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Erfahrungsbericht von BeAsT81

Auf schlimmer und ewig

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Hallo ihr Lieben, ich möchte euch heute mal ein bisschen was aus meiner persönlichen Computergeschichte erzählen, denn an dieser war die PC-Marke Highscreen, der selbsternannten PC-Einzelhandelskette VOBIS (lateinisch -> für Euch), maßgeblich beteiligt. Dieser Bericht soll euch meine Erfahrungen nicht nur mit Highscreen sondern auch mit der ganzen Vobis Gesellschaft aufzeigen.


_ früher war alles schlechter _
Als VOBIS im Jahr 1987 die Eigenmarke Highscreen auf den Markt brachte sah es anfangs sehr gut aus. Mit den damals recht gut ausgestatteten 286 und 386 Geräten wurden viele Privatkunden für den PC sensibilisiert, was vorher ein großes Problem war, da die Geräte doch sehr teuer waren. Highscreen etablierte sich auf dem Markt als Billigmarke, wobei ich absichtlich billig und nicht günstig schreibe, denn die verwendeten Bauteile waren durchweg billig an Preis UND Qualität. Der gutgläubige Kunde kaufte schlecht verkabelte Karten, nicht angeschraubte Festplatten und ähnliches, ohne das er es wusste. Es gab keine geschulten Verkäufer, so dass meist Techniker in den Filialen als Verkäufer agierten oder andersherum, der Verkäufer auch im Technikbereich arbeiten musste.

Diese Entwicklung nahm noch überhand, als Vobis sich in ein Franchisesystem umwandelte, die Filialleiter waren also ihr eigener Chef und durften nach gewissen Vorlagen und Abgaben den Namen und die Produkte der Vobis AG, welche mittlerweile zum Metro Konzern gehörte, vertreiben. Da der PC Markt Mitte der 90er Jahre begann immer mehr zu explodieren wurde Vobis gezwungen die Produkte immer billiger zu machen und es wurde gespart wo man konnte, vor allem an der Ausbildung der Mitarbeiter. Ich habe es mehrmals erlebt, dass man eine Festplatte wegen eines Virus als defekt deklariert hatte und komplett austauschen wollte (wobei einem natürlich gleich eine größere Festplatte aufgeschwatzt wurde, welche man teuer bezahlen musste) oder es bekam ein Verkäufer gerade einen Verkaufsrappel und begann den Kunden zusätzlich zum Computer noch Mauspads (ja Mehrzahl, es könnte ja eines kaputt gehen), oder Fotopapier für einen Nadeldrucker mit aufzuschwatzen. Dies mögen jetzt etwas krasse Beispiele sein, aber ich wollte das ja nur kurz erwähnen, weil es nicht direkt zum Thema gehört.

1999 hat sich die Metro dann von Vobis getrennt und die Firma wurde neugegründet und mittlerweile haben sich die Zustände auch schon ein bisschen verbessert. Ich persönlich würde trotzdem nie wieder Highscreen PCs kaufen, zu tiefgehend waren meine schlechten Erfahrungen, zu denen ich jetzt kommen werde.


_ hoher Schirm lässt Wasser durch _
Naja, nicht wirklich Wasser, aber ich wollte bei dem Bild des Schirmes bleiben. Mein erster Vobis PC sollte unsere Familie im Jahr 1991 beglücken. Damals ein bombastischer Highscreen 386 mit 16 Mhz, 2MB RAM und wohl 40 MB Festplattenplatz. (die Zahlen einen Moment wirken lassen)

Als Software war damals MS-DOS 5.0 oder so vorinstalliert und Windows 3.0, es war ein heiden Spass. Wir hatten ja keine Ahnung von den „Innereien“ deshalb waren wir hauptsächlich Anwender und als Anwender schrieben wir unsere Texte entweder in Word 5.0 für DOS (Word für Windows gab es wohl noch nicht) oder malten ein bisschen in Paintbrush herum.

Die Monate vergingen und da ein zweitrechner angeschafft werden sollte, gelangte das Prunkstück, welches mittlerweile auch durch technischen Sachverstand meinerseits fachgerecht um fehlende Teile erweitert war, in meinen Ureigensten Besitz. Ich war damals der totale Bastelfreak und machte also meine ersten Erfahrungen mit dem technischen Innenleben des Highscreen PCs. Ich kann mich noch ziemlich genau daran erinnern, dass der Rechner schon beim Kauf irgendwie geklappert hatte und wie wir festgestellt hatten, dieses Klappergeräusch von einer losen Schraube, die wohl ein Techniker dort vergessen hatte, herrührte. Dafür befand sich an der 40MB Festplatte, die wir damals gleich beim Kauf haben austauschen lassen (standardmäßig war eine 20MB Platte vorinstalliert), nur ein kleines armseeliges Schräubchen und wackelte vor sich hin. Dies war ja nicht weiter schlimm und kann ja jedem mal passieren.

