Mont Blanc Füller Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 08/2003
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Erfahrungsbericht von LeaofRafiki
Edler geht's nimmer
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Manchmal bringt das Stöbern in alten Kisten, Schubladen, oder auch Kategorien Dinge, Gegenstände und Gedanken hervor, die man längst vergessen hatte.
So liegt er nun vor mir, knapp 11 cm lang, in gradlinigem Design und edlem Schwarz mit feinem Goldrand. Seine Hülle arg verkratzt, seine zarte Feder immer noch leicht verbogen, obwohl ich ihm schon vor Jahren, fast Jahrzehnten eine neue hatte spendieren wollen. Die violette Tinte, die er Tag für Tag, Zeile für Zeile auf\'s Papier hat laufen lassen, eingetrocknet... Und obwohl er jahrelang ein Schattendasein in einer Kiste mit anderem Schreibwerkzeug fristete, ist es nun an der Zeit, ihn zu neuem Leben zu erwecken.
Was hat er nicht alles niedergeschrieben! Geschichten erzählen könnte er...
Von der Zeit, als er noch der Mutter gehörte und ein reines Arbeitswerkzeug war, im Büro täglich brav seinen Dienst ableistete, wenn sie zum Chef zum Stenogramm gerufen wurde... Wie viele Arztberichte, wie viele Menschenschicksal sind durch seine Feder geflossen...
Füller verleiht man nicht - man verschenkt sie höchstens.
So wechselte er eines Tages von der Mutter zur Tochter.
Schulaufgaben hat er da geschrieben, Klassenarbeiten, kleine Geheimbotschaften und Spickzettel, Liebesbriefe - und, jeden Tag und jede Nacht Tagebuch. Geheimnis um Geheimnis wurde ihm anvertraut, die er mit seiner dünnen und zarten Goldfeder auf Papier brachte, so klein, wurde ihre Schrift mit seiner Hilfe, daß auf kariertem Papier jede Zeile beschrieben werden konnte und sie heute eine Lupe bräuchte, um es entziffern zu können. Aber immer in violett, alles andere wäre Frevel, wäre Stilbruch gewesen.
Mit dem Alter kamen die Macken, nein, nicht bei ihr, sondern bei ihm, er verteilte seine Tinte nicht mehr nur gleichmäßig über das Papier, sondern auch bei jedem Aufschrauben seiner schwarzen Kappe mit dem weißen Stern, der wie eine Aufsicht auf den ihm den Namen gegeben habenden Berg anmutet: MONTBLANC, auch auf ihre Finger, so daß sie ihn seltener und seltener benutze, bis er eines Tages ganz in einer Schachtel mit anderen Erinnerungstücken verschwand, zumal er Konkurrenz erhalten hatte: einen Gattungsgenossen Marke Pelikan mit 18- Karat-Gold-Feder, grün-schwarz gestreiftem Schaft, schwarzer Kappe mit goldfarbenen Ringen und ebensolcher Klammer, der zudem mit einem Kugelschreiber und Bleistift derselbe Art den Platz in einem Lederetui teilte.
Aber es gibt ihn immer noch und nun ihm zu Ehren ein bißchen was zu seiner Geschichte:
Gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts, genauer gesagt 1883, erfand ein gewisser Lewis Edson Watermann das erste zuverlässige Tintenleitsystem, nachdem die Menschen jahrhundertelang zuvor entweder nur mit einer in das Tintenfaß eingetunkten Feder geschrieben hatten, die etwas Betuchteren hingegen ein Teil benutzen durften, in dessen Schacht Tinte geträufelt worden war. Watermanns System nun kontrollierte den Tintenfluß unabhängig von Feder und Schreibdruck, ja selbst von Temperatur oder Luftdruckverhältnissen, bei dem ein sogenannter Tintenleiter die exakte Tintenbedarfsmenge der Feder an einen Kollektor mitteilte und gleichzeitig den Druckausgleich im Tintenbehälter steuerte. Mittels winziger Lammellen, die sich allerdings gerne zusetzen, sammelt und portioniert ein solcher Kollektor die Tinte, wobei er zugleich als Kontrolleur und Bremse dient. Im Tintenbehälter selber wird die verbrauchte Tinte durch Luft ersetzt, damit kein Vakuum entsteht, wodurch der Tintenfluß gestoppt werden würde.
