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Auf yopi.de gelistet seit 12/2003
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Erfahrungsbericht von Kitos
Hochgebirgstour in den Stubaier Alpen
Pro:
eine wahre Genußtour für Hochalpinisten
Kontra:
... leider trifft man immer wieder leichtsinnige Bergsteiger...
Empfehlung:
Ja
Herrlich ist diese Bergtour, wie Ihr gleich im Anschluß selbst lesen
könnt. Allerdings muß man schon eine gewisse Erfahrung auf dem Gletscher
mitbringen, denn, auch wenn es sich vielleicht nicht so anhört, bringt
die Welt da oben auch gewisse Gefahren mit sich. Wir gehen solche Wege
nur ín Seilschaften mit mindestens drei Mann (oder auch Frau) Und jeder
von uns hat als Grundvoraussetzung eine Ausbildung im Bereich Fels und
Eis absolviert. Wer allerdings auch so genug Erfahrung hat und sich
diese Tour zutraut, der wird eine jede Menge Spaß daran haben auf dem
Gletscher herumzuwandern.
----------
Ausrüstungsliste:
Rucksack ca 50l
steigeisenfeste Bergschuhe
Teleskop-Stöcke
Pickel
ggf. Helm
Einfachseil 50 m
2 Reepschnüre 5 oder 6 mm - 4 m
1 Reepschnur 5 oder 6 mm - 2 m
1 Reepschnur 5 oder 6 mm - 0,9 m
1 Reepschnur 5 oder 6 mm - 4 m
2 Bandschlingen mit 3 Kennfäden 25 mm - 4 m
2 Hms Schraubkarabiner
2 Normalkarabiner
2 Eisschrauben 22 mm Durchmesser 18 - 20 cm lang
Steigeisen
Stirnlampe / Ersatzbatterie
Rettungsfolie
Biwak-Sack
Rucksackapotheke
Kartenmaterial
Tourenbeschreibung
Kompass
Höhenmesser
Tourenhose
Faserpelz-Jacke
Faserpelz-Pulli
Lange Unterhosen
Unterwäsche
Ersatzwäsche
Regenschutz-Jacke
Regenschutz-Hose
Gamaschen
Handschuhe
Wollmütze
Hüttenschuhe
Sonnenbrille
Gletscherbrille
Schlafsack
Sonnenschutzmittel für Haut und Lippen
Waschzeug
Trillerpfeife
Trinkflaschen
Verpflegung für tagsüber als Notverpflegung
Personalausweis, ggf. DAV-Ausweis
Auch wenn man, wenn alles gut geht, nicht alles braucht, im Notfall wird
man es brauchen und es kann nicht übertrieben auch mal ein leben retten.
Ich habe schon selbst mitbekommen, wie wichtig es ist, auch wenn es
unnötig erscheint, alles dabeizuhaben. Oft sieht man gletscherspalten
nicht, die Gletscher sind steil und spiegelglatt, so daß man ohne
Sicherung unmöglich selbst mit Steigeisen gehen kann.
----------
Voraussetzungen:
Einfügen in Gruppengemeinschaft
Gletschererfahrung
Trittsicherheit
Kondition für täglich 8-9 Stunden Gehzeit
komplette Eisausrüstung
----------
Anreise: ( von Deutschland)
Anreise über Garmisch - bzw. Fernpaß - Zirler Berg - Innsbruck -
Stubaital Neustift - Ranald
----------
Kartenmaterial:
AV-Karte Nr. 31/1 Stubaier Alpen / Hochstubai
----------
Reisebericht:
1. Tag, 10.07.2003
Es geht aufi!
Bei herrlichem Wanderwetter treffen die 14 Teilnehmer unseres
Alpenvereines am Parkplatz in Ranalt, dem Zustieg zur Nürnberger Hütte
ein.
Nach Begrüssung und Materialverteilung wandern wir über einen
ausgebauten
Wirtschaftsweg zum ersten „kulinarischen Hindernis“, der Bsuechalm, auf
1580 m.
Hier haben die Tourteilnehmer mit der direkten Anreise Gelegenheit sich
für den weiteren
Anstieg zu stärken.
Ein, zwei Apfelsaftschorle und ein Süppchen später nehmen wir den Weg
zur Nürnberger
Hütte in Angriff.
