Erfahrungsbericht von ZordanBodiak
...here we are now, entertain us...
Pro:
Überragende Kameraarbeit... Herrlich überzeichnete Figuren... Grandiose Darsteller... Göttliche Songs... Schlichtweg: SPECTACULAR! SPECTACULAR!
Kontra:
Definitiv nichts - wer den Film nicht mag, hat einfach Pech gehabt!!!
Empfehlung:
Ja
Vorschusslorbeeren für ein ausdrucksstarkes Musical. Die (angebliche) Neudefinition der Visualisierung. Schnell geschnitten. Ohne Atempause. Rastlos – und wahrlich ein Hochgenuss für den (musical-)begeisterten Cineasten! Ob dieses Kritikerlob jedoch geteilt werden kann? Wenn man auf die schwache Story vom in eine Kurtisane verliebten Dichter blickt, möchte man daran doch stark zweifeln. Wie oft hatte man doch schon eine verbotene Liebe auf der Leinwand erleben müssen, die vermutlich tragischen enden wird. Unvoreingenommen lehnt man sich zurück, versucht jegliche Vorurteile in Bezug auf die kitschige Liebesgeschichte zu verdrängen – und wird gänzlich umgehauen!
Schon die Eröffnungssequenz ist derartig ästhetisch – und lässt den exzentrischen Charme des Filmes vermuten. Eine rasante Kameraführung durch die engen Gassen Paris, langsam sich einfärbende Bilder. Von einem kleinwüchsigen Sänger [Toulouse-Lautrec] wird Christian – ein junger Londoner Dichter – eingeführt, den es entgegen der Warnungen seines Vaters in das sündige Montmartre gezogen hat. Wie von einem „schwarzen Loch“ wird der Zuschauer in diesen hektischen ersten Minuten schon in den Film hineingesogen. Hat jegliche Zweifel bezüglich der seichten Liebesgeschichte abgelegt. Verfällt der Sucht. Der Sucht nach neuen visuellen Einfällen – und diese bedient „Moulin Rouge!“ nur zu offensichtlich.
„Moulin Rouge!“ ist wild. Hektisch. Eine Herausforderung für die Augen – die zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd die Möglichkeit bietet sich zu entspannen. Viel zu schnell prasseln die von Jill Bilcock zusammengeschnittenen Bilder auf den Zuschauer herein. Werden noch von der rastlosen und stetig herumkreisenden Kamera Donald McAlpine formgerecht unterstützt. Vielleicht mag dies von vielen als „visueller Overkill“ bezeichnet werden – es ist aber gänzlich zweckgerichtet um den Charme der Pariser Boheme bebildern zu können.
Baz Luhrman – der schon vor wenigen Jahren den alternden Shakespeare mit „Romeo + Juliet / Romeo + Julia“ entstaubt hat – unterzieht dem scheinbar in Rente gegangenen Filmmusical einer bombastischen Verjüngungskur. Nicht nur visuell wird „Moulin Rouge!“ aufgepeppt. Auch inhaltlich wird die simple Geschichte vom mittellosen Dichter Christian, der irrtümlich für einen reichen Investor gehalten wird und bei seinem ersten Treffen dem Charme der Edel-Kurtisane Satine verfällt, phantastisch aufgewertet: Selbstverständlich wird in einem Musical als Dialogersatz viel gesungen – doch die Liedtexte werden mit größter Kreativität aus einzelnen Balladen-Klassikern der Pop-Geschichte zusammengestückelt. Elton Johns „Your Song“ vermischt sich urplötzlich mit Kiss’ “I was made for loving you” zu der ultimativen Liebesbotschaft. Madonnas „Like a virgin“ wird zur exzentrischen Entschuldigung für Satines „Abgeneigtheit“ gegenüber dem reichen Investor.
