Memento (VHS) Testbericht

Memento-vhs-thriller
ab 10,05
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

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Erfahrungsbericht von JuleG

Ich habe da diesen Zustand!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ein verregneter Donnerstag Abend in meinen Ferien, 4 Freunde unterwegs mit meinem Auto, wir überlegen was wir machen können und entscheiden und einen Film zu schauen und in die Videothek zu fahren.
Beim stöbern durch die Reihen fällt mir „Memento“ auf. Ein Film mit eher unbekannten Schauspielern, war vor kurzem im Kino und ich wollte eigentlich reingehen, aber er war irgendwie nach ein paar Wochen schon wieder abgesetzt... na ja dann kann er ja nicht so gut gewesen sein, oder doch? Ich habe mich, nachdem wir ihn ausgeliehen haben, vollstens davon überzeugt, dass er einer der genialsten Filme ist und einfach grundlos so früh abgesetzt wurde.
Oder er war zu anspruchsvoll...


+Allgemein+

Länge: 116 Minuten

Regisseur: Christopher Nolan

Drehbuch: Jonathan Nolan

Erscheinungsjahr: 2000

Genre: Psychothriller

Originaltitel: Memento

Freigegeben ab 16 Jahren

Preise: u.a. Oscar für bester Filmschnitt, bestes Drehbuch


+Schauspieler+

1. Leonerd Shelby gespielt von Guy Pearce, bekannt aus L.A. Confidential
Der Hauptcharakter des Films
2. Nathalie gespielt von Carrie-Ann Moss, bekannt aus Matrix.
Eine (zwielichtige?) Freundin von Shelby
3. Teddy gespielt von Joe Pantoliano, ebenfalls bekannt aus Matrix
Ein korrupter Polizist und Freund von Shelby
4. Sammy Jankins gespielt von Stephen Tobolowsky
5. Dodd gespielt von Callum Keith Rennie


+Inhalt+

Wenn Leonard Shelby die Augen öffnet erwacht er immer in einer völlig fremden Umgebung, denn er hat sein Kurzzeitgedächnis für immer verloren.
Das letzte, an das er sich erinnern kann, ist die Vergewaltigung und der Mord seiner Frau.
Der Schock über das Geschehene verursacht bei Leonard einen „stufenweisen, arteriellen Verlust des Kurzzeitgedächnisses“, der aus seinem geordneten Leben als Versicherungsvertreter einen irritierenden Zustand ohne Vergangenheit macht.
Er vergisst, wo er sich aus welchen Gründen befindet und erkennt Menschen, mit denen er gerade geredet hat, nicht mehr wieder noch erinnert er sich an das Gesprochene.
Um sich zu erinnern hält er alle seine Erinnerungen und Gedanken mit Polaroids und Notizen zu den einzelnen Bildern, fest.
Wenn er vor dem Spiegel steht findet er auf seinem ganzen Körper Tätowierungen: Find him an kill him oder John G. rapded and murdered your wife.
Zwanghaft versucht er seine Erinnerungen zusammenzuhalten und den Mörder zu finden. Ohne dieses spezielle Ordnungssystem wäre Leonard verloren, angesichts der ständig auf ihn einstürmenden, für ihn neuen und beängstigenden Eindrücke.
Immer wieder tauchen Teddy und Natalie auf.

Ein Mann ohne Gedächtnis kann von seiner Umgebung missbraucht werden. Im harmlosesten Fall, werden ihm zwei Hotelzimmer gleichzeitig vermietet, im schlimmsten Fall weiß er nicht mehr was die Leute gestern mit ihm gemacht oder zu ihm gesagt haben. Wem kann er vertrauen??
Doch das ist auch nur ein relativ kleines Problem, denn ohne es zu Wissen, ist er selbst zu einer Bedrohung geworden. Denn ein Mann ohne Gedächtnis, der sich vorgenommen hat einen John G. zu töten ist natürlich eine tickende Zeitbombe, schließlich kann er sich auch nach dem Mord an nichts mehr erinnern...


+Meine Meinung+

Ein hochintellektueller und anspruchsvoller Film!

„Ein Mann ohne Gedächtnis sucht den Mörder seiner Frau“ ist allein noch keine besondere Leistung. Nolan hat sich jedoch eines raffinierten Tricks bedient um die beängstigende und verwirrende Situation Leonard Shelbys darzustellen.

