Mitsubishi Lancer Testbericht

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Auf yopi.de gelistet seit 08/2003
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Summe aller Bewertungen
- Fahreigenschaften:
- Fahrkomfort:
- Platzangebot:
- Zuverlässigkeit:
Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun
Konichi-Wa...kleiner Reiskocher!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Seit zweieinhalb Monaten bin ich unter die Japse gegangen, nicht ganz freiwillig zwar, aber einem geschenktem Gaul, schaut man ja nicht ins Auspuffrohr....oder so ähnlich. Wie in einigen meiner bisherigen Berichte schon durchgeklungen ist, hatte der Wagen einen Getriebeschaden, der mittlerweile behoben ist – jedoch tauchen in der Geschichte des kleinen Reiskochers schon so einige andere Zickigkeiten auf, dazu – man verzeihe mir - muss ich ein klein wenig weiter ausholen...
Die Vorgeschichte
Kennengelernt habe ich mein neues Bastelprojekt bereits vor 11 Jahren, als ein Bekannter von mir und meiner damaligen Partnerin, sich den Lancer in der 5-Türer Fliessheck Variante mit dem 90 PS starken 1,5 liter ECI Maschine 1991 zulegte – 6 Jahre später kaufte sie den Wagen dann, um ihren mittlerweile doch recht altersschwachen Kadett-D in seine wohlverdiente Rente zu schicken. Im Februar diesen Jahres habe ich den Lancer schliesslich „geerbt“ nachdem das Getriebe sich verabschiedet hatte und sie sich einen neuen Gebrauchten zulegte – meinen ollen Audi 80 hatte - zu allem Überfluss – kürzlich ein unangenehmer Zeitgenosse zu Klump gefahren (mit Fahrerflucht) und ich konnte ein gutes Auto wirklich gebrauchen, da der Aufwand den Audi wieder vollständig herzurichten zwar möglich aber vollkommen unwirtschaftlich gewesen wäre. Der Lancer kam also trotz seines sicherlich nicht geringen Defekts sehr gelegen und blieb somit sein ganzes bisheriges, mechanisches Leben quasi irgendwie „in der Familie“, seit nunmehr 6 Jahren – reparaturtechnisch gesehen - sogar komplett unter meinen heilenden Händen...ich wusste also sehr genau, worauf ich mich da einlasse. Heute ist der Wagen fast vollkommen durchrepariert, bis auf einige kleinere optische (hauptsächlich Karosserie-)Schäden, die im Laufe der nächsten Wochen peu á peu aber noch korrigiert werden. Da aber zumindest schon mal die CarHifi (also manche Sachen MÜSSEN bei mir halt sein - siehe die anderen Berichte) wieder Einzug gehalten hat, bin ich motiviert den Rest auch noch nach Kräften möglichst in „Nahe-Originalzustand“ zurückzubringen, denn ich hab mich ja bereits seit langem mit dem manchmal etwas launischen, asiatischen Kerlchen richtiggehend angefreundet.
Eine kleine Übersicht
Technisch gesehen sind Colt und Lancer konstruktiv beinahe identisch, das heisst nicht nur in der Optik , sondern Schrullen und Ersatzteile haben die beiden meist ebenfalls gemeinsam, der Lancer ist lediglich die Limousinenform und somit länger als der Colt. Zudem gibt es den Lancer auch als Kombi, weiter verbreitet ist allerdings das Modell, dass auch ich fahre: den 5- Türer Fliessheck. Der 4-Zylinder 1,5 Liter Benzin-Motor meines Lancers existiert in 2 Versionen, zum Einen als Mono-Einspritzer mit 70 PS und zum Anderen der ECI-Version mit Mehrfach-Einspritzung (MPI genannt) und 90 PS. Der Lancer hat den Motor quer zur Fahrtrichtung eingebaut, gebietet über eine obenliegende Nockenwelle aber keine (!) Hydro-Stößel (aka „hydraulische Ventilspielausgleicher“), sehr seltsam für ein Auto dieser Generation. Das 5-Gang Getriebe wird von einer Einscheiben-Trockenkupplung ausgekuppelt, welche bei dieser Version hydraulisch betätigt wird, Servolenkung ist Serie und Klimaanlage/Glas Hub- und Schiebedach sind optional. Die Bremsanlage besteht aus innenbelüfteten Scheibenbremsen vorn und Bremstrommeln hinten (bei mir ohne ABS – ist aber auch zu finden).
