Memento (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von mima007
Gute (Kauf-) DVD: Innovativ erzählter Film noir
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Anspruchsvolles Spannungskino verspricht die Werbung für diesen rückwärts erzählten Thriller. Ich finde, dass man erst beim mehrfachen Sehen des Films dahinterkommt, wie die Handlung verläuft, welche Rollen die Figuren spielen und worum es überhaupt in dem Film geht - die Möglichkeit, in einer DVD kapitelweise \"zurückzublättern\", ist dafür sehr hilfreich.
Denn es ist nur vordergründig die Geschichte eines Rachefeldzugs à la \"The Limey\", sondern vielmehr eine Kritik an den Methoden der Wissensvermittlung, an den Zeichen und an der Möglichkeit sich zu erinnern überhaupt.
Infos zum Film
USA 2000
Regie: Christopher Nolan
Buch: Jonathan Nolan
Kamera: Wally Pfister
Darsteller: Guy Pearce (Leonard Shelby), Carrie-Anne Moss (Natalie), Joe Pantoliano (Teddy), Stephen Tobolowsky (Sammy Jankis) u.a.
Länge: 116 Min. (113 ohne Abspann)
Verleih: Helkon (Buena Vista)
FSK: ab 16 Jahren
Musik: David Julyan
Handlung
Leonard Shelby (Pearce) hat nach einem Überfall diesen \"Zustand\" (condition): Er kann keine neuen Erinnerungen mehr speichern, sondern muss alles entweder sofort aufschreiben oder auf den Polaroids notieren, die er ständig macht. (Das erinnert an Tom Tykwers \"Winterschläfer\".) Außerdem macht er seine eigene Haut zum Notizzettel: mit Tätowierungen, professionellen wie eigenen.
Bis zu einem gewissen Zeitpunkt hat er sogar noch einen ordner voll mit Notizen von Polizei, Krankenhaus, Versicherung usw. Daraus geht hervor, dass er vor dem Überfall, bei dem er seine Frau Catherine verlor, ein Sachverständiger bei einer Versicherungsgesellschaft war. Bei seinem Job lernte er den Fall von Sammy Jankis kennen, dessen Frau behauptete, er habe bei einem Autounfall ebenfalls das Kurzzeitgedächtnis verloren.
Auch Shelby kann sich an die Zeit vor dem Überfall gut erinnern. Er führt mit einem mysteriösen Polizeibeamten lange Telefongespräche, die alle in Schwarzweiß gedreht wurden. Leider fehlen ins einem wichtigen Ordner 12 Seiten; wer weiß, wer sie entfernt hat.
Am Anfang des Films, also am Ende der erzählten Story, erschießt Shelby den freundlichen Teddy, der ihm zu helfen scheint - ein Schockeffekt. Joe Pantoliano spielt Teddy mit diebischer Freunde und einem suspekten Enthusiasmus, der ihn zwielichtig erscheinen lässt. Teddy heißt eigentlich James Edward gammell. Ist er der geheimnisvolle \"John G.\", den Shelby sucht? \"John G. vergewaltigte und tötete meine Frau\" steht in Spiegelschrift auf Shelbys Brust tatowiert.
Aber Teddy ist ein undercover arbeitender Polizeispitzel oder Polizist, der die Drogenszene in einem Stadtteil auskundschaftet. Der Designeranzug, den Shelby trägt, und der schicke Jaguar, den er fährt, gehören nicht ihm selbst, sondern einem Drogendealer namens James oder Jimmy Grants (G.). Den legte Shelby für Teddy um, oder? Und Jimmy war der Partner von Natalie, der netten (?) Kellnerin in Freddy\'s Club.
Natalie, hervorragend manipulativ gespielt von Carrie-Anne Moss, ist einerseits hilfebedürftig, weil sie Jimmy verloren hat, andererseits setzt sie Shelby auf Jimmys Drogenpartner Dodd an. Kein besonders netter Auftrag von einer Geliebten.
Tja, aber da bleibt noch die Frage, die Teddy ganz am Schluss des Films stellt: Wer ist Leonard Shelby überhaupt? Denn mit dem Versicherungssachverständigen hat der doppelte Killer des \"Anfangs\" herzlich wenig zu tun. Welches Geheimnis verbirgt \"Lenny\"? Warum steht einmal \"I\'ve done it\" auf seiner Brust und dann wieder nicht? Hat er schon jemanden umgelegt, bevor er Teddy traf und als seine Frau noch lebte?