Ungefähr zeitgleich löste auch George S. Parker das Problem der vorher häufigen Tintenkleckse zugunsten gleichmäßiger Tintenströme mit einem System zum Auffüllen des sich leerenden Tintenbehälters mit Luft. Darüber hinaus entwickelte er einen gebogenen Tintenleiter, der dafür sorgte, daß nach dem Schreiben überflüssige Tinte aus der Feder in den Halter zurückkehrte, womit Feder und Vorderteil sauber blieben.
Gut zwanzig Jahre später begann ein Hamburger Schreibwarenhändler, vom ständig ins Tintenfaß tunken müssen unabhängigen Federhalter zu produzieren, 1906 dann mit Hilfe eines ortsansässigen Bankiers und eines Berliner Ingenieurs wurde eine Firma gegründet. 1908 stießen drei finanzkräftigen Unternehmer dazu und so entstand eine teure und exklusive Kollektion mit Namen \"Rouge et Noir\", die ein Stück französischer Lebensart und Weltläufigkeit vermitteln sollte. Aber bald wurde der rote Kappenkopf durch einen weißen ersetzt, später sogar dieser durch den berühmten weißen Stern auf dem schwarzen: der höchste Berg Europas, der Montblanc, sollte zum Symbol für höchste Qualität werden. Noch heute ist die Feder eines solchen Füllfederhalters Feder aus 14- oder 18-karätigem Gold, und wird von Hand eingeschrieben, bevor sie einen neuen Besitzer findet.
Warum aber heute, wo es doch neben Bleistiften (und längst ausgestorbenen Kopierstiften) Kugelschreiber, Filzschreiber, Ballpens in Massen und Billiganfertigung, darüber hinaus Computer und emails gibt noch mit der Handschreiben?
Weil es ein Stück LebensKultur ist!
Die Handschrift eines Menschen ist unverwechselbar, zu Papier Gebrachtes hat nahezu ewigen Bestand, im Gegensatz zu virtuellen Festplatten, CDs und Thermopapierfaxen. Und, je höher eine Kultur, desto höherwertig ihre Werkzeuge... Oder, um mit Goethe zu sprechen: \"Da mir die sinnliche Anschauung durchaus unentbehrlich ist, so werden mir vorzügliche Menschen durch ihre Handschrift auf eine magische Weise gegenwärtig.\"
Ein Füllfederhalter, erst recht ein so edles Teil von Montblanc (wobei auch der grüngestreife Pelikan nicht von schlechten Eltern ist) von Generation zu Generation weitervererbt, ist ein Stück weitergegebener Kultur. Diese gilt es zu bewahren.
A propos Kulturvermittlung, ich bin nicht der Meinung, daß ein Kind das Schreiben Lernen unbedingt mit einem solchen (!) Füllfederhalter angehen sollte, aber zu einem späteren Zeitpunkt ist es mit Sicherheit ein erhebendes Gefühl, sich solch eines edlen Schreibwerkzeuges bedienen zu dürfen. Allein schon das Ritual, ein Tintenfaß hervorzuholen, den Kolben herunterzuschrauben, mit der Feder in das dunkle Naß eintauchen und die Tinte aufzusaugen ist unbeschreiblich.
Im übrigen, es frage mich bitte niemand nach Preisen, diese bei Geschenken zu hinterfragen ist unhöflich, erst recht oder auch wenn sie schon Jahre zurückliegen.