Die Karoserie ist verzinkt und selbsttragend, Glas und Kunststoff dominieren den oberen Teil des Lancers, die Scheiben sind verklebt und somit als ebenfalls zu tragenden Teilen zu zählen, Stossfänger und Zierleisten sind in der Regel in Wagenfarbe lackiert, alles in allem ist das Erscheinungsbild des Lancers eher rundlich, dennoch hat er eine eigenständige und von weitem bereits identifizierbare Silhouette. Spiegel und Beleuchtungseinheiten wurden von Mitsubishi weitgehend geschwungen in das Konzept integriert und passen sich optisch an die abgerundete Form des ganzen Autos an. Die Front ist tief heruntergezogen, der filigrane Doppelscheinwerfergrill (Scheinwerfer und Nebelscheinwerfer) mit den nach hinten gezogenen Blinkern vermittelt den Eindruck eines dauernden (asiatischen?) Grinsens. Das Heck hingegen wirkt brav und rund, ja fast bieder und wird von der, weit in die Seitenteile gezogenen, Heckscheibe dominiert. Die Stossfängerschürzen reichen weit nach unten und wirken trotzdem auf den ersten Blick nicht sonderlich sportlich - Der Lancer wird gerne als Opa-Auto geschmäht, was sicher so nicht stimmt.
Bereits aufgetauchte Schäden & Macken
Manche Krankheiten tauchen häufiger bei einem Modell auf, als andere – der Getriebeschaden ist in diesem Baujahr (91) leider keine Seltenheit, wie ich mittlerweile weiss, er hatte sich auch schon lange vorher durch unnatürliches Pfeifen der Synchronringe angekündigt – bis zum Big-Bang vergingen aber immerhin 2 Jahre. Andere Sachen, wie rubbelnde, pulsierend wirkende Bremsen gehören auch zu den regelmässigen Macken. Hier ein Auszug aus dem „Krankenblatt“ des Lancers:
Bremsanlage – ein Born ständiger Freude und Bastelei, bei meinem Modell ist die Bremsanlage zwar auch schon innen-belüftet, jedoch falsch dimensioniert, will heissen: Die Belag-Reibfläche ist im Verhältnis zum Bremsscheibendurchmesser zu gross, was dazu führt, dass nach spätestens 2000 – 3000 Kilometern Fahrleistung die Bremsscheiben anfangen sich zu verziehen und ein Pulsieren beim Bremsen auftritt, die Bremsleistung an sich, bleibt hingegen erhalten...ein nerviger Fehler, der in späteren Baureihen seitens Mitsubishi konstruktiv geändert wurde. Es ist dringend anzuraten vor Austausch, der Klötze und Scheiben unbedingt mittels Fz-Schein zu klären, welche Version verbaut wurde – die Neue Ausführung passt natürlich nicht auf die Alte (und umgekehrt). Zudem gibt’s die alte Version NUR bei Mitsubishi zu kaufen und nicht im Zubehör – dort erhält man ausschliesslich die neue Ausführung der Bremsanlage (Klötze, Scheiben, Sättel)...also Vorsicht!
Fahrwerk – Ich musste bereits einmal das komplette vordere Fahrwerk austauschen, inklusive: Achswellen (ausgeschlagen), Radlager (beidseitig platt), diverse Fett-Manschetten und Kugelköpfe (Achs-Querlenker, Koppelstangen) der ganze Spass hat etwa 1400 .- DM allein an Ersatzteilen verschlungen und etwa 2 Tage Arbeit (auf einer Werkstatt-Bühne) erfordert, zum Glück gibt’s die meisten Teile auch im Zubehör zu kaufen und man muss nicht komplett auf die sauteueren Original-Teile zurückgreifen. Seither habe ich was das angeht Ruhe – lediglich die Stossdämpfer sind mal wieder hin: sie müssen demnächst ausgetauscht werden.