Doch die wohl famoseste Musik-Einlage dürfte nicht eine der zahllosen Liebeserklärungen sein, sondern vielmehr die Einführung in den sündigen Nachtclub. Lasziv wird „Lady Marmelade“ von den Dirnen besungen – unterlegt von einem seichten Cancan-Rhythmus – entgegenwirken dem eine Gruppe von männlichen Gästen, die „Smells like teen spirit“ zum Besten geben. Eine Melange voller Gegensätze. Perfekt intoniert – und über allem thront der grandiose Jim Broadbent – der im folgenden März (2002) einen Oscar für seine Nebenrolle in „Iris“ erhielt – als exzentrischer Nachclub-Besitzer Harold Zidler. Mit einer herrlich spöttischen Stimme singt er seine Zeilen, lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass er der bizarre Höhepunkt des Filmes ist.
Überhaupt ist Broadbent der heimliche (?) Star des „Moulin Rouges!“ – in jeder seiner Szenen spielt er sich mit seinem extravaganten Aussehen in den Vordergrund. Lässt jeden seiner Ensemble-Kollegen erblassen. Mit seinem hektischen, niemals ruhenden Spiel verleiht er der grandios-überzeichneten Figur des Harold Zidlers eine famose Ausstrahlung. Charismatisch, überkandidelt – und selbst wenn er nur eine Augenbraue bewegt. Broadbent ist DER Star des Filmes. Schlichtweg eine g-ö-t-t-l-i-c-h-e Vorstellung.
Aber nicht nur Zidlers Charakter ist eigentlich eine simple Karikatur. Alle Figuren werden derartig überspitzt dargestellt, dass diese sich in die zum Stilmittel erhobene Kitschigkeit des Filmes perfekt eingliedern. Christian ist derartig leichtgläubig und unbedarft in Sachen Liebe, dass man sich eigentlich schmerzverzerrt von dem Film abwenden möchte. Doch Ewan McGregors [„Trainspotting“ und „Star Wars – Episode 1 –3“] Spielfreude ist umwerfend. Ohne auch nur einen Moment zu zweifeln, nimmt man ihm den „Jungen vom Lande“ ab. Und dann ist da natürlich noch McGregors Stimme – und dass er durchaus ein großes Gesangstalent hat, kann er nun nach „A life less ordinary / Lebe lieber ungewöhnlich“ gänzlich untermauern. Er ertönt mit einer grandios-bassigen Stimme, die selbst vor hohen Tönen nicht kapituliert.
Erstaunlicherweise funktioniert – dank der phantastischen Bebilderung – aber auch die zu Herzen gehende Liebesgeschichte. Wenn sich herausstellt, dass Satine an der Schwindsucht leidet und die Liebe zwischen dem verarmten Dichter und dem „Sparkling Diamond“ zusätzlich erschwert wird, leidet der Betrachter mit. Er wünscht sich für die beiden herzhaft überzogenen Liebenden ein Happy-End. Ausschlaggebend hierfür sind jedoch nicht die vom Drehbuch tiefschürfend gezeichneten Figuren – vielmehr werden sie erst durch ihre brillanten Darsteller zu derartig sympathischen Charakteren, die zum Mitleiden einladen. Und so kann die „halbe Miete“ der besten Songzitat und der fürstlichen Bebilderung durch dieses Ensemble in meisterhafte Regionen erhoben werden.
Vielleicht mag man sich letztlich fragen, ob dieser hohe Qualitätswert auch ohne Nicole Kidman [Satine] in der Form ihres Lebens nur annähernd erreicht werden könnte – glücklicherweise muss man sich aber über derartige Mutmaßungen keine Gedanken machen! Die Ex-Frau von Tom Cruise spielt mit ihren Reizen, singt famos die jeweiligen Lieder, schrammt haarscharf am lächerlichen Over-Acting vorbei und lässt sich noch nicht einmal die Strapazen der Dreharbeiten (zwei gebrochene Rippen, Knie verletzt) anmerken. Eine Vorstellung, wie sie grandioser nicht sein könnte – einfach zum Verlieben!