© LeaofRafiki, 02.08.2002
***************************************************
ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick bei regelmäßig bei Ciao, häufig bei Dooyoo und doch wieder Yopi, seltener bei Ecomments und Griasdi, und so gut wie gar nicht mehr bei Hitwin *grins*
So liegt er nun vor mir, knapp 11 cm lang, in gradlinigem Design und edlem Schwarz mit feinem Goldrand. Seine Hülle arg verkratzt, seine zarte Feder immer noch leicht verbogen, obwohl ich ihm schon vor Jahren, fast Jahrzehnten eine neue hatte spendieren wollen. Die violette Tinte, die er Tag für Tag, Zeile für Zeile auf\'s Papier hat laufen lassen, eingetrocknet... Und obwohl er jahrelang ein Schattendasein in einer Kiste mit anderem Schreibwerkzeug fristete, ist es nun an der Zeit, ihn zu neuem Leben zu erwecken.
Was hat er nicht alles niedergeschrieben! Geschichten erzählen könnte er...
Von der Zeit, als er noch der Mutter gehörte und ein reines Arbeitswerkzeug war, im Büro täglich brav seinen Dienst ableistete, wenn sie zum Chef zum Stenogramm gerufen wurde... Wie viele Arztberichte, wie viele Menschenschicksal sind durch seine Feder geflossen...
Füller verleiht man nicht - man verschenkt sie höchstens.
So wechselte er eines Tages von der Mutter zur Tochter.
Schulaufgaben hat er da geschrieben, Klassenarbeiten, kleine Geheimbotschaften und Spickzettel, Liebesbriefe - und, jeden Tag und jede Nacht Tagebuch. Geheimnis um Geheimnis wurde ihm anvertraut, die er mit seiner dünnen und zarten Goldfeder auf Papier brachte, so klein, wurde ihre Schrift mit seiner Hilfe, daß auf kariertem Papier jede Zeile beschrieben werden konnte und sie heute eine Lupe bräuchte, um es entziffern zu können. Aber immer in violett, alles andere wäre Frevel, wäre Stilbruch gewesen.
Mit dem Alter kamen die Macken, nein, nicht bei ihr, sondern bei ihm, er verteilte seine Tinte nicht mehr nur gleichmäßig über das Papier, sondern auch bei jedem Aufschrauben seiner schwarzen Kappe mit dem weißen Stern, der wie eine Aufsicht auf den ihm den Namen gegeben habenden Berg anmutet: MONTBLANC, auch auf ihre Finger, so daß sie ihn seltener und seltener benutze, bis er eines Tages ganz in einer Schachtel mit anderen Erinnerungstücken verschwand, zumal er Konkurrenz erhalten hatte: einen Gattungsgenossen Marke Pelikan mit 18- Karat-Gold-Feder, grün-schwarz gestreiftem Schaft, schwarzer Kappe mit goldfarbenen Ringen und ebensolcher Klammer, der zudem mit einem Kugelschreiber und Bleistift derselbe Art den Platz in einem Lederetui teilte.
Aber es gibt ihn immer noch und nun ihm zu Ehren ein bißchen was zu seiner Geschichte:
Gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts, genauer gesagt 1883, erfand ein gewisser Lewis Edson Watermann das erste zuverlässige Tintenleitsystem, nachdem die Menschen jahrhundertelang zuvor entweder nur mit einer in das Tintenfaß eingetunkten Feder geschrieben hatten, die etwas Betuchteren hingegen ein Teil benutzen durften, in dessen Schacht Tinte geträufelt worden war. Watermanns System nun kontrollierte den Tintenfluß unabhängig von Feder und Schreibdruck, ja selbst von Temperatur oder Luftdruckverhältnissen, bei dem ein sogenannter Tintenleiter die exakte Tintenbedarfsmenge der Feder an einen Kollektor mitteilte und gleichzeitig den Druckausgleich im Tintenbehälter steuerte. Mittels winziger Lammellen, die sich allerdings gerne zusetzen, sammelt und portioniert ein solcher Kollektor die Tinte, wobei er zugleich als Kontrolleur und Bremse dient. Im Tintenbehälter selber wird die verbrauchte Tinte durch Luft ersetzt, damit kein Vakuum entsteht, wodurch der Tintenfluß gestoppt werden würde.