Nun der 2. Highscreen war schon ein 486er mit 66 Mhz und mehreren hundert MB Festplattenplatz. Eigentlich lief alles soweit ja, wenn da nicht dieses Klappern gewesen wäre...
Nungut, auch dieses Schräubchen war gefunden und sonst gab es eigentlich kaum Mängel. Es wurden halt die guten Seagate-Festplatten verbaut und ziemlich laute Lüfter auf den Prozessor gesetzt, das CD-ROM Laufwerk war auch ein Stück antike Technik, schon für damalige Zeiten, und der Monitor brachte es auf satte 60 Hz Mitzwinkerfrequenz. Das Netzteil machte Krach wie eine Bohrmachine und das CD-ROM-Laufwerk schien die Waschmachine übertönen zu wollen, um die Lärmschutzwälle um den Computer musste man sich damals noch selbst kümmern. Nungut, wir konnten damit leben.


_ das böse Wort mit S _
Kommen wir zu meinen Serviceerlebnissen der Highscreen Techniker, denn diese sind wirklich abenteuerlich.

Es begab sich zu einer Zeit, als ich scheinbar von ziemlich vielen „Freunden“ als Techniker eingespannt wurde, ich kannte mich mit Computern aus und wusste auch den Aussichtslosesten Totalcrash mit ein paar Diskettchen zu reparieren. Eines wundervoll sonnigen Tages (es waren irgendwie nur sonnige Tage an denen Computer kaputt gehen wollten) rief mich einer jener Freunde an; sein Rechner wäre kaputt. Auf die obligatorische Frage, was er denn als letztes gemacht habe, kam die Antwort aller Antworten, „NICHTS“!

Nachdem sich meine Nerven wieder beruhigt hatten wanderte ich also an diesem schönen Sonnentag zu ihm hin und betrachtete das Ungetüm von PC. Es stand Highscreen drauf, sonst hätte ich euch das ja wohl nicht so lang erzählt, und scheinbar war es auch drin (der Klappertest, ihr erinnert euch?). Der Rechner wollte und wollte nicht richtig booten, es kam immer eine Fehlermeldung nach der anderen, die ich nicht recht deuten konnte. Seine Eltern waren schon auf dem Sprung zu den kompetenten Vobistechnikern und betrachteten mein Tun etwas argwöhnisch. Meine kleine Bootdiskette lies den PC dann aber zum Erstaunen der Anwesenden doch booten und ich machte einen kleinen Virenscan der Festplatte. Man hätte es ruhig Zoo nennen können, der Freund schien eine Vorliebe für Spiele fragwürdiger Herkunft zu haben und diese Spiele hatten wohl alle so ihre kleinen Mitbringsel auf der Festplatte hinterlassen, was zu einem wundervollen Virencocktail führte, der einfach irgendwann mal hochgehen musste. Mein Virenscanner versagte leider bei mehreren Dateien und schnell mal ne aktuelle Version aus dem Netz ziehen war damals noch nicht.

Also gingen wir doch zu Vobis, ich natürlich mit hin, und stellten den Rechner einen dort ansässigen (er saß tatsächlich die ganze Zeit) Techniker vor. Der reagierte nicht wirklich verwundert über den nicht bootenden PC und sagte mit einer nahezu bestimmenden Stimme, dass da ja einfach nur die Festplatte kaputt sei. Mein leises Stimmchen mit dem Ruf nach einem Virentest wurde völlig überhört. Der Techniker redete eine Weile mit den Eltern und diese entschieden sich dann dafür eine neue Festplatte für 80 DM Aufpreis zu kaufen und 60 DM „Rettungsaktion“ der Daten und überspielen auf die neue Festplatte zu zahlen. Vielleicht hätte ich einfach sagen sollen, ich machs für 5 Mark und ein Eis, aber auf mich hört ja keiner... Die 5 Mark hab ich dann für den nachträglichen Virenscan doch noch bekommen *g*


_ Highscreen heute _
Ich war letztens mal wieder bei einem verärgerten Highscreenbesitzer zu Besuch und konnte auch ihm mit ein paar Handgriffen A die Festplatte festschrauben und B ein paar Kabel des neu gekauften PCs wieder richtig anstecken, denn sein toller 2 Ghz P4 gab beim Starten immer so komische Piepstöne zurück und der Techniker vom Servicetelefon hatte wohl was von kaputtem RAM oder so erzählt, was sich aber glücklicherweise als Täuschung herausstellte. Festschrauben der Festplatte sah ich auch, dass die Leute sich wohl mittlerweile ein tolles Stecksystem für die Karten haben einfallen lassen, so dass man dort keine Schrauben mehr vergessen kann.


_ Fazit _
Vobis PCs sind schon immer eine günstige alternative für Anspruchslose PC Käufer gewesen und werden es wohl auch in Zukunft bleiben. Ein Komplettsystem mit 2,5 Ghz, 60 GB Festplatte und 256 MB RAM für unter 1000 EUR bekommt man sonst nur in Sonderangeboten von Aldi, Lidl und Co. Heute verkauft Vobis nicht nur in den unzähligen Filialen europaweit, sondern auch über den Onlineshop unzählige rechner. Wenn man sich allerdings für den Kauf eines solchen Rechners entscheiden sollte, so muss man vorher unbedingt die verbauten Marken checken, da hier oft Billigteile eingelegt (die Sache mit den Schrauben) werden. Einzelteile sollte man nicht bei Vobis kaufen, da sind die viel zu teuer, lieber mal im Fachhandel nachfragen.

In diesem Sinne, vorher genau hinschauen beim PC-Kauf!

(c) 2002-10-12 bg

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