwicklung meiner Zahnsanierung hatte ich mit der SIGNAL IDUNA keine größeren Probleme. Leider bleibe ich auch dort vor ständigen Beitragserhöhungen nicht verschont. Dennoch bleibt mir unter dem Strich noch ein Kostenvorteil gegenüber einer freiwilligen Versicherung bei einer gesetzlichen Krankenversicherung. Probleme könnte es allerdings im Alter geben, wenn der Beitragssatz weiter ständig steigt und ich dann keinen Arbeitgeberanteil mehr bekomme. Herausgehen aus der privaten Krankenversicherung kann ich jedoch vorher nicht so ohne weiteres. Warten wir’s ab.


Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 27.10.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Dooyoo, Yopi und vielleicht eComments und Talk-On

31 Bewertungen