Inszenierung
Wie gesagt, werden die Szenen in umgekehrter Abfolge erzählt. Wir nähern uns also dem Anfang von Lennys Story. Zwischen diese Sequenzen sind Schwarzweiß-Szenen geschaltet, in denen wir Lennys Konversationen am Telefon und seinem Dauermonolog lauschen. All dies ist ein hervorragend aufgebautes Puzzle, das es zusammenzusetzen gilt.
Die Darsteller
Am besten hat mir Joe Pantoliano gefallen. Er ist mit Abstand der menschlichste, normale Typ in diesem Film. Shelby (Pearce) hat ja diesen \"Zustand\", und Natalie (Moss) benutzt ihn für ihre Zwecke - beide sind nicht sonderlich sympathisch. Tatsächlich entpuppt sich Shelby nicht als Opfer seines Zustands, sondern als existenzialistischer Selfmademan, der Leute umlegt: skrupellos oder erinnerungslos? Hier stellt sich die Schuldfrage: Ist ein Killer schuldfähig, wenn er sich nicht an die Tat erinnert (oder nicht erinnern will - ist Shelby ein Simulant?)?
Die Doppel-DVD (Kaufversion)
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• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Bildformat: 1.85:1, 2.35:1
• DVD Erscheinungstermin: 9. Juli 2002 (Leihversion: 11.6.)
Sprache: Deutsch
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Bildformat: 1.85:1, 2.35:1
• Dolby, Surround Sound, Widescreen
• Laufzeit: 113 Minuten
DVD-Bonusmaterial der Leih- und Kauf-Versionen
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Zur Erklärung: Wo \"Leih-DVD\" dabeisteht, ist gemeint, dass dieses Feature AUCH auf der Leihh-DVD zu finden ist. Sonst sind ALLE Features auf der KAUF-DVD zu finden.
• Interview mit Christopher Nolan + Audiokommentar (Leih-DVD)
• Making of: Anatomie einer Szene
• 8 Produktionsnotizen über die Darsteller, die Erzählweise, den Regisseur, die Produzentinnen (Leih-DVD)
• Filmographien der 3 Hauptdarsteller, des Regisseurs und der Produzentinnen (Leih-DVD)
• Kurzgeschichte \"Memento Mori\" von Jonathan Nolan (Englisch & Deutsch)
• Interaktive Website als DVD-Video Feature
• Fotogalerie: Tattoos, Entwürfe, Am Set,
• Christopher Nolans komplettes Drehbuch
• Trailer \"Memento\" (Leih-DVD) & \"The Following\" von Christopher Nolan
• div. Trailer zu 5-6 weiteren Filmen (Leih-DVD)
Sound und Bild sind erstklassig, was man aber von der untermalenden Musik nicht unbedingt behaupten kann. Dafür ist sie einfach zu nichtssagend und macht den Film fast zu einem Theaterstück.
Mein Eindruck
\"Memento\" ist ein clever aufgebauter Film noir, der seine Überraschung - das Motiv des Killers Shelby - bis zum Schluss des Films vorenthält. Und in diesem Motiv steckt auch die Kritik, die Christopher (Regiseur) und Jonathan Nolan (Autor) versteckt haben. In unserer Welt der anonymen Motelzimmer und der autauschbaren Menschen und Identitäten ist es möglich, Erinnerungsstücke (Mementos) zu fälschen: Polaroidnotizen, entfernte Akten, zugesteckte Bierdeckel. Wer sich von der Kette der Erinnerungen und der festen Fakten verabschiedet, der kann sich ein komplett neues Leben aufbauen - so wie Shelby es tut. Aber er kann dabei nie sicher sein, selbst übers Ohr gehauen zu werden: Shelby bezahlt für zwei Motelzimmer und trinkt manipuliertes Bier, geht Natalie auf den Leim und kennt seine Gewährsleute nicht mehr.
Dieser Film hätte genauso ein Film über Hacker sein können, die wichtige Geschäfts- oder Lebensdaten fälschen, so wie in \"Das Netz\" mit Sandra Bullock. Statt dessen ist ein weitaus intelligenterer Film entstanden, der mit seiner unorthodoxen Erzählweise wieder Interesse am Erzählen und seinen Techniken weckt.