Und so steht die Inszenierung natürlich gänzlich unter dem Scheffel der (filmischen) Boheme. Sie saugt förmlich deren Maxime Wahrheit, Schönheit, Freiheit und Liebe in sich auf. Und vor allem im Bereich der Ausstattung wird dies mehr als deutlich. Umwerfende Arbeit wurde von Catherine Martin und Angus Strathie bei den Kostümen [Oscar-honoriert!], die perlenbesetzt und voller Opulenz daherkommen, geleistet. Noch ausgefallener erscheint da nur das detailverliebte Bühnenbild [Catherine Martin und Brigitte Broch – ebenso Oscar-honoriert!]. Überall blinkt und glitzert es. Satines Gemach befindet sich in einem Elefanten, der mit überkitschigen Details wie dem herzförmigen Balkonfenster, den samtigroten Vorhängen und den vergoldeten Fensterrahmen wie eine Ausgeburt eines rosaroten Mädchentraumes erscheint. Jegliche Grenzen, die ein Filmemacher bisher in seiner Ausstattung zu haben schien, überbietet Luhrman. Er erhebt den Kitsch – wie schon erwähnt – zu einem phantastischen Stilmittel.
Aber auch der Griff in die Trickkiste ist grandios gelungen. Urplötzlich glitzern Augen auf. Oder John Leguizamos [Toulouse-Lautrec; zuvor u.a. „Spawn“, “Spun” oder „To Wong Fu, thanks for everything! Julie Newmar“] durfte nahezu die gesamte Länge des Filmes auf seinen Knien herumkriechen – um so den Effekt zu erzielen, dass Toulouse-Lautrec Beine kleiner erscheinen. Dass hierbei dank eines Blue-Screen-Verfahrens phantastische Arbeit geleistet worden ist, sollte nicht verwundern. Dass aber auch im Rahmen der Effekte ein Abdriften in die tiefsten Kitschschubladen nicht vermieden werden konnte, sollte nicht verwundern. Wer verfällt aber nicht in träumerische Schwärmerein, wenn die beiden Verliebten in einer nächtlichen Himmelslandschaft tanzen und der Mond ein kugelrundes Gesicht erhält – welches mit der Stimme von Plácido Domingo in das Gesangsgeschehen eingreift.
Letztlich sollte so nur noch schnell auf Richard Roxburgh eingegangen werden. Selbiger ist mit seinem strengen Blick und dem geschniegelten Oberlippenbart natürlich wie geschaffen für die Rolle des Duke, der mit seinem gesamten Geld versucht sich die Liebe von Satine zu erkaufen. Geradezu glanzvoll wird sein Auftreten jedoch erst wenn er mit brüchiger Stimme versucht in den Gesang der anderen Charaktere einzugreifen. Er erscheint als komplettes Gegenbild zum liebenswerten Christian und qualifiziert sich somit perfekt als klassischer „Bösewicht“.
Fazit - The greatest thing you'll ever learn is just to love, and be loved in return.
Kurz gesagt: Einfach ein absolutes Must-See! Klar, die wenigstens Musical-Feinde werden sich auch von „Moulin Rouge!“ gänzlich überzeugen lassen – schließlich werden auch hier massenhaft Emotionen mittels der eingebauten Songs vermittelt. Aber Baz Luhrmans Geniestreich lohtet auf einzigartige Weise die Grenzen der Visualisierung aus – und eine derartige Neudefinition sollte man sich nicht entgehen lassen. Zwar verliert „Moulin Rouge!“ auf einem Fernsehschirm etwas an Wirkung – doch selbst so kann diese famos-kitschige Schnittorgie [alleine die nicht einmal dreiminütige „Spectacular, spectacular“-Szene kommt mit über einhundert Schnitten daher] nicht zerstört werden. Nach der Sichtung kann man sich vor Baz Luhrmann verneigen und ihm dafür danken, dass er dem Videoclip-ästhetisierten Kino den Weg ins neue Jahrhundert ebnete!