Auspuff – Als Kat-Fahrzeugbesitzer ist man beinahe gezwungen, alle Naselang zumindest den End-Topf auszutauschen, weil sich darin naturgemäss immer sehr viel Kondenswasser bildet. Der Lancer ist dort keine Ausnahme: Einmal lässt sich der Pott bestimmt schweissen, wenn’s wieder löchrig wird ist dann ein Austausch fällig. E-Teile bekommt man im Zubehör wesentlich billiger dafür aber qualitativ schlechter so sind beispielsweise alle Auspuffteile von Mitsubishi original mit Gummi-Buchsen stabil verschraubt und somit unverlierbar angebracht – Zubehörteile werden lediglich in Gummi-Ringe unter dem Fahrzeug eingehängt, hier muss jeder selbst wissen, welches Preis/Leistungsverhältnis er gerne hätte - ich persönlich nehme die Zubehörteile, weil die etwa 2/3 billiger zu haben sind.
Getriebe – ein weiterer Schwachpunkt des Lancer/Colt und sicher nicht nur meines eigenen. Immer wieder hört man von Pfeifgeräuschen bei bestimmten Baujahren, die später in einem Totalausfall gipfeln – so geschehen ja auch bei mir. Neuere Lancer haben diese Probleme nicht mehr, achten sollte man bei Gebrauchtfahrzeugen bis einschliesslich Baujahr 1992 auf verstärkte Getriebegeräusche (heulen oder sanftes Wimmern) und sauberes Schaltverhalten (kein Haken oder Schlagen des Schalthebels). Der Getriebeaustausch ist auch für den guten Hobby-Bastler kein einfaches Unterfangen, aber schaffbar, dabei ist die Kupplung idealerweise gleich mit auszutauschen, wenn sie schon eine gewisse Laufleistung hinter sich hat (und bitte komplett: Scheibe, Ausrücklager und Automat). Zu Beachten ist, dass es verschiedene Getriebe/Kupplungsversionen gibt: 200 mm (90 PS ECI-Maschine) und 180 mm Durchmesser (70 PS N-Maschine) – Wichtig: Getriebekennung abschreiben und nur 100% gleiches Getriebe (Schrottplatz) besorgen ! Ein Getriebe bei Mitsubishi zu kaufen ist ruinös, dafür sind (ohne Einbau!) nämlich etwa 2000.- € fällig, während ein gutes, gebrauchtes etwa für 180 – 250 € zu bekommen ist.
Motor und Aggregate – Wie alle Verschleissteile, sind irgendwann mal Zündkerzen, Riemen (Keil- Zahnrippen- und Zahnriemen) auszutauschen, Der Motor selbst hat mich bisher nie im Stich gelassen, solange er gut gewartet wird (das muss nicht unbedingt die Werkstatt machen). Keil- und Zahnrippenriemen, Zündkerzen und alle Verbrauchsflüssigkeiten sollten regelmässig auf Funktion und/oder Beschädigung/Verschleiss geprüft werden. Brems- und Kupplungshydraulikflüssigkeit (DOT 3 oder 4) ist spätestens alle 2 Jahre auszutauschen – Der Keil- und Zahnrippenriemen etwa ebenfalls in diesem Zeitraum, sobald brüchig oder ausgefranst. Der Zahnriemen (für den ein beträchtlicher Teil des Motors zerlegt werden muss), ist werksseitig vorgegeben nach 90.000 km Laufleistung zu erneuern, bei Bedarf auch die zugehörige Spannrolle. Hierfür nehme ich grundsätzlich Mitsubishi-Original Riemen, da diese bessere Rundlaufeigenschaften aufweisen und auch nicht dazu neigen zu quitschen oder zu zirpen – der Mehrpreis ist mir das jedes Mal wert. Zündkerzen sind nach etwa 15.000 verbraucht und sollten dann ausgewechselt werden, diese Arbeit ist recht simpel selbst durchzuführen – Zündkabel und Verteiler sind nur bei Bedarf/Defekt zu ersetzen, es macht keinen Sinn sie vorzeitig zu erneuern, es sei denn, augenfällige Beschädigungen sind beim Routine-Check deutlich zu sehen.
