Motorola StarTac 130 Testbericht

Motorola-startac-130
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Summe aller Bewertungen
  • Design:  durchschnittlich
  • Qualität & Verarbeitung:  gut
  • Ausstattung:  gut

Erfahrungsbericht von DonNostradamus

Naja

  • Design:  durchschnittlich
  • Qualität & Verarbeitung:  gut
  • Ausstattung:  gut

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Große Klappe, nichts dahinter...

... mag so manch einer denken, wenn man vom Motorola StarTAC 130 spricht und was die Ausstattung angeht, muss man demjenigen sogar recht geben.
Dennoch waren die StarTACs seinerzeit sehr exklusive Geräte und das absolute Traum-Handy vieler Handybesitzer - heute sind sie zu begehrten Sammlerstücken geworden.
Aus diesem Grunde ist es das StarTAC auch heute noch wert, einmal genauer unter die Lupe genommen zu werden.


Der Lieferumfang:

Motorola war in puncto Standard-Lieferumfang schon immer recht spendabel und so ist es auch beim StarTAC 130: neben Handy, Akku, Ladegerät und der Anleitung befinden sich noch eine Ledertasche und eine portable Freisprecheinrichtung in dem hübschen, in blau gehaltenen Karton. Wenn man sich allerdings überlegt, dass jedes StarTAC-Modell anfänglich um die 1500,- DM gekostet hat, wirken die Beigaben schon nicht mehr so großzügig!


Die Äußerlichkeiten:

Viele, die ein StarTAC zum ersten Mal sehen, fühlen sich an einen \"Communicator\" aus der alten \"Raumschiff Enterprise\"-Serie erinnert - ich habe dies zumindest schon des öfteren zu Hören bekommen. Möglicherweise haben die Filmrequisiten ja sogar als Design-Vorlage für dieses Telefon gedient - dies wäre jedenfalls eine Erklärung warum die Modelle StarTAC heißen!
Das erste StarTAC war jedenfalls das weltweit erste Mobiltelefon in diesem sog. Clamshell-Design, bei dem sich das Gerät durch ein Scharnier in der Mitte zusammenklappen lässt. Heute ist dies nichts Besonderes mehr, zumal das Prinzip verbessert und tausendfach kopiert wurde; damals waren die StarTACs durch diesen Mechanismus jedoch die kleinsten und leichtesten Handys der Welt.
Wenn man das StarTAC 130 einmal mit einem der heutigen Klapp-Motorolas vergleicht fallen, von den geschrumpften Abmessungen einmal agesehen, zwei Unterschiede sofort ins Auge. Zum einen ist der Akku nicht wie heute üblich an der Rückseite angebracht, sondern sitzt oben an der Außenseite der Klappe. Das Display hingegen befindet sich nicht in der Klappe, sondern über der Tastatur im unteren Gehäuseteil, wie man an der Abbildung weiter unten erkennen kann. Die heutige Bauweise mit dem Display in der Klappe hat natürlich den Vorteil, dass man kleinere Geräte mit größeren Displays ausstatten kann.
Am linken Gehäuserand, kurz unter dem Scharnier befinden sich drei Tasten, von denen die obere und die untere zur Lautstärkeregelung und zum Blättern durch das Telefonbuch dienen. Die mittlere, die sog. Smart-Taste dient mehreren Zwecken; ich werde es nachhher noch erläutern.
Auf der Rückseite befindet sich eine Leuchtdiode, die im normalen Standby-Betrieb grün, bei Netzverlust rot und bei Verwendung eines Fremdnetzes gelborange blinkt. Bei einem ankommenden Anruf blinkt die LED abwechselnd grün-rot. Warum die LED allerdings auf der Rückseite platziert wurde, ist mir schleierhaft - wenn man sie zur optischen Rufsignalisierung verwenden will, muss man so das Telefon umgedreht hinlegen. Heutzutage werden derartige LEDs bei Klapp-Handys meist im Scharnier untergebracht, wo sie meiner Meinung nach auch am Vernünftigsten aufgehoben sind.
Das StarTAC 130 ist mit seinen 95 x 57 x 20 mm in zusammengeklapptem Zustand heutzutage kein wirklich kleines Gerät mehr, zumal auch noch eine knapp 3cm lange ausziehbare Antenne oben aus dem Gehäuse ragt. Damals waren die Abmessungen und das Gewicht von 108g jedoch revolutionär.
Das StarTAC 130 verwendet im Gegensatz zu seinen Vorgängern erstmals die kleine Plug-In SIM-Karte. Diese wird in einen kleinen Schieber eingelegt, der dann links unten im Gehäuse seinen Platz hat.
Die Gehäusefarbe meines StarTAC 130 ist schwarz, wie bei den allermeisten; sehr selten gibt jedoch auch eine dunkelgraue und eine silberne Variante, sowie eine bunte Limited Edition von Benetton.