Wer hingegen auch noch musiklastige Filme, mit einer äußerst humorvollen Liebesgeschichte verehrt, der kommt nun wirklich nicht an „Moulin Rouge!“ vorbei. Jegliche Erwartungen, die diese emotionalorientierte Zuschauergruppe an einen Film stellt, wird mit Baz Luhrmans Meisterwerk gänzlich befriedigt. Glänzend aufgelegte Schauspieler, eine blendende Choreographie, eine tränentreibende Liebesgeschichte und die wohl schönste Musical-Score, die einfach nur zum Dahinschmelzen einlädt. WHAT ELSE DO YOU WANT???
Wertung: Die Höchstwertung von 10 sündigen Punkten
Internet: www.moulinrouge.de
Schon die Eröffnungssequenz ist derartig ästhetisch – und lässt den exzentrischen Charme des Filmes vermuten. Eine rasante Kameraführung durch die engen Gassen Paris, langsam sich einfärbende Bilder. Von einem kleinwüchsigen Sänger [Toulouse-Lautrec] wird Christian – ein junger Londoner Dichter – eingeführt, den es entgegen der Warnungen seines Vaters in das sündige Montmartre gezogen hat. Wie von einem „schwarzen Loch“ wird der Zuschauer in diesen hektischen ersten Minuten schon in den Film hineingesogen. Hat jegliche Zweifel bezüglich der seichten Liebesgeschichte abgelegt. Verfällt der Sucht. Der Sucht nach neuen visuellen Einfällen – und diese bedient „Moulin Rouge!“ nur zu offensichtlich.
„Moulin Rouge!“ ist wild. Hektisch. Eine Herausforderung für die Augen – die zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd die Möglichkeit bietet sich zu entspannen. Viel zu schnell prasseln die von Jill Bilcock zusammengeschnittenen Bilder auf den Zuschauer herein. Werden noch von der rastlosen und stetig herumkreisenden Kamera Donald McAlpine formgerecht unterstützt. Vielleicht mag dies von vielen als „visueller Overkill“ bezeichnet werden – es ist aber gänzlich zweckgerichtet um den Charme der Pariser Boheme bebildern zu können.
Baz Luhrman – der schon vor wenigen Jahren den alternden Shakespeare mit „Romeo + Juliet / Romeo + Julia“ entstaubt hat – unterzieht dem scheinbar in Rente gegangenen Filmmusical einer bombastischen Verjüngungskur. Nicht nur visuell wird „Moulin Rouge!“ aufgepeppt. Auch inhaltlich wird die simple Geschichte vom mittellosen Dichter Christian, der irrtümlich für einen reichen Investor gehalten wird und bei seinem ersten Treffen dem Charme der Edel-Kurtisane Satine verfällt, phantastisch aufgewertet: Selbstverständlich wird in einem Musical als Dialogersatz viel gesungen – doch die Liedtexte werden mit größter Kreativität aus einzelnen Balladen-Klassikern der Pop-Geschichte zusammengestückelt. Elton Johns „Your Song“ vermischt sich urplötzlich mit Kiss’ “I was made for loving you” zu der ultimativen Liebesbotschaft. Madonnas „Like a virgin“ wird zur exzentrischen Entschuldigung für Satines „Abgeneigtheit“ gegenüber dem reichen Investor.
Doch die wohl famoseste Musik-Einlage dürfte nicht eine der zahllosen Liebeserklärungen sein, sondern vielmehr die Einführung in den sündigen Nachtclub. Lasziv wird „Lady Marmelade“ von den Dirnen besungen – unterlegt von einem seichten Cancan-Rhythmus – entgegenwirken dem eine Gruppe von männlichen Gästen, die „Smells like teen spirit“ zum Besten geben. Eine Melange voller Gegensätze. Perfekt intoniert – und über allem thront der grandiose Jim Broadbent – der im folgenden März (2002) einen Oscar für seine Nebenrolle in „Iris“ erhielt – als exzentrischer Nachclub-Besitzer Harold Zidler. Mit einer herrlich spöttischen Stimme singt er seine Zeilen, lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass er der bizarre Höhepunkt des Filmes ist.