Fazit
Ich kenne den kleinen Reiskocher nun schon einige Jährchen und hab mich bereits jetzt an ihn gewöhnt und als „mein“ Auto akzeptiert. Er ist recht sparsam (etwa 8 Liter Drittel-Mix) und zuverlässig – doch wehe, wenn sich ein Defekt anbahnt: Dieser ist sofort zu beheben, durch die Komplexität der Konstruktion werden bei Verschludern meist weitere Teile in Mitleidenschaft gezogen...da ist er eigen („entweder Du reparierst mich SOFORT, oder ich mach noch ein paar andere Sachen kaputt!“). Ansonsten bietet er mir mit meinen 1.70m Grösse mehr als genug Platz und Komfort, zudem ist er mit allem ausgestattet, was man allgemeinhin für seine Bequemlichkeit braucht, beinahe alles ist elektrisch und auch noch gut zu bedienen : u.a. Fensterheber, Spiegel (elek. Verstellbar und beheizbar), Glasschiebe- Hubdach – die Serienausstattung japanischer Fahrzeuge ist ja legendär...Vom Fahrverhalten her ist er für seien 90 PS eher gemütlich und kein Renner, dafür sind seine Fahreigenschaften auch nicht unbedingt sportlich sondern eher Familientauglich ausgelegt – kurzum: brav!
Wer selbst repariert muss schon mal einige „krumme“ Schlüsselgrössen im Werkzeugkasten haben 12, 14, 15 und 22mm sind hier Standard, auch bei der Batterie ist Vorsicht geboten, Mitsubishi baut (für uns Europäer) „verpolte“ Blei-Akkus ein, bei denen Plus und Minuspol vertauscht sind. Bei Scheibenwischern ist auch Vorsicht geboten – der Rechte ist tatsächlich kürzer als der Linke! Also nicht wundern, wenn ein Wischerblatt aus dem Zubehör (und nicht original bei Mitsubishi) gekauft wurde irgendwie zu lang erscheint, das ist wirklich normal und stört auch nicht weiter...sieht nur blöd aus, funktioniert aber trotzdem ;-)
Die Ersatzteile sind recht teuer und zuweilen mit grosser Akrobatik einzubauen, was an dem kompakten Design liegt wo so viele Spielereien auf einem Fleck sind kann natürlich nicht viel Platz für Wartungsfreundlichkeit sein. Dennoch ich mag den kleinen Asiaten und werde ihn so langsam wieder geradebiegen, was auch für die mitgenommene Karosserie gilt...mal schauen...wenn ich mal gaaaaanz viel Zeit und Lust habe lackiere ich ihn vielleicht auch noch neu (zumindest partiell muss ich das sowieso). Mir reichen Motorisierung und Komfort allemal aus, ich bin weder Rennfahrer noch mache ich besonderen Kult um’s Auto, er soll fahren und das möglichst wirtschaftlich und technisch unbedenklich - Rost findet man auch bei diesem recht fortgeschrittenen Alter von 11 Jahren nicht an dem Auto...der Verzinkung sei Dank! ;-)
Allseits gute Fahrt
Jürgen
Anmerkung:
Dieser Bericht ist in ähnlicher Form auch bei Ciao und Dooyoo zu finden.
Die Vorgeschichte
Kennengelernt habe ich mein neues Bastelprojekt bereits vor 11 Jahren, als ein Bekannter von mir und meiner damaligen Partnerin, sich den Lancer in der 5-Türer Fliessheck Variante mit dem 90 PS starken 1,5 liter ECI Maschine 1991 zulegte – 6 Jahre später kaufte sie den Wagen dann, um ihren mittlerweile doch recht altersschwachen Kadett-D in seine wohlverdiente Rente zu schicken. Im Februar diesen Jahres habe ich den Lancer schliesslich „geerbt“ nachdem das Getriebe sich verabschiedet hatte und sie sich einen neuen Gebrauchten zulegte – meinen ollen Audi 80 hatte - zu allem Überfluss – kürzlich ein unangenehmer Zeitgenosse zu Klump gefahren (mit Fahrerflucht) und ich konnte ein gutes Auto wirklich gebrauchen, da der Aufwand den Audi wieder vollständig herzurichten zwar möglich aber vollkommen unwirtschaftlich gewesen wäre. Der Lancer kam also trotz seines sicherlich nicht geringen Defekts sehr gelegen und blieb somit sein ganzes bisheriges, mechanisches Leben quasi irgendwie „in der Familie“, seit nunmehr 6 Jahren – reparaturtechnisch gesehen - sogar komplett unter meinen heilenden Händen...ich wusste also sehr genau, worauf ich mich da einlasse. Heute ist der Wagen fast vollkommen durchrepariert, bis auf einige kleinere optische (hauptsächlich Karosserie-)Schäden, die im Laufe der nächsten Wochen peu á peu aber noch korrigiert werden. Da aber zumindest schon mal die CarHifi (also manche Sachen MÜSSEN bei mir halt sein - siehe die anderen Berichte) wieder Einzug gehalten hat, bin ich motiviert den Rest auch noch nach Kräften möglichst in „Nahe-Originalzustand“ zurückzubringen, denn ich hab mich ja bereits seit langem mit dem manchmal etwas launischen, asiatischen Kerlchen richtiggehend angefreundet.