Verarbeitung:

Die Verarbeitungsquälität des StarTAC 130 ist gut, die Gehäuseteile sind fest und solide miteinander verbunden. Drückt man das Telefon zusammen, macht sich ein leichtes Knarzen bemerkbar, das aber nicht ansatzweise so stark ist wie bei den Nachfolgemodellen v3688 und v3690.
Der Kunststoff, aus dem das Gehäuse gefertigt ist, macht allerdings keinen besonders hochwertigen Eindruck - vermutlich eine Konzession an die radikale Gewichtsersparnis.


Ausstattung:

Die Ausstattung des StarTAC 130 war auch schon zum Zeitpunkt seines Erscheinens eher mager, heute dürfte sie für die meisten Nutzer indiskutabel sein. Man muss bedenken, dass es 1998 auf den Markt kam - in diesem Jahr ist z.B. auch das Nokia 6110 erschienen. Während das Nokia seine Käufer mit graphischen Menüsymbolen, Situationsprofilen, Kalender, Infrarotschnittstelle und ähnlichem verwöhnte, bietet das StarTAC 130 zwar einen integrierten Vibrationsalarm und einen internen Speicher für 100 Rufnummern, ansonsten hinkt es aber in allen anderen Disziplinen der damaligen Konkurrenz hinterher. Es beherrscht allerdings die elementaren Funktionen: man kann damit telefonieren und auch SMS versenden - hieran vergeht einem wegen der extrem umständlichen Bedienung und dem fehlenden T9 aber schnell der Spaß.
Ein Motorola StarTAC kaufte man sich aber damals (und heute erst recht) nicht wegen der Ausstattung - es ist eben ein reines Design- und Prestige-Handy.


Bedienung, Menüführung:

Das Design fordert beim StarTAC seinen Tribut, da die Bedienungsfreundlichkeit darunter leidet! Beim Telefonieren mit dem Handy am Ohr lassen sich noch halbwegs ergonomische Positionen finden, beim Wählen oder beim Blättern durch das Menü liegt das Telefon alles andere als gut in der Hand.
Der untere Gehäuseteil ist zwar sehr flach, dafür aber auch recht breit, so dass man das Gerät am besten mit dem Daumen bedienen kann, wenn es flach auf den restlichen vier Fingern liegt. Dies wird aber dadurch erschwert, dass das aufgeklappte Handy durch den Akku in der Klappe äußerst kopflastig wird und man immer Angst hat, dass es einem aus der Hand fällt. Benutzt man statt dem bündig abschließenden Slim-Akku den dicken und deutlich schwereren Hochleistungsakku, wird diese Unausgewogenheit noch verstärkt - ein auf dem Tisch liegendes, aufgeklapptes StarTAC mit Hochleistungsakku kippt beim sanftesten Stupser \"hintenüber\".
Beim Nachfolgemodell, dem v3688, wurde dies gottseidank beseitigt.

Die Tasten liegen zwar recht flach im Geäuse und ziemlich dicht beieinander, sie sind aber gerade noch ausreichen dimensioniert, um einen gewissen Bedienkomfort zu bieten.
Display und Tastatur werden durch grüne LEDs ausreichend hell beleuchtet.
Unter dem Ziffernblock befinden sich noch ganze 7 weitere Tasten:

\"MR\" -> Nummer aus dem Tel.Buch aufrufen
\"M+\" -> neue Nummer speichern
\"Menü\" -> erklärt sich von selbst
\"OK\" -> zum Bestätigen/Anrufen/Auflegen
\"C\" -> Ziffern löschen/im Menü zürückgehen

Daneben gibt es noch die AN/AUS-Taste und die Pfeiltaste, die ins Quock-Access-Menü (s.u.) führt.


