Memento (VHS) Testbericht

Memento-vhs-thriller
ab 10,05
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

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Erfahrungsbericht von katapult

Traue niemals deinen Erinnerungen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wer sich von diesem Film packen lässt, erlebt sein blaues Wunder. Im schlimmsten Fall wird man um den Schlaf gebracht, eventuell muss auch noch die Verabredung für den nächsten Abend abgeblasen werden, denn Memento erzwingt geradezu einen zweiten Kinobesuch. Und selbst beim wiederholten Schauen dürften noch längst nicht alle Rätsel gelöst sein, so trickreich ist das Drehbuch des wohl spannendsten und innovativsten Thrillers der letzten Jahre ausgefallen.

Die erste Einstellung von „Memento" zeigt ein Polaroid, auf dem eine Leiche zu sehen ist. Mit der Zeit entwickelt sich das Foto zurück, bis die Aufnahme schließlich verschwindet. Das Polaroid fährt in den Apparat, die Kamera zeigt blutverschmierte Wände, auf denen das Blut hoch fließt, dann fliegt eine Patrone in den Lauf einer Pistole, eine Brille auf den Kopf seines Besitzers und ein Kopfschuss beendet die erste Sequenz.
Noch verwirrt von der rückwärts gedrehten Exposition sieht man dann zwei Szenen, die die ungewöhnliche Erzählstruktur von "Memento" aufdecken. Jemand wacht in seinem Hotelzimmer auf und versucht zu ergründen, wer und wo er ist. Dieselbe Person fährt dann in der dritten Szene mit einer Begleitung in ein abgelegenes Haus und führt uns zur Anfangssituation zurück. Er ermordet das Opfer, das zuvor auf dem Polaroid zu sehen war.

Schon jemals einen Film gesehen, der seine Geschichte rückwärts erzählt? „Memento" gelingt es tatsächlich, mit dem Ende zu beginnen um sich dann Stück für Stück zum Anfangspunkt vorzuarbeiten. Natürlich ist die erste, tatsächlich rückwärts gedrehte Szene, nur die Ausnahme. Danach enden die zumeist nur wenige Minuten andauernden Handlungshäppchen mit dem Beginn der vorangegangenen Episode. Als sei das noch nicht verwirrend genug, wird ein Handlungsstrang vorwärts erzählt. Zum Glück sind diese Einschübe in Schwarz/Weiß gehalten. Doch man gewöhnt sich an diese ungewöhnliche Erzählstruktur im Laufe des Films und versteht auch schnell, warum die Story nur auf diese Art erzählt werden kann.

Nach dem Intro lernen wir Leonard Shelby (Guy Pearce) kennen, wie er in seinem Hotelzimmer aufwacht, zwar wesentliche Fakten über sich weiß, aber keine Ahnung hat warum er an diesem Ort zu dieser Zeit ist. Man erfährt dann, unter welchem Defekt er leidet. Einst wurde Leonard Zeuge, wie seine Frau nach einer Vergewaltigung ermordet wurde. Von einem Täter bekam er einen Schlag auf seinen Schädel ab und seitdem besitzt er kein Kurzzeitgedächtnis mehr. Leonard kann nur noch maximal 20 Minuten lang neue Informationen speichern, danach hat er alles vergessen. Am Ende eines längeren Gespräches weiß er plötzlich nicht mehr, wen er eigentlich vor sich hat und über was überhaupt geredet wurde.
Um sein Handicap so weit wie möglich in den Griff zu bekommen, lässt er sich deshalb von verschiedenen Datenträgern helfen. Auf Zetteln schreibt er sich wichtige Informationen auf, ihm bedeutsam erscheinende Personen fotografiert er, notiert sich Namen und wichtige Informationen, und die wichtigsten Fakten nadelt er sich als Tattoo in seine Haut. So wacht er morgens auf und kann vor seinem Spiegel immer nachlesen, was seine Mission ist: „John G. raped and murdered my wife - Find him and kill him". Dumm nur, dass er auf diese Eselsbrücken angewiesen ist. Will er wen in seine Wohnung hereinlassen, muss er zuvor seine Fotosammlung studieren - er erkennt ja kein Gesicht wieder. Und dann hat Leonard auf seine Notizen zu schauen. Ist das ein Freund, oder habe ich mir da notiert, dass ich ihm nicht trauen darf?