Eine kleine Übersicht
Technisch gesehen sind Colt und Lancer konstruktiv beinahe identisch, das heisst nicht nur in der Optik , sondern Schrullen und Ersatzteile haben die beiden meist ebenfalls gemeinsam, der Lancer ist lediglich die Limousinenform und somit länger als der Colt. Zudem gibt es den Lancer auch als Kombi, weiter verbreitet ist allerdings das Modell, dass auch ich fahre: den 5- Türer Fliessheck. Der 4-Zylinder 1,5 Liter Benzin-Motor meines Lancers existiert in 2 Versionen, zum Einen als Mono-Einspritzer mit 70 PS und zum Anderen der ECI-Version mit Mehrfach-Einspritzung (MPI genannt) und 90 PS. Der Lancer hat den Motor quer zur Fahrtrichtung eingebaut, gebietet über eine obenliegende Nockenwelle aber keine (!) Hydro-Stößel (aka „hydraulische Ventilspielausgleicher“), sehr seltsam für ein Auto dieser Generation. Das 5-Gang Getriebe wird von einer Einscheiben-Trockenkupplung ausgekuppelt, welche bei dieser Version hydraulisch betätigt wird, Servolenkung ist Serie und Klimaanlage/Glas Hub- und Schiebedach sind optional. Die Bremsanlage besteht aus innenbelüfteten Scheibenbremsen vorn und Bremstrommeln hinten (bei mir ohne ABS – ist aber auch zu finden).
Die Karoserie ist verzinkt und selbsttragend, Glas und Kunststoff dominieren den oberen Teil des Lancers, die Scheiben sind verklebt und somit als ebenfalls zu tragenden Teilen zu zählen, Stossfänger und Zierleisten sind in der Regel in Wagenfarbe lackiert, alles in allem ist das Erscheinungsbild des Lancers eher rundlich, dennoch hat er eine eigenständige und von weitem bereits identifizierbare Silhouette. Spiegel und Beleuchtungseinheiten wurden von Mitsubishi weitgehend geschwungen in das Konzept integriert und passen sich optisch an die abgerundete Form des ganzen Autos an. Die Front ist tief heruntergezogen, der filigrane Doppelscheinwerfergrill (Scheinwerfer und Nebelscheinwerfer) mit den nach hinten gezogenen Blinkern vermittelt den Eindruck eines dauernden (asiatischen?) Grinsens. Das Heck hingegen wirkt brav und rund, ja fast bieder und wird von der, weit in die Seitenteile gezogenen, Heckscheibe dominiert. Die Stossfängerschürzen reichen weit nach unten und wirken trotzdem auf den ersten Blick nicht sonderlich sportlich - Der Lancer wird gerne als Opa-Auto geschmäht, was sicher so nicht stimmt.
Bereits aufgetauchte Schäden & Macken
Manche Krankheiten tauchen häufiger bei einem Modell auf, als andere – der Getriebeschaden ist in diesem Baujahr (91) leider keine Seltenheit, wie ich mittlerweile weiss, er hatte sich auch schon lange vorher durch unnatürliches Pfeifen der Synchronringe angekündigt – bis zum Big-Bang vergingen aber immerhin 2 Jahre. Andere Sachen, wie rubbelnde, pulsierend wirkende Bremsen gehören auch zu den regelmässigen Macken. Hier ein Auszug aus dem „Krankenblatt“ des Lancers:
Bremsanlage – ein Born ständiger Freude und Bastelei, bei meinem Modell ist die Bremsanlage zwar auch schon innen-belüftet, jedoch falsch dimensioniert, will heissen: Die Belag-Reibfläche ist im Verhältnis zum Bremsscheibendurchmesser zu gross, was dazu führt, dass nach spätestens 2000 – 3000 Kilometern Fahrleistung die Bremsscheiben anfangen sich zu verziehen und ein Pulsieren beim Bremsen auftritt, die Bremsleistung an sich, bleibt hingegen erhalten...ein nerviger Fehler, der in späteren Baureihen seitens Mitsubishi konstruktiv geändert wurde. Es ist dringend anzuraten vor Austausch, der Klötze und Scheiben unbedingt mittels Fz-Schein zu klären, welche Version verbaut wurde – die Neue Ausführung passt natürlich nicht auf die Alte (und umgekehrt). Zudem gibt’s die alte Version NUR bei Mitsubishi zu kaufen und nicht im Zubehör – dort erhält man ausschliesslich die neue Ausführung der Bremsanlage (Klötze, Scheiben, Sättel)...also Vorsicht!