Die Menüführung ist die gleiche wie bei allen Motorolas dieses Alters und damit gelinde gesagt eine Katastrophe!
Durch meine Handysammlerei habe ich schon die
unterschiedlichsten Menüführungen kennengelernt, unter denen auch schon weniger logische waren - so verworren und umständlich wie die von Motorola war allerdings keine.
Über die \"Menü\"-Taste gelangt man in die oberste Menüebene, die aus den Punkten \"Telefonbuch\", \"Gesprächsoptionen\", \"Nachrichten\", \"Telefoneinstellung\", \"Netzauswahl\" und \"Gesprächszähler\" besteht. In diesen Hauptmenüs sind die einzelnen Unterpunkte mehr oder weniger konfus verteilt.
Geblättert wird mit der Stern- und der Rautetaste. Schön wäre es gewesen, wenn man auch die seitlichen Lautstärketasten zur Navigation durch das Menü hätte verwenden können; leider sind diese nur für das Blättern durch das Telefonbuch verwendbar.
Die eingangs erwähnte Smart-Taste dient zur Schnellauswahl von Telefonbucheinträgen und zum Annehmen und Beenden von Anrufen bei Verwendung der portablen Freisprecheinrichtung.
Ein Trost in dem verworrenen Menü ist der schon erwähnte Quick-Access: es können die Zifferntasten mit 9 häufig benutzten Funktionen nach Wahl belegt werden, so dass man schneller darauf zugreifen kann. Bei der minimalistischen Ausstattung des StarTAC sollte man mit dieser Möglichkeit um allzu häufige Ausflüge ins Menü-Labyrinth herumkommen.


Standby, Gesprächszeit:

Der standardmäßige Slim-Akku mit einer Kapazität von 500 mAh verleiht dem Gerät laut Motorola eine Standby-Zeit von maximal 50h - wie immer wurde dieser Wert unter optimierten Bedingungen ermittelt und spiegelt nicht die Realität wieder. Wenn man einen Tag mit dem StarTAC 130 unterwegs ist und es ein paarmal zum Telefonieren benutzt oder auch ein paar SMS empfängt, muss es abends wieder ans Netz oder wird dann über Nacht komplett leer.
Durch die Verwendung eines dickeren Hochleistungsakkus sollen sich die Standby-Zeiten auf 75 - 100h verlängern lassen, allerdings sieht das Telefon dann ein wenig unförmig und nicht mehr so elegant aus.
Ein Kuriosum ist der \"Tandem-Akku\" der hinten an das StarTAC angeklickt werden kann und dann zusätzlich zum normalen Akku Stromquelle dient - dass das Telefon durch den \"Huckepack-Akku\" nicht hübscher wird, dürfte klar sein. Ich besitze diesen Akku leider nicht und habe auch keine Standby-Werte in Erfahrung bringen können.


Empfang, Sprachqualität:

Motorola-Handys sind generell für ihre Empfangsstärke und ihre exzellente Sprachqualität bekannt - zumindest mein StarTAC 130 bleibt allerdings besonders in puncto Sprachqualität ein wenig hinter anderen Motorola-Geräten zurück. Der Gesprächspartner klingt recht leise und ein wenig \"trüb\". Neben einem recht deutlichen Grundrauschen treten des öfteren charakteristische GSM-Geräusche auf, die die Verständlichkeit vermindern.


Kultfaktor:

Extrem hoch!
StarTACs sind ebenso wie andere ältere Edelmodelle wie das Nokia 8110 oder das Siemens SL10D recht selten und damit absolute Hingucker! Während das 8110 nur durch den Film \"Die Matrix\" Berühmtheit erlangt hat, sind StarTACs in unzähligen Filmen jener Tage typische Yuppie-Accessoires. Jeder hat wohl schon einen Film gesehen, in dem irgend ein Mitglied der oberen Zehntausend sein StarTAC affektiert zuschnappen ließ.
Wer ganz dick auftragen will, kann versuchen, eins jener seltenen Exemplare zu ergattern, bei denen das Motorola-Logo durch einen Jaguar-Schriftzug ersetzt ist und die nur in Kombination mit einem der edlen Zwölfzylinder erhältlich waren.


Fazit:

Es funkt nur im D-Netz, es weist nur eine Minimalaussstattung auf, es besitzt nur schwache Standby-Zeiten und eine Menüführung, die diesen Namen eigentlich nicht verdient hat - es gibt also eigentlich keinen rationalen Grund, sich ein StarTAC 130 zuzulegen.
Legt man seinen Verstand einmal beiseite, findet man im StarTac einen Meilenstein der Handy-Geschichte und ein immer noch außergewöhnliches Gerät, das man recht selten sieht und das in keiner Handy-Sammlung fehlen darf!

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