Nach einem kurzen Wiesenstück führt uns der Pfad, zwar noch ausgebaut,
aber doch in
steileren Serpentinen, weg vom Stubaier Almidyll, um dann in einen
ausgetretenen Steig
überzugehen, der unserem Tagesziel entgegenführt. Langsam lassen wir
die karger
werdende Vegetation und die Hitze des Tales hinter uns und spüren nun
den gelegentlich
um die Felsen wehenden kühlen Lufthauch, der die Annäherung an alpines
Terrain
ankündigt.
Haben wir schon die Hälfte des Wegs? Jaaa! Längst. Die Karawane zieht
weiter. Noch
ein kleiner Anstieg, noch eine Wegbiegung, dann liegt sie vor uns, die
Nürnberger Hütte.
Etappenziel und Radlerquell.
Schnell sind die Zimmer verteilt, die Rucksäcke verstaut und der
Schweiss des Anstiegs
im Abfluss der Dusche verschwunden. Nach und nach finden sich die
Tourteilnehmer auf
der Hüttenterasse ein, um den Ausblick auf den Verlauf des Langetals
und auf die
gegenüber liegende Talseite, mit der Inneren Wetterspitz, zu geniessen.
Die Essenszeit treibt uns in die geräumige Gaststube, wo nach dem
ausgiebigen Studium
der Speisekarte die wichtigste Entscheidung des Tages, bezüglich der
Menueauswahl,
getroffen wird.
Nach reichlicher Sättigung wird abschliessend noch die Verteilung der
Seilschaften für
den nächsten Tag bekannt gegeben.
Zwischenzeitlich haben sich die Zeiger der Uhr doch stark in Richtung
Hüttenruhe
bewegt, so dass wir nach kurzem Blick nach dem Wetter die Kojen
anpeilen.
2. Tag, 11.07.
...und ewig grüsst das Murmeltier...
Nein! Heute ist es der Wecker.
Nun ja. Es ist grosses angekündigt.
Also. Alpine Kaltstartprozedur: Schnellwäsche, Rucksack richten und in
die Gaststube
zum Frühstück.
Das Wetter meint es wieder gut mit uns, so dass wir unverzüglich mit
dem Ziel Wilder
Freiger und Becherhaus aufbrechen.
Unser zunächst gut markierter und bequemer Wanderweg führt uns über von
früheren
Gletschern blank gehobelte Platten, um uns dann steiler ansteigend und
über vermehrt
Geröll unter die Flanken der Urfallspitz zu bringen. Hier ist erst
einmal Schluss mit
sommerlicher Bekleidung. Der kalte Talwind lässt die T-Shirts erst
einmal unter einer
Lage Fleecestoff verschwinden. Aber wir haben ja immer noch reichlich
Sonnenschein.
Über geschichtete Blöcke geht es nun mit kleinen Klettereinlagen in
Richtung Gamsspitzel,
wo uns ein erstes Schneefeld erwartet, das wir jedoch noch ohne
Eisausrüstug überqueren
können. Nun tut sich uns auch der Blick in die umliegenden
Gletscherarenen auf. Die
Aussicht auf die Amphitheatern gleichen vereisten Talmulden mit
Spaltenaufbrüchen, ist
trotz des erkennbaren Rückgangs der Vergletscherung grandios.
Noch ein kurzes Stück klettern im Blockgelände, dann stehen wir vor dem
letzten grossen
Eisfeld zwischen uns und dem Gipfel des Wilden Freiger.
Nun kommt endlich das Mühsam hochgeschleppte Material für die
Gletscherüberquerung
zum Einsatz. Eingegurtet und mit den Steigeisen an den Füssen, geht es
in der am
Vorabend ausgegebenen Reihenfolge hinaus auf’s Eis. Ab jetzt haben nun
auch die
Teilnehmer des letztjährigen Basiskurses Eis reichlich Gelegenheit das
damals gelernte in
der Praxis anzuwenden.
In lang geschwungenen Linien führt die Route durch das Gletschereis mit
dünner
Schneeauflage, in dem die Steigeisen sehr guten Halt finden, über gut
sichtbare kleinere
Spalten, auf ein letztes Geröllfeld mit den Resten einer Schutzhütte,
wo wir ein
Rucksackdepot einrichten. Nun trennt uns nur noch ein kleiner,
schneebedeckter Grat vom
höchsten Punkt unserer Tour. Ohne das schwere Gepäck, mit Pickeln und
Kamera
bewaffnet, bringen wir die Distanz hinter uns und dem Gipfelfoto auf
3413 m, bei immer
noch strahlendem Sonnenschein, steht nichts mehr im Wege.
Eine ganze Zeit verbringen wir am Gipfelkreuz, schiessen Fotos und
bewundern die
umliegenden Gipfel und vergletscherten Talkessel.
Doch bald wird es Zeit für das nächste Ziel des Tages.
Wir nehmen die Rucksäcke wieder auf und gehen weiter zum Signalgipfel
auf 3392 m und
gönnen uns erst einmal den Anblick des herrlich nach Süden
geschwungenen Grates, an
dessen Anschluss sich der Becher mit unserem Tagesziel, dem Becherhaus,
erhebt.
Über den mit Stahlseilen versicherten Abstieg hangeln wir uns hinab zu
den
Randbereichen des Übeltalferners und folgen dem Fuss des Grates bis wir
den Aufstieg
des Becherhauses erreichen. Ein kurzer Endspurt und wir sind am Ziel.
Der Hüttenwirt
mit Familie empfängt uns mehr oder weniger abgekämpfte Helden mit einem
Schnäpschen
auf der Terrasse der völlig von Gletschern umgebenen Hütte.
Der weitere Nachmittag ist der herrlichen Aussicht, dem trocknen der
Ausrüstung, dem
Apfelstudel und einer Änderung der Routenplanung gewidmet. Der
ursprünglich gewählte
Weg zur Sonklarspitz erweist sich, aufgrund des Zustandes des
hinaufführenden
Gletscherabschnitts, als nicht begehbar. Als Alternative bietet sich
der Weg durch die
Eisfelder des Übeltalferners zur Hofmannsspitz an. Dieser Vorschlag
findet besonderen
Anklang bei einem Tourteilnehmer gleichen Namens, der den Berg auch
sogleich
adoptiert.
Nach einem reichlichen, schmackhaften Abendessen und gemütlichem
Tagesausklang im
Kachelofenbeheizten Gastraum, treibt die Hüttenruhe die Einen schon
müde, die Anderen
noch aufgedreht von den Ereignissen des Tages, in die Schlafsäcke.
3. Tag, 11.07.
...ein Berg findet sein Herrchen...
Heute mal kein Wecker.
Die dünnen Innenwände der Hütte dulden kein Verschlafen. Der erste der
Aufsteht
weckt alle. Aber es ist eh schon heller Tag.
Also raus aus dem Schlafsack, Minimalwäsche mit eiskaltem Wasser und
erstmal zum
Frühstück.
Heute können wir einen Grossteil der Ausrüstung auf der Hütte lassen
und mit
Tagesgepäck geht es hinunter auf das Eis des Übeltalferners.
Wir queren das abtauende Eis des nördlichen Gletscherabschnitts zur
Müllerhütte,
widerstehen den Verlockungen einer Brotzeit und lassen die Hütte zu
unserer Rechten
liegen. Danach überwinden wir den Anstieg zum westlichen Gletscherteil
und bewegen
uns in südlicher Richtung, rechts der Wilde Pfaff und die Sonklarspitz,
links die weiten
Eisfelder des Übeltalferners, unserem Ziel, der Hofmannsspitz,
entgegen. Auf einem
Geröllausläufer lassen wir die Rucksäcke zurück und bewältigen die
letzen Meter bis zum
3112 m hohen Gipfel ohne lästiges Zusatzgewicht.
Oben natürlich die obligatorischen Gipfelfotos und die feierliche
Inbesitznahme des Berges
durch besagten, gleichnahmigen Tourteilnehmer. Uns Andere, die wir
keinen Berg zu
Eigen nennen, entschädigte der Blick in die Tiefe der Südtiroler Täler
im Süden und in die
Gletscherwelt im Norden. Ein Beweis dafür, dass auch ein relativ
unbekannter 3000er
eine Besteigung wert ist.
Da sich die Gewitterprognosen für diesen Nachmittag nicht bewahrheiten
und wir noch
etwas Zeit haben bietet sich, zurück im Angesicht der Müllerhütte, den
Teilnehmern noch
einmal Gelegenheit die Abläufe der Spaltenbergung zu üben. Zurück im
Becherhaus findet
dann dieser Teil der Tour bei Apfelstrudel etc. seinen Abschluss.
4. Tag, 12.07.
Die Luft wird wieder dicker..
Heute mal wieder Wecker. Wir sind früh dran. Abstiegstag. Schade. Aber
immerhin noch
ein Tag. Also.
Raus aus den Federn. Rucksack packen. Für Morgentoilette ist es eh zu
dunkel. Heut’
bleiben die Bartstoppeln dran.
Nach dem Frühstück klappern beim Anlegen des Gurtzeugs die Gebisse mit
den
Karabinern um die Wette. Es hat über Nacht herrlich aufgeklart und von
Norden weht ein
starker, eiskalter Wind über die Gletscher.
Die richtige Bühne für das „Grande Finale“.
Noch etwas steif steigen wir hinab auf den Übeltalferner. Doch der Weg
führt uns über
Eis und Fels erst einmal bergauf zum Signalgipfel, den wir
windzerzaust, aber schon mit
Schweisstropfen auf der Stirn erreichen. Der Anblick des Eises der
umliegenden
Gletscher im grellen Morgenlicht ist einfach überwältigend. Die Sicht
reicht bis weit nach
Südtirol hinein. Ohne Mühe ist der Rosengarten zu erkennen. Im
Südwesten stehen die
Gipfel der Ötztaler Alpen.
Mitten in dieser Szenerie legen wir ein letztes mal die Steigeisen an
und bewegen uns in
lang geschwungener Bahn dem unteren Ende des Grüblferners zu. Wieder
auf Fels folgen
wir dem gekennzeichneten Weg talwärts, nicht ohne gelegentlich Pausen
einzulegen um
nach und nach die warme Kleidung wieder durch das durchgeschwitze
T-Shirt zu
ersetzen.
Vorbei an der Nürnberger Hütte befinden wir uns nun wieder auf dem
abwärts führenden,
ausgebauten Steig zur Bsuechalm, wo wir die vom Abstieg kochenden Füsse
kühlen und
die Tour bei Kaiserschmarrn u.ä. Ihren offiziellen Abschluss findet.
Mit dem Gefühl der Zufriedenheit vier phantastische Tage in den
Stubaier Bergen, bei
herrlichem Wetter und guter Gesellschaft erlebt zu haben, legen wir die
letzten Kilometer
zum Parkplatz zurück, wo sich die kleine Truppe auflöst um die
Heimfahrt anzutreten.
könnt. Allerdings muß man schon eine gewisse Erfahrung auf dem Gletscher
mitbringen, denn, auch wenn es sich vielleicht nicht so anhört, bringt
die Welt da oben auch gewisse Gefahren mit sich. Wir gehen solche Wege
nur ín Seilschaften mit mindestens drei Mann (oder auch Frau) Und jeder
von uns hat als Grundvoraussetzung eine Ausbildung im Bereich Fels und
Eis absolviert. Wer allerdings auch so genug Erfahrung hat und sich
diese Tour zutraut, der wird eine jede Menge Spaß daran haben auf dem
Gletscher herumzuwandern.
----------
Ausrüstungsliste:
Rucksack ca 50l
steigeisenfeste Bergschuhe
Teleskop-Stöcke
Pickel
ggf. Helm
Einfachseil 50 m
2 Reepschnüre 5 oder 6 mm - 4 m
1 Reepschnur 5 oder 6 mm - 2 m
1 Reepschnur 5 oder 6 mm - 0,9 m
1 Reepschnur 5 oder 6 mm - 4 m
2 Bandschlingen mit 3 Kennfäden 25 mm - 4 m
2 Hms Schraubkarabiner
2 Normalkarabiner
2 Eisschrauben 22 mm Durchmesser 18 - 20 cm lang
Steigeisen
Stirnlampe / Ersatzbatterie
Rettungsfolie
Biwak-Sack
Rucksackapotheke
Kartenmaterial
Tourenbeschreibung
Kompass
Höhenmesser
Tourenhose
Faserpelz-Jacke
Faserpelz-Pulli
Lange Unterhosen
Unterwäsche
Ersatzwäsche
Regenschutz-Jacke
Regenschutz-Hose
Gamaschen
Handschuhe
Wollmütze
Hüttenschuhe
Sonnenbrille
Gletscherbrille
Schlafsack
Sonnenschutzmittel für Haut und Lippen
Waschzeug
Trillerpfeife
Trinkflaschen
Verpflegung für tagsüber als Notverpflegung
Personalausweis, ggf. DAV-Ausweis
Auch wenn man, wenn alles gut geht, nicht alles braucht, im Notfall wird
man es brauchen und es kann nicht übertrieben auch mal ein leben retten.
Ich habe schon selbst mitbekommen, wie wichtig es ist, auch wenn es
unnötig erscheint, alles dabeizuhaben. Oft sieht man gletscherspalten
nicht, die Gletscher sind steil und spiegelglatt, so daß man ohne
Sicherung unmöglich selbst mit Steigeisen gehen kann.
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Voraussetzungen:
Einfügen in Gruppengemeinschaft
Gletschererfahrung
Trittsicherheit
Kondition für täglich 8-9 Stunden Gehzeit
komplette Eisausrüstung
----------
Anreise: ( von Deutschland)
Anreise über Garmisch - bzw. Fernpaß - Zirler Berg - Innsbruck -
Stubaital Neustift - Ranald
----------
Kartenmaterial:
AV-Karte Nr. 31/1 Stubaier Alpen / Hochstubai
----------
Reisebericht:
1. Tag, 10.07.2003
Es geht aufi!
Bei herrlichem Wanderwetter treffen die 14 Teilnehmer unseres
Alpenvereines am Parkplatz in Ranalt, dem Zustieg zur Nürnberger Hütte
ein.
Nach Begrüssung und Materialverteilung wandern wir über einen
ausgebauten
Wirtschaftsweg zum ersten „kulinarischen Hindernis“, der Bsuechalm, auf
1580 m.
Hier haben die Tourteilnehmer mit der direkten Anreise Gelegenheit sich
für den weiteren
Anstieg zu stärken.
Ein, zwei Apfelsaftschorle und ein Süppchen später nehmen wir den Weg
zur Nürnberger
Hütte in Angriff.
Nach einem kurzen Wiesenstück führt uns der Pfad, zwar noch ausgebaut,
aber doch in
steileren Serpentinen, weg vom Stubaier Almidyll, um dann in einen
ausgetretenen Steig
überzugehen, der unserem Tagesziel entgegenführt. Langsam lassen wir
die karger
werdende Vegetation und die Hitze des Tales hinter uns und spüren nun
den gelegentlich
um die Felsen wehenden kühlen Lufthauch, der die Annäherung an alpines
Terrain
ankündigt.
Haben wir schon die Hälfte des Wegs? Jaaa! Längst. Die Karawane zieht
weiter. Noch
ein kleiner Anstieg, noch eine Wegbiegung, dann liegt sie vor uns, die
Nürnberger Hütte.
Etappenziel und Radlerquell.
Schnell sind die Zimmer verteilt, die Rucksäcke verstaut und der
Schweiss des Anstiegs
im Abfluss der Dusche verschwunden. Nach und nach finden sich die
Tourteilnehmer auf
der Hüttenterasse ein, um den Ausblick auf den Verlauf des Langetals
und auf die
gegenüber liegende Talseite, mit der Inneren Wetterspitz, zu geniessen.
Die Essenszeit treibt uns in die geräumige Gaststube, wo nach dem
ausgiebigen Studium
der Speisekarte die wichtigste Entscheidung des Tages, bezüglich der
Menueauswahl,
getroffen wird.
Nach reichlicher Sättigung wird abschliessend noch die Verteilung der
Seilschaften für
den nächsten Tag bekannt gegeben.
Zwischenzeitlich haben sich die Zeiger der Uhr doch stark in Richtung
Hüttenruhe
bewegt, so dass wir nach kurzem Blick nach dem Wetter die Kojen
anpeilen.
2. Tag, 11.07.
...und ewig grüsst das Murmeltier...
Nein! Heute ist es der Wecker.
Nun ja. Es ist grosses angekündigt.
Also. Alpine Kaltstartprozedur: Schnellwäsche, Rucksack richten und in
die Gaststube
zum Frühstück.
Das Wetter meint es wieder gut mit uns, so dass wir unverzüglich mit
dem Ziel Wilder
Freiger und Becherhaus aufbrechen.
Unser zunächst gut markierter und bequemer Wanderweg führt uns über von
früheren
Gletschern blank gehobelte Platten, um uns dann steiler ansteigend und
über vermehrt
Geröll unter die Flanken der Urfallspitz zu bringen. Hier ist erst
einmal Schluss mit
sommerlicher Bekleidung. Der kalte Talwind lässt die T-Shirts erst
einmal unter einer
Lage Fleecestoff verschwinden. Aber wir haben ja immer noch reichlich
Sonnenschein.
Über geschichtete Blöcke geht es nun mit kleinen Klettereinlagen in
Richtung Gamsspitzel,
wo uns ein erstes Schneefeld erwartet, das wir jedoch noch ohne
Eisausrüstug überqueren
können. Nun tut sich uns auch der Blick in die umliegenden
Gletscherarenen auf. Die
Aussicht auf die Amphitheatern gleichen vereisten Talmulden mit
Spaltenaufbrüchen, ist
trotz des erkennbaren Rückgangs der Vergletscherung grandios.
Noch ein kurzes Stück klettern im Blockgelände, dann stehen wir vor dem
letzten grossen
Eisfeld zwischen uns und dem Gipfel des Wilden Freiger.
Nun kommt endlich das Mühsam hochgeschleppte Material für die
Gletscherüberquerung
zum Einsatz. Eingegurtet und mit den Steigeisen an den Füssen, geht es
in der am
Vorabend ausgegebenen Reihenfolge hinaus auf’s Eis. Ab jetzt haben nun
auch die
Teilnehmer des letztjährigen Basiskurses Eis reichlich Gelegenheit das
damals gelernte in
der Praxis anzuwenden.
In lang geschwungenen Linien führt die Route durch das Gletschereis mit
dünner
Schneeauflage, in dem die Steigeisen sehr guten Halt finden, über gut
sichtbare kleinere
Spalten, auf ein letztes Geröllfeld mit den Resten einer Schutzhütte,
wo wir ein
Rucksackdepot einrichten. Nun trennt uns nur noch ein kleiner,
schneebedeckter Grat vom
höchsten Punkt unserer Tour. Ohne das schwere Gepäck, mit Pickeln und
Kamera
bewaffnet, bringen wir die Distanz hinter uns und dem Gipfelfoto auf
3413 m, bei immer
noch strahlendem Sonnenschein, steht nichts mehr im Wege.
Eine ganze Zeit verbringen wir am Gipfelkreuz, schiessen Fotos und
bewundern die
umliegenden Gipfel und vergletscherten Talkessel.
Doch bald wird es Zeit für das nächste Ziel des Tages.
Wir nehmen die Rucksäcke wieder auf und gehen weiter zum Signalgipfel
auf 3392 m und
gönnen uns erst einmal den Anblick des herrlich nach Süden
geschwungenen Grates, an
dessen Anschluss sich der Becher mit unserem Tagesziel, dem Becherhaus,
erhebt.
Über den mit Stahlseilen versicherten Abstieg hangeln wir uns hinab zu
den
Randbereichen des Übeltalferners und folgen dem Fuss des Grates bis wir
den Aufstieg
des Becherhauses erreichen. Ein kurzer Endspurt und wir sind am Ziel.
Der Hüttenwirt
mit Familie empfängt uns mehr oder weniger abgekämpfte Helden mit einem
Schnäpschen
auf der Terrasse der völlig von Gletschern umgebenen Hütte.
Der weitere Nachmittag ist der herrlichen Aussicht, dem trocknen der
Ausrüstung, dem
Apfelstudel und einer Änderung der Routenplanung gewidmet. Der
ursprünglich gewählte
Weg zur Sonklarspitz erweist sich, aufgrund des Zustandes des
hinaufführenden
Gletscherabschnitts, als nicht begehbar. Als Alternative bietet sich
der Weg durch die
Eisfelder des Übeltalferners zur Hofmannsspitz an. Dieser Vorschlag
findet besonderen
Anklang bei einem Tourteilnehmer gleichen Namens, der den Berg auch
sogleich
adoptiert.
Nach einem reichlichen, schmackhaften Abendessen und gemütlichem
Tagesausklang im
Kachelofenbeheizten Gastraum, treibt die Hüttenruhe die Einen schon
müde, die Anderen
noch aufgedreht von den Ereignissen des Tages, in die Schlafsäcke.
3. Tag, 11.07.
...ein Berg findet sein Herrchen...
Heute mal kein Wecker.
Die dünnen Innenwände der Hütte dulden kein Verschlafen. Der erste der
Aufsteht
weckt alle. Aber es ist eh schon heller Tag.
Also raus aus dem Schlafsack, Minimalwäsche mit eiskaltem Wasser und
erstmal zum
Frühstück.
Heute können wir einen Grossteil der Ausrüstung auf der Hütte lassen
und mit
Tagesgepäck geht es hinunter auf das Eis des Übeltalferners.
Wir queren das abtauende Eis des nördlichen Gletscherabschnitts zur
Müllerhütte,
widerstehen den Verlockungen einer Brotzeit und lassen die Hütte zu
unserer Rechten
liegen. Danach überwinden wir den Anstieg zum westlichen Gletscherteil
und bewegen
uns in südlicher Richtung, rechts der Wilde Pfaff und die Sonklarspitz,
links die weiten
Eisfelder des Übeltalferners, unserem Ziel, der Hofmannsspitz,
entgegen. Auf einem
Geröllausläufer lassen wir die Rucksäcke zurück und bewältigen die
letzen Meter bis zum
3112 m hohen Gipfel ohne lästiges Zusatzgewicht.
Oben natürlich die obligatorischen Gipfelfotos und die feierliche
Inbesitznahme des Berges
durch besagten, gleichnahmigen Tourteilnehmer. Uns Andere, die wir
keinen Berg zu
Eigen nennen, entschädigte der Blick in die Tiefe der Südtiroler Täler
im Süden und in die
Gletscherwelt im Norden. Ein Beweis dafür, dass auch ein relativ
unbekannter 3000er
eine Besteigung wert ist.
Da sich die Gewitterprognosen für diesen Nachmittag nicht bewahrheiten
und wir noch
etwas Zeit haben bietet sich, zurück im Angesicht der Müllerhütte, den
Teilnehmern noch
einmal Gelegenheit die Abläufe der Spaltenbergung zu üben. Zurück im
Becherhaus findet
dann dieser Teil der Tour bei Apfelstrudel etc. seinen Abschluss.
4. Tag, 12.07.
Die Luft wird wieder dicker..
Heute mal wieder Wecker. Wir sind früh dran. Abstiegstag. Schade. Aber
immerhin noch
ein Tag. Also.
Raus aus den Federn. Rucksack packen. Für Morgentoilette ist es eh zu
dunkel. Heut’
bleiben die Bartstoppeln dran.
Nach dem Frühstück klappern beim Anlegen des Gurtzeugs die Gebisse mit
den
Karabinern um die Wette. Es hat über Nacht herrlich aufgeklart und von
Norden weht ein
starker, eiskalter Wind über die Gletscher.
Die richtige Bühne für das „Grande Finale“.
Noch etwas steif steigen wir hinab auf den Übeltalferner. Doch der Weg
führt uns über
Eis und Fels erst einmal bergauf zum Signalgipfel, den wir
windzerzaust, aber schon mit
Schweisstropfen auf der Stirn erreichen. Der Anblick des Eises der
umliegenden
Gletscher im grellen Morgenlicht ist einfach überwältigend. Die Sicht
reicht bis weit nach
Südtirol hinein. Ohne Mühe ist der Rosengarten zu erkennen. Im
Südwesten stehen die
Gipfel der Ötztaler Alpen.
Mitten in dieser Szenerie legen wir ein letztes mal die Steigeisen an
und bewegen uns in
lang geschwungener Bahn dem unteren Ende des Grüblferners zu. Wieder
auf Fels folgen
wir dem gekennzeichneten Weg talwärts, nicht ohne gelegentlich Pausen
einzulegen um
nach und nach die warme Kleidung wieder durch das durchgeschwitze
T-Shirt zu
ersetzen.
Vorbei an der Nürnberger Hütte befinden wir uns nun wieder auf dem
abwärts führenden,
ausgebauten Steig zur Bsuechalm, wo wir die vom Abstieg kochenden Füsse
kühlen und
die Tour bei Kaiserschmarrn u.ä. Ihren offiziellen Abschluss findet.
Mit dem Gefühl der Zufriedenheit vier phantastische Tage in den
Stubaier Bergen, bei
herrlichem Wetter und guter Gesellschaft erlebt zu haben, legen wir die
letzten Kilometer
zum Parkplatz zurück, wo sich die kleine Truppe auflöst um die
Heimfahrt anzutreten.
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