Fahrwerk – Ich musste bereits einmal das komplette vordere Fahrwerk austauschen, inklusive: Achswellen (ausgeschlagen), Radlager (beidseitig platt), diverse Fett-Manschetten und Kugelköpfe (Achs-Querlenker, Koppelstangen) der ganze Spass hat etwa 1400 .- DM allein an Ersatzteilen verschlungen und etwa 2 Tage Arbeit (auf einer Werkstatt-Bühne) erfordert, zum Glück gibt’s die meisten Teile auch im Zubehör zu kaufen und man muss nicht komplett auf die sauteueren Original-Teile zurückgreifen. Seither habe ich was das angeht Ruhe – lediglich die Stossdämpfer sind mal wieder hin: sie müssen demnächst ausgetauscht werden.
Auspuff – Als Kat-Fahrzeugbesitzer ist man beinahe gezwungen, alle Naselang zumindest den End-Topf auszutauschen, weil sich darin naturgemäss immer sehr viel Kondenswasser bildet. Der Lancer ist dort keine Ausnahme: Einmal lässt sich der Pott bestimmt schweissen, wenn’s wieder löchrig wird ist dann ein Austausch fällig. E-Teile bekommt man im Zubehör wesentlich billiger dafür aber qualitativ schlechter so sind beispielsweise alle Auspuffteile von Mitsubishi original mit Gummi-Buchsen stabil verschraubt und somit unverlierbar angebracht – Zubehörteile werden lediglich in Gummi-Ringe unter dem Fahrzeug eingehängt, hier muss jeder selbst wissen, welches Preis/Leistungsverhältnis er gerne hätte - ich persönlich nehme die Zubehörteile, weil die etwa 2/3 billiger zu haben sind.
Getriebe – ein weiterer Schwachpunkt des Lancer/Colt und sicher nicht nur meines eigenen. Immer wieder hört man von Pfeifgeräuschen bei bestimmten Baujahren, die später in einem Totalausfall gipfeln – so geschehen ja auch bei mir. Neuere Lancer haben diese Probleme nicht mehr, achten sollte man bei Gebrauchtfahrzeugen bis einschliesslich Baujahr 1992 auf verstärkte Getriebegeräusche (heulen oder sanftes Wimmern) und sauberes Schaltverhalten (kein Haken oder Schlagen des Schalthebels). Der Getriebeaustausch ist auch für den guten Hobby-Bastler kein einfaches Unterfangen, aber schaffbar, dabei ist die Kupplung idealerweise gleich mit auszutauschen, wenn sie schon eine gewisse Laufleistung hinter sich hat (und bitte komplett: Scheibe, Ausrücklager und Automat). Zu Beachten ist, dass es verschiedene Getriebe/Kupplungsversionen gibt: 200 mm (90 PS ECI-Maschine) und 180 mm Durchmesser (70 PS N-Maschine) – Wichtig: Getriebekennung abschreiben und nur 100% gleiches Getriebe (Schrottplatz) besorgen ! Ein Getriebe bei Mitsubishi zu kaufen ist ruinös, dafür sind (ohne Einbau!) nämlich etwa 2000.- € fällig, während ein gutes, gebrauchtes etwa für 180 – 250 € zu bekommen ist.
Motor und Aggregate – Wie alle Verschleissteile, sind irgendwann mal Zündkerzen, Riemen (Keil- Zahnrippen- und Zahnriemen) auszutauschen, Der Motor selbst hat mich bisher nie im Stich gelassen, solange er gut gewartet wird (das muss nicht unbedingt die Werkstatt machen). Keil- und Zahnrippenriemen, Zündkerzen und alle Verbrauchsflüssigkeiten sollten regelmässig auf Funktion und/oder Beschädigung/Verschleiss geprüft werden. Brems- und Kupplungshydraulikflüssigkeit (DOT 3 oder 4) ist spätestens alle 2 Jahre auszutauschen – Der Keil- und Zahnrippenriemen etwa ebenfalls in diesem Zeitraum, sobald brüchig oder ausgefranst. Der Zahnriemen (für den ein beträchtlicher Teil des Motors zerlegt werden muss), ist werksseitig vorgegeben nach 90.000 km Laufleistung zu erneuern, bei Bedarf auch die zugehörige Spannrolle. Hierfür nehme ich grundsätzlich Mitsubishi-Original Riemen, da diese bessere Rundlaufeigenschaften aufweisen und auch nicht dazu neigen zu quitschen oder zu zirpen – der Mehrpreis ist mir das jedes Mal wert. Zündkerzen sind nach etwa 15.000 verbraucht und sollten dann ausgewechselt werden, diese Arbeit ist recht simpel selbst durchzuführen – Zündkabel und Verteiler sind nur bei Bedarf/Defekt zu ersetzen, es macht keinen Sinn sie vorzeitig zu erneuern, es sei denn, augenfällige Beschädigungen sind beim Routine-Check deutlich zu sehen.
Fazit
Ich kenne den kleinen Reiskocher nun schon einige Jährchen und hab mich bereits jetzt an ihn gewöhnt und als „mein“ Auto akzeptiert. Er ist recht sparsam (etwa 8 Liter Drittel-Mix) und zuverlässig – doch wehe, wenn sich ein Defekt anbahnt: Dieser ist sofort zu beheben, durch die Komplexität der Konstruktion werden bei Verschludern meist weitere Teile in Mitleidenschaft gezogen...da ist er eigen („entweder Du reparierst mich SOFORT, oder ich mach noch ein paar andere Sachen kaputt!“). Ansonsten bietet er mir mit meinen 1.70m Grösse mehr als genug Platz und Komfort, zudem ist er mit allem ausgestattet, was man allgemeinhin für seine Bequemlichkeit braucht, beinahe alles ist elektrisch und auch noch gut zu bedienen : u.a. Fensterheber, Spiegel (elek. Verstellbar und beheizbar), Glasschiebe- Hubdach – die Serienausstattung japanischer Fahrzeuge ist ja legendär...Vom Fahrverhalten her ist er für seien 90 PS eher gemütlich und kein Renner, dafür sind seine Fahreigenschaften auch nicht unbedingt sportlich sondern eher Familientauglich ausgelegt – kurzum: brav!
Wer selbst repariert muss schon mal einige „krumme“ Schlüsselgrössen im Werkzeugkasten haben 12, 14, 15 und 22mm sind hier Standard, auch bei der Batterie ist Vorsicht geboten, Mitsubishi baut (für uns Europäer) „verpolte“ Blei-Akkus ein, bei denen Plus und Minuspol vertauscht sind. Bei Scheibenwischern ist auch Vorsicht geboten – der Rechte ist tatsächlich kürzer als der Linke! Also nicht wundern, wenn ein Wischerblatt aus dem Zubehör (und nicht original bei Mitsubishi) gekauft wurde irgendwie zu lang erscheint, das ist wirklich normal und stört auch nicht weiter...sieht nur blöd aus, funktioniert aber trotzdem ;-)
Die Ersatzteile sind recht teuer und zuweilen mit grosser Akrobatik einzubauen, was an dem kompakten Design liegt wo so viele Spielereien auf einem Fleck sind kann natürlich nicht viel Platz für Wartungsfreundlichkeit sein. Dennoch ich mag den kleinen Asiaten und werde ihn so langsam wieder geradebiegen, was auch für die mitgenommene Karosserie gilt...mal schauen...wenn ich mal gaaaaanz viel Zeit und Lust habe lackiere ich ihn vielleicht auch noch neu (zumindest partiell muss ich das sowieso). Mir reichen Motorisierung und Komfort allemal aus, ich bin weder Rennfahrer noch mache ich besonderen Kult um’s Auto, er soll fahren und das möglichst wirtschaftlich und technisch unbedenklich - Rost findet man auch bei diesem recht fortgeschrittenen Alter von 11 Jahren nicht an dem Auto...der Verzinkung sei Dank! ;-)
Allseits gute Fahrt
Jürgen
Anmerkung:
Dieser Bericht ist in ähnlicher Form auch bei Ciao und Dooyoo zu finden.
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