Ungefähr zeitgleich löste auch George S. Parker das Problem der vorher häufigen Tintenkleckse zugunsten gleichmäßiger Tintenströme mit einem System zum Auffüllen des sich leerenden Tintenbehälters mit Luft. Darüber hinaus entwickelte er einen gebogenen Tintenleiter, der dafür sorgte, daß nach dem Schreiben überflüssige Tinte aus der Feder in den Halter zurückkehrte, womit Feder und Vorderteil sauber blieben.
Gut zwanzig Jahre später begann ein Hamburger Schreibwarenhändler, vom ständig ins Tintenfaß tunken müssen unabhängigen Federhalter zu produzieren, 1906 dann mit Hilfe eines ortsansässigen Bankiers und eines Berliner Ingenieurs wurde eine Firma gegründet. 1908 stießen drei finanzkräftigen Unternehmer dazu und so entstand eine teure und exklusive Kollektion mit Namen \"Rouge et Noir\", die ein Stück französischer Lebensart und Weltläufigkeit vermitteln sollte. Aber bald wurde der rote Kappenkopf durch einen weißen ersetzt, später sogar dieser durch den berühmten weißen Stern auf dem schwarzen: der höchste Berg Europas, der Montblanc, sollte zum Symbol für höchste Qualität werden. Noch heute ist die Feder eines solchen Füllfederhalters Feder aus 14- oder 18-karätigem Gold, und wird von Hand eingeschrieben, bevor sie einen neuen Besitzer findet.
Warum aber heute, wo es doch neben Bleistiften (und längst ausgestorbenen Kopierstiften) Kugelschreiber, Filzschreiber, Ballpens in Massen und Billiganfertigung, darüber hinaus Computer und emails gibt noch mit der Handschreiben?
Weil es ein Stück LebensKultur ist!
Die Handschrift eines Menschen ist unverwechselbar, zu Papier Gebrachtes hat nahezu ewigen Bestand, im Gegensatz zu virtuellen Festplatten, CDs und Thermopapierfaxen. Und, je höher eine Kultur, desto höherwertig ihre Werkzeuge... Oder, um mit Goethe zu sprechen: \"Da mir die sinnliche Anschauung durchaus unentbehrlich ist, so werden mir vorzügliche Menschen durch ihre Handschrift auf eine magische Weise gegenwärtig.\"
Ein Füllfederhalter, erst recht ein so edles Teil von Montblanc (wobei auch der grüngestreife Pelikan nicht von schlechten Eltern ist) von Generation zu Generation weitervererbt, ist ein Stück weitergegebener Kultur. Diese gilt es zu bewahren.
A propos Kulturvermittlung, ich bin nicht der Meinung, daß ein Kind das Schreiben Lernen unbedingt mit einem solchen (!) Füllfederhalter angehen sollte, aber zu einem späteren Zeitpunkt ist es mit Sicherheit ein erhebendes Gefühl, sich solch eines edlen Schreibwerkzeuges bedienen zu dürfen. Allein schon das Ritual, ein Tintenfaß hervorzuholen, den Kolben herunterzuschrauben, mit der Feder in das dunkle Naß eintauchen und die Tinte aufzusaugen ist unbeschreiblich.
Im übrigen, es frage mich bitte niemand nach Preisen, diese bei Geschenken zu hinterfragen ist unhöflich, erst recht oder auch wenn sie schon Jahre zurückliegen.
© LeaofRafiki, 02.08.2002
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ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick bei regelmäßig bei Ciao, häufig bei Dooyoo und doch wieder Yopi, seltener bei Ecomments und Griasdi, und so gut wie gar nicht mehr bei Hitwin *grins*
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