Überhaupt ist Broadbent der heimliche (?) Star des „Moulin Rouges!“ – in jeder seiner Szenen spielt er sich mit seinem extravaganten Aussehen in den Vordergrund. Lässt jeden seiner Ensemble-Kollegen erblassen. Mit seinem hektischen, niemals ruhenden Spiel verleiht er der grandios-überzeichneten Figur des Harold Zidlers eine famose Ausstrahlung. Charismatisch, überkandidelt – und selbst wenn er nur eine Augenbraue bewegt. Broadbent ist DER Star des Filmes. Schlichtweg eine g-ö-t-t-l-i-c-h-e Vorstellung.
Aber nicht nur Zidlers Charakter ist eigentlich eine simple Karikatur. Alle Figuren werden derartig überspitzt dargestellt, dass diese sich in die zum Stilmittel erhobene Kitschigkeit des Filmes perfekt eingliedern. Christian ist derartig leichtgläubig und unbedarft in Sachen Liebe, dass man sich eigentlich schmerzverzerrt von dem Film abwenden möchte. Doch Ewan McGregors [„Trainspotting“ und „Star Wars – Episode 1 –3“] Spielfreude ist umwerfend. Ohne auch nur einen Moment zu zweifeln, nimmt man ihm den „Jungen vom Lande“ ab. Und dann ist da natürlich noch McGregors Stimme – und dass er durchaus ein großes Gesangstalent hat, kann er nun nach „A life less ordinary / Lebe lieber ungewöhnlich“ gänzlich untermauern. Er ertönt mit einer grandios-bassigen Stimme, die selbst vor hohen Tönen nicht kapituliert.
Erstaunlicherweise funktioniert – dank der phantastischen Bebilderung – aber auch die zu Herzen gehende Liebesgeschichte. Wenn sich herausstellt, dass Satine an der Schwindsucht leidet und die Liebe zwischen dem verarmten Dichter und dem „Sparkling Diamond“ zusätzlich erschwert wird, leidet der Betrachter mit. Er wünscht sich für die beiden herzhaft überzogenen Liebenden ein Happy-End. Ausschlaggebend hierfür sind jedoch nicht die vom Drehbuch tiefschürfend gezeichneten Figuren – vielmehr werden sie erst durch ihre brillanten Darsteller zu derartig sympathischen Charakteren, die zum Mitleiden einladen. Und so kann die „halbe Miete“ der besten Songzitat und der fürstlichen Bebilderung durch dieses Ensemble in meisterhafte Regionen erhoben werden.
Vielleicht mag man sich letztlich fragen, ob dieser hohe Qualitätswert auch ohne Nicole Kidman [Satine] in der Form ihres Lebens nur annähernd erreicht werden könnte – glücklicherweise muss man sich aber über derartige Mutmaßungen keine Gedanken machen! Die Ex-Frau von Tom Cruise spielt mit ihren Reizen, singt famos die jeweiligen Lieder, schrammt haarscharf am lächerlichen Over-Acting vorbei und lässt sich noch nicht einmal die Strapazen der Dreharbeiten (zwei gebrochene Rippen, Knie verletzt) anmerken. Eine Vorstellung, wie sie grandioser nicht sein könnte – einfach zum Verlieben!
Und so steht die Inszenierung natürlich gänzlich unter dem Scheffel der (filmischen) Boheme. Sie saugt förmlich deren Maxime Wahrheit, Schönheit, Freiheit und Liebe in sich auf. Und vor allem im Bereich der Ausstattung wird dies mehr als deutlich. Umwerfende Arbeit wurde von Catherine Martin und Angus Strathie bei den Kostümen [Oscar-honoriert!], die perlenbesetzt und voller Opulenz daherkommen, geleistet. Noch ausgefallener erscheint da nur das detailverliebte Bühnenbild [Catherine Martin und Brigitte Broch – ebenso Oscar-honoriert!]. Überall blinkt und glitzert es. Satines Gemach befindet sich in einem Elefanten, der mit überkitschigen Details wie dem herzförmigen Balkonfenster, den samtigroten Vorhängen und den vergoldeten Fensterrahmen wie eine Ausgeburt eines rosaroten Mädchentraumes erscheint. Jegliche Grenzen, die ein Filmemacher bisher in seiner Ausstattung zu haben schien, überbietet Luhrman. Er erhebt den Kitsch – wie schon erwähnt – zu einem phantastischen Stilmittel.