Wer sich für die DVD interessiert, sollte beachten, dass zwischen Leih- und Kauf-Version ein gewaltiger Unterschied in der Ausstattung besteht. Immerhin hat die Leihversion ein schönes Interview und einige informative Produktionsnitozen vorzuweisen.
Michael Matzer (c) 2002ff
Denn es ist nur vordergründig die Geschichte eines Rachefeldzugs à la \"The Limey\", sondern vielmehr eine Kritik an den Methoden der Wissensvermittlung, an den Zeichen und an der Möglichkeit sich zu erinnern überhaupt.
Infos zum Film
USA 2000
Regie: Christopher Nolan
Buch: Jonathan Nolan
Kamera: Wally Pfister
Darsteller: Guy Pearce (Leonard Shelby), Carrie-Anne Moss (Natalie), Joe Pantoliano (Teddy), Stephen Tobolowsky (Sammy Jankis) u.a.
Länge: 116 Min. (113 ohne Abspann)
Verleih: Helkon (Buena Vista)
FSK: ab 16 Jahren
Musik: David Julyan
Handlung
Leonard Shelby (Pearce) hat nach einem Überfall diesen \"Zustand\" (condition): Er kann keine neuen Erinnerungen mehr speichern, sondern muss alles entweder sofort aufschreiben oder auf den Polaroids notieren, die er ständig macht. (Das erinnert an Tom Tykwers \"Winterschläfer\".) Außerdem macht er seine eigene Haut zum Notizzettel: mit Tätowierungen, professionellen wie eigenen.
Bis zu einem gewissen Zeitpunkt hat er sogar noch einen ordner voll mit Notizen von Polizei, Krankenhaus, Versicherung usw. Daraus geht hervor, dass er vor dem Überfall, bei dem er seine Frau Catherine verlor, ein Sachverständiger bei einer Versicherungsgesellschaft war. Bei seinem Job lernte er den Fall von Sammy Jankis kennen, dessen Frau behauptete, er habe bei einem Autounfall ebenfalls das Kurzzeitgedächtnis verloren.
Auch Shelby kann sich an die Zeit vor dem Überfall gut erinnern. Er führt mit einem mysteriösen Polizeibeamten lange Telefongespräche, die alle in Schwarzweiß gedreht wurden. Leider fehlen ins einem wichtigen Ordner 12 Seiten; wer weiß, wer sie entfernt hat.
Am Anfang des Films, also am Ende der erzählten Story, erschießt Shelby den freundlichen Teddy, der ihm zu helfen scheint - ein Schockeffekt. Joe Pantoliano spielt Teddy mit diebischer Freunde und einem suspekten Enthusiasmus, der ihn zwielichtig erscheinen lässt. Teddy heißt eigentlich James Edward gammell. Ist er der geheimnisvolle \"John G.\", den Shelby sucht? \"John G. vergewaltigte und tötete meine Frau\" steht in Spiegelschrift auf Shelbys Brust tatowiert.
Aber Teddy ist ein undercover arbeitender Polizeispitzel oder Polizist, der die Drogenszene in einem Stadtteil auskundschaftet. Der Designeranzug, den Shelby trägt, und der schicke Jaguar, den er fährt, gehören nicht ihm selbst, sondern einem Drogendealer namens James oder Jimmy Grants (G.). Den legte Shelby für Teddy um, oder? Und Jimmy war der Partner von Natalie, der netten (?) Kellnerin in Freddy\'s Club.
Natalie, hervorragend manipulativ gespielt von Carrie-Anne Moss, ist einerseits hilfebedürftig, weil sie Jimmy verloren hat, andererseits setzt sie Shelby auf Jimmys Drogenpartner Dodd an. Kein besonders netter Auftrag von einer Geliebten.
Tja, aber da bleibt noch die Frage, die Teddy ganz am Schluss des Films stellt: Wer ist Leonard Shelby überhaupt? Denn mit dem Versicherungssachverständigen hat der doppelte Killer des \"Anfangs\" herzlich wenig zu tun. Welches Geheimnis verbirgt \"Lenny\"? Warum steht einmal \"I\'ve done it\" auf seiner Brust und dann wieder nicht? Hat er schon jemanden umgelegt, bevor er Teddy traf und als seine Frau noch lebte?
