Mehr zum Thema Rechner/Komplettsysteme Testbericht

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Erfahrungsbericht von leser@tte

BROT- und SPIELEKasten (VC-20)

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wenn es hier schon eine Rubrik mit Rechnern im allgemeinen gibt, darf mein erster Computer hier eigentlich auch nicht fehlen, denn ich habe immer noch irgenwo ein Prospekt rumflattern auf dem er als meistverkaufter Heimcomputer der Welt angeboten wird. Dies stammt allerdings noch aus der Zeit, bevor der C64 ihm den Rang ablief.

Die Rede ist vom VC20, dem ersten der brotkastenförmigen Heimcomputer aus dem Hause Commodore. Wobei der Name lediglich in Deutschland gebräuchlich ist. VC steht hier für Volks Computer und die 20 bezieht sich auf die Größe des Arbeitsspeichers (5KB RAM + 15KB ROM), wenn auch der freie Arbeitsspeicher lediglich 3,5KB betrug. In Japan wurde er unter dem Namen VIC1001 und in der übrigen Welt als VIC20 vertrieben.

Wieso sich Commodore ein Design ausgedacht hat, dass dem Rechner, wie auch dem C64 und dem C16 den Spitznamen Brotkasten eingebracht hat weiß ich nicht. Vielleicht dachte die Entwicklungsabteilung damals an Brot und Spiele als sie den Volks Computer entwarfen. Praktisch war auf alle Fälle, dass man in einem kleinem Kasten alles beieinander hatte und lediglich noch einen Fernseher anschließen brauchte um in die lustige Computerwelt einzutauchen.

Spiele gab es damals überwiegend auf Datasetten, also Audiokassetten, auf welche die Daten ähnlich wie auf einer Diskette abgespeichert wurden. Das Laden dauerte zwar recht lang, aber auf einer 60 Min Kassette brachte ich meist ca. 100 Programme unter. Zum Auffinden mußte man dann immer mit dem Zählwerk an der Datasette suchen. Leider waren diese Zähler nicht richtig genormt und auf einem neuen Laufwerk konnte man schon ganz schön lang nach dem gesuchten Programm suchen.

Eine Erleichterung war mir ein kleiner Lautsprecher, denn ich in den Rechner gelötet habe. Nun konnte ich hören, wo ein Programm beginnt oder aufhört und auch der Tonkopf ließ sich damit einfach justieren. Lediglich die Töne beim suchen und justieren, welche etwa an ein Fax gerät erinnern, konnten nerven. Wer so etwas mal hören möchte sollte mal bei Fishmob nach der Platte suchen, wo sich jemand das Lied Frogger von der Gruppe Atari wünscht...

Eine sehr schicke Sache war auch der Modulschacht an der Rückseite des VC20. Ein Spiel eingesteckt, Computer angeschaltet und schon fertig geladen!

Wer jetzt meint, dass es damals eh nur Murk gab, dem sei gesagt, dass ich meinen VC20 erst neulich rausgekrammt habe um mal wieder eine vernünftige Party PAC MAN zu spielen.


Gekauft habe ich den VC20 1985 bei real kauf für 500DM incl. Datasette, Transporttasche, Software und Handbüchern. Abgesehen davon, dass ich meinen ersten VC20 in der Garantiezeit zerstörte, weil ich ihn nie ausgeschaltet habe und das Netzteil durchgeschmort ist, läuft mein Austauschrechner, den ich ohne Probleme bekam, auch heute noch einwandfrei.

Wenn ich mir die Daten der Hardware anschaue, frage ich mich, wieso heutige PCs nicht viel mehr können. Was damals mit einem Prozessortakt von 1 Mhz und 3,5KB freiem Arbeitsspeicher möglich war finde ich nach wie vor beeindruckend. Das Betriebssystem war gleich auf ROM gebrannt und sofort nach dem einschalten verfügbar und in BASIC lies sich der Compter gut programmieren. Das waren noch Zeiten...

Auch die Erweiterungsmöglichkeiten waren phantastisch. Ich habe u.a. eine schaltbare Speichererweiterung bis 32 KB, weshalb ich mir nie einen C64 zulegen mußte, den lediglich eine Verdoppelung des Arbeitsspeichers rechtfertigt für mich noch keinen neuen Computer.

In den damaligen Computerzeitschriften wimmelte es auch nur so von Bastelanleitungen und Tips & Trick um mehr aus dem Rechner rauszuholen. So habe ich mir u.a. ein Lauflich gebaut, welches mit leichtem Umbau auch 8 Haushaltgeräte ansteuern kann und mir z.B. morgens das Radio, dann die Kaffeemaschiene und den Eierkocher einschalten kann....

Nun, bevor ich ins nostalgische Schwärmen komme, komme ich dann doch lieber zum Schluß!


Technische Daten:

- Vollständige Bezeichnung: Commodore VIC20
- Erscheinungsjahr: 1980 (in Deutschland 1981)
- Arbeitsspeicher: 5KB RAM + 15KB ROM = 20KB
- CPU: MOS 6502, Taktfrequenz 1Mhz
- Tastatur: 66 Tasten im Gehäuse eingebaut
- Grafik: 176*184, Farbpalette 16 Farben
- Massenspeicher: Kassetten- u. Floppylaufwerk (extern anschließbar)
- Einführungspreis: 900,- DM


Fazit:

Seit mittlerweile 16 Jahren läuft mein VC20 stabil. Die Möglichkeiten sind nach wie vor nicht ausgeschöpft, aber ich bin dann doch irgendwann auf den C16 umgestiegen, welcher ein verbessertes BASIC und etwas mehr Arbeitsspeicher hatte.

Wer einen Brotkasten zum spielen und für einfache Programme sucht, kann sich den VC20 sicher günstig auf dem Flohmarkt zulegen. Wer jedoch schon einen PC besitzt, dem empfehle ich eher einen Emulator a la WINE.

Einen besseren Einsteiger Computer weiß ich jedenfalls nach wie vor nicht und schließe jetzt den Bericht mit einem nostalgischen Seufzer ab!


(erstveröffentlicht bei ciao.de)

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