Aber auch der Griff in die Trickkiste ist grandios gelungen. Urplötzlich glitzern Augen auf. Oder John Leguizamos [Toulouse-Lautrec; zuvor u.a. „Spawn“, “Spun” oder „To Wong Fu, thanks for everything! Julie Newmar“] durfte nahezu die gesamte Länge des Filmes auf seinen Knien herumkriechen – um so den Effekt zu erzielen, dass Toulouse-Lautrec Beine kleiner erscheinen. Dass hierbei dank eines Blue-Screen-Verfahrens phantastische Arbeit geleistet worden ist, sollte nicht verwundern. Dass aber auch im Rahmen der Effekte ein Abdriften in die tiefsten Kitschschubladen nicht vermieden werden konnte, sollte nicht verwundern. Wer verfällt aber nicht in träumerische Schwärmerein, wenn die beiden Verliebten in einer nächtlichen Himmelslandschaft tanzen und der Mond ein kugelrundes Gesicht erhält – welches mit der Stimme von Plácido Domingo in das Gesangsgeschehen eingreift.
Letztlich sollte so nur noch schnell auf Richard Roxburgh eingegangen werden. Selbiger ist mit seinem strengen Blick und dem geschniegelten Oberlippenbart natürlich wie geschaffen für die Rolle des Duke, der mit seinem gesamten Geld versucht sich die Liebe von Satine zu erkaufen. Geradezu glanzvoll wird sein Auftreten jedoch erst wenn er mit brüchiger Stimme versucht in den Gesang der anderen Charaktere einzugreifen. Er erscheint als komplettes Gegenbild zum liebenswerten Christian und qualifiziert sich somit perfekt als klassischer „Bösewicht“.
Fazit - The greatest thing you'll ever learn is just to love, and be loved in return.
Kurz gesagt: Einfach ein absolutes Must-See! Klar, die wenigstens Musical-Feinde werden sich auch von „Moulin Rouge!“ gänzlich überzeugen lassen – schließlich werden auch hier massenhaft Emotionen mittels der eingebauten Songs vermittelt. Aber Baz Luhrmans Geniestreich lohtet auf einzigartige Weise die Grenzen der Visualisierung aus – und eine derartige Neudefinition sollte man sich nicht entgehen lassen. Zwar verliert „Moulin Rouge!“ auf einem Fernsehschirm etwas an Wirkung – doch selbst so kann diese famos-kitschige Schnittorgie [alleine die nicht einmal dreiminütige „Spectacular, spectacular“-Szene kommt mit über einhundert Schnitten daher] nicht zerstört werden. Nach der Sichtung kann man sich vor Baz Luhrmann verneigen und ihm dafür danken, dass er dem Videoclip-ästhetisierten Kino den Weg ins neue Jahrhundert ebnete!
Wer hingegen auch noch musiklastige Filme, mit einer äußerst humorvollen Liebesgeschichte verehrt, der kommt nun wirklich nicht an „Moulin Rouge!“ vorbei. Jegliche Erwartungen, die diese emotionalorientierte Zuschauergruppe an einen Film stellt, wird mit Baz Luhrmans Meisterwerk gänzlich befriedigt. Glänzend aufgelegte Schauspieler, eine blendende Choreographie, eine tränentreibende Liebesgeschichte und die wohl schönste Musical-Score, die einfach nur zum Dahinschmelzen einlädt. WHAT ELSE DO YOU WANT???
Wertung: Die Höchstwertung von 10 sündigen Punkten
Internet: www.moulinrouge.de
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