Inszenierung
Wie gesagt, werden die Szenen in umgekehrter Abfolge erzählt. Wir nähern uns also dem Anfang von Lennys Story. Zwischen diese Sequenzen sind Schwarzweiß-Szenen geschaltet, in denen wir Lennys Konversationen am Telefon und seinem Dauermonolog lauschen. All dies ist ein hervorragend aufgebautes Puzzle, das es zusammenzusetzen gilt.
Die Darsteller
Am besten hat mir Joe Pantoliano gefallen. Er ist mit Abstand der menschlichste, normale Typ in diesem Film. Shelby (Pearce) hat ja diesen \"Zustand\", und Natalie (Moss) benutzt ihn für ihre Zwecke - beide sind nicht sonderlich sympathisch. Tatsächlich entpuppt sich Shelby nicht als Opfer seines Zustands, sondern als existenzialistischer Selfmademan, der Leute umlegt: skrupellos oder erinnerungslos? Hier stellt sich die Schuldfrage: Ist ein Killer schuldfähig, wenn er sich nicht an die Tat erinnert (oder nicht erinnern will - ist Shelby ein Simulant?)?
Die Doppel-DVD (Kaufversion)
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• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Bildformat: 1.85:1, 2.35:1
• DVD Erscheinungstermin: 9. Juli 2002 (Leihversion: 11.6.)
Sprache: Deutsch
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Bildformat: 1.85:1, 2.35:1
• Dolby, Surround Sound, Widescreen
• Laufzeit: 113 Minuten
DVD-Bonusmaterial der Leih- und Kauf-Versionen
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Zur Erklärung: Wo \"Leih-DVD\" dabeisteht, ist gemeint, dass dieses Feature AUCH auf der Leihh-DVD zu finden ist. Sonst sind ALLE Features auf der KAUF-DVD zu finden.
• Interview mit Christopher Nolan + Audiokommentar (Leih-DVD)
• Making of: Anatomie einer Szene
• 8 Produktionsnotizen über die Darsteller, die Erzählweise, den Regisseur, die Produzentinnen (Leih-DVD)
• Filmographien der 3 Hauptdarsteller, des Regisseurs und der Produzentinnen (Leih-DVD)
• Kurzgeschichte \"Memento Mori\" von Jonathan Nolan (Englisch & Deutsch)
• Interaktive Website als DVD-Video Feature
• Fotogalerie: Tattoos, Entwürfe, Am Set,
• Christopher Nolans komplettes Drehbuch
• Trailer \"Memento\" (Leih-DVD) & \"The Following\" von Christopher Nolan
• div. Trailer zu 5-6 weiteren Filmen (Leih-DVD)
Sound und Bild sind erstklassig, was man aber von der untermalenden Musik nicht unbedingt behaupten kann. Dafür ist sie einfach zu nichtssagend und macht den Film fast zu einem Theaterstück.
Mein Eindruck
\"Memento\" ist ein clever aufgebauter Film noir, der seine Überraschung - das Motiv des Killers Shelby - bis zum Schluss des Films vorenthält. Und in diesem Motiv steckt auch die Kritik, die Christopher (Regiseur) und Jonathan Nolan (Autor) versteckt haben. In unserer Welt der anonymen Motelzimmer und der autauschbaren Menschen und Identitäten ist es möglich, Erinnerungsstücke (Mementos) zu fälschen: Polaroidnotizen, entfernte Akten, zugesteckte Bierdeckel. Wer sich von der Kette der Erinnerungen und der festen Fakten verabschiedet, der kann sich ein komplett neues Leben aufbauen - so wie Shelby es tut. Aber er kann dabei nie sicher sein, selbst übers Ohr gehauen zu werden: Shelby bezahlt für zwei Motelzimmer und trinkt manipuliertes Bier, geht Natalie auf den Leim und kennt seine Gewährsleute nicht mehr.
Dieser Film hätte genauso ein Film über Hacker sein können, die wichtige Geschäfts- oder Lebensdaten fälschen, so wie in \"Das Netz\" mit Sandra Bullock. Statt dessen ist ein weitaus intelligenterer Film entstanden, der mit seiner unorthodoxen Erzählweise wieder Interesse am Erzählen und seinen Techniken weckt.
Wer sich für die DVD interessiert, sollte beachten, dass zwischen Leih- und Kauf-Version ein gewaltiger Unterschied in der Ausstattung besteht. Immerhin hat die Leihversion ein schönes Interview und einige informative Produktionsnitozen vorzuweisen.
Michael Matzer (c) 2002ff
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