Die Erzählregeln des Kinos werden also in „Memento" ganz schön auf den Kopf gestellt. Von Anfang an weiß der Zuschauer nur so viel über Leonard, wie dieser über sich selbst weiß. Lediglich auf die Informationen, die Leonards Langzeitgedächtnis noch zur Verfügung stehen, scheint Verlass zu sein: Leonard war Ermittler in Versicherungsangelegenheiten, seine Frau ist ums Leben gekommen, und er hat sie zu rächen.
Leonard lernt jeden Tag die gleichen Personen neu kennen. Den Hotelinhaber beispielsweise, der Leonard zwei Tagesmieten abknüpfen kann, wenn er nur länger als 20 Minuten wartet. Teddy scheint ein Freund zu sein, doch unter seinem Polaroid notierte sich Leonard „Don’t believe his lies - He is the one - kill him". Wie es zu diesen Notizen kam, erfährt man dann Laufe des Films.
Natalie spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in seinem Fall. Sie ist auch ein „Surviver" und will sich an jemandem rächen. Und dann gibt es noch den ominösen Sammy Jankis, den Leonard einst bei seiner Tätigkeit als Versicherungsermittler kennenlernte und ebenso unter dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses gelitten hat (von Sammy erfährt man in den Schwarz/Weiß-Sequenzen, seinen Namen hat sich Leonard auf die Hand tattoowieren lassen).
Am Anfang von „Memento" geben auch noch die Tattoos Auskunft über den Mann, den Leonard zu suchen hat. Die Facts lauten: 1. male, 2. white, 3. first name John - or James, 4. last name G____ , 5. Drug dealer, 6. Car license number SG1371U.

Ob sich das Puzzle am Ende auflöst? Dazu hat wohl jeder Zuschauer eine andere Meinung. Eigentlich müsste einem nur gezeigt werden, wie es zu dem Mord an seiner Frau gekommen ist und wie sich Leonard das erste Tattoo hat machen lassen - denkt man sich. Es verbietet sich natürlich, zu viel vom Ende zu erzählen. Aber wenn das Ende gekommen ist, also der Anfang, dann geht das Rätselraten erst richtig los. „Ach so war das! Aber ... ?"

„Memento" ist unglaublich spannend inszeniert. Ein Schlag ins Gesicht ist das für Hollywood, wo für das Thriller-Genre immer nur noch Versatzstücke aneinander gereiht werden und mittels Tempo und Materialschlachten vorgetäuscht wird, dass da auf der Leinwand gerade etwas Aufregendes erzählt wird. Der Independent-Film lebt noch, das wusste man auch auf einigen Filmfestivals zu goutieren, wo „Memento" Preise erhielt für die beste Regie.

Und der beste Film des letzten Jahres hat noch ein aufregendes Nachspiel. Im Internet wird „Memento" leidenschaftlich diskutiert und seziert. Wer da glaubt, er sei auf der richtigen Spur, wird durch einzelne Beweisführungen ganz schnell wieder ins Zweifeln geraten. Da hilft nur eins: Geld ausgeben für wiederholte Kinobesuche oder die wiedergewonnene Erkenntnis, dass mein seinen Erinnerungen einfach nicht trauen kann.

(Die besten Internet-Beiträge werden m.E. bei www.rottentomatoes.com gepostet. Eine „Komplettlösung" findet sich unter www.salon. com. Die Film-Institution www.imdb.com hat natürlich auch etwas dazu beizutragen. Und auf der offiziellen Homepage www.memento.com - oder www.otnemem- sollen auch wichtige Hinweise versteckt sein.)

7 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Kool_Kat

    30.05.2002, 14:57 Uhr von Kool_Kat
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hey, ein Vertrauer von Ciao! Wunnebar!! :-)

  • Libraia

    16.05.2002, 02:02 Uhr von Libraia
    Bewertung: sehr hilfreich

    habe ich dich also auch hier gefunden!