Der Film beginnt mit dem Mord eines Mannes, er wird von hinten nach vorne aufgerollt. Immer wieder werden Sequenzen von 5-10 Minuten Abschnitten (welche Leonards Gedächnis entsprechen) angehängt die vor dem letzten ansetzen .
Zwischen diesen Sequenzen läuft jedoch noch ein 2. Handlungsstrang, und zwar richtig herum, der sich irgendwann mit dem 1. trifft und mit ihm verschmilzt.
In diesem 2. Handlungsstrang erzählt Shelby von einem Versicherungsfall in seiner beruflichen Laufbahn erzählt, die tragische Geschichte eines Mannes, der ebenfalls von Minute zu Minute alles vergisst , was sich gerade abgespielt hat und dessen einziger Halt im Nebel des Vergessens die Liebe zu seiner Ehefrau ist.
Man weiß zwar, dass es zwei Stränge gibt (der eine ist farbig, der andere schwarz-weiß), jedoch nicht wie sie genau zusammen gehören.

Diese Erzählweise (rückwärts) ermöglich dem Zuschauer sich noch intensiver mit dem Thema Gedächtnisverlust zu befassen und sich vollkommen in Shelby hineinzuversetzen, denn wir wissen auch immer nur das, was er gerade herrausgefunden hat. Er verlässt sich auf das was er mit seinen Polaroids und Notizen verewigt hat, genau wie wir. Nach und nach werden jedoch Erkenntnisse umgeworfen, die als gesichert galten und wir kommen der wirklichen Wahrheit immer näher.
Der Zuschauer muss seine Vermutungen immer wieder umwerfen und neue aufstellen. Erst in der Letzten Sequenz erfährt man die Wahrheit.
„Memento“ sollte man also nicht zwischendrin mal schauen, denn wer sich nicht von Anfang an konzentriert und mitdenkt, dem dürfte der Einstieg in die schwierige Story wohl kaum möglich sein.
Trotz eines sehr abrupten und fast enttäuschenden Ende, welches scheinbar alle Fragen aufdeckt, ist der Film noch lange nicht zu Ende. Wer hier nicht anfängt die ganze Geschichte noch einmal zu durchdenken, ist nicht weit genug in die Materie eingestiegen.

Ein sehr beeindruckender Film, durch den jedoch nicht leicht durchzusteigen ist!


+Die Schauspieler+

Die Darsteller sind für ihre Rollen einfach perfekt gewählt.
Guy Pearce verkörpert den angespannten Mann voller Wiedersprüchlichkeiten perfekt und man nimmt ihm seine krankheitsbedingte Identitätskrise absolut ab.
Joe Pantoliano ( der koruppte Polizist und Aalglatte Kumpel) und Carrie-Ann Moss (die undurchschaubare Barfrau) kreuzen immer wieder seinen Weg und tragen letztendlich auf beeinduckende Weise zur Lösung bei.
Überzeugend gespielt!


+Der Regisseur+

Christopher Nolan ist schon bekannt aus seinem ersten Film „The Following“.
Hier stellt er mal wieder sein ganzes Können unter Beweis. Er lässt den Zuschauer total desorientiert und verwirrt genau das fühlen, was Shelby fühlt und ihn ganz alleine den Weg durch den Film finden.
Durch den präzisen Schnitt und die einmalige Kameraführung wird der Film wirklich zu einem Meisterwerk.
Durch das knappe Budget von 5 Millionen Dollar hat „Memento“ auf keinen Fall an Qualität verloren sonder eher noch dazugewonnen. Es wird auf spektakuläre Schauplätze und bekannte Schauspieler verzichtet, doch gerade diese sehr guten, aber wenig vertrauten Darsteller tragen zur Glaubwürdigkeit der Geschichte und dem hohen Nivea des Films bei.
Die 2 Oscars hat er verdient!


+Fazit+

Dieser Film ist ein einzigartiges Filmerlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Der schwer durchsichtige Film ist kein leichtes Vorabendprogramm, doch wer gerne mal ein bisschen denkt, wird von diesem Film garantiert auch in den Bann gezogen!


Danke fürs Voten und Kommentieren,
